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Hallo,

ich habe in zwei Foren einen Aufruf für meinen Dokumentarfilm gepostet und möchte es aber nicht verpassen, mich auch ein bisschen vorzustellen.

Mein Name ist Marcel, ich bin 33, Filmemacher und arbeite zur Zeit an einem Dokumentarfilmprojekt über sozialen Rückzug bei Kindern und Jugendlichen. Ich habe in Magdeburg Soziologie und Psychologie studiert, und bin dann nach Köln gegangen, um dort an der Filmschule Regie zu studieren. Jetzt wohne ich im wunderschönen Leipzig...

Ich recherchiere schon sehr lange zum Thema des Rückzugs, seit ungefähr 2 Jahren. Mir ist bewusst, dass der Versuch einen Film darüber zu machen, eigentlich ein Paradox ist. Aber das Thema lässt mich nicht los. Und ich würde den Betroffenen gerne eine Stimme geben. Denn es sind gerade die leisen Leiden, die im täglichen Medienrummel untergehen, weil sie nicht Massenwirksam genug sind.

Ich hoffe, ich finde hier Betroffene, die mich bei diesem Anliegen unterstützen wollen.

Ich freu mich aber auch über Anregungen, Lob und Kritik.

Liebe Grüße
Marcel

28.09.2010 14:43 • 04.10.2010 #1


21 Antworten ↓


Hallo Marcel,

Deine Aufrufe in den Unterforen musste ich löschen, da sie gegen die Forenregel:

Zitat:
Fernseh- und Rundfunkanstalten, Universitäten

Aufrufe für die Teilnahme an Sendungen sowie an Befragungen und Interviews sind unerwünscht und werden gelöscht.


verstiessen.

Liebe Grüsse

Petra

28.09.2010 17:57 • #2



14 Arten, den Regen zu beschreiben

x 3


Finde ich eine gute Idee
Wie kann man dir denn dabei behilflich sein?

28.09.2010 18:51 • #3


Zitat von mod-petra:
Hallo Marcel,

Deine Aufrufe in den Unterforen musste ich löschen, da sie gegen die Forenregel:

Zitat:
Fernseh- und Rundfunkanstalten, Universitäten

Aufrufe für die Teilnahme an Sendungen sowie an Befragungen und Interviews sind unerwünscht und werden gelöscht.


verstiessen.

Liebe Grüsse

Petra




Liebe Petra,
tut mir sehr leid, dass ich gegen die Regeln verstoßen hab. Das war keine Absicht, hab mich wohl nicht ausreichend über Eure Vorschriften informiert (bin auch in anderen Foren vertreten und hab bisher keine Probleme gehabt).

Ich finde es auch sehr gut, dass Ihr die Mitglieder des Forums vor Medienanfragen bewahren wollt, da es hier doch in den meisten Fällen nur um die schnelle Schlagzeile und "erschreckende" Bilder geht. Das Fernsehen nimmt sich nicht die Zeit, nach Hintergründen zu fragen, ein Thema in seinem vollem Umfang darzustellen und die Betroffenen wahrheitsgemäss zu Wort kommen zu lassen.

Schade ist eben nur, dass ein generelles Verbot dann auch die ambitionierten Filmemacher ausschliesst. Das damit auch den Projekten, die diesem obeflächlichen Schlagzeilen-Journalismus etwas entgegensetzen wollen, die aufklären wollen, keine Chance gegeben wird. Und das damit keine Möglichkeit entsteht, Aufklärung zu betreiben.

Solange wie unsere Gesellschaft Phobien und Angsterkrankungen tabuisiert und verhöhnt, solange werden sich die Betroffenen ausschliesslich in solchen Foren austauschen können. Aber wir brauchen Öffentlichkeit zu diesen Themen. Die Bevölkerung muss über diese Phänomene aufgeklärt werden, wenn wir damit irgendwann besser umgehen wollen.

Ich wollte gerne einen Beitrag dazu leisten. Und ich opfere viel für dieses Projekt. Seit Jahren. Auch sehr persönlich. Das diese Bemühungen mit einem Verweis auf die Regeln einfach weggewischt werden, ohne genau hinzuschauen und zu unterscheiden, finde ich sehr schade. Auch für Eure Sache. Ich hätte gehofft, dass wir vielleicht nach einer gemeinsamen Lösung hätten suchen können?

Die Chefärzte der Kliniken mit denen ich zusammenarbeite, haben auch eine große Verantwortung für Ihre Patienten und, und ich wiederhole mich da gerne, sind zu Recht sehr skeptisch was Medienanfragen angeht. Aber sie verallgemeinern nicht und schauen sich die Projekte und die Macher an. Denn es gibt auch im Medienbereich noch Menschen mit Herz und Gewissen.


Liebe Grüße
Marcel

29.09.2010 08:42 • #4


PS: Warum gibt es dann eigentlich einen Aufruf der Uni Bielefeld im Forum, wenn die Regeln besagen, dass "Aufrufe für die Teilnahme an Sendungen sowie an Befragungen und Interviews sind unerwünscht und werden gelöscht." ?

Ich möchte es nur verstehen und für mein Projekt eintreten, weil es mir wichtig ist!


Marcel

29.09.2010 09:28 • #5


Mal ganz kritisch gefragt.
Was erwartest du jetzt? Das sich die Leute einem Wildfremden anvertrauen und dann dir all ihre Sorgen, Ängste und ähnlilches mitteilen?
Wir wäre es mal wenn du DICH vorstellst und nicht dein Projekt?
Les dich erstmal ein und komm nicht gleich mit "Ich will ein Projekt blah..."

Du glaubst doch nicht, das so einer einfach so mit macht? Wenn doch dann sind diese Leute doch sehr naiv, weil man dich im Fernsehen oder allg. in den Medien immer so hinstellen kann, wie du vielleicht garnicht bist

Also, erzähl etwas von dir.

29.09.2010 09:49 • #6


Hallo Fynn,

ich geb Dir vollkommen Recht damit, dass mein Anliegen sehr viel von den betroffenen verlangt. Aber findest Du nicht, dass solche Filme und Bücher gemacht werden müssen? Und wie anders als über die Leute, die es betrifft, können wir diese sachen herstellen?

Ich hab mich übrigens eingelesen. Und das nicht nur hier, sondern die letzten zwei Jahre. Und das ich mich hier mit meinem echten Namen präsentiere, sollten allen zeigen, dass ich nichts verbergen will und offen sein möchte, was mich und mein Projekt angeht. Aber ich komme Deiner Aufforderung auch gerne nach und erzähle noch etwas mehr von mir...

Was vielleicht am wichtigsten ist: ich bin von keinem der hier besprochenen Themen selbst betroffen. (Wenn das so wäre, könnte ich den Film ja auch einfach über mich machen). Dennoch bin ich natürlich, wie jeder andere auch, nicht frei von Ängsten. Und Themen wie Einsamkeit, Depression und Tod spielen auch in meinen bisherigen filmischen Arbeiten eine Rolle. Und wie bei jedem Künstler, steckt vieles aus meinem Leben und meinem Inneren, in meinen Arbeiten. Deshalb hier auch nochmal die Empfehlung: wenn Du etwas über mich erfahren willst, was Du nie aus meinen Worten lesen können wirst, schau Dir meine Sachen an http://www.hor-grindel.de/showreel/

Okay, da ich nicht hier bin, weil ich über akute aktuelle Probleme reden möchte, bleiben die Informationen, die ich geben kann, wahrscheinlich auf einem sehr informativen Level, und ich weiss nicht, ob das das ist, was Du erwartest. Trotzdem: ich bin in Wolmirstedt aufgewachsen, hab dort mein Abitur gemacht. Hab in Magdeburg Soziologie und Psychologie studiert. Bin dann nach Köln gegangen, um dort Filmregie zu studieren. Und wohne jetzt in Leipzig, in einer WG. Ich habe eine ältere Schwester, die selber bereits zwei Kinder hat. Meine Eltern hatten am Wochenende goldene Hochzeit und ich bin glücklich in einer Beziehung.

Ich habe wie gesagt selber keine Leidensgeschichte zum Thema Angst zu erzählen. Aber ich denke, das muss man auch nicht, wenn man einen Film darüber machen will. Wichtig ist, dass man verantwortungsbewusst und sachlich korrekt damit umgeht. Und ich denke dass tue ich. dafür gibts natürlich keine Garantien.

Hoffentlich konnte ich Deine Skepsis etwas dämpfen?

Liebe Grüße
Marcel

29.09.2010 10:24 • #7


Zitat von hor grindel:
Und das ich mich hier mit meinem echten Namen präsentiere, sollte allen zeigen, dass ich nichts verbergen will und offen sein möchte, was mich und mein Projekt angeht.


hab grad gemerkt, dass ich ja bisher nur mit meinem vornamen unterschrieben hab, der volle name gar nicht sichtbar ist und durch die löschung meiner beiträge auch die internetseite fehlt. deshalb zur ergänzung: Marcel Ahrenholz. und die seite ist www.hor-grindel.de

29.09.2010 10:35 • #8


Lieber Marcel,

das finde ich immerhin schon einmal ein Anfang. Man fasst ein wenig mehr vertrauen, ich zumindest, wenn man mehr über die Person weiß. Da wir hier alle ja doch recht anonym sind und jeder auftauchen kann mit einem Projekt über XYZ.

Mich würde interessieren wie du von Psychologie und Soziologie zum Filme machen gekommen bist?
Was genau erwartest du von den Usern im Forum?
Um welche Ängste/Einsamkeit etc geht es? Eine bestimmte Krankheit?

Liebe Grüße
Nicole

29.09.2010 11:12 • #9


Hallo Nicole,

schön, dass ich (bei Dir) etwas Vertrauen gewinnen konnte. Und danke, dass Du mich dahin "geschubst" hast...

Ich find das wie gesagt auch sehr gut und richtig, dass Ihr vorsichtig seid. Das Fernsehen treibt viel Unfug mit solchen sensiblen Sachen.

Zu Deinen Fragen:
Der Weg von der Soziologie zum Film ist eigentlich gar nicht so weit. Es geht bei beiden um den Menschen, und dann vor allem darum, wie die Dinge (zwischen den einzelnen) funktionieren, oder warum sie nicht funktionieren. Ich war schon während der Studienzeit ein großer Kinofan, war zwei bis drei mal in der Woche in meinem Stammkino, dass wie zu einem zweiten Zuhause geworden ist. Wenn Du so willst, war das vielleicht mein Rückzugsort vor der Welt, die ich oft nicht verstehen und nicht ertragen konnte. Irgendwann, es war Silvester 2000/2001, kam der Entschluss, selber Filme machen zu wollen. Die Wissenschaft war mir zu tatenlos. Und ich glaube daran, dass Filme den Menschen helfen können, sich und die Welt besser zu verstehen.

Deshalb auch dieses Projekt. Es wird zu viel geschwiegen, über solche und viele andere Dinge, die die Menschen bedrückt. Und, es wird sich viel lustig gemacht. Aber nur aus Angst und Unwissenheit. dagegen muss vorgegangen werden. Und das geht nur über Aufklärung.

Was ich erwarte von den Usern? Ich hatte gehofft, hier Betroffene zu finden, die mein Projekt gut finden und mitmachen wollen. Oder, Tipps zu bekommen, wo ich noch suchen kann. Ich würde in dem Film gerne Familien im Alltag begleiten, um so einen Einblick zu bekommen, wie das Leben mit einem Sohn oder einer Tochter aussieht, die sich zurück zieht. Eine bestimmte Angst oder Krankheit suche ich dafür gar nicht. Mir geht es vor allem um den Rückzug als solches. Welche Ursachen oder Hintergründe das hat, kann oder soll der Film dann darstellen. Für mich ist der Rückzug als solches einfach ein unglaublich Starkes Bild (ich bin ja nunmal Filmemacher und denke dementsprechend in Bildern - das soll keine Herabstufung sein oder jemandem weh tun).

Ganz konkret wäre also die Frage, was kann ich tun, um dieses Projekt zu realisieren? Wo finde ich die Familien? Und wie kann ich Ihnen die Scheu vor der Kamera und der Öffentlichkeit nehmen?


Liebe Grüße
Marcel

29.09.2010 11:30 • #10


Soweit so gut, kann ich nachvollziehen.
Das einzige Problem was ich daran sehe ist, du wirst keines dieser scheuen Mädchen/Jungs ansatzweise vor die Kamera bringen. Es gibt natürlich auch Leute die sich zurück gezogen haben und trotzdem das Haus verließen (- ich z.b.), allerdings wirst du niemanden die Scheu so nehmen können, sich vor die Kamera zu stellen.

Hast du schonmal darüber nach gedacht dir die Geschichten anzuhören und mit der Erlaubnis das mit einem Schauspieler zu drehen?

Was genau soll rüber gebracht werden? Wie man damit umgeht? Wie es dazu kommt? Es gibt ja viele verschiedene Sachen. Bei meiner Familie wird es zum Beispiel fast komplett ignoriert und gesagt ich übertreibe lediglich

Liebe Grüße

29.09.2010 11:44 • #11


Ich glaube, dass ist ein Punkt, den ich bei der Vorstellung meines Projekt noch deutlicher machen muss: Die Kinder selber, müssen gar nicht vor die Kamera. Und das macht auch Sinn, denn, wenn ich einen Film machen will, der davon handelt, dass jemand nicht da ist, warum sollte er (oder sie) dann im Film zu sehen sein.

Nein, mir würde vollkommen reichen, wenn sich die Eltern bereit erjklären würden, dass ich sie begleiten darf (die Zustimmung zum Projekt brauch ich natürlich auch vom Kind, klar!). Zu sehen sein, werden also nur die Eltern.

Trotzdem bleibt es natürlich schwierig. Wer will mit seinen Problemen schon an die Öffentlichkeit. und wer will, wenn es Daheim schwierig ist, Fremde Leute da haben, die den ganzen Tag mit einer Kamera rumlaufen. Klar. Und solche Fälle wie Deiner, wo die Familie auch noch verdrängt, dass es Probleme gibt, sind wahrscheinlich gar nicht zu überzeugen, weil sie das Thema um das es im Film geht, gar nicht bei sich sehen.

Das Nachstellen mit Schauspielern würde aus dem Dokumentar- einen Spielfilm machen. Die Idee ist da. Aber das ist Fiktion, egal wie getreu man die Geschichte an die Wirklichkeit anlehnt. Ich möchte gerne echte Schicksale zeigen - auch um eben die angesprochene falsche darstellung von tatsachen in den Medien zu vermeiden, die mit einem Spielfilm immer gegeben ist.

Was ich rüberbringen will, hast Du schon gut zusammen gefasst. Vor allem den Punkt, wie man damit umgeht. Ich hab ja auch keine Vorstellung davon, wie so ein Tag in einer solchen Familie aussieht. Das möchte ich eben rausfinden. Kann sein, dass es gar nichts besonders spannendes oder dramatisches zu entdecken gibt. Aber das ist eben das die Erkenntnis des Films: nämlich das das Leben in diesen Familien auch ganz normal weiter geht (was ich mir aber nicht vorstellen kann. Denn so ein Rückzug ist doch ein recht großer Einschnitt und bringt ja auch einige Probleme mit sich).
Ich hab zum Beispiel von Fällen gehört, wo dieses Thema vor Freunden und bekannten verheimlicht wurde. Oder ein Fall, wo die Mutter Zuhause war, weil sie keine Arbeit hatte, und dann den ganzen Vormittag in der Küche gesessen hat und ängstlich auf die Wohnungstür gehört hat, weil sie nie wusste, ob der Sohn, wenn er überhaupt mal zur Schule gegangen ist, nicht irgendwo umgekehrt ist und wieder zurückgekommen ist. Oder wenn es Geschwister gibt, wie ist die Kommunikation? Ich hab von einer Schwester erfahren, die ihrem Bruder zettel unter der Tür durchgeschoben hat...

Ich will einfach beobachten, wie das Leben weitergeht. Und natürlich, etwas über die Gründe und Ursachen für den Rückzug herausfinden.

Kannst Du denn etwas von Deiner Geschichte erzählen? Wie es dazu gekommen ist und wo Du jetzt stehst? (sicher hast du das schon irgendwo im forum gemacht...kannst mir auch den link schicken)


LG, marcel

29.09.2010 12:51 • #12


Das erklärt zwar mehr als das vorherige, trotzdem wirst du kaum irgendwen vor die Kamera kriegen, so sehe ich das, sorry. Meist leiden die Eltern auch unter irgendwelchen Ängsten, ähnlich wie ihre Kinder.. aber egal.. ich copy und paste mal meine geschichte unter ein paar abwandlungen

Bei mir ist es eine lange Verlaufsliste. Es fing an das ich selten irgendwo alleine hin gelaufen bin, besonders nicht nachts/abends. Sobald es Dunkel wurde, rannte ich panisch durch die Stadt. Hatte im Handy immer Notruf Nummer bereit, oder Pfefferspray dabei. Ich hab mir in den Gedanken immer vorgestellt, wie ich mich verteidigen könnte. Damit fing es eigentlich an. Dann konnte ich mir keine Horrorfilme anschauen, ich hatte wirklich angst, das mir oder jemanden den ich liebe so etwas passiert. Irgendwann bin ich in das Zimmer meiner größeren Schwester gezogen, da sie ausgezogen ist. Das Zimmer war ein Einzelzimmer unter dem Dach. Ich war abgeschottet von unseren Wohnung und habe da Todesängste durchlitten. Ich blieb teilweise bis 4 Uhr morgens wach, weil ich der Meinung war es wäre jemand vor der Tür und der würde mich umbringen, sobald ich einschlief. Ich konnte mich nicht entscheiden ob ich laut sein soll, damit der merkt das ich Wach bin, oder leise und so tun als wär ich garnicht da. Ich rief oft meine Mama an und hab panisch gesagt das sie hoch kommen soll, es wär jemand da. Es war nie jemand da. Ich bin dann mit meinem neuen Freund (Fernbeziehung) am Telefon die ganze Nacht verblieben...

Zwischenzeitlich wurde meine Laune, als ich wirklich niemanden hatte so schlimm, dass ich Wochelang nichts aß und nicht ansprechbar war.
Ich hab von allen Seiten Mobbing Sprüche und Streß bekommen und war im schwarzen Loch. Habe zeitweise Suizid Gedanken gehabt. Darauf geh ich mal nicht weiter ein Ich hab mir zumindest NIE etwas getan !

Es war schlimm. Ich hatte Angst um meine Freunde (Alle Psychische Probleme und eigentlich nur aus dem Internet), richtige Freunde hatte ich nicht. Familie hab ich mich abgeschottet, weil es mir zu viel Streß wurde. Es hat aber auch keiner sich darum gescherrt. Meine Mutter ging mit mir einmal zum Psychologen, die mich für ein Super-Nanny Kind und *beep* hielt. Daraufhin war das Thema für mich gegessen. Ich vegetierte alleine vor mich hin... während meine Angst wuchs.

Letzten Jahres (mit 18 Jahren) und vielen Ängsten darum, dass ich Krank bin und depressionen bin ich zu meinem Freund von Niedersachsen nach Hessen gezogen. (Man sollte wissen ich habe einen langen Krankheitsverlauf... Dauernd Bauch / Oberbauchweh, starke Menstruationsbeschwerden, Dauerschlapp, über 10 Stunden schlaf sind Gewohnheit bei mir, klage über Streß - Bauchweh - Durchfall etc.)

Man sollte meinen, ich hätte jetzt alles besser im Griff. Eigentlich wurde es schlimmer.
Ich verstehe mich mit meinen Eltern besser, während meine Schwiegereltern und die Familie von meinem Freund nur auf mich rum hackt. Ich bin von 5 Uhr Morgens wach, gehe um 6 Uhr aus dem Haus und bin um 18 Uhr erst wieder da, weil ich so lange Arbeite und meine Fahrtzeit so hoch ist.

Meine Ängste sind so ausgeprägt ..
Ich hab nun vor alles angst. Ich trau mich nicht im Dunkeln aus dem Zimmer. Ich höre immer irgendwelche Geräusche, wo ich denke da ist jemand. Ich hab keine Sekunde ohne Streß, sobald ich irgendetwas machen möchte krieg ich irgendwelche Sorgen. Wie geht es mit deiner Zukunft weiter? Deine Ausbildung ist nichts Wert und du bist da total unglücklich. Wird dein Freund dich noch lieben? Gehts deiner Familie gut? Solltest du deinen Hund nicht abgeben, du hast eh keine Zeit für ihn.

Die Gedanken könnte ich noch Stunden so weiter führen.

Soziale Kontakte sind bei mir auf 3 Leute neben meinem Freund reduziert. Ein Freund verstieß mich, weil ich alles immer hinter fragt hab. Meine "Was wäre wenn...?" Frage und meine Probleme waren ihm zu viel, er meldet sich nun nur noch wenn er mir was erzählen will. Mein Leben ist auf Arbeiten reduziert...
ABER!

Es gibt ja nun nicht nur negative Sachen.
Ich bin stolz darauf auch einige Ängste abgelegt zu haben. Ich kann alleine in einem abgeschlossenen Raum mich aufhalten (Unser Lager auf der Arbeit z.b.), ohne dauernd Geräusche zu hören. Auch wenn ich manchmal noch Angst habe. Ich freue mich nach Hause zu kommen und meine Familie zu sehen (Mein Freund und mein Hund). Ich freue mich über Sterne, Mond und den Himmel. Sachen zu tun die mich von meiner Angst ablenken und ich freue mich über den Sonnenauf/untergang.

Mein Vater sagte mal zu mir... Egal wie schei. das Leben ist, es ist lebenswert, solange ich jeden Morgen die Sonne aufgehen sehe.

Ich warte immernoch auf eine Therapeutische Behandlung, aber ich werde nicht als wichtig genug eingeschätzt. Somit muss ich alleine klar kommen.

Ich hab vor ein paar Tagen versucht meiner Mutter zu erklären was ich habe und wodurch das entstand. Sie legte einfach auf. Sie war scheinbar verletzt das ich den Streß von früher als Ursprung sehe, genau wie das Mobbing wogegen keiner was unternahm. Man sollte mich nicht falsch verstehen, ich hatte alles was ich brauchte. Aber seelischer Beistand war nur da, wenn ich weg gelaufen bin.

Ich versuchte gestern nochmal mit meiner Mutter zu reden, fehlanzeige. Totale Blockade. Ich hab schon im innerlichen versucht mit ihr Abzuschließen und mehrere alte Kontakte hoch geholt um mit irgendjemandem reden zu können bis ich zu Hause weinend zusammen brach. Daraufhin folgte ein Gespräch mit meiner Schwester die mich nach 2 Stunden immernoch nicht verstand. Es war ein dauer heulendes Gespräch von beider Seiten... Letzten endes gings mit uns dann doch ganz gut aus...


Das mit der Schule hatte ich auch. Besonders in der 13ten Klasse habe ich mehr als 20 % gefehlt. In meiner Ausbildung hab ich in einem Jahr über 100 Fehltage kassiert. Durch den ganzen Streß denke ich mir, ich habe irgendetwas und gehe zum Arzt. Wobei bei mir noch ein paar Undichte Fenster und grausige Zustände meiner Schwiegereltern bzw. der Situation dort zuspielen.

Von Medikamenten halte ich nicht viel. Ich benutze lediglich ab und an Baldrian zur Beruhigung, wenn es garnicht geht.

Ich habe auch viele Todes und Krankheitsfälle die mich enorm geprägt und verändert hatten. Ich musste immer stark für andere sein, statt sie für mich sowohl in der Familie als auch bei meiner einzigen realen Freundin.






Das wars so weit...

29.09.2010 13:08 • #13


trotzdem wirst du kaum irgendwen vor die Kamera kriegen,


das macht Mut, danke


deine beschreibung deines weges ist sehr ehrlich und aufschlussreich. insofern, dass man daran sehr gut sieht, wie eins zum anderen kommt. und wie man immer tiefer hineingerät. und oft kommen ja mehrere sachen auf einmal, die einen dann überfordern, oder?

(dazu fällt mir ein zitat ein:

„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“
Sören Kierkegaard)

interessant deine vermutung, dass in solchen fällen bei den eltern auch meistens irgendwelche ängste zu erwarten sind. das macht es natürlich für die kinder doppelt schwer. ist mir aber in meiner recherche bisher noch nicht so oft aufgefallen.

schlimm finde ich allerdings, dass du beschreibst, wie gross das unverständnis innerhalb der familie ist. bzw, wie die reaktionen sind. hast du denn schon viel mit anderen betroffenen gesprochen? sind die reaktionen häufig so? und versucht man eigentlich so lange es geht, allen anderen etwas vorzuspielen? also das alles in ordnung ist, dass es einem gut geht? oder versucht man, signale zu senden, gespräche zu führen?

29.09.2010 15:19 • #14


Zitat von hor grindel:
trotzdem wirst du kaum irgendwen vor die Kamera kriegen,


das macht Mut, danke


deine beschreibung deines weges ist sehr ehrlich und aufschlussreich. insofern, dass man daran sehr gut sieht, wie eins zum anderen kommt. und wie man immer tiefer hineingerät. und oft kommen ja mehrere sachen auf einmal, die einen dann überfordern, oder?

(dazu fällt mir ein zitat ein:

„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“
Sören Kierkegaard)

interessant deine vermutung, dass in solchen fällen bei den eltern auch meistens irgendwelche ängste zu erwarten sind. das macht es natürlich für die kinder doppelt schwer. ist mir aber in meiner recherche bisher noch nicht so oft aufgefallen.

schlimm finde ich allerdings, dass du beschreibst, wie gross das unverständnis innerhalb der familie ist. bzw, wie die reaktionen sind. hast du denn schon viel mit anderen betroffenen gesprochen? sind die reaktionen häufig so? und versucht man eigentlich so lange es geht, allen anderen etwas vorzuspielen? also das alles in ordnung ist, dass es einem gut geht? oder versucht man, signale zu senden, gespräche zu führen?



Tschuldigung, ich wollte dir nicht deine Hoffnung nehmen, lediglich meine Meinung kund tun.

Wenn du nichts unternimmst gerätst du automatisch immer tiefer rein, finde ich zumindest. Ist wie ein .. wie heißen die noch gleich? Sandstrudel? Moor, wie auch immer du das sehen willst.
Je mehr du dich (falsch) wehrst, desto tiefer sinkst du.

Ich weiß es durch meine Mutter und durch ein paar Postings hier im Forum. Ich meine damit nicht alle, aber ab und an oder eher gesagt fiel es mir hier im Forum schon ab und zu auf. Meine Mutter hat auch Angst, meine Schwester ebenfalls. Meine Mutter hat ihre durch Ereignisse in ihrem Leben bekommen (Bedroht etc.). Meine Schwester würde sich hier im Forum unter umständen wohl fühlen wenn es darum geht, sich Krankheiten einzureden aufgrund verschiedener Symptome.


Zu der Sache mit der Familie...
Unterschiedlich.
Depressionen o.ä. hatte ich länger. Meine Familie wusste es. Ich habe nichts mehr mit anderen Kindern gemacht immer mehr abgesagt und mich vor den PC verkrochen, meine ganze Freizeit. Ich hab ne Mauer um mich herum gebaut und Sozialkontakte waren dann auch weg
Es wurde nur gesagt "Mach mehr mit Freunden". Wie gesagt später schleppte meine Mama mich zum Psychologen, aber nur wegen meinen Bauchschmerzen (psychosomatisch bzw Reizdarm/Magen?)

Gesprochen haben wir öfter mal, doch im endeffekt brachte es nicht.
Das Problem ist. Woher weißt du als Kind, ob du so etwas hast? Wie willst du das objektiv beurteilen können? Du denkst doch es sei ganz normal und schiebst sowas wie "es könnte eine Krankheit sein oder dauer depressionen" beiseite. Du sagst halt, du bist nicht gut drauf. Das sagst du halt nicht nur einen Tag sondern 2,3,4......

Und vorzuspielen denke ich ab und zu auch. Klar man will niemandem kummer machen besonders nicht, wenn diese Personen schon genug haben. Es gibt solche und solche Familien. Meine Familie war nicht tatenlos, aber auch nicht tatenreich. Sie waren nicht sorglos, sondern voller sorgen. Sie waren aber am Ende ihrer Macht, zumindest in ihren Augen. Auch wenn ich das anders bewerte.

Und die jetzige Situation, wieso die zur Stande kam.
Mh schwierigg...

Wer weiß

29.09.2010 15:53 • #15


guten morgen

endlich mal wieder sonne über deutschland! das ist wunderbar.


tut mir leid, wenn ich dich immer weiter mit fragen löchern muss. aber vielleicht kommen ja noch ein paar andere meinungen dazu, damit du dich nicht alleine mit mir auseinandersetzen musst. wenn es zu viel wird, sagst du einfach stopp.

mich würde interessieren, wie sich das anfühlt, wenn man nach und nach alle kontakte abbricht bzw sie verloren gehen. oder was ich vielleicht eher meine: ist man froh, wenn man in ruhe gelassen wird und will auch keinen austausch mehr, oder ist es eher so, dass man will aber nicht kann. entschuldige wenn das vielleicht eine blöde frage ist, aber ich kann nur von mir ausgehen, und wenn es mir nicht gut geht, will ich niemanden hören oder sehen. mir ist aber natürlich klar, dass das nicht zu vergleichen ist. deshalb muss ich fragen...

kennst du, oder kennt hier jemand, das buch "shutting out the sun"?? es beschreibt sehr eindrucksvoll das hikikomori-phänomen in japan. schonmal gehört?


lg, marcel

30.09.2010 10:07 • #16


Kontakte Abbruch ist schwierig zu beschreiben. Jeder sieht das anders, ich kann nur für mich sprechen.

Ich WOLLTE niemanden mehr sehen. Es verstand mich keiner, und es wollte mich keiner verstehen. Die Leute hänselten mich einfach nur, oder ärgerten mich und verletzten mich jeden Tag. Daraufhin hab ich mich ins Internet geflüchtet, wo ich Leute fand, die mich verstanden. Ich denke deswegen wurde das Internet damals auch beliebt ;P
Man konnte so sein, wie man wirklich ist. Und man wurde dabei noch akzeptiert.
Klar fehlten einen wirkliche Freunde, aber man muss abwägen, lieber verletzt werden, oder am Telefon bei Internet Freunden weinen?
Mir war das 2te, bzw. alleine heulen lieber.
Warum? Keine Ahnung. Ich hatte das Gefühl es versteht mich eh keiner.
Das hatte sich auch in einigen schwierigen Situation bestätigt.
Du kannst es mit deinem kein Bock wen zu sehen vergleichen, nur eben auf Dauer und manchmal sehnsucht doch jemanden zu sehen und so zu sein wie anderen, nämlich Angstfrei.


Nein weder das Buch noch irgendwelche Infos kenne ich dazu.

30.09.2010 10:50 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

mist, letzte nachricht die ich geschrieben ist weg. ist das normal, dass man hier so schnell wieder rausfliegt und sich neu anmelden muss?

also nochmal: ich hätte nicht gedacht, dass sich die internetbekanntschaften soweit ausbauen, dass man sich dann anruft, wenn es nicht mehr geht. interessant.

welche foren gibt es denn noch so zum thema rückzug und ängste. ich frag das ganz offen, für meine recherche. kannst du mir da helfen?

ich hab ja auch eine facebook gruppe gegründet und nach anderen gruppen gesucht. aber da ist der austausch nicht so groß. ist wohl zu allgemein und zu öffentlich.

und gibts denn jetzt hier noch eine möglichkeit, mit noch mehr leuten in kontakt zu kommen? eine offizielle anfrage zum film darf nicht gestellt werden. aber kann man nicht wenigstens über das thema des nicht raus gehens sprechen? ich kanns nur schlecht starten, weil ich ja nicht betroffen bin...

30.09.2010 15:10 • #18


hallo,
ich habe die Thematik wohl erfasst und muß hier mal ganz klar meinen Einwand erheben. Mit einer Dokumentation Betroffener wird man den wahren Grund dieser Vereinsamungen niemals hervor kehren können. Der dokumentielle Effekt ist hierbei NULL.

Wir alle wissen, wie diese Kinder den Abhang hinunter gleiten. Nichts hält sie auf. Wir reden von sozialen Gesetzen, von Bildungsrecht, von Recht auf Meinung, von Recht auf Schutz und Gleichbehandlung, vom Recht auf körperliche Unversehrtheit, von einem Sozialgesetzbuch (?) mom neeeeeeeeee- Hartzbibel (!), wir reden von Kinder- und Jugendschutz, wo bitte gibt es den in diesem Land?

Lieber horgrindel, denk bitte nochmal darüber nach. Niemand wird seine Kinder vorführen, wenn keinem sicher gestellt ist, daß er Hilfe bekommt. Weißt du, wieviel Geld Eltern bezahlen müssen, um für solche Kinder eine geeignete Therapie und Notfalls Unterbringung zu organisieren? Denn die normalen Schulen schieben diese Kinder raus. Meine schwerbehinderte Tochter ist nur herumgeschoben worden. Wenn es mal Probleme mit ihr gab, war ich der Abfalleimer für die ehrenwerten Herrschaften. Meine älteste Tochter besuchte mit einem Lehrdurchschnitt von 1,6 ein berliner Gymnasium und wollte sich in der 8. Klasse aus dem Fenster stürzen Erklären sie mal den ehrenwerten Herrschaften, daß sie mit solchem Notendurchschnitt ihr Kind auf eine Realschule bringen müssen, denn dann sind sie als Mutter immer Schuld. "Sie können ihr Kind doch nicht mit solchen guten Noten vom Gymnasium nehmen!" Meine Tochter saß daneben und sagte schroff und eindringlich, daß sie sich dann das Leben nehmen wird.

Wir kämpfen und wir kämpfen immernoch und manchmal sind wir 3 Mädels ziehmlich wütend über dieses Land, diese Welt und erhalten uns unsere letzte Rettungsinsel: die Familie. Ich habe seit über 20 Jahren Klaustrophobie, (20 Jahre Wiedervereinigungsangst) meine jüngste Tochter kennt seit letztem Jahr die Todesangst (sie wäre fast verblutet), meine älteste Tochter war zwei mal für 4-6 Monate in einer jugendpsychiatrischen Anstalt.

Stoppt diesen Wahnsinn in diesem Land. Für mich klingt diese kleine Dokumentaridee wie eine weitere Verhöhnung und übrigens: Mütter haben immer Schuld

Grüsse

01.10.2010 18:04 • #19


liebe anna10,

vielen dank für ihre rückmeldung und die ehrliche kritik.

was sie von ihrer familie und ihrem schicksal berichten, ist schrecklich traurig. aber vor allem grausame realität. ich kenne familiengeschichten wie ihre und glauben sie mir, ich unterstreiche alles was sie geschrieben haben. nur das ich glaube, dass sich diese situation für die betroffenen in deutschland nicht ändern wird, wenn man diese unakzeptablen vorgänge nicht öffentlich macht. solange diese missachtung sozialer probleme und ihre ausgrenzung und verdrängung hinter verschlossenen türen von schulen, ämtern und auch wohnungen weiter geht, wird keine besserung, und vor allem, kein bewusstsein dafür entstehen. in diesem sinne finde ich es sehr schade, dass sie genau die gesellschaftskritik, die aus ihren worten spricht, und die ich voll und ganz unterstütze, nicht im anliegen meines projektes erkennen bzw, nicht daran glauben, dass solche vorhaben so etwas leisten können. aber wie wenn nicht so, sollen wir gegen die ignoranz der "gesunden" bzw unwissenden vorgehen?

ich möchte auch nochmal darauf hinweisen, dass ich in keinster weise vorhabe, weder die kinder noch die eltern vorzuführen. ich distanziere mich auch ausdrücklich von bekannten und zahlreichen tv-formaten, die, und da stimme ich voll und ganz zu, menschen vor die kamera zerren und sie mit ihrem leid und ihren problemen bloß stellen. das liegt mir alledings fern. ich möchte mit meiner arbeit bewusstsein schaffen und aufklären. und ich glaube daran, dass es auch in der medienbranche leute gibt, die verantwortungsbewusst damit umgehen.

vielleicht kann ich sie dazu überreden, wenn sie es noch nicht getan haben, sich meine bisherigen arbeiten auf meiner seite anzuschauen. ich denke, dass die themenwahl und die art der umsetzung für sich sprechen. zumindest hoffe ich das.



liebe grüße
marcel

02.10.2010 09:45 • #20



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