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Tuemmler
Hey zusammen,

ich bin m, 23, und leide seit vier Jahren an einer Angststörung.

Ich habe wahnsinnige Angst davor, in sozialen Situationen mich übergeben zu müssen. Ich habe keine Emetophobie (Angst vor Erbrechen) in dem Sinne, dass ich vor dem Erbrechen überhaupt Angst habe, sondern halt nur dann wenn es andere mitbekommen (sei es in deren Anwesenheit oder sie bekämen mit wie ich plötzlich raus rennen müsste). Dazu kommen halt ab und an Panikattacken wo es mir richtig übel wird.
Ich war vor 3 Jahren schon mal in der Psychosomatik stationär, danach ging es mir mit vielen Höhen und Tiefen recht gut, aber seit nem viertel Jahr ungefähr ist es wieder ganz schlimm.

Am Montag muss ich z.B. nachmittags in der Uni einen Kurzvortrag halten und ich habe wahnsinnige Angst dass ich mich da übergeben muss während des Vortrags. Um sicherzustellen dass ich mich nicht übergeben muss werde ich davor nichts essen (klassische Vermeidung eben).

Was ich bei mir schwierig finde, sind die Konfrontationen. Bei üblichen Panikattacken (wie z.B. Atemnot oder Herzrasen) soll man ja in der Konfrontation die Erfahrung machen, dass nichts passiert (also man stirbt nicht bei der Angst). Ich hatte aber schon oft die Erfahrung gemacht, dass große Angst bei mir auch wirklich zu Erbrechen führen kann. Ich kann eben schlecht denken "Du wirst dich nicht übergeben". Diese gewisse (auch wenn sie klein ist) Wahrscheinlichkeit, ich könnte bei Panik erbrechen, ist für mich eben ein großes Problem und raubt mir das Selbstvertrauen. Habt ihr vllt Taktiken als Vorschläge, wie ich solche Konfrontationen machen kann unter diesem Hintergrund?

18.11.2015 02:27 • 05.07.2021 #1


26 Antworten ↓


Hallo Tuemmler

Ich kenne diese Angst nicht. Eher das Gegenteil. Ich habe Bulimie seit vielen Jahren und Erbrechen ist mir nichts fremdes.

Ich kann Dir nur sagen, dass es absolut unwahrscheinlich ist, dass Du Dich während Deinem Kurzvortrag übergeben musst.
Die leichte Übelkeit ist dann Lampenfieber. Das ist völlig normal und führt nicht zu erbrechen.
Aber ich kenne den Drang von der Bulimie. Man redet sich solange ein dass jetzt was raus muss, bis einem wirklich schlecht wird.

Mein Tipp wäre, etwas ganz gesundes vorher zu essen. Nur ein klein wenig. Vielleicht ein kleines Müsli, oder ein Obst.
Dann weisst Du, dass Du Dir jetzt für diesen Vortrag etwas Gutes getan hast, das Deinem Körper Kraft und Energie gibt,
die er braucht. Die muss natürlich drin bleiben. Dein Körper freut sich darüber und will das mit Sicherheit nicht loswerden.
Warum also übergeben?

Du schaffst das ganz locker und alles wird gut gehen! Ich drücke Dir die Daumen
Von was handelt denn der Vortrag?

18.11.2015 02:52 • #2



Angst, mich in zu übergeben - welche Strategie hilft?

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Vergissmeinicht
Drücke Dir auch für den Vortrag die Daumen und glaube auch nicht, das Du wähenddem erbrechen musst.

Kannst Du keine Taktiken noch aus der Klinik anwenden?

19.11.2015 11:52 • #3


Astaratio
Hallo:),
ich könnte dir vielleicht helfen!
Zunächst überlege bitte einmal, wodurch dieses Verhalten ausgelöst wird.
Bitte schildere einmal detailiert, wann diese Gedanken auftreten.
Im Moment hört sich das für mich nach starken Versagenängsten an, die man aber gut in den Griff bekommen kann

Alles Gute!

19.11.2015 16:16 • x 1 #4


Tuemmler
Danke euch für eure Antworten und aufbauenden Worte!

Ich wird jetzt ein bisschen mehr von mir erzählen, hoffe der Text wird nicht zu lang, schon mal Sorry im Voraus

Joa, ich wende eigentlich keine Techniken wirklich an.. Was ich mache, ist daheim erst mal ne Viertel Stunde meditieren. Mal hilft es, lockerer zu werden, manchmal aber auch nicht, weil ich es dann nicht hinkriege einfach mit der Konzentration auf dem Atem zu bleiben. Für die Situation selbst denk ich einfach "Augen zu und durch", bleibt mir ja auch nix anderes übrig.

Was bei mir ganz schlimm ist, ist diese Erwartungsangst. Mir wird einfach schon Tage vorher übel, und hab keinen Appetit. Gestern kam bei mir eine Angstwelle hoch und ich musste mich übergeben. Dabei musste ich sogar Blut erbrechen, war danach beim Arzt, der hat mir aber Entwarnung gegeben (durch den heftigen Druck im Hals ist wohl ne kleine Ader in der Speiseröhre geplatzt, kann mal vorkommen hab ich mir sagen lassen). Jedenfalls mach ich mich einfach Tage vorher extrem verrückt, und mir fällt es einfach total schwer mich abzulenken. Und dieses schei. Gefühl im Magen ist halt da (gibt ja Gott sei Dank diese pflanzliche Magentropfen). Ich bin ja bemüht, durch Meditation ein bisschen Gelassenheit reinzukriegen, aber ich glaub ich bin noch nicht so weit dass ich dadurch meine Angst auflösen kann.

Zu den Ursachen glaube ich lässt sich viel sagen. Es ist denke ich auf jeden Fall ein Anteil von Versagensängsten dabei. Ich habe große Zukunftsängste. Ich habe Angst, dass ich die Ängste nicht loswerde und ich sie mit in den Beruf später trage. Im Studium kann ich mich ja irgendwie "durchmogeln", im Berufsleben habe ich aber ständig Situationen, vor denen ich aktuell Angst hätte (und die Gefahr mich zu übergeben ja dann groß wäre). Zum Beispiel wären das Geschäftsessen oder Vorträge vor anderen, Geschäftsreisen (Situationen, in denen ich mich nicht einfach zurückziehen kann und keinen interessierts). Dabei glaube ich nicht dass ich fachlich scheitern könnte (würd mich schon als sehr gewissenhaften und auch kompetenten Menschen beschreiben), sondern einfach die Angst dass ich das psychisch nicht packe, mit all den Anforderungen die auf einen zukommen.
Ich habe als Kind schon einige negative Erfahrungen mit Erbrechen gemacht. Zum Beispiel haben mich meine Eltern, als ich noch ein kleines Kind war abends dummerweise allein gelassen, ich hatte so dermaßen Angst vor dem Alleinsein (was als Kind ja normal ist), dass ich mich übergeben musste. Ich bin dann zu den Nachbarn gegangen und habe mich bei denen in der Wohnung auch noch mal übergeben. Meine Eltern bereuen das natürlich. Auch als ich mit meinen Eltern in den Urlaub gefahren bin, musste ich mich stets in der ersten Nacht im Hotel übergeben (glaub das war dann einfach die Aufregung vor dem ganzen Reisetrubel, Reizüberflutung sozusagen). Das hat sich dann irgendwie verselbstständigt, dass ich dann immer Angst hatte, ich müsste mich im Urlaub übergeben, was ja auch immer passiert ist.
Ich weiß jetzt nicht, inwiefern diese Kindheitserfahrungen für meine ganze Angststörung heute ursächlich sind, glaube aber schon dass sie zumindest erklären können warum mein Angstsymptom sich im Magen niederschlägt und zum Beispiel nicht in Herzrasen.

Ich bin jetzt seit etwa einem Jahr in tiefenpsychologischer Behandlung, ich bin auch mit meinem Therapeuten zufrieden. Die Therapie lief nur etwas schleppend, gerade weil es mir bis vor 3 Monaten recht gut ging (ich hatte zwar Angst, aber ich hab mich nicht durch die Angst so gelähmt gefühlt wie jetzt). Jetzt merke ich aber dass natürlich mehr passieren muss in der Therapie. Ich habe vor, meinen Therapeuten evtl. auf ne Hypnotherapie anzusprechen (er hat dazu die Weiterbildung). Vielleicht kann ich mit Hypnose ein bisschen mehr hinter die Angst schauen und kann da etwas auflösen. Ich weiß dass das die Krankenkasse nicht zahlt, mir ist aber mittlerweile das Geld echt für meine Gesundheit wert.
Mein Therapeut ermuntert mich immer zu kleinen Konfrontationen mit meiner Angst (die ich auch mache, und teilweise erfolgreich), nur kommt es mir so vor als hätten diese keine langfristigen Wirkungen, weil dann kommt mal wieder ne Phase, in der ich wieder viel Angst habe und ich muss dann wieder von vorne anfangen. Zum Beispiel war vor nem halben Jahr so ein kleiner Vortrag überhaupt kein Problem für mich, jetzt ist es aber auf einmal wieder eine Sache, wo ich durchdrehen könnte wegen meiner Angst.

20.11.2015 01:28 • #5


Tuemmler
Muss noch was nachtragen

Also die Ängste kommen nicht nur in Bezug auf Beruf/Studium, sondern auch relativ unspezifisch. Was bei mir ganz schlimm ist, ist irgendwo im Restaurant essen gehen. Weil man da sozusagen "gezwungen" ist zu essen und man da ja nicht alleine ist. Es wäre ja sehr unangenehm wenn ich während dem Essen aufstehen muss und auf Toilette rennen muss (was mir schon paar mal passiert ist, und das Gefühl ist echt demütigend). Und dann letztendlich den anderen mitteilen (muss ich nicht mal sagen, die anderen sind ja nicht dumm und wissen warum ich gegangen bin) dass ich mich übergeben hab. Für mich ist das eine gewaltige Drucksituation, die meisten Menschen genießen das gute Essen und den Service im Restaurant, aber für mich ist es der Horror.
Man kann meine Ängste vielleicht so zusammenfassen: Alle Situationen, aus denen ich nicht einfach ohne aufzufallen raus kann, sind potenziell angstauslösend. Je wichtiger diese Situationen sind (für mich oder andere) und je unangenehmer ein Verlassen der Situation wäre, desto höher die Angst. Ein Frisörbesuch ist zum Beispiel eine Situation, bei der ich Angst hätte mich zu übergeben, aber in 99,9% der Fälle habe ich da keine Angst weil so ein Frisörbesuch ja total unwichtig ist.
Ich neige dazu, bei diesen wichtigen Situationen vorher nichts zu essen oder nur ne Kleinigkeit. Die Gefahr wäre halt viel zu hoch mit nem vollen Magen mich zu übergeben. Deswegen werde ich am Montag vor dem Vortrag nichts essen. Ich weiß dass das Vermeidung ist, aber ich krieg ja schon jetzt Angst mit dem Vorhaben, nichts vorher zu essen. Und dann will ich mir nicht vorstellen, wie hoch die Angst ist, wenn ich was gegessen habe.

20.11.2015 02:27 • #6


Vergissmeinicht
Hey Tuemmler,

Du hast es selbst schon gut beschrieben und denke sehr wohl, das das Trauma aus der Kindheit bislang nicht verarbeitet wurde.

Es bleibt sich immer wieder zu konfrontieren, auch wenn es verdammt schwer ist.

20.11.2015 15:51 • #7


Wenn Du für Montag nichts isst, wirst Du keinen Schritt weiter kommen und auch immer und immer wieder nichts essen, weil Du Angst hast, das rauszubrechen.
Du musst einen Cut machen. Eigne Dir übers Wochenende etwas ganz Neues an. Z.B eine Klopftherapie.. oder Mantras, oder Runterzählen...
irgendwas, was Du noch nie probiert hast.
Du musst diese Mauer durchbrechen. Und ich wette, Du wirst Dich nicht übergeben!
Wenn doch, sag einfach Du hattest gestern Muscheln oder sowas
die nich mehr ganz gut waren... scheinbar..

Schau ich hatte heute zB. beim Einkaufen eine ganz schlimme Panikattacke.
Bei Dir ist es das Erbrechen, bei mir die Ohnmacht.
Ich dachte ich fall um.
Ich stand beim Gemüse und war kurz davor um Hilfe zu rufen.
Und dann hab ich einfach runtergezählt.... wie ich es kürzlich in einem Ratgeber gelesen habe..
20...
mir gehts schei...
19...
gleich fall ich um..
18... Angst Du hast mich!
17.. Gibs mir!
16.. zeig was Du kannst!
15... das ist alles?
14.. ich steh immer noch..
13.. ich denk du gibst auf..
12.. ich besiege dich..
11.. ein letzes aufbäumen?
10... letzte chance
9.. ich steh immer noch.. hah !
8.. geh jetzt weg..
7.. du bist besiegt..
6.. du hattest deine chance
5.. ich bin stärker !
4... stirb angst !
3... ich bin ruhig..
2.. ich bin stärker als du..
1.. alles ist gut.. so wie ich das will
--- und stopp !


Auch wenn das jetzt blöd rüberkommt.. es ist eine Methode die MIR hilft!
Und wenn mir, warum nicht auch anderen

Ich werde an Dich denken Montag und Du wirst das wunderbar stemmen
LG Apo

21.11.2015 02:01 • #8


Tuemmler
So ich meld mich wieder zurück

Ich nehme ja wegen meiner Angststörung Paroxetin 20 mg. Die wurden am Dienstag auf 30 mg erhöht, weil es mir ja in letzter Zeit richtig dreckig ging und ich voller Angst war. Seit gestern merke ich, wie die Dosiserhöhung anschlägt. Ich fühle mich aktuell gut, habe vor Montag eigentlich keine wirklich große Angst mehr (natürlich dieses Lampenfieber und vllt noch ein bisschen Angst, aber mit der kann ich leben), ich spüre jetzt diese Erwartungsangst und Zukunftsängste nicht mehr und bin wieder "lebensfähig" (kann jetzt wieder normal essen und beschäftige mich nicht mehr ständig mit meiner Angst).

Das ist natürlich alles schön und gut, aber ich finde das aber auch irgendwie unheimlich (wie als hätte man mir einen Schalter umgelegt). Ich werde die Paroxetin natürlich jetzt erst mal ne Zeit lang in dieser Dosis lassen, weil ich natürlich nicht wieder in das alte Muster fallen will. Ich weiß, dass die Medis natürlich nicht die Ursache bekämpfen sondern nur die Symptome. Wenn ich die Tabletten wieder reduziere, würde ich ja wieder so sein wie vorher. Ich habe Angst, dass ich jetzt ständig diese Dosis brauche, um ein "schönes Leben zu haben". Langfristig will ich ja nicht auf Medis angewiesen sein.

Angenommen, ich würde jetzt mit dieser Dosis Dinge tun, vor denen ich normalerweise starke Angst hätte wenn ich die Medis nicht nehmen würde (also Konfrontationen) bis diese Situationen sozusagen das "normalste auf der Welt" wären, und ich dann die Medis ganz langsam ausschleichen würde, heißt das dann dass ich nach dem Absetzen wieder vor den ganzen Situationen wieder Angst habe oder habe ich mich an diese Dinge schon so gewöhnt dass sie auch ohne Medis nicht mehr so Angst machen? Mir ist ja klar, dass ich auch beim Ausschleichen mich den Situationen immer stellen muss, aber ich habe Angst dass ich nach dem Absetzen wieder so dastehe wie vorher. Weil dann war ja alles für die Katz. Hat da jemand vllt schon Erfahrungen gemacht, wie das mit dem (Angst-)Leben nach den Medis aussieht

Übrigens: Ich nehme seit 2 Jahren Paroxetin 20 mg, ich hatte sie die erste Hälfte von 2015 sogar mal ganz abgesetzt (und ich hatte keine Absetzprobleme), ich nehme sie seit zwei Monaten wieder nachdem es mir wieder schlechter ging. Ich glaube nicht, dass es mir wieder schlechter ging weil ich zeitweise Paroxetin nicht mehr genommen hab, sondern es lag eher an anderen Dingen. Mir ging es ja ein halbes Jahr ohne Paroxetin recht gut (sonst hätte ich ja direkt nach dem Absetzen wieder volle Angst gehabt, was ja nicht passiert ist).

21.11.2015 20:36 • #9


Zuversicht87
Hallo Tuemmler,

bin selbst neu hier im Forum habe aber auch schon einige Jahre als Angsthase auf dem Buckel.
Dieses Gefühl aus bestimmten Situationen nicht schnell genug flüchten zu können ist mir auch sehr gut bekannt und bei einer Angsterkrankung ein sehr häufig auftretenes Symptom.

Was deine Sorge zu den Medikamenten angeht.
Die Medis lindern natürlich die Symptomatik, jedoch nicht die Auslöser. Ich selbst habe auch mal meine Media abgesetzt und mir gings dann auch eine weile wirklich gut, bis ich wieder in eine sehr belastende Lebenssituation gekommen bin und wieder zurückgeworfen wurde.
Ich glaube das Problem ist, dass man trotz den Medis nicht vergessen darf an seiner Angst zu arbeiten, sodass man wenn man die Medis runterdosiert bzw absetzt dann auch ohne medis Leben kann.
Mach dir wegen den Medis auch nicht soviele Gedanken, wenn Sie dir helfen ist das gut, solange du dich aber auch immer wieder aufraffst an deinen Ängsten zu arbeiten.

Noch eine Frage.

Du schreibst seit vier Jahren hast du diese starken Ängste mit teils Panikattacken.
Ist es durch das Studium schlimmer geworden und studierst du gerne?

LG und alles Gute

angst28

21.11.2015 23:14 • #10


Vergissmeinicht
Hey Tuemmler,

wie angst schon schrieb, musst Du Dich glaichlaufend mit Deinen Ängsten auseinander setzen. Es hilft zwar Dich immer wieder zu konfrontieren, aber es gilt die Gründe für die Ängste herauszuarbeiten zu finden.

22.11.2015 21:41 • #11


Tuemmler
Hallo ihr Lieben,

ich melde mich mal wieder zurück. So, gestern hätte ja mein Vortrag stattfinden sollen. Ist er aber nicht, weil das Seminar ganz kurzfristig ausgefallen ist.... also war die Angst davor umsonst
Also ich hatte ja gedacht, die Angst wäre durch die Dosiserhöhung verschwunden. War sie aber doch nicht, ich hab sonntags plötzlich so dermaßen Angst bekommen (Übelkeit, Appetitlosigkeit), dass ich wirklich gedacht hab ich müsste mich gleich einweisen. Ich konnte nicht ruhig sitzen und mit mir war nix anzufangen. Auch gestern Vormittag war ich voller Angst und wusste nicht ob ich überhaupt den Vortrag halten soll oder nicht. Ich bin zur Uni gefahren und war trotz allem bereit den Vortrag zu halten. Ich habe aber gemerkt, dass die Angst kurz davor eigentlich gar nicht so schlimm ist wie befürchtet. Ich war schon im Seminarsaal und hatte noch 10 Minuten bis zum Vortrag bis der Dozent kam und das Seminar ausfallen ließ. Ich hab mich geärgert, weil ich eigentlich mich der Situation ganz stellen wollte. Es kann sein, dass ich den Vortrag nächsten Montag dafür halten soll, aber ist noch nicht sicher.
Was ich festgestellt hab ist dass meine Erwartungsangst oder die Angst vor der Angst viel schlimmer ist als letztlich in der Situation davor. Meine Erwartungsangst ist richtig mies, mir ist übel, ich muss mich manchmal übergeben, bin gedanklich zu fast nix fähig, kann nichts essen (Gewichtsabnahme), und das schon Tage vorher. Meine Erwartungsangst ist die Angst die mir eigentlich alles kaputt macht. Habt ihr vllt Vorschläge wie ich diese Erwartungsangst etwas dämpfen kann? Ich geh doch dran kaputt wenn ich ständig schon Tage vorher mich so verrückt mache vor irgendnem kleinen Ding das letztlich doch recht harmlos ist. Das Fatale daran ist, dass ich letztlich ja fast gar nicht mehr wirklich Angst vor der Situation hab, sondern Angst vor der Erwartungsangst. Also wie wenn ich nicht mal so starke Angst vor der Situation an sich hab, sondern Angst davor hab, dass ich schon Tage vorher so eine Angst habe (also Angst vor der Angst vor der Angst, das klingt ja noch bescheuerter als es schon ist ). Das heißt, angenommen ich würde in nem Monat einen Vortrag halten, dann hätte ich jetzt Angst, dass es mir eine Woche vor dem Vortrag wieder so schlecht geht. Das ist ein total verrückter Teufelskreis...

24.11.2015 23:16 • #12


Zuversicht87
Hallo Tuemmler,

das was du beschreibst kenne ich nur zu gut, und auch wenn es dich wenig beruhigt, du hast sozusagen eine Bilderbuch Angsterkrankung.

Was ich damit sagen will ist, dass das fast uns allen so geht. Man nennt es auch tatsächlich die Angst vor der Angst. Und die Schwierigkeit besteht darin, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Aber du hast schon etwas ganz entscheidenes festgestellt, die Angst, die du in deiner Vorstellung erzeugst ist meist nicht so schlimm, wie die Situation selbst. Und genau das ist der Punkt an dem du ansetzen musst. Du musst diese Gedanken durchbrechen. Du musst lernen, deine Gedanken in Bahnen andere Bahnen zu lenken. Denn wenn man ängstliche Gedanken hat ist es ja völlig normal dass man auch Symptome der Angst empfindet, anders herum kann man sich dies aber auch zu Nutze machen. Denke positiv und du fühlst dich positiv. Denn unser Gehirn ist in dieser Sache recht einfach gestrikt. Es ist egal ob wir uns eine Situation nur vorstellen oder uns wirklich darin befinden, unser Gehirn reagiert immer gleich.
Ich weiss das ist leichter gesagt als getan und es ist auch nur der erste Schritt. Denn damit lernst du nur, mit der Angst umzugehen.
Aber der zweite Schritt ist dann eben zu schauen. Woher kommt diese Angst. Evtl hast du zu perfektionistische Anforderungen an dich selbst. Oder deine Familie setzt hohe Erwartungen in dich.
Vielleicht hast du aber auch Angst zu versagen und ausgelacht zu werden, vielleicht definierst du dich auch nur über Leistung und Erfolg. Es gibt viele Gründe für die Entstehung von Ängsten, aber eines haben Sie gemein. Der Nährboden der Angst hat sich meist im Laufe von vielen Jahren entwickelt und heute zeigt es eben sein Ausmaß.
Und deshalb ist eben auch die Therapie von Angststörungen nicht in ein paar Tagen erledigt.
Es erfordert viel Zeit diese alten Muster und somit die Saat der Angst zu bekämpfen, aber es gibt immer Hoffnung. Und glaube mir, es lohnt sich.

Hast du denn schonmal eine Angsttherapie gemacht?
Absonsten besitzt fast jede Uni eine psychologische Anlaufstelle, die einem gerne weiterhilft und dir auch weiterhelfen kann.

25.11.2015 00:30 • #13


Vergissmeinicht
Guter Beitrag angst.

25.11.2015 12:21 • x 1 #14


Tuemmler
Danke angst28 für deinen Beitrag!
Ja ich bin gerade in tiefenpsychologischer Therapie und möchte in Zukunft mich mehr mit den Ursachen meiner Ängste auseinandersetzen. Ich hatte auch schon stationär Verhaltenstherapie. Mir kommt es aber so vor, als könnte ich noch so viele Konfrontationen mit meiner Angst machen, das würde vllt die Angstsymptome beseitigen (was sie ja auch schon getan haben), aber ich glaube nicht dass das langfristig hilft. Ich glaube, ich habe einfach starke Grundängste tief im Unterbewusstsein und meine Angstsymptome sind da womöglich nur die Spitze des Eisbergs. Ich hab schon oft die Erfahrung gemacht und geglaubt, ich habe meine Ängste überwunden, aber dann kam wieder eine Phase, die mich einfach so umgehauen hat dass ich wieder da war wo ich angefangen hab. Situationen, die für mich kein Problem mehr gewesen waren, waren auf einmal wieder ein Problem.

Zur Angst vor der Angst: Mir leuchtet das sehr gut ein, dass die Angst vor der Angst durch die Gedanken ausgelöst wird. Das Problem ist aber, dass sich da mein Körper verselbstständigt hat. Ich hab nächste Woche in meinem Nebenjob ein paar neuere Aufgaben zu erledigen und das macht mir ein bisschen Angst gerade. Klassische Angst vor der Angst. Ich weiß aber dass die Angst unbegründet ist, und dass mir nix passieren wird. So weit bin ich ja schon, dass ich nicht mehr die Angst habe zu versagen. Trotzdem merke ich einfach dieses unangenehme Gefühl im Magen, dazu Appetitlosigkeit und motorische Unruhe. Das hat sich irgendwie so verselbstständigt, dass ich nicht mehr sagen kann, es kommt von den negativen Gedanken, sondern eher andersherum: Ich habe das Körpergefühl, und das macht natürlich Angst. Ich kann das auch nicht ignorieren, denn wenn ich am Essenstisch merke ich ja, dass ich einfach nicht richtig essen kann. Und da ich eh etwas untergewichtig bin und ich ein Mensch bin der sehr schnell Gewicht verliert, ist das eben auch etwas beunruhigend.

28.11.2015 22:23 • #15


Sensi71
Hallo an Alle ,

bin neu in diesem Forum und hoffe das ich grad auch den richtige Platz für meine Vorstellung habe.

Bin 44 und habe seit Jahren Angst - und Panikatacken , was sich aus Depressionen über die Jahre entwickelt hat.

Seit 4 Monaten habe ich wieder mal meinen Tief Punkt erreicht, es ist mir fast alles egal, habe ständig Kopfschmerzen,
gehe mit mir nicht besonders gut um und bin allein , allein , allein ...

Wünsche Euch erstmal einen netten Abend und allen viel Kraft

LG Sensi71

28.11.2015 22:35 • #16


Vergissmeinicht
Hallo Senis,

heiße Dich herzlich bei uns Willkommen. Hier bei uns bist Du schon richtig; das Board ist nur nicht das Richtige. Wenn Du schaust haben wir auch eins mit der Überschrift Neuvorstellungen. Wenn Du darein gehst, auf neues Thema klickst, solltest Du Deine Zeilen dort nochmals einstellen. Hier bist Du bei einem anderen Betroffenen gelandet.

28.11.2015 23:49 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hallo zusammen

Ich bin ein neues Mitglied und relativ unerfahren was Foren angeht!

Also ich fang einfach mal an:
Im Juli 2006 bekam ich (für mich) aus heiterem Himmel mit 40 Jahren einen schweren Herzinfarkt und hat mich total umgehauen. Im Nachhinein hatte ich die vorherigen Symthome nicht erkannt oder ignoriert. Wer wird schon krank, der mitten im Leben steht, beruflich erfolgreich ist, eine tolle Ehe führt und eine wunderschöne, gesunde Tochter hat?! Von der Intensivstation aus, wurde ich nach einigen Tagen entlassen und ging direkt in ein Rehazentrum, wo ich dann 4 Wochen therapiert wurde, was Ernährung, Sport, Joga usw. angeht. Ich kann mich dort (in Prien am Bodensee) noch total an meinen ersten Tag erinnern! Hier waren nur "ältere Menschen" und war geschockt, weil ich doch erst 40 war .... was sollte ich hier, war auf nichts vorbereitet. Ich sagte meinem Mann, das ich mit zurück nach Hause möchte
Es ist ja schon sehr ungewöhnlich, man denkt immer ..... mir passiert das nicht. Es vergingen einige Tage, man tauschte sich in Gesprächen aus und ich war nicht allein. Die letzten Jahre lebte ich sehr bewusst und vor allem gesund.

Ich verzichte jetzt mal auf die letzten "fast" 10 Jahre!

Nun, was soll ich sagen Vor ein paar Monaten fingen bei mir die Tage/Nächte komischer zu werden, von einem Tag auf den anderen Tag, wirklich aus heiterem Himmel! Ich bekam mitten in der Nacht urplötzlich Herzrasen, bekam keine Luft mehr und Panik. Mein Mann brachte mich um 03:00 Nachts in die Notaufnahme. Dort stellte ein Kardiologe natürlich fest, das an meiner Kurve etwas nicht stimmt und hakte nach. Meine Blutwerte waren alle top, mein EKG, Echo-Kardio usw. auch. Ich erzählte dem Arzt meine Vorgeschichte. Er erklärte mir, das es völlig normal sei, nach so einem Vorfall psychische od physische Attacken zu bekommen ..... EGAL WIE LANGE ES HER WÄRE .... ! Empfohlen hat er mir autogenes Training das in den Griff zu bekommen. Zwischendurch war ich mal bei meiner Hausärztin, die mir das Gleiche erzählte in einem langen Gespräch, mir einen Rat gegeben hat falls es schlimmer wird und mir 4 Tabletten mitgegeben hat (Tavor 1,0mg/Lorazepam). Diese habe ich bis jetzt noch nicht gebraucht, da ich es bis jetzt selbst in den Griff bekommen habe, mal besser mal schlechter! Im Netz habe ich ein wenig geschnüffelt und bin hier gelandet.

Nun bin ich auf der Suche nach Gleichgesinnten, die mich verstehen, ich mich austauschen kann oder denen es genauso ergeht wie mir!

Vielen Dank an alle die hier auch so offen schreiben, es hilt mir ungemein das alles zu verstehen

Liebe Grüße
Die Fotografin

03.12.2015 15:44 • #18


Vergissmeinicht
Hey Fotografin,

begrüße dich ganz herzlich bei uns.

Besser wäre die Zeilen zu kopieren und zu separieren; sprich ein eigenes neues Thema zu eröffnen. Dies ist der Bereich von einem anderen Betroffenen und evtl. gehen Deine Zeilen unter, was schade wäre und Dir nicht wirklich weiterhilft.

Würde dann dort auf Deine Zeilen eingehen.

03.12.2015 20:37 • #19


Liebe @Vergissmeinnicht

Herzlichen Dank für die Info! Habe ein neues Thema eröffnet und hoffe auf weitere Hilfe/Infos oder regen Austausch von Gleichgesinnten.

Hugs
Die Fotografin

03.12.2015 21:09 • #20



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Dr. Reinhard Pichler