Pfeil rechts
8

Ich frage mich manchmal, wie die Generation des 2. Krieges die Ängste erlebt hat. Meine Mutter war 4, damals gab es noch keine Kindertherapie, sie hat schlimme Dinge gesehen und heute ist sie tougher als ich, die im Prinzip gut aufgewachsen ist. Gab es früher auch schon derartige Ängste als Störung oder Depressionen? Was haben die Menschen dagegen getan, oder gab es diese doch nicht, da der Zusammenhalt enger war? Meine Oma hat geackert, körperlich, sie war bis ins Alter (86) körperlich gesund. Sie wurde irgendwann dement, aber ansonsten keine Krankheiten. Meine Mutter ist zwar eine ängstliche Person, aber sie fährt allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln, was ich nicht mache, sie ist früher allein nach Indien gereist für 3 Monate, war hier und dort, als Au-Pair in der Schweiz etc. trotz ihrer schlimmen Erlebnisse in ihrer Kindheit. Sie ist eher introvertiert, aber hat ganz schön was geschafft im Gegensatz zu mir. Wie ist eure Erfahrung mit den Eltern oder Großeltern? Wenn ich daran denke, glaube ich fast, dass was an dem Spruch: was einen nicht umbringt, macht einen härter, dran ist. Was meint ihr?

02.05.2017 15:49 • 07.05.2017 #1


15 Antworten ↓


Schlaflose
Zitat von Annie303:
Wie ist eure Erfahrung mit den Eltern oder Großeltern? Wenn ich daran denke, glaube ich fast, dass was an dem Spruch: was einen nicht umbringt, macht einen härter, dran ist. Was meint ihr?


Genau so habe ich das bei meinen Eltern und Großeltern auch erlebt.

02.05.2017 17:30 • x 1 #2



Ängste der Eltern/-Großelterngeneration

x 3


Das muss nicht immer so sein.
Die Eltern meines Vaters sind damals aus Schlesien geflohen.
Der Vater meines Vaters schwer traumatisiert vom Krieg.
Er brachte sich um und meine Oma 10 Jahre nach ihm ebenfalls.

02.05.2017 17:35 • #3


@Flame
das tut mir leid, das ist traurig. Meine Opas habe ich leider nicht kennengelernt.

@Schlaflose ,
die mussten irgendwie da durch und weiter machen, weiter leben und wenn ich an mich denke, könnte ich manchmal vor Wut auf mich selbst "drauf hauen", weil es mir so geht, wie es mir geht..

02.05.2017 18:13 • #4


Fogchild
Hallo Annie,

vielleicht schaust Du Dir meinen Beitrag " Eine Quelle von Ängsten" einmal an - eventuell hilft es Dir weiter --!


Fogchild

02.05.2017 21:01 • #5


@Fogchild
das ist wirklich sehr interessant. Der Bericht hat mich sehr berührt, jetzt bin ich nachdenklich und irgendwie wieder traurig. Ich habe keine Kinder, lebe allein und muss immer allein durch die ganze Sch...aber heute ist sowieso ein sehr schlechter Tag mal wieder, ich weiß, es geht auch wieder besser. Danke für den Hinweis auf den Bericht.
LG Annie

02.05.2017 22:10 • #6


Die heutige Generation ist verweichlicht und therapiegläubig. Das ist ihr Problem.
Ängste und Depris sind Zivilisationskrankheiten, mehr Einbildung als wirkliche Krankheit, weil die Erwartungen der Menschen an das Leben heute völlig unrealistisch sind. Auch das ist ein Grund für die Unzufriedenheit, die psychische Probleme nach sich zieht.
Ich hatte meine Depressionen ganz allein ohne Medis und ohne Therapeuten überwunden.

Früher waren die Menschen härter, sie waren kämpferisch, nichts konnte sie umhauen, weil der Wille zum Überleben da war. Heute gibt es nur noch Gutmenschen...

02.05.2017 22:20 • #7


@Maro
nicht nur, der Bericht (Kriegsenkel) zeigt es auf. Aber jeder hat ja seine Meinung. Und Respekt, wer das ganz allein schafft. Aber bevor jemand urteilt, sollte man die Lebensumstände und die Geschichte kennen, jeder Mensch ist individuell und einzigartig mit seinem Erlebten. Mein Therapeut teilte mir mit, dass Ängste bereits im Mutterleib auf den Fötus übertragen werden können. Erziehung demnach, handeln demnach, weil man es nicht anders kennt usw. Heute weiß ich viel mehr, aber trotzdem sind die Angststörungen und die Depris präsent. Das fängt an, mich zu nerven.

02.05.2017 22:30 • x 1 #8


kleinerIgel
Zitat von Annie303:
glaube ich fast, dass was an dem Spruch: was einen nicht umbringt, macht einen härter, dran ist. Was meint ihr?
Das glaube ich absolut! Sprüche wie aus Fehlern lernt man, oder aus Krisen geht man gestärkt hervor, stimmen ja auch. Zumindest solange man sich wenigstens ein bißchen selbst refektieren kann.

Heute ist es möglich sich krankschreiben zu lassen, also kann man das auch machen. Früher ging das nicht, man musste weitermachen. Und wenn man wirklich muss, schafft man eine ganze Menge mehr, wie wenn's eben nicht unbedingt sein muss (oder man sich nur einredet, dass man muss).

Leute, die echte Katastrophen erlebt haben (Krieg,...) haben sicherlich sowieso eine ganz andere Vorstellung davon was "schlimm" ist und was nicht. Letzlich hat jeder sein persönliches schlimmstes Erlebnis gehabt und misst alles andere daran.

03.05.2017 01:25 • x 1 #9


Früher war der Zusammenhalt in den Familien besser, jedenfalls nach meiner Erfahrung. Meine Oma hat immer darauf geachtet das sich die gesamte Familie regelmäßig trifft und das waren ungefähr 15 Personen. Da wurden Probleme, Ängste, Sorgen miteinander besprochen. Der Leistungsdruck und Existenzängste waren aber auch nicht so ausgeprägt wie jetzt, klar in der Nachkriegszeit war vieles schwer, nur wie ich das vom erzählen weiß, hatte jeder ähnliche Probleme und man hat sich gegenseitig geholfen, sie haben alle die gleichen Bilder gesehen von Verletzten oder Bomben gehört und gesehen usw. Heute interessiert niemanden so richtig wie es dem anderen geht, jeder trägt seine Probleme mit sich allein herum und darüber reden ist unerwünscht. Warum das so ist weiß ich nicht.

03.05.2017 06:13 • x 4 #10


Fogchild
Zitat von Maro:
Früher waren die Menschen härter, sie waren kämpferisch, nichts konnte sie umhauen, weil der Wille zum Überleben da war. Heute gibt es nur noch Gutmenschen...

Stimmt genau, nichts konnte sie umhauen - die harten und kämpferisch überlebenden Soldaten kehrten in der Mitte ihres Leben als Zombies aus dem Krieg zurück und führten genau die weitere Hälfte ihres Lebens weiter Krieg - aber diesmal diente nicht das ferne Russland als Kampfzone, sondern häufig die eigene Familie ! Diese seelisch verwüsteten Gestalten gaben dann ihr Trauma an Ihre Kinder, also an die heutigen Gutmenschen weiter....!
Mehr Info : "Eine Quelle von Ängsten" - s.o.

Fogchild

03.05.2017 16:10 • #11


Schlaflose
Da muss man aber schon unterscheiden, ob man von Soldaten spricht, die an der Front gekämpft haben oder von der Zivilbevölkerung, die den Krieg passiv miterlebt haben.
Meine Eltern und Großeltern (mütterlicherseits) waren keine Soldaten. Nur der Vater meiner Oma und ihre Brüder waren an der Front und sind gefallen. Die Eltern meines Vaters wurden deportiert uns starben im KZ. Mein Vater ist durch einen Zufall entkommen.

03.05.2017 17:25 • #12


Fogchild
Hallo Schlaflose,

es ist sicherlich ein Unterschied, ob ein Mensch als Soldat direkt an Kampfhandlungen beteiligt oder zu dieser Zeit Zivilist war.
Fakt ist aber, daß jeder Krieg die Menschen traumatisiert, sei es nun an der Front, oder ebenso bei der Bevölkerung, welche durch Flucht und Vertreibung, Tod, Hunger und Zerstörung der Städte durch Bombardierungen, insbesondere die im Krieg geborenen Kinder (also die Eltern der Ende 50-70iger Nachkriegsgenerationen) in ein Trauma gestürzt hat Nicht zu vergessen sind auch die Menschen, welche die Konzentrationslager überlebt haben und noch heute an den Folgen leiden.

Heute, bzw. erst seit dem Vietnamkrieg, wurde der Ausdruck "Posttraumatic stress disorder" (PTSD), also Posttraumatische Belstungsstörungen bekannt.
Es ist eine Bezeichnung einer seelischen Krankheit, an der die Veteranen litten, die traumatische Erlebnisse hinter sich hatten, daß das eigene "Defence system" überforderte. Nach 1945 gab es diese Erkenntnisse noch nicht und demzufolge gab es auch keine Hilfe für die Überlebenden.

Fogchild

07.05.2017 14:28 • #13


Klar... was einen nicht umbringt macht einen stärker... gilt leider nur für diejenigen die überleben und auch da nicht für alle.

Lasst euch nicht einreden, die Menschen wären früher "härter" oder sonst was gewesen.
Früher, ihr dürft euch aussuchen ob ihr da Jahrzehnte oder Jahrhunderte zurück gehen wollt, war auch die Lebenserwartung niedriger. Das heißt nicht nur, dass Krankheiten (auch psychische) unbehandelt blieben und zum vorzeitigen Tod führten, sondern auch, dass Körper und Geist schlicht und ergreifend eher verschlissen waren.
Auch die sog. Zivilisationskrankheiten sind Krankheiten, die mit zunehmendem Alter vermehrt auftreten.

Wie angemerkt wurden viele Krankheiten einfach nicht behandelt. Entweder es wurde gar nicht erst diagnostiziert oder es war schlicht egal, man hatte einfach zu funktionieren. Wenn ein Mensch litt, war das halt einfach egal und es gab keine Alternative als sich den Strick zu nehmen. Und das kam vor, öfter als man denkt. Nur weiß man auch davon nichts, schließlich gab es kein Internet, das das Publik gemacht hätte.

Es ist auch ein zwoschneidiges Schwert zu sagen, früher wäre der Zusammenhalt größer und die Zukunftsangst geringer gewesen. Ja, wer sich in sein Schicksal gefügt hat zu machen, was von ihm erwartet wurde, der musste nicht viel über die Zukunft nachdenken, da war alles geregelt. War mein Urgroßvater Schreiner, dann war auch mein Großvater Schreiner, dann war auch mein Vater Schreiner, dann bin auch ich Schreiner und dann wird auch mein Sohn Schreiner sein. Ob man dazu geeignet ist, völlig egal. Damit ist die Zukunftsangst recht effektiv unterbunden, man weiß ja was sein wird, aber wenn man nicht zum Schreiner geeignet ist, dann muss man das halt einfach runter schlucken, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang schuften und das Maul halten.

Heute haben wir die Wahlmöglichkeit und damit natürlich auch die Unsicherheit. Und was wir heute außerdem haben ist MEHR Zeit um über den Sinn des Lebens nachzudenken. Wessen Leben nur aus Arbeiten, Essen, Schlafen besteht, der hat auch weniger Zeit sich den Kopf zu zerbrechen - das heißt aber gleichzeitig, dass er weniger Zeit hat zu leben.
Grade bei traumatischen Erlebnissen wie zu Kriegszeiten greifen da auch Verdrängungsmechanismen. Damit ist man aber nicht "gesünder" oder "härter".

07.05.2017 14:32 • x 1 #14


Rockinger
Ich hatte erst gestern genau diese Diskussion. Erarbeitete Erklärungen waren: der Halt und die Einbindung in Gruppen, zB Kirche und Großfamilien, der vorhandene Wechsel zwischen harter körperlicher Arbeit und Ruhe, die auch deshalb so erlebt wurde und auch, zB Krieg, das die Leute eben WUSSTEN wovor sie Angst haben.
Der kleine Rest, der trotzdem psychisch auffällig war, wurde weggesperrt [erinnert sich keiner an die riesigen Psychiatrischen Anstalten eigentlich?]

07.05.2017 14:52 • #15


Fogchild
[quote="Rockinger"]Der kleine Rest, der trotzdem psychisch auffällig war, wurde weggesperrt [erinnert sich keiner an die riesigen Psychiatrischen Anstalten eigentlich?]

.... und an die sog. Besserungsanstalten, wo nach damaligen Maßstäben, auffällige Jugendliche "umerzogen" werden sollten:

http://mediathek.daserste.de/Reportage- ... d=42119746

07.05.2017 19:26 • #16



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag