Pfeil rechts

Hallo zusammen,

ich habe ein kleines oder auch großes Problem, das ich nicht wirklich lösen kann und suche deswegen Hilfe...

Ich bin jetzt 21 Jahre alt und habe schon seit ich denken kann ein Problem, gewisse Dinge in der Öffentlichkeit oder unter fremden Menschen zu tun. Ständig habe ich Angst davor, irgendetwas falsch machen zu können und mache mir Sorgen, was die anderen von mir denken könnten.
Ich kann deshalb nicht alleine einkaufen gehen, Auto fahren ist unangenehm, wenn etwas mehr los ist oder ich eine unbekannte Strecke fahre, alleine z.B. zum Arzt zu gehen kostet jedes Mal Überwindung und klappt nur, wenn es etwas kurzes ist, sonst muss jemand mit dabei sein (kommt natürlich super an, wenn die Mutter ihren 21-jährigen Sohn zum Arzt begleiten muss).

Außerdem habe ich eine gewisse Angst davor, mit anderen Menschen zu reden. Wenn ich z.B. tanken fahre, muss ich mir jedes Mal selbst sagen "Du gehst jetzt da rein, sagst Nummer 3 und bezahlst.", weil ich teilweise eine gewisse Panik bekomme, wenn ich mit fremden Menschen spreche und Angst habe, dann gar nichts mehr sagen zu können. Im Nachhinein geht mir das dann mehrmals durch den Kopf und ich frage mich, ob ich alles richtig gemacht habe oder ob ich mich zum Affen gemacht habe. Das ist bei Telefonaten nicht anders, ich kann nirgendwo anrufen und wenn ich angerufen werde, kostet es schon mal sehr viel Überwindung, ans Telefon zu gehen. Während des Gesprächs bin ich dann auch sehr unsicher.
Ich habe so auch schon einige Möglichkeiten, Mädchen kennenzulernen vergeigt, wo wir gleich beim nächsten Problem sind...

Nicht nur stelle ich mich unglaublich blöd an, wenn mich jemand anspricht, auch wenn ich Leute dann näher kennenlerne (was nur klappt, wenn der-/diejenige massiv die Initiative ergreift und mich immer wieder kontaktiert, andersrum geht da nichts), habe ich dann noch unglaubliche Berührungsängste. Dabei ist es egal, ob nur gute Freunde oder ob da mehr Interesse dahinter steckt. Wenn ich mich z.B. mit Freunden irgendwo hinsetze, versuche ich immer so viel Abstand zu halten, dass wir uns nicht berühren, auch wenn das bedeutet, dass ich nur zu einer Hälfte irgednwo drauf sitze.
Auch ist es einmal so weit gekommen, dass ein Mädchen, das ich da schon länger kannte, bei mir auf dem Sofa übernachtet hat und wollte, dass ich mich zu ihr lege. Sie hat sich an mich gekuschelt, aber wenn sie sich umgedreht hat, hatte ich Angst, mich an sie zu kuscheln.
Außerdem habe ich eine gewisse...Bindungsangst, wenn man so will. Zum einen traue ich niemandem wirklich zu 100% und zum anderen habe ich Angst davor, ihre Bedürfnisse nicht erfüllen zu können. Auch wenn sie z.B. mit mir weggehen wollen würde (Club, Bar etc) oder etwas anderes unternehmen möchte, bei dem ich mich nicht wohl fühlen würde, was soll ich dann machen? Ich gehe nicht weg, weil ich mich bei größeren Menschengruppen unwohl fühle...
Naja, und Probleme damit, bzw. Angst davor, abgewiesen zu werden, habe ich auch...

Soweit so gut, das sind ja alles noch Probleme, denen man einigermaßen aus dem Weg gehen kann (auch wenn es vielleicht nicht das richtige ist). Aber ich mache momentan eine Ausbildung und morgen geht es nach 4 Wochen Urlaub wieder los/weiter mit dem 2. Lehrjahr (habe Abi gemacht, deshalb das relativ hohe Alter), wo wir teilweise in andere Bereiche versetzt werden. Während ich mich so bei Problemen noch an Gleichgesinnte wenden konnte, bin ich da dann auf mich alleine gestellt. Das ist nicht nur schlecht, wenn ich Probleme/Fragen habe, auch so fühle ich mich deutlich wohler, wenn Gleichgesinnte, die ich auch näher kenne, in meiner Umgebung sind. Sonst fühle ich mich extrem unsicher.

Das ganze bleibt aber nicht nur in der "Realität", auch bei sozialen Netzwerken (facebook) bin ich sehr zurückhaltend. Wenn mir jemand eine Nachricht schreibt, brauche ich teilweise Wochen, um darauf zu reagieren... ich weiß nicht genau warum... es ist irgendwie die Frage, was ich genau schreiben soll, was der-/diejenige davon denkt, antwortet und wie ich darauf dann wieder reagieren soll.
Auch in Foren lese ich die Texte, die ich schreibe, noch mehrmals durch und überlege genau, ob ich das so posten soll... teilweise hänge ich dann eine halbe Stunde an einem Beitrag von 5 Zeilen... und ich habe immer Angst, dass meine Texte viel zu lang oder uninteressant werden, was meistens dazu führt, dass ich da auch nicht sehr aktiv bin.

Vor einigen Jahren ging die ganze Sache so weit, dass ich monatelang krankgeschrieben war und nicht in die Schule gegangen bin, einfach aus dieser Angst und Unsicherheit... zu Hause fühle ich mich einfach sicher, wobei mich Gedanken an bevorstehende Situationen auch schon wieder nervös machen (wie jetzt das mit dem versetzt werden z.B.).
Das hat sich zwar seitdem schon massiv gebessert, aber da ich jetzt im Urlaub wieder mehr Zeit zum nachdenken hatte, ist die Sache wieder etwas in den Vordergrund gerückt...


Das Problem an der ganzen Sache ist, dass ich zwar weiß, dass es teilweise die Angst ist, etwas falsch machen zu können, allerdings kann ich die Unsicherheit im gesamten nicht wirklich einschätzen. Ich weiß nicht, woran das liegt und ich weiß nicht wie ich dagegen vorgehen soll. Ich würde gerne einfache Dinge selbst können wie einkaufen gehen, Gespräche führen, Termine am Telefon ausmachen, zum Arzt gehen usw. ohne auf jemanden angewiesen zu sein... aber einfach Augen zu und durch bringt meistens nichts, weil ich mir die Situationen dann hinterher mehrmals im Kopf durchgehen lasse, die negativen Dinge raussuche und noch mehr Angst vorm nächsten Mal habe...

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass es "einfach" nur zu wenig Selbstbewusstsein ist, aber ich weiß nicht wie ich das stärken soll, sofern es tatsächlich daran liegt...
Früher habe ich hin und wieder am Wochenende ein paar Freunde zu mir nach Hause eingeladen, wo auch ein bisschen Alk. dabei war. Wenn ich dann leicht angetrunken war, waren solche Probleme wie Gespräche führen oder Berührungsängste weniger schlimm... ich weiß nicht, ob man daraus eventuell Rückschlüsse ziehen kann...

Zuerst dachte ich, ich wäre einfach introvertiert (mag sein, dass ich das auch bin), aber das kann ja eigentlich nicht die Ursache der ganzen Probleme, Unsicherheiten und Ängste sein... und deshalb möchte ich jetzt etwas dagegen tun.


Wäre um jede Hilfe dankbar, auch wenn es ein sehr langer Text ist und ich verstehe, wenn nicht jeder die Zeit dazu hat, das zu lesen...

28.08.2013 15:59 • 02.09.2013 #1


5 Antworten ↓


dann hast du das gleiche wie ich
sozialphobie

28.08.2013 16:08 • #2



Angst / Unsicherheit, genauer Grund unbekannt

x 3


Zuerst mal danke für die Antwort!

Ich habe mich hier jetzt ein bisschen eingelesen und es trifft tatsächlich einiges zu, was auf eine soziale Phobie deuten könnte...

Aber ich bin mir da trtozdem nicht ganz sicher. Dinge, die erledigt werden müssen, schaffe ich zu bewältigen (bevor ich verhungere, gehe ich natürlich einkaufen und auch erst ein Anruf wegen eines Irrtums bei der Firma, bei der ich mich beworben habe, hat mir den Ausbildungsplatz verschafft).
Und es gab Situationen, da frage ich mich, ob es das wirklich sein kann... beispielsweise habe ich mal mit einer Freundin Kleidung getauscht - ich bin in ihrem Kleid mit einem mit Socken ausgestopften BH gegangen, sie in meiner Jeans und T-Shirt. Einfach so aus Blödsinn, mitten auf einer Straße, wo viel los war, ohne mir Gedanken gemacht zu haben, was die Leute sich da denken.
Auch in den späteren Jahren an der Schule habe ich mitten in der Klasse im Unterricht laut mit einem Freund Blödsinn geredet, für den mich eigentlich alle für blöd halten müssten, oder mir auch einmal eine Stofftasche die gesamte Stunde über den Kopf gezogen...
Ich habe mich mit einem Freund ohne Sinn mitten auf den Weg gesetzt und die blöden Blicke der Leute, die vorbei gelaufen sind, ignoriert.
Ich habe jemanden, der sich auf einer Party an ein Mädchen rangemacht hat, an dem ich Interesse hatte, blöd angeredet und auf den Arm genommen.
Und da gäbe es noch einiges mehr in die Richtung... eigentlich bin ich bei meinen Freunden mehr oder weniger dafür bekannt, öffentlich Blödsinn zu machen, ohne mich dafür zu schämen...

Aber das geht halt wirklich nur dann recht gut, wenn jemand dabei ist, den ich kenne.
Auch der Rest... einkaufen gehen mit jemandem, den ich kenne? Kein Problem. Genaus beim Auto fahren, essen gehen, zum Arzt gehen...

Macht man solche Dinge trotzdem wirklich, wenn man eine soziale Phobie hat, ohne sich darüber groß Gedanken zu machen?

28.08.2013 17:34 • #3


dann hast du das
mir fallen die dinge auch immer leichter ,wenn jemand da ist den ich kenne,weil ich mich dann
auf die person konzentrieren kann.

28.08.2013 17:40 • #4


Schlaflose
Unter Sozialphobie fallen viele Dinge. Und nicht jeder hat alle Symptome. Bei mir ist es in erster Linie, dass ich nicht vor Publikum einen Vortrag oder eine Rede halten kann. Oder dass ich nicht mitreden kann, wenn mehr als 2-3 Leute zusammensitzen und diskutieren, weil sich mein Hals zusammenschnürt und ich keinen Ton rauskriegen würde.

28.08.2013 17:45 • #5


Hallo Redpill,

ich bin 20 Jahre alt und habe seit mittlerweile über 1 Jahr eine Angststörung im sozialen Bereich. Das bedeutet ich bekomme in der Öffentlichkeit egal wieviele Menschen dort sind Herzrasen (Blutdruck 220/120) und starkes Schwitzen im Gesicht und am ganzen Körper. Ich kann sehr gut nachfühlen, wie es ist einfach gerne sofort im Erdboden zu versinken oder nur an Orte zu gehen wo einfach überhaupt keine Menschen sind. Das ist auch das größte Problem daran: Die Isolation. Ich bin auf einem guten Weg der Besserung. Habe erstmal angefangen zu einem Psychologen zu gehen (der mir aber nicht sonderlich weiterhalf). Nachdem ich dann Opipramol verschrieben bekam und das auch nicht anschlug, gab es eigentlich nur noch einen Weg für mich: Die Konfrontation. Da ich jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit und wieder nach Hause fahre hab ich nach inem Weg gesucht mich unter Menschen soweit abzulenken, dass es die Panikattacken weg gehen. Ich habe mir dann einen kleinen leichten Laptop gekauft und diverse Serien die mich interessieren (Big Bang Theory, King of Queens u.ä.). Als ich dann in der Bahn saß und meine 40 minuten Fahrt "absaß" konnte ich mit der Ablenkung durch den Laptop einen riesigen persönöichen Erfolg erzielen. Seitdem ich ihn mitnehme und immer mit meinen Kopfhörern meine Serien schaue habe ich überhaupt keine Panikattacken mehr. Nachdem ich das gemerkt hab, ist in mir auch das Selbstbewusstsein wieder gewachsen und ich habe mir gedacht , dass wenn es mich dem Laptop in einem vollbesetzten Zug nicht kümmert, dass andere Menschen da sind wird das sicher auch ohne gehen. Ich habe so meine "eigene Therapie" weitergeführt und siehe da es funktionierte wirklich auch ohne Laptop. Klar gibt es immer kleinere Rückschläge, aber es wird stetig besser

Es kommt also immer auf deine Einstellung, deinen Mut zu Veränderung und auch auf dein Unterbewusstsein an Versuch deine eigenen kleinen Tricks zu finden die dein Leben wieder lebenswert machen. Ich wünsche dir viel Glück dabei

Lg

Marshall

02.09.2013 15:39 • #6




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler