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freely
Zitat von Hermit:
aber was ist mit Personen, die dir nahe sind? Leider besteht ein Teil wirklicher Nähe (sofern man sich sowas wünscht) darin, dem anderen gewisse Macht über sich selbst zu geben. Dort kann Wut bei übergriffigem Verhalten eine gesunde Reaktion sein, aber als Warnhinweis. Nicht als Dauerzustand.

Ich hatte mich schon mal einem Choleriker ausgesetzt.
Ebenso hat mein Kind mal geäußert, dass es Angst hat, dass ich wütend werde bei irgendeinem Blödsinn das es gemacht hat.
Also der Warnhinweis soll Angst erzeugen? Hm.

Ich mag Leute die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen sehr.
Ansonsten muss ich davon ausgehen andere Leute tragen eine Bombe in sich, die jederzeit explodieren kann. Denn weiß ich immer, was andere wütend macht? Wenn sie einen schlechten Tag haben, kann ich da was dafür?

Wut ist für mich nichts Gutes und lässt sich mit nichts rechtfertigen. Man tickt aus, nichts anderes ist es.
Aber der, der wütend ist, sieht sich immer im Recht. Der nächste Schritt sind dann Beleidigungen und danach folgt körperliche Gewalt.
Die Wut verbal hervorgebracht, ist nur der Einstieg.

• x 1 #61


Mila40
@SilentRoG u @Hermit

Ich mag die Art eurer Kommunikation sehr gerne. Bitte mehr davon! 😃👍🏼

• x 1 #62


A


Das große Psycho-Fakten-Lexikon Logik gegen das Gefühl

x 3


Hermit
@freely

Ich glaube da haben wir ziemlich aneinander vorbeigeredet. Ich wollte kein Loblied auf cholerisches Verhalten singen oder es gutheißen, wenn jemand austickt.

Was ich sagen wollte: Wut ist eine der Grundemotionen des Menschen. Ihr Sinn liegt darin, DICH zu warnen, dass gerade etwas mit dir passiert, was du nicht möchtest. Jemand überschreitet z.B. deine Grenzen. Den Warnhinweis erlebt der wütend werdende: "Hallo da passiert gerade etwas, was du nicht möchtest". Als solches sehe ich Wut als einen gesunden, natürlichen Schutzmechanismus. Das heißt natürlich NICHT, dass es nicht Menschen gibt, die ständig wegen irgendeinem Mist wütend werden, sich dann nicht beherrschen können und austicken. Von solchen Menschen halte ich mich auch fern.

• x 2 #63


Windy
Zitat von freely:
Wut ist für mich nichts Gutes und lässt sich mit nichts rechtfertigen. Man tickt aus, nichts anderes ist es.
Aber der, der wütend ist, sieht sich immer im Recht. Der nächste Schritt sind dann Beleidigungen und danach folgt körperliche Gewalt.

Dann würde die Menschheit nicht mehr existieren, wenn sie sich bei jedem Anflug von Wut, ohne Besinnung kloppen würde. Die meisten können ihre Impulse durchaus kontrollieren.

• x 1 #64


Dunkelbunte
Zitat von freely:
Ich mag Leute die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen sehr.


Ich mag Menschen, die alle Facetten von Emotionen zeigen können. Nur das finde ich authentisch. Jemand, der nie nen Hals bekommt, mit dem stimmt auch was nicht.

Zitat von freely:
Wut ist für mich nichts Gutes und lässt sich mit nichts rechtfertigen. Man tickt aus, nichts anderes ist es.


Wut ist verborgene Verletzung und hat ihre Berechtigung. Und nicht jeder, der wütend ist, ist ohne Selbstbeherrschung.

Das finde ich doch sehr pauschal von dir 🤷‍♀

• x 2 #65


Dunkelbunte
Was ist ein Mensch, der keine Wut empfinden kann?

Jemand, der keine Grenzen hat? Jemand, der sich selbst nicht fühlt? Was fehlt noch, wenn Wut nie in einem arbeitet?

• x 1 #66


Mila40
@freely

Da steckt verdammt viel Wahrheit drin, in deinem Text.
Ich kann das so gut nachempfinden. Mir macht es selbst bis heute eine Riesenangst, wenn jemand mich anschreit oder aggressiv wird. Ich finde das ganz schrecklich. Meine Eltern haben früher oft so schlimm reagiert, und das war für mich extrem prägend. Mein Nervensystem schaltet da sofort auf Alarm.
Ich selbst bin deswegen genau das Gegenteil geworden. Ich bleibe sehr lange ruhig. Ich werde extrem selten bis nie laut und aggressiv niemals. Aber wenn man mich viel zu lange in die Ecke drängt, platzt mir irgendwann auch der Kragen und ich kann unfair werden und austeilen. Das ist dann wohl mein eigener, verzweifelter Schutzreflex, wenn das Fass einfach überläuft. Soll keine Entschuldigung sein.


Zu deinem Text gibt es einen ganz wichtigen psychologischen Fakt.

FAKT IST: Wut ist in den allermeisten Fällen eine sogenannte Sekundäremotion. Das bedeutet. Sie ist fast nie das echte, erste Gefühl. Darunter liegt fast immer eine tiefe Hilflosigkeit, Überforderung, Scham oder Angst. Weil das Gehirn diese Ohnmacht nicht zeigen will, schaltet es blitzschnell auf Aggression um, um sich mächtig zu fühlen.
Wer also austickt, ist biologisch gesehen in diesem Moment oft einfach massiv überfordert.

Das rechtfertigt absolut keine Ausbrüche, keine Beleidigungen und keine Gewalt, aber es zeigt, dass Menschen, die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, eine enorme innere Stärke besitzen. Sie halten die Situation aus, ohne andere damit zu verletzen.

• x 1 #67


Mila40
@Dunkelbunte

Man muss Wut, böse sein und Aggressionen da denke ich strickt auseinanderhalten. Was versteht wer unter Wut? Denke da haben viele eine andere Vorstellung? Was meinst du? 😉

• x 1 #68


Dunkelbunte
Zitat von Mila40:
Was meinst du?

Wut ist ein heftiges Gefühl.
Ein Signalgeber für mich.

Aggression ist Wut, die nach außen getragen wird durch Schreien, brüllen, Gegenstände schmeißen oder wegtreten, körperliche Gewalt gegen sich selbst oder das Gegenüber.

Aber auch Aggressionen können genutzt werden. Zb in der Psychotherapie. Um an den Schmerz zu kommen, wenn man alles raus lässt.

Mich zb triggert Aggression.
Erinnert mich früh erlebte Gewalt.

Ich war auch mal sehr aggressive in jungen Jahren. Zum Glück gar nicht mehr.

• x 1 #69


YellowFerrum
Wut ist ein Mittel, um eine Situation zu beherrschen, Macht zu erhalten oder zu erlangen, also eine Position in der Hierarchie festzulegen. Auch um als reine Emotion Hass auszudrücken. Wobei sich alles überschneidet.

• x 1 #70


Mila40
Ich finde, das Wut und Aggression nicht dasselbe sind. Und ich finde auch nicht, dass jeder Mensch automatisch aggressiv ist.
Die Psychologie trennt das strikt.
Wut ist ein Gefühl. Ein biologischer Alarm im Inneren, dass eine Grenze überschritten wurde. Das fühlt jeder mal
Aggression ist ein Verhalten. Das ist die Entscheidung, das Gefühl destruktiv nach außen zu tragen (durch Schreien, Schlagen oder Beleidigen).

Man kann also innerlich kochen vor Wut, ohne jemals aggressiv zu werden. Viele Menschen werden stattdessen einfach still, ziehen Grenzen oder klären das vernünftig, anstatt auszuticken. Aggression ist kein automatischer Reflex, sondern ein Kontrollverlust.

• x 3 #71


Mila40
Mein eigener Text zeigt mir gerade allerdings auch, dass ich mich wohl selbst nicht ganz freisprechen kann von Aggressionen. Ich habe ja schließlich auch schon mal jemanden beleidigt, wenn mir der Kragen geplatzt ist.

Umso schöner ist es, dass ich hier gerade echt was für mich lernen kann. Das erinnert mich daran, dass ich mich da manchmal selbst noch ein bisschen mehr reflektieren sollte!
Werde wohl nie der perfekte Mensch sein!

• x 1 #72


M
Zitat von Mila40:
Werde wohl nie der perfekte Mensch sein!

Ist der perfekte Mensch frei von Emotionen? Und müssen die immer positov sein um pefekt zu sein? Und wieso gibt es eigentlich keine Perfektion?

• #73


freely
Zitat von Hermit:
Den Warnhinweis erlebt der wütend werdende: "Hallo da passiert gerade etwas, was du nicht möchtest".

Das ist aber sehr individuell und man kann nicht sagen, das eine wütende Reaktion dann gerechtfertigt ist.

Dieses wütend auf den Boden stampfen, weil etwas passiert was man nicht will, zeugt ja nicht wirklich von Reife.


Zitat von Dunkelbunte:
Wut ist verborgene Verletzung und hat ihre Berechtigung.

Oder eine generelle Anspruchshaltung. Wenn was nicht läuft wie man will, gibt's aber ordentlich Theater. 🙃


Zitat von Dunkelbunte:
Was ist ein Mensch, der keine Wut empfinden kann?

Bewundernswert. 😁
Es gibt echt schönere Emotionen.

Ich brauche dann oft ein Weilchen bis ich mich beruhigt habe und gut geht es mir mit Wut eigentlich auch nicht. Danach bereue ich es dann auch oft, dass ich so überreagiert habe. Denn eigentlich habe ich die ganze Atmosphäre verdorben.

Es braucht eigentlich nicht vieler Worte oder großes Aufhebens darüber, wenn jemand etwas tut das man sich anders vorgestellt hat.
Wenn da jemand wütend wie Rumpelstilzchen rum zappelt und schreit, nehme ich ihn eher weniger ernst bzw finde ich das eher bedrohlich.
Derjenige könnte ja auch ein Herzkasper bekommen, also gesund ist sich aufzuregen auch nicht, Blutdruck steigt und so. 🙃

Was ich immer cool finde, wütend sein und Scherze machen.

Wütend zu sein hat für mich etwas mit dem eigenen Ego zu schützen zu tun. Es sind oft auch Grenzen die das Ego aufstellt.
Jemand kommt zb 5 Minuten zu spät zur Verabredung. Eigentlich kein Problem, man muss ja nicht im Regen warten, aber innerlich kocht man, denn was erlaubt sich der andere einen warten zu lassen! Grenze überschritten! 😁

Ich kenne das alles und jeder wird es kennen.
Wer entscheidet sich da wirklich wütend zu reagieren, man selbst oder das Ego?

Kommt die Wut so über einen oder entscheidet man sich bewusst dafür?
Das eine geht ins zwanghafte, das andere ist freie Entscheidung. Einfach mal testen ob man selbst entscheiden kann.

Und wie gesagt, wütend zu sein ist eher unangenehm und ungesund noch dazu. Gelassen zu bleiben finde ich viel erhabener und fühlt sich auch besser an. Leicht zu erreichen ist es aber nicht. 🙃

• #74


freely
Zitat von Mila40:
Mein eigener Text zeigt mir gerade allerdings auch, dass ich mich wohl selbst nicht ganz freisprechen kann von Aggressionen. Ich habe ja schließlich auch schon mal jemanden beleidigt, wenn mir der Kragen geplatzt ist.

Oh, wer hat das nicht? ... der werfe den ersten Stein 🙂
Das ist ein Problem mit den perfekten Menschen, sie können schwer verzeihen, weil ihnen selbst so ein Fehltritt ja nieeee passieren würde.
Wir sitzen alle im selben Boot, jeder arbeitet an sich um ein kleines Stückchen besser zu sein als gestern.

• x 2 #75


YellowFerrum
Ich sehe das anders. Ich sehe das als kontinuierlichen Weg, der von 0-100 reicht. Man kann ihn einteilen und mit verschiedenen Merkmalen trennen, aber es bleibt eine kontinuierliche Steigerung.
Ich will das auch schnell erklären. Du bist unterwegs und verspürst ein leises Durstgefühl. Dein Körper signalisiert es dir und dir wird das Gefühl bewusst. Du musst noch lange nichts trinken. Erst allmählich steigert sich das Bedürfnis. Du musst noch etwas aushalten. Endlich hast du Wasser in der Hand und kannst deinen Durst stillen. Aber falls das nicht der Fall ist, wird sich dein gesamtes Denken danach ausrichten, deine Augen würde nur nach Wasser suchen, dein Körper gerät in höchste Anspannung auf der Suche danach. Irgendwann würdest du innerlich kampfbereit jemandem die Flasche entreißen und wenn die Situation nicht anders zu lösen ist, würdest du ihn in wütender Aggression umbringen.
Wut gedämpft als verminderte Form der Aggression. Gewalt ist die Mutter der Veränderung. Jeder noch so kleine Unwillen, Unannehmlichkeiten, Unbehagen, Ungerechtigkeit, Bedürfnis haben nur um einen Hauch deine Balance irritiert und animieren dich zum Handeln um die Balance wiederherzustellen. Und doch können sie zu einer genialen Erfindung, einer Revolution oder nur zur Durstlöschung führen. Ohne diesen Hauch würde sich nichts entwickeln und verändern, man würde ständig Käsekuchen essen...

• x 1 #76


Mila40
@freely
Dieses 'Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, werfe den ersten Stein, sollten wir uns echt alle viel öfter auf die Brille kleben. Es tut gut zu wissen, dass wir hier alle im selben Boot sitzen und eigentlich niemand perfekt sein muss. Genau dieses gemeinsame An-sich Arbeiten ist doch der eigentliche Gewinn.✌

• x 1 #77

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Mila40
@YellowFerrum

Es ist extrem spannend zu sehen, wie die Skala von einem leisen Signal (0) bis zum absoluten Kontrollverlust (100) reicht. Der eigentliche Trick im Alltag ist ja im Grunde nur, den Durst oder die Wut rechtzeitig zu bemerken, bevor das Gehirn im roten Bereich ankommt und man anfängt, Flaschen zu entreißen.😉

• x 1 #78


YellowFerrum
Zitat von Mila40:
@YellowFerrum Es ist extrem spannend zu sehen, wie die Skala von einem leisen Signal (0) bis zum absoluten Kontrollverlust (100) reicht. Der eigentliche Trick im Alltag ist ja im Grunde nur, den Durst oder die Wut rechtzeitig zu bemerken, bevor das Gehirn im roten Bereich ankommt und man anfängt, Flaschen zu ...

Das machen moralische Grenzen, die durch Erziehungsdruck ein gepflegtes soziales Miteinander ermöglichen. Oder auch nicht.

• x 2 #79


Windy
Wut ist eine sehr gute Emotion, die signalisiert, daß jemand bei einem über die Grenzen gegangen ist und dient dazu sich zu verteidigen und zu schützen. Sie gibt auch den Antrieb etwas zu tun, wobei man als erwachsener Mensch aber in der Regel in der Lage geworden ist, sie durch Selbstkontrolle regulieren zu können. Mein Psychiater sagt immer wieder, daß jedes Gefühl, richtig und auf seine eigene Art, gut ist. Man darf sich niemals dafür schämen oder es unterdrücken, sonst wird es nur noch stärker. Gefühle sind Leben, sie machen uns als Mensch aus und Wut gehört zu den grundlegendsten, die dafür da sind unseren Organismus zu verteidigen und Antrieb für Veränderung zu geben. Ich mag meine Wut ganz gerne, sie gibt mir immer den nötigen Schwung, den ich für Dinge nehme, die ich sonst nicht gerne mache, vor mir hergeschoben habe und wo mir die Ausdauer sonst ausgehen würde.

• #80


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