Aventin

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Hallo zusammen,

ich leide seit einigen Jahren an immer stärker zunehmenden Ängsten. Ob es nun Höhen- oder Flugangst ist, Angst mich allein ins Auto zu setzen und lange Strecken zu fahren (wahrscheinlich durch Verkehrsunfall bedingt) oder Angst vor dominanten Menschen. (Chef), teilweise Angst vor großen Menschenmengen (obwohl ich beruflich damit konfontiert werde - der Besuch eines Schwimmbades ist das beste Beispiel dafür)
Es beeinträchtigt mich so stark, dass ich mich sehr stark zurückziehe. Kaum Freunde treffe.

Ich hatte vor einem Jahr eine Psychotherapie begonnen, um eine Ehe aufzuarbeiten, die mit sehr viel Gewalt und Lügen mir gegenüber einherging. In dieser nannte ich auch meine Ängste, jedoch wurde daran nicht gearbeitet. Obwohl jene Psychologin wusste, wie es mir geht. Nach der Hälfte der Sitzungen brach ich ab, weil es mir nicht besser ging. Im Gegenteil. Die Ängste und Depris wurden schlimmer. Ich hatte sogar Angst zur Therapie zu gehen. Plötzlich war das Vertrauen weg.

Nur möchte ich das in den Griff bekommen. Als erstes die Angst vor dominanten Menschen. Wenn ich ein Gespräch mit meinem Chef führe, dann bin ich teilweise blockiert. Der Kopf legt sich zurecht, was er sagen möchte, nur die Stimme versagt. Ich hatte das noch nie. Mein Vorgesetzter ist auch ein Mensch, der einem gern die Fehler von vor 7 Jahren noch aufs Brot schmiert. Er hat eine Art, Menschen unter Druck zu setzen, die man schlecht beschreiben kann. Ja, ich könnte mir nen anderen Job suchen, aber damit hätte ich die Angst nicht besiegt. Im Gegenteil. Ich würde mich weiter rein steigern, mir noch weniger zutraun, in einer anderen Firma.

Egal welche Art von Angst es ist, ich reagier mit Herzrasen. Schwitze, bin nicht fähig zu sprechen, zittere. Das macht mich fertig. Ich denke, dass eine Therapie das richtige wäre. Nur hab ich wieder Angst, dass ich keine bekomm, weil ich die erste abgebrochen habe und Angst, dass der nächste Therapeut genauso wenig auf die Ängste eingeht.

Kann mir einer helfen von Euch?
LG A.

14.12.2008 12:14 • 16.12.2008 #1


5 Antworten ↓


Kat


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Hallo du!
Es tut mir echt leid, dass du so leiden musst. Auch ich hatte eine Chefin, die so war, wie du es beschreibst! Irgendwann hat es mir gereicht und habe gedacht, was ist das schlimmste was mir passieren kann, ja, genau, das ist sterben.... und sterbe werde ich nach eine Ansprache von ihr nicht! Tatsächlich hat das mein Selbstbewußtsein gesteigert, sie war nicht die Chefin meines Lebens, sonder "nur" Arbeitstechnisch.
So hatte sich meine Lage gebessert, dann habe ich sie mir auf dem Klo vorgestellt und beim Einkaufen und andere Tätigkeiten......

Wie auch immer, laß dich nicht beherrschen von jemand anderes, das schlimmste ist wohl sterben und das wirst du wegen deines Chefs nicht!

Die andere Ängste habe ich mehr oder weniger auch, ich denke, wir müsen zu Psychotherapie, ich wünsche ich wüsste da was! Aber leide bitte nicht wegen eine andere Person!!!

Liebe Grüße Kat

16.12.2008 12:19 • #2


Renton


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Hi Aventin,

du machst genau den selben Fehler wie ich.
Du ziehst Dich zurück, aber wahrscheinlich können wir grad nicht anders.

Freunde sind so ziemlich das Wichtigste, was man zum überleben braucht.
Sie sollten einen Kraft geben und einen aufbauen.
Freundschaften muss man aber auch pflegen und es wird schwer, wenn man dazu neigt, sich zurückzuziehen.

Wie Du schon richtig sagst, ist Dein Chef auch (nur) ein Mensch.
Er muss sicher mit Problemen kämpfen, von denen Du gar nichts weißt.
Vielleicht hat er selbst keine Freunde, oder wird von seiner Frau tyrannisiert und so sucht Er sich ein Opfer, an dem Er seinen Frust ablässt?

Wenn Deine Freunde, Freunde sind, nimm wieder kontakt auf.
Ich mache das auch gerade wieder und es gibt mir Kraft.

Gruß Renton

16.12.2008 13:06 • #3


Aventin


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Hallo Ihr beiden,

danke, dass Ihr mir geantwortet habt.
Die Freunde, die ich hab, sind früher richtige Freundinnen gewesen. Wir haben uns distanziert, da ich berufsbedingt 6 Jahre lang 300 km weit weg wohnte und permanent auf Dienstreisen. Eine Freundschaft ist daran sogar zerbrochen, da kein Verständnis aufkam, wenn ich mal einen Tag frei hatte, ich mich nicht sofort melden konnte. Manchmal braucht man auch einfach nur Schlaf. War auch schon wegen Erschöpfungs- bzw. Burn-Out beim Arzt. Das sah sie auch nicht. Machte mich noch runter. So ist mein Vertrauen ehrlich dahin. Es fällt mir unwahrscheinlich schwer, mich anderen gegenüber zu öffnen. Aus Angst, wo wir wieder beim Thema sind, so enttäuscht zu werden. Ich weiß, ich verstrick mich immer mehr hinein.

Mein Chef ist ein Mensch mit Charisma. Wenn er wo auftaucht oder egal was er anpackt, er hat Erfolg. Gib ihm ein Paddelboot in die Hand und er vermarktet es gewinnbringend, wie ein Luxuskreuzfahrtschiff. Er hat eine tolle Frau, auch die Ehe hatte Krisen, aber in seinem Leben zählt nur Erfolg und Geld. Ich arbeite sehr viel Oft über das normale Maß hinaus. Teilweise 16 Stunden am Tag. 12 Stunden sind normal. Selbst dann bekommt man immer wieder Druck. Dieser Mann ist in meinen Augen ein Eisklotz. Gefühlsregungen kenn ich nicht, die in Richtung Menschlichkeit gehen. Ich bin vor kurzem bei ihm in Tränen ausgebrochen, weil es um Gehaltsverhandlungen ging. Er sagt ich zeige Spitzenleistungen, AAAAABER, ich sei nicht zuverlässig, da ich vor einigen Jahren 2 Mal einen Krankenschein abgegeben habe. Das ist 5-6 Jahre her. Warum bekomm ich das immer noch vorgehalten. Ich gehe schon mit Fieber und unter Antibiotika auf Arbeit, trotz direktem Kundenverkehr. Und immer wieder diese Keule. Wie soll man da selbstbewusst werden?
ich schäm mich so. Ich hab mir geschworen, nie vor dem zu heulen. Und nun? Bin ich die Memme schlecht hin. Ich such ein Loch im Boden um darin zu versinken.

Vielleicht bin ich aber selbst schuld, dass er meine Unsicherheit spürt und deshalb gezielt manipulieren kann.
Hab Angst vor einer neuen Therapie. Wie finde ich einen guten Therapeuten?

LG Aventin
Sorry, fürs schimpfen.. musste mal raus

16.12.2008 13:35 • #4


Kat


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Hi!
Weiß du was? Er soll froh sein, dass du nur eine Krankmeldung vor Jahren abgegeben hast, normalerweise müsste er bis zu 42 Tag am Stück für jede Krankheit noch Lohnfortzahlung leisten....

Dein Problem ist, dass er so viel Charisma hat, dass er dich quetscht. Es gibt leider solche Menschen, ändern wirst du ihn nicht. Du kannst aber dich ändern, vielleicht suchst du dir eine andere Arbeit? Oder du änderst deine Einstellung, das ist leichter gesagt als getan, sonst würde ich selbst nicht unter Ängste leiden. Es kann nicht sein, dass er 16 Stunden täglich deines Lebens bestimmt! Er (wahrscheinlich) läßt es sich mit seiner Frau mit dem ganzen Geld (wo du auch nicht unbeteiligt bist) gut gehen und du machst dich verrückt!

Guck das du wieder mehr Kontakt zu der Welt bekommst, das hilft immer!

Ich wünsche, ich könnte dir überhaupt helfen, das Leben ist nicht so leicht!

Liebe Grüße
Kat

16.12.2008 16:56 • #5


Renton


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Na super.
Offensichtlich ist Dein Chef ein A.......
Vielleicht solltest Du Dich doch nach einem anderen Job umschauen.
In meiner Therapie habe ich viele Mobbing-Opfer kennengelernt.
Es ist unglaublich was Menschen den Menschen antun können.

Zitat von Aventin:
Vielleicht bin ich aber selbst schuld, dass er meine Unsicherheit spürt und deshalb gezielt manipulieren kann.

Ja das meinte ich. Es gibt sicherlich Kollegen, bei denen Er das nicht macht. Was ist bei denen anders?

Zitat von Aventin:
Es fällt mir unwahrscheinlich schwer, mich anderen gegenüber zu öffnen. Aus Angst, wo wir wieder beim Thema sind, so enttäuscht zu werden. Ich weiß, ich verstrick mich immer mehr hinein.


Das mit Deinen Freundinnen ist schade und ich weiß, es ist sehr schwer neue Freunde zu finden.
Aus Deinen Zeilen lese ich aber, dass Du trotz Deiner Ängste ziemlich Power hast. Die darfst Du nicht verlieren.
Ich denke, im Leben wird man immer wieder mal enttäuscht und jeder geht anders damit um, aber Angst sollte einem das nicht machen.

Einen konkreten Rat habe ich nicht für Dich. Dazu habe ich mich selbst zu wenig im Griff, aber es lohnt sich immer am Ego zu arbeiten.
Du bist keine "Memme"!
Vielleicht kannst Du bereits vorhandenes nutzen. Hast Du eine Familie?

LG

16.12.2008 17:16 • #6



Prof. Dr. Borwin Bandelow


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