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Hallo!

Ich habe seit der Jugend soziale Phobie und Depression, habe studiert und habe eine Promotionsstelle (mit 6-7 Stunden am Tag). Die Stelle dort ist aus diversen Gründen nicht zufriedenstellend für mich, ich fühle mich mit dem Thema nicht wohl und komme auch nicht gut in die Gruppe rein. Nächste Woche steht die Entscheidung an, ob ich die Betreuung wechsle, und an der Uni bleibe, oder ob ich in einen normalen Beruf wechsle.
Vor letzterem habe ich Angst, acht Stunden am Stück kommen mir ziemlich viel vor, in der Regel habe ich nach sechs Stunden keine Lust mehr. Bin auch nicht mehr produktiv. Es bleibt auch kaum noch Zeit für private Dinge neben der Arbeit. Irgendwie ist es Jammern auf hohem Niveau, anderen geht es viel schlechter. Aber irgendwie denke ich dass es nicht das sein kann. Keine Zeit mehr haben für die Dinge, die einem wichtig sind, am Tag nur noch zwei Stunden vorm Rechner oder Fernseher hängen und aufs Wochenende warten. Als Jugendlicher hatte ich den Eindruck bekommen, dass mit der Arbeit das Leben vorbei ist, und man im Grunde ein Zombie ohne eigenes Leben wird.
Die kleine eigene Welt, in die ich mich zurückziehen konnte, wird sehr klein werden mit der Arbeit. Mit der Arbeit kommt wahrscheinlich auch Verantwortung dazu, keine Ahnung ob ich mich dem gewachsen fühle. Ich habe das Gefühl, so viele Voraussetzungen nicht zu erfüllen, die mit dem normalen Erwachsensein zusammen hängen. Keine Beziehung gehabt z. B.

Hoffentlich kommt das nicht wie Jammern rüber, hat auf jeden Fall gut getan das man runterzuschreiben.

Schönes Wochenende
hajunk

14.04.2018 13:11 • 28.05.2018 x 2 #1


11 Antworten ↓


seventeen
Hallo hajunk,
klar jammerst du auch hohem Niveau, aber ist doch okay mir geht es ganz genauso wie dir. Ein 8-Stunden Tag überfordert mich, vor allem, wenn ich mich sowieso nicht am Arbeitsplatz wohl fühle. Aber da ist, zumindest bei mir, der Knackpunkt. Fühle ich mich wohl, ist es durchaus erträglich. Also wäre Schritt eins, einen zu dir passenden Arbeitsplatz zu finden.

Lust haben ist so eine Sache. Es gehört nunmal dazu, dass man nicht immer motiviert ist, aber trotzdem Leistung verlangt wird. Wie alt bist du? Du hörst dich noch sehr jung an Nach 8 Stunden Arbeit bleibt dir schon noch ein bisschen Freizeit. Es ist halt eine Umgewöhnung.

Wäre nicht eine Teilzeit-Stelle besser für dich?

14.04.2018 19:53 • #2



Angst vor acht Stunden Tag

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Ich habe das selbe Problem...Habe 2008 meine Ausbildung angefangen und Anfang 2011 abgeschlossen. Fast zeitgleich begann meine angststörung... Ich habe mich immer wieder durch Jobs gequält und oft die Stelle gewechselt. Leider macht sich das auch im Lebenslauf nicht wirklich gut. Habe zwar gut verdient aber mir ging es richtig schlecht. Ich konnte einfach nicht mehr in Vollzeit arbeiten und habe nun Anfang des Jahres einen Teilzeitjob angenommen, der mir wirklich Spaß macht. Komme eigentlich aus dem Büro, aber arbeite jetzt bei einem Friseur. Natürlich ist das Einkommen ziemlich gering (weniger als das Arbeitslosengeld das ich bekommen habe), aber ich versuche damit auszukommen. Ich habe wieder Freizeit....kann in Ruhe ausschlafen (an Tagen an denen ich müde bin, sind meine Symptome besonders schlimm) und habe einen Job der mir Spaß macht. Kann zwar nicht mehr ständig shoppen, essen gehen und Co, aber ich hoffe, mich daran zu gewöhnen. Zumindest fehlt es mir an nichts...Und meine Gesundheit dankt es mir.
Es ist zwar eine große Umstellung gewesen, aber ich gehe mittlerweile gern zur Arbeit und das ist ja die Hauptsache.
Vielleicht überlegst du es dir mal. Oder wenn das finanziell nicht möglich ist, arbeite doch in Teilzeit in deinem Beruf weiter und nimm einen minijob in dem Bereich an, der dir wirklich Spaß macht und für dich eher ein bezahltes Hobby ist.
Ich wünsche dir alles Gute

14.04.2018 20:26 • #3


Jan_
Hallo hajunk,

keiner sagt dass eine Arbeitsstelle auch 8 Stunden haben muss. Die 40 Stundenwoche sieht ein Arbeitgeber natürlich gerne, aber schon wenn man in Unternehmen mit Tarifvertrag schaut sind es tariflich weniger. Und auch Studien haben gezeigt dass weniger mehr ist oder sein kann.

Wenn du dir eine Arbeitsstelle suchst kannst du dir natürlich überlegen ob du nach einer Arbeitsstelle mit weniger Arbeitsstunden suchst, oder dies in Aussicht stellst, dass du nach den ersten Jahren verringern möchtest. Du als Arbeitssuchender bist hier nicht rein Konsument, sondern Mitbestimmer und in Verhandlung mit potenziellen Arbeitgebern.
Da gilt es dich selbst und deine eigenen Interessen und Wohlbefinden zu vertreten. Wenn du das Gefühl hast 8 Stunden wären zu viel, dann such oder verhandle etwas mit weniger, fragen kostet nichts, und das ist wichtig dich selbst da ernst zu nehmen.
Wenn man sich selbst ein Zeitlimit setzt, nach dem Motto ich probier das mal zwei oder drei Jahre, dann kann das auch eine gewisse Befreiung und Entlastung sein, weil ja zeitlich befristet. Man weiß wann man sich wieder neu orientiert und ggf. Zeit reduziert.

Ich selbst habe nach Überlastung und Depression auch reduziert, und habe trotzdem noch das Gefühl es ist zu viel und ich schaffe über den Arbeitstag hinaus nichts anderes mehr. Das hat sicherlich auch mit Belastungen zu tun die immer auch Energie kosten. In jedem Fall ist es besser als wenn ich noch mehr arbeiten würde.

Gut dass du dich entschlossen hast etwas zu verändern, nachdem du dich in deiner aktuellen Stelle unwohl fühlst.
Das ist schon eine sehr positive Sache. Wenn etwas für einen nicht passt sollte man sich überlegen etwas zu verändern.
Und egal für was für einen Wechsel du dich dann entscheidest, ein Wechsel ist besser als keiner, Veränderung ist besser als in der unzufriedenstellenden Beschäftigung dauerhaft zu verharren.

Größere Schritte und Veränderungen bringen natürlich auch erhöhte Unsicherheit und Angst mit. Das ist normal. Aber eben auch größere Chancen mal etwas ganz neues auszuprobieren.
Bei einer Arbeitgebersuche erhascht man ggf. auch Einblicke in ganz verschiedene Bereiche und Unternehmenskulturen, auch wenn man sie erst im Angestelltenverhältnis wirklich erfahren kann.

Ich selbst bin bei einer kleinen Firma in der ich auch schnell Verantwortung bekommen habe, sympathische Teamkollegen, sehr kollegial und freundlich (hat sicher auch etwas mit dem Beruf zu tun, aber auch der Unternehmenskultur selbst und der Führung). Dazu sehr abwechslungsreich in den Projekten.
So etwas muss man natürlich erstmal finden...

Selbst in so einer tollen Umgebung ist man nicht von Ängsten, Angststörungen oder sonstigen psychischen Belastungen befreit.
Man muss halt trotzdem an sich arbeiten und über sich selbst dazu lernen und ausprobieren...

Dass man ein Zombie wird stimmt so, zumindest generell, jedenfalls nicht. Wo hast du denn diesen Eindruck bekommen?
Sicherlich nimmt die Arbeit einen großen Teil des Lebens ein, daher muss man sich auch überlegen wie man diesen Teil des Lebens gestaltet.
Und manche Menschen belastet es halt mehr als andere, die danach noch mehr Energie für andere Dinge haben - Hobbies, Vereine, Veranstaltungen, was auch immer.
In jedem Fall, und das gilt für jeden, muss man sich selbst und seine Bedürfnisse erst besser kennen lernen, Dinge ausprobieren, und sich sein Leben gestalten.

Mit einer sozialen Phobie, Erwartungsängsten, kann Verantwortung natürlich auch zu einer Belastung werden.
Hier muss man sich mit seinen Ängsten auseinandersetzen und daran arbeiten. Andersherum bietet einem das natürlich ein gutes Übungsfeld.

Ich glaube kein Erwachsener fühlt sich richtig erwachsen. Jeder kämpft sich so durch, lernt aus Erfahrungen, und hängt mit dem gefühlten Alter hinterher.
Manche Dinge fallen einigen sicher leichter als anderen, oder sind belastbarer, aber denen fehlt es dann vielleicht an anderer Stelle an etwas.

15.04.2018 00:13 • #4


Hallo hajunk,

kann deine Sorgen absolut nachvollziehen. Befinde mich momentan in einer ähnlichen, wenn auch als Bewerber in einer schwierigen Branche wohl in einer prekäreren Situation. Aus meinen vergangenen Jahren Erwerbsarbeit nach dem Studium weiß ich für mich, dass mir acht Stunden täglich einfach zu viel sind. Es bleibt nichts vom Tag und am WE darf man dann noch andere Dinge erledigen, für die unter der Woche keine Zeit bleibt. Dazu kommt die Problematik, dass man nach fünf, sechs Stunden wirklich nicht mehr sonderlich produktiv ist. Und der Rest ist dann Zeitabsitzen in einem Büro...

Nee, das möchte ich eigentlich nicht mehr haben. Zumal mir bei meinen psych. Problemen und Ängsten insbesondere Ruhe und Zeit besser helfen als vieles andere. Schon deshalb wäre eine solche Stelle wieder kontraproduktiv. Problem ist, dass es kaum Stellen mit moderaten Arbeitszeiten gibt. Entweder ist es Vollzeit, also rund 40 Stunden pro Woche. Oder nur 20 Stunden. Das wäre an sich zwar perfekt, aber da komme ich mit Abzug von Mieten in Großstädten eben oft entweder auf Null raus oder lande sogar im Minus. Wenn das Ganze dann auch noch befristet ist, wird es schwierig, damit einen Mietvertrag zu bekommen.

Ich habe für mich zwar noch keine Lösung gefunden, aber es ist gut zu wissen, mit solchen Gedanken nicht alleine zu sein... Manchmal hat man ja fast den Eindruck, vielen Menschen wäre ohne Lohnarbeit irgendwie langweilig. Habe noch diese Woche ein Gespräch für eine Stelle, die an sich passen würde - wenn die 40 Stunden nicht wären. Naja, und der Neuanfang in einer völlig fremden Großstadt ohne jegliche Kontakte dort. Und das Ganze mit nicht behandelter Angststörung und aufgrund besonderer Umstände meiner Branche wäre es zusätzlich eine Art finale Entscheidung. Überlege schon, das Ganze einfach abzusagen... Konkrete Tipps kann ich dir aufgrund der eigenen Lage momentan leider auch nicht wirklich geben. Ich wüsste wohl in dieser Zwickmühle auch nicht wirklich, was die beste Entscheidung ist.

16.04.2018 23:16 • #5


squashplayer
Kleiner Einwurf: meiner Erfahrung nach arbeitet niemand 8 Stunden produktiv durch. Das wäre rein physisch auch gar nicht möglich, es sei denn, es sind absolute Routinetätigkeiten. Ich bin in der IT-Branche als Programmierer und produktiv bin ich vielleicht 3-5 Stunden, den Rest surfe ich im Internet oder rede mit Kollegen. Alle mit denn ich mal unter der Hand gesprochen habe, haben zugegeben, dass es bei Ihnen genauso ist

17.04.2018 00:46 • x 1 #6


@squashplayer: Richtig. Ich habe mich etwa bei meinem vergangenen Job nur immer gefragt, weshalb ich eigentlich Stunden zusätzlich in einem Büroklotz verbringen muss bzw. soll.... Warum man die Arbeitszeit nicht einfach generell auf sechs Stunden ablenkt, hat ja im Grunde auch nur rein ökonomische Gründe, weil etwa ein höherer Organisationsaufwand nötig wäre.

17.04.2018 15:15 • #7


squashplayer
@mk84: für mich war diese 8-Stunden-Pflicht auch schon immer sehr unangenehm. Mein Trick war immer, dass ich viel im Internet Sachen für mich gemacht habe wie z.B. Reisen buchen oder Musik hören während ich arbeite. Ob man 6 oder 8 Stunden macht ist mir fast schon egal. Wichtig ist dass die Tätigkeit Spaß macht, dann geht die Zeit schon rum. Man muss sich die Zeit im Büro so angenehm wie möglich machen. Bei mir hat nicht der Arbeitsinhalt zum Zusammenbruch+Angststörung geführt sondern die Rahmenbedingungen. Z.B. saßen wir zeitweise zu fünft in einem relativ kleinen Büro und der eine externe Mitarbeiter hat alle 2 Minuten krampfhaft gehustet dass ich den am liebsten verprügelt hätte. Bin etwas empfindlich gegen unangenehme Geräusche, da hilft auch Kopfhöhrer nichts mehr.

17.04.2018 18:26 • #8


@squashplayer: Das sowieso, habe in den acht Stunden auch viel im Internet verbracht, was bei meinem Job immerhin sowieso zum Arbeitswerkzeug zählte. Bei mir es einfach irgendwann sehr anstrengend, diese überflüssige Zeit im Büro abzuhängen. Zumal das Großraum auch die Hölle war und auch physisch fordernd, etwa wegen der Hitzeentwicklung im Sommer.

17.04.2018 19:30 • #9


squashplayer
Ja Großraum ist eh das letzte. Irgendwer quatscht ja doch immer und im Sommer kriege ich auch einen zu viel wenn man ständig das Gefühl hat gleich einen Kreislaufzusammenbruch zu erleiden!

17.04.2018 20:10 • x 1 #10


Sarah-Maria
Ich arbeite 30 stunden in der Woche

29.04.2018 08:53 • #11


Hallo hajunk,

ich bin neugierig, wie ist Deine Entscheidung ausgefallen?

Nochwas (sorry, falls das schon geschrieben wurde, ich habe alles nur grob überflogen):

wichtig finde ich persönlich, etwas zu arbeiten, das möglichst viel Deines Selbst berücksichtigt und impliziert; etwas, wo Du größtmöglich Du sein kannst - mit Deinen Stärken und Schwächen - sodass es sich nicht vorrangig nach Arbeit, sondern vlt schon Berufung anfühlt irgendwann?...

Aber erfordert manchmal halt Zwischenschritte - wichtig ist, glaube ich, dass Du DICH und Deine Reaktionen auf für Dich unpassende Arbeits- und Promotions-Umstände ernst nimmst - ich muss mir das selbst immer wieder sagen, aber:

Ich schätze, ein Geheimnis unserer Ängste dürfte die Aufforderung sein, immer mehr ganz ernsthaft auf uns selbst zu hören - und nicht alle Impulse immer automatisiert und oft abwertend, weil nicht gesellschafts- oder massenkonform zu übergehen und uns so immer wieder in unserem Kern zu ignorieren.

Alles Gute Dir!

28.05.2018 21:43 • #12



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