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Hallo,

Ich leide unter Agoraphobie und mache zur Zeit KEINE Therapie.
Ich habe es mit Ergo versucht und war auch in stationärer Behandlung, die ich allerdings nach zwei Tagen beendet habe da ich mich dort "falsch" fühlte.

Ich möchte gerne versuchen, meine Ängste alleine in den Griff zu kriegen und mich den Situationen, vor denen es mich graut auszusetzen.

Nun seit ihr gefragt...
Mich würde interessieren, wie ihr euch verhaltet, wenn ihr eine Panik Attacke habt um euch evtl. wieder zu beruhigen oder wie beugt ihr den Attacken vor?

Ich hoffe ihr gebt zahlreiche Tipps und Tricks für mich und andere Leidensgenossen.

Liebe Grüße.

19.10.2015 03:52 • 20.10.2015 #1


14 Antworten ↓


Angstprinzessin
Guten morgen unter richtigen Panikattacken leide ich zwar nicht mehr, aber unter dauerhaften Angstgefühlen! Ich versuche alles zu machen was der Alltag von mir verlangt, bin danach aber total erschöpft. Neulich habe ich mit unserem Hund gerauft, als ich fürchterliche innere Unruhe hatte! Also mir ging es danach doch erheblich besser Ob du wirklich ohne Therapie aus der Angst kommst weiß ich nicht. Hab ich auch lange geglaubt. Mein Leben, so wie ich es geführt habe, kann ich nicht mehr leben! Ich erfinde mich grad neu. Alles Gute dir.

19.10.2015 07:38 • #2



Angst & Panik! Verhalten in der Öffentlichkeit?

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Guten Morgen,

Oftmals treten diese Attacken plötzlich auf, mir wird heiß, der Hals zieht sich zu, ich fange an zu schwitzen und bekomme einen roten Kopf. Gefolgt von Übelkeit und Schwindel.

Auch ich habe 2 Hunde und ein Kaninchen.
Die Hunde sind oftmals der einzige Grund weshalb ich überhaupt das Haus verlasse und ich kann die ja nicht immer und überall mit hinnehmen. :/

Ich weiß das eine Therapie wohl die beste Hilfe bietet aber ich hab viele schlechte Erfahrungen damit gemacht und halte (angstbedingt) diese Wartezeiten bei Ärzten nicht aus. -.-

19.10.2015 07:47 • #3


Angstprinzessin
Oja, ich kann die Wartezeit auch kaum durchhalten. Was ich aber gelernt habe mehr auf meine Gefühle zu hören- seit ich im Vorfeld diese Gefühle zulasse, erwischt mich keine Attacke mehr. Natürlich heilt es mich nicht von der Dauerangst.

19.10.2015 07:51 • #4


Hallo,
mir gehen vor jedem Rausgehen die Gedanken um das Rausgehen durch den Kopf. Allerdings weniger die "Echtzeitbilder" vom Weg oder dem Ort, sondern die Empfindungen, die ich damit verbinde. Spontanes Rausgehen gibt es bei mir kaum. Als ich noch voll im Job war, stand das Gedankenkarussell niemals still, jetzt wo ich nicht mehr diensttauglich bin und nach 2,5 Jahren Therapie kann ich das Karussell auch mal anhalten. Das hatte den positiven Effekt, überhaupt eine andere Sicht auf die jahrelangen Ängste zu bekommen. Eine Therapie halte ich also für sinnvoll.
Für das Rausgehen habe ich kleine persönliche Sicherheiten. Z.B. gehe ich niemals ohne Einkaufszettel in den Supermarkt, denn im Markt stehen und der Gedanke kommt auf irgendwas vergessen zu haben, was einen nicht einfällt... wer kennt das nicht! Solche Gefühle im Supermarkt bedeuten für mich den absoluten Mega-Panik-Gau.
Tägliche "Rituale" erleichtern den Alltag sehr, also den Tag immer gleich beginnen und Regelmäßigkeiten pflegen.
Arzttermine sind auch für mich sehr anstrengend. Ich vereinbare gelegentlich mit der Schwester, daß ich draußen bin und nicht im Wartezimmer und ich lege, weil ich nicht mehr arbeite, keine Termine auf den Nachmittag. Kürzlich allerdings hatte ich leider einen Termin am späten Nachmittag. Der ganze Tag war die Hölle mit meinem Gedankenkarussell und ich kam völlig fertig da an. Das Wartezimmer war nicht voll, aber neben mich setzte sich ausgerechnet eine sehr gesprächige Dame. Ich war kurz vorm Heulen. Als ich dann endlich nach Hause fuhr, dröhnte plötzlich der Auspuff meines Autos los. Bruder angerufen und der schweißte noch gleich ein kleines Loch am Auspuff zu. Abends zu Hause war ich so aufgewühlt vom Tag, daß ich gar nicht schlafen konnte. Blödes Gefühl so fertig zu sein und nicht schlafen zu können.

Hast du Ursachen für deine Angst ausmachen können? @Stien

Grüße

19.10.2015 09:12 • #5


Bei mir ist es eher die Angst vor dem "Ungewissen" oder das mich Fremde ansprechen oder über mich getuschelt wird.
Ich kann mich nicht in einer Umgebung aufhalten, die ich nicht kenne bzw. wo ich mich schon des öfteren aufgehalten habe.
Die schlimmsten Situationen sind Einkaufen, Festivals, iwelche jährlichen Märkte, Kino und Essen gehen.
Mein Freund ist eine große Unterstützung er ist sehr verständnisvoll und lässt mir auch den Freiraum, wenn ich mich eingeengt fühle.

Ich habe gelernt meine Ängste gut überspielen zu können aber ich muss mich jedesmal überwinden irgendeine Aktivität auszuüben, ich habe kaum noch Lebensqualität und seitdem die Firma bei der ich fast 3 Jahre gearbeitet habe aufgekauft und alle Mitarbeiter entlassen wurden, wurde alles noch viel schlimmer.

@ Reenchen : Ich hatte ja eine Ergo begonnen, dort kamen viele Sachen ans Licht die ich wohl verdrängt hatte.
Die Therapeutin meinte ich bin in einer Art Opferrolle gefangen und habe mich damit einfach abgefunden.
Ob das allerdings stimmt weiss ich nicht so Recht.

Liebe Grüße

19.10.2015 09:38 • #6


Zitat von Stien:
Nun seit ihr gefragt...
Mich würde interessieren, wie ihr euch verhaltet, wenn ihr eine Panik Attacke habt um euch evtl. wieder zu beruhigen oder wie beugt ihr den Attacken vor?

Hallo
Mit Panikattacken kenne ich mich gut aus. Zum Glück treten sie mittlerweile nur noch sehr, sehr selten auf, da ich eine Therapie gemacht habe. Auch mir fiehl der Aufenthalt ausserhalb meiner vier Wände schwer, da ich immer Angst hatte eine PA erleiden und ersticken zu können. Öffentliche Verkehrmittel, fremde Menschen, Supermärkte,.....ich hatte selbst beim Fensterputzen Angst.
Geholfen hat mir letztendlich nur die Konfrontation. Der Wichtigste Punkt dabei: kein Vorbeugen, kein Beruhigen, kein Vermeiden! Konfrontation bedeutet die Situation und ALLE damit verbundenen Gefühle zu durchleben. Nur so kannst du selbst erkennen, das Angstgefühl zwar unangenehm aber nicht gefährlich sind. Und mit der Zeit werden sie immer weniger.
Wie lange das dauert ist von Person zu Person unterschiedlich. Ich habe 18 Monate gebraucht um an den Punkt zu kommen wo ich jetzt bin: Fast Beschwerdefrei. Ein Therapeut kann für dich sehr hilfreich sein, denn er ist derjenige der dir auf die Füße tritt, wenn du die Therapie schleifen lassen möchtest. Konfrontation ist unangenehm und man versucht sich ihr automatisch zu entziehen.

19.10.2015 10:04 • x 1 #7


Zitat:
@ Reenchen : Ich hatte ja eine Ergo begonnen, dort kamen viele Sachen ans Licht die ich wohl verdrängt hatte.
Die Therapeutin meinte ich bin in einer Art Opferrolle gefangen und habe mich damit einfach abgefunden.
Ob das allerdings stimmt weiss ich nicht so Recht.

Das könnte z.B. eine Verhaltenstherapie ans Licht bringen.

Bei mir hat sich die Agoraphobie durch permanente Überforderung eingenistet. Ich bin eine schizoide Persönlichkeit (Einzelgänger und Gesellschaftsscheu) und wurde immer auf die Gesellschaft los gelassen, mit der ich gar nichts anfangen kann. Ich tat, was von mir erwartet wurde, obwohl es für mich keinen Sinn ergab, denn mir wurde früh eingetrichtert, immer gesellschaftsfähig sein zu müssen. Vieles hat sich erst durch die Therapie für mich erklärt, auch daß jeder weitere Gesellschaftsdruck für mich gefährlich wird. Da ich auch an episodischer Depression leide, führt jeder Druck von anderen Menschen mich sofort an die mir unerträgliche Grenze.

Als ich jünger war, wollte ich die Agoraphobie auch immer selbst in den Griff bekommen und natürlich hat man dann so seine Taktik. Ich blendete völlig aus, was und wie ich wirklich bin und versuchte mich immer anzupassen. Das war ein großer Fehler.

Grüße

19.10.2015 10:13 • #8


Zitat von xoxoxoxo:
Geholfen hat mir letztendlich nur die Konfrontation. Der Wichtigste Punkt dabei: kein Vorbeugen, kein Beruhigen, kein Vermeiden! Konfrontation bedeutet die Situation und ALLE damit verbundenen Gefühle zu durchleben. Nur so kannst du selbst erkennen, das Angstgefühl zwar unangenehm aber nicht gefährlich sind. Und mit der Zeit werden sie immer weniger.
Wie lange das dauert ist von Person zu Person unterschiedlich. Ich habe 18 Monate gebraucht um an den Punkt zu kommen wo ich jetzt bin: Fast Beschwerdefrei. Ein Therapeut kann für dich sehr hilfreich sein, denn er ist derjenige der dir auf die Füße tritt, wenn du die Therapie schleifen lassen möchtest. Konfrontation ist unangenehm und man versucht sich ihr automatisch zu entziehen.



Hallöchen xoxoxoxo,

Wie ich schon schrieb hatte ich bereits eine Ergo begonnen, meine Therapeutin hat die Behandlung allerdings abgebrochen da ich zu unzuverlässig sei. (Ich hab 2x die Behandlung durch ein PA ausfallen lassen).
Ich will mich immer den Situationen stellen aber oftmals flüchte ich dann, wenn ich merke das mir schlecht und heiß wird. Ich habe einfach unglaublich Angst mich vor allen Leuten übergeben zu müssen. Ein paar mal hab ich es geschafft und nach einigen Minuten ging es mir auch besser aber dies meist in Verbindung mit Tavor.

Liebste Grüße
Stien

19.10.2015 10:17 • #9


Schlaflose
Bei mir ist es schon fast 30 Jahre her, dass ich PAs hatte, mit Hauptsymptom das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen. Ich hatte sie mehrfach am Tag, völlig ohne erkennbare Auslöser, sowohl zuhause als auch draußen. Ich habe sie einfach über mich ergehen lassen. Es hat mir nie jemand angemerkt, dass es mir nicht gut geht. Nach einigen Monaten wurden die Attacken seltener und schwächer und nach einem halben Jahr ganz weg.

19.10.2015 10:20 • #10


Zitat von Reenchen:
Zitat:
Bei mir hat sich die Agoraphobie durch permanente Überforderung eingenistet. Ich bin eine schizoide Persönlichkeit (Einzelgänger und Gesellschaftsscheu) und wurde immer auf die Gesellschaft los gelassen, mit der ich gar nichts anfangen kann. Ich tat, was von mir erwartet wurde, obwohl es für mich keinen Sinn ergab, denn mir wurde früh eingetrichtert, immer gesellschaftsfähig sein zu müssen. Vieles hat sich erst durch die Therapie für mich erklärt, auch daß jeder weitere Gesellschaftsdruck für mich gefährlich wird. Da ich auch an episodischer Depression leide, führt jeder Druck von anderen Menschen mich sofort an die mir unerträgliche Grenze.

Als ich jünger war, wollte ich die Agoraphobie auch immer selbst in den Griff bekommen und natürlich hat man dann so seine Taktik. Ich blendete völlig aus, was und wie ich wirklich bin und versuchte mich immer anzupassen. Das war ein großer Fehler.

Grüße


Ich weiss, dass eine Therapie wahrscheinlich das sinnvollste wär und mir auch in den Alltagssituationen helfen würde, jedoch denke ich, dass ich vllt einfach zu stolz bin um mir wirklich einzugestehen das ich Hilfe brauche.
Dadurch, dass die Therapeutin die Behandlung beendete zweifelte ich stark an die Kompetenz meiner Ärzte, nicht nur durch die Therapeutin sondern auch durch meinen Psychologen.
Ich habe das Gefühl, dass es nicht ernst genommen wird.
Klar gibt es deutlich schlimmere Fälle als mich, aber für mich und meinen Gemütszustand ist das schon ein täglicher Weg durch die Hölle.
Wenn ich schlafen könnte, würde ich sicherlich kaum noch mein Bett verlassen.

19.10.2015 10:26 • #11


Ich denke, so unterschiedlich die Auslöser/Ursachen für Agoraphobie sind, so unterschiedlich sind auch die Strategien dafür/dagegen. Konfrontation kann ohne Therapeut fürchterlich nach hinten los gehen, anderen kann Konftrontation helfen. Ich würde das nicht allein versuchen.

Zitat:
Klar gibt es deutlich schlimmere Fälle als mich, aber für mich und meinen Gemütszustand ist das schon ein täglicher Weg durch die Hölle.
Laß dir nicht einreden, es gäbe schlimmere Fälle. Gibt es nicht! Miß dich auch nicht mit anderen Menschen, von wegen die können das - du könntest das nicht usw. Es gibt keine Wertigkeit, in die du dich zu anderen Menschen hineinzwängen mußt. Sie wissen nicht, wie es dir geht und du weißt es von ihnen nicht. Mit den Ängsten der anderen mußt du nicht leben.

Ein Wort noch zu Tavor: laß es und gewöhne dich nicht daran, daß es dir damit besser geht. Die Abhängigkeit kommt schleichend und dann hast du etwas, was dir absolut gar nicht hilft.

Grüße

19.10.2015 11:33 • #12


Zitat von Stien:
Hallöchen xoxoxoxo,

Wie ich schon schrieb hatte ich bereits eine Ergo begonnen, meine Therapeutin hat die Behandlung allerdings abgebrochen da ich zu unzuverlässig sei. (Ich hab 2x die Behandlung durch ein PA ausfallen lassen).
Ich will mich immer den Situationen stellen aber oftmals flüchte ich dann, wenn ich merke das mir schlecht und heiß wird. Ich habe einfach unglaublich Angst mich vor allen Leuten übergeben zu müssen. Ein paar mal hab ich es geschafft und nach einigen Minuten ging es mir auch besser aber dies meist in Verbindung mit Tavor.

Liebste Grüße
Stien


Da muss ich nochmal nachfragen: Ergo kenne ich als Ergotherapie, also "Beschäftigungstherapie": Basteln, Bauen, Gestalten, etc... Habe ich auch gehabt, allerdings gegen Depression und damit verbundenen "Leistungsdefizit". Wie das gegen Agoraphobie und Angststörung helfen soll, erschließt sich mir jetzt nicht direkt. Ich hätte eher an eine Verhaltenstherapie im Rahmen einer Psychotherapie gedacht.

19.10.2015 12:40 • #13


Icefalki
Liebe Stien, das blöde bei der Angst sind die zugrundeliegenden Ursachen.

Ich meinte auch, es alleine schaffen zu können und hab dann 17 Jahre meines Lebens gelitten.

Therapien muss man ausprobieren, jeder ist anders gestrickt, jeder empfindet anders, oder der anders.

Aber eines ist sicher, nur wir selbst sind in der Lage, etwas zu ändern. Wollen wir es, oder nicht?

Wenn ja, dann heißt es ausprobieren, die Krankheit auch zu akzeptieren, und Schritte zu gehen, die da herausführen können.

Hilfe von außen heißt, Mechanismen angeboten zu bekommen. Welche, liegt allein bei uns.

Vertraust du den Benzos, kann der u.U. noch schwieriger werden, je nachdem .

Und verhalten in der Öffentlichkeit? Ich habe daran gearbeitet, mir eine Bewusstlosigkeit zu gönnen. Und das hat mich dann weitergeführt, dass ich viel tiefere Probleme habe, als nur die Angst.

Es ist alles sehr kompliziert und mir hat die Therapie geholfen, mich selbst ehrlich reflektieren zu können.

Und ohne mein damaliges AD wäre es eh nicht mehr gegangen. Trotz Konfrontation und Kampf und und und.

Der Weg ist lang, leider.

19.10.2015 14:24 • #14


Zitat von xoxoxoxo:
Da muss ich nochmal nachfragen: Ergo kenne ich als Ergotherapie, also "Beschäftigungstherapie": Basteln, Bauen, Gestalten, etc... Habe ich auch gehabt, allerdings gegen Depression und damit verbundenen "Leistungsdefizit". Wie das gegen Agoraphobie und Angststörung helfen soll, erschließt sich mir jetzt nicht direkt. Ich hätte eher an eine Verhaltenstherapie im Rahmen einer Psychotherapie gedacht.


Guten Morgen,

Die Ergotherapeutin hat auch die Verhaltenstherapie gemacht, also nichts mit Basteln und Malen. Es war quasi einfach nur ein Gespräch 1x die Woche wo mein Leben "aufgearbeitet" wurde.

Liebste Grüße

20.10.2015 07:53 • #15



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