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Ich glaube, dass ich seit so ungefähr einem halben Jahr Panikattacken habe.
Meistens kamen sie plötzlich mitten im Unterricht und ich hatte das Gefühl, gleich komplett auszurasten.
In der Regel verschwanden die Panikattacken nach einer Viertel Stunde aber wieder und sie haben mich nicht wirklich in meinem Alltag eingeschränkt.
Heute aber ging es mir schon den ganzen Tag lang nicht wirklich gut und dann habe ich mich noch mit einer Freundin gestritten. Der Streit ging von mir aus, ich war einfach allgemein sauer auf die Person und bin dann wegen einer Kleinigkeit, die sie heute gemacht hat, komplett ausgerastet. Vielleicht wollte ich auch irgendeinen Fehler an meiner Freundin finden, denn für heute Nachmittag waren wir verabredet. Meine Freunde wollen sich viel zu häufig mit mir treffen und wenn ich ein Treffen absage, sind sie immer wütend auf mich. Aber ich hatte einfach keine Lust etwas mit meiner Freundin zu machen. Man kann aber einem anderen Menschen den man mag, nicht sagen, dass man keine Lust auf ihn hat. Also habe ich wahrscheinlich nach irgendeiner Ausrede gesucht und in diesem Fall wäre diese, dass ich sauer auf meine Freundin bin.
(Hier schweife ich noch mehr vom Thema ab (hat nicht wirklich etwas mit Panikattacken zu tun): Eine Zeit lang habe zwei Mal die Woche etwas mit meinen Freundinnen unternommen. Irgendwann wurde mir das aber viel zu viel, ich hatte überhaupt keine Lust auf ein Treffen und war zum Teil den ganzen Tag lang aggressiv und gereizt. Ich habe mich mit meinen Freundinnen darauf geeinigt, dass ich mich nur einmal die Woche mit ihnen treffe. Jedoch merke ich, dass mir auch das zu viel ist. Ich habe einfach überhaupt keine Lust etwas mit meinen Freundinnen zu unternehmen. Ich bin nun mal introvertiert und Verabredungen sind für mich immer mit viel Stress verbunden. Aber ich habe irgendwie das Gefühl, deswegen eine schlechte Freundin zu sein und vielleicht auch nicht unbedingt ein gutes Mitglied der Gesellschaft. Ich habe schon mit meiner Schwester darüber geredet und sie meinte, ich solle meinen Freundinnen dass einfach sagen. Mir leuchtet dass schon ein, aber ich habe total Angst davor. Wahrscheinlich reagieren meine Freunde total gereizt auf meine Bitte (wie als ich vorgeschlagen habe, dass wir nur einmal die Woche etwas machen). Ich meine, ich kann ihnen ja nicht einfach sagen, dass ich mich nicht mehr mit ihnen treffen möchte. Allerhöchstens einmal im Monat. Wahrscheinlich wollen sie danach überhaupt nichts mehr mit mir unternehmen oder gar mit mir befreundet sein).
Nach dem Schulschluss hat sich meine Freundin bei mir entschuldigt und natürlich habe ich mich auch entschuldigt. Ich war immer noch sauer, war ich den ganzen Tag. Aber ich habe eingesehen, dass ich übertrieben habe. Das Problem ist, dass ich bei Streitigkeiten nie wirklich sage, was mein wahres Problem ist. Wenn zum Beispiel A meinen Stift klaut und mich tritt. Dann werde ich A vorwerfen, dass er meinen Stift geklaut hat, dabei bin ich in Wahrheit wütend, weil er mich getreten hat. Das ist irgendwie ziemlich kindisch von mir und ich versuche auch ehrlich zu sein, aber ich habe Angst, mich damit verwundbar zu machen.
Okay, wieder zum eigentlichen Thema.
Wie gesagt, ich und meine Freundin haben uns vertragen. Ich habe dann vor dem Klassenzimmer auf sie gewartet, dass wir gemeinsam zu mir nach Hause gehen. Wie gesagt, wir waren ja verabredet.
Jedoch habe ich den Gedanken, mit meiner Freundin bei mir zu Hause etwas zu machen, einfach nicht ertragen. Und dann bin ich total panisch geworden und habe mich in der Toilette versteckt. Gott, kam ich mir dämlich vor.
Etwa eine halbe Stunde saß ich auf der Kloschüssel und bin halb gestorben. Auch nachdem ich nach Hause gegangen bin, habe ich mich noch nicht komplett beruhigt. Ich habe meiner Freundin eine Nachricht geschrieben, dass mir nach dem Unterricht schlecht war. Danach habe ich mein Handy nicht wieder angesehen.
Meiner Mutter habe ich einfach erzählt, dass ich mich mit meiner Freundin gestritten habe, was ja auch irgendwie der Wahrheit entsprach. Meinen Geschwistern habe ich die Wahrheit erzählt, denn irgendjemanden musste ich es ja erzählen.
Später habe ich erfahren, dass meine Freunde nach der Schule nach mir gesucht haben, da ich ja so einfach verschwunden bin und jetzt habe ich total das schlechte Gewissen.

Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll und was jetzt genau mein Problem ist.
Ist es, meine soziale Unfähigkeit?
Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass ich nicht mehr mit meiner Freundin befreundet sein möchte. Ich habe das Gefühl, dass ich mit niemanden befreundet sein möchte. Aber ich weiß ja selber, dass das nicht unbedingt erstrebenswert ist.
Oder vielleicht liegt es ganz alleine an den Panikattacken. Sie müssen nicht unbedingt von meiner sozialen Phobie ausgelöst worden sein. Vielleicht auch an meiner allgemeinen Unzufriedenheit, meinen Selbstzweifeln, meiner Unzufriedenheit mit meinem Körper oder dem Gefühl, dass ich keine Kontrolle über mein Leben habe und dass ich in allem was ich mache, versage.

Keine Ahnung. Es ist ein Uhr morgens und ich sollte längt schlafen.
Ich kann morgen, nicht in die Schule gehen. Ich muss meinen Eltern irgendetwas vorlügen und hoffen, dass sie mich zu Hause lassen. Aber ich glaube, ich laufe damit einfach nur dem Problem aus dem Weg.
Wobei ich mir aber ganz sicher bin, ist, dass ich den morgigen Tag in der Schule nicht überleben könnte.

26.04.2016 00:14 • 30.04.2016 #1


10 Antworten ↓


Vergissmeinicht
Grüß Dich.

Nun, Du bist 15 Jahre jung und da gibt es schonmal einen Streit. Was möchtest Du denn lieber machen, als was mit Freundinnen unternehmen?

Weißt Du wir sind nicht auf dieser Welt um alleine durchs Leben zu gehen und Freunde sind wichtig. Dennoch kann es sein, das Du eine Soziale Phobie hast. Seit wann geht das denn schon so?

26.04.2016 12:44 • #2



Seit kurzem Panikattacken

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@Vergissmeinnicht
Ich möchte lieber alleine in meinem Zimmer sitzen, lesen und meine Zeit auf Pinterest verbring. Außerdem bin ich sehr introvertiert. Ich kann einfach nicht so häufig etwas mit Menschen machen.

Ich weiß, dass Freunde sehr wichtig sind. Es ist nur, dass sie mich manchmal echt überfordern und ich mir denke, dass ich alleine vielleicht besser dran wäre. Und mit alleine meine ich, alleine in einer Höhle, wo ich nie wieder mit einem anderen Menschen reden muss. Natürlich weiß ich selber, dass soziale Kontakte wichtig sind und ich mag meine Freunde ja auch.
Aber ich merke einfach, dass ich oft soviel lieber alleine wäre und mich die Treffen mit meinen Freunden nur noch überanstrengen.

Ich habe das Gefühl, schon mein ganzes Leben lang eine soziale Phobie zu haben. Aber erst vor kurzem wurde mir das so richtig bewusst.

27.04.2016 22:37 • #3


Vergissmeinicht
Grüß Dich.

Da hast Du Dir ja den richtigen Nicknamen ausgewählt. Kann förmlich herauslesen, wie Du tickst. Dann ist es halt so. Ich hoffe aber, das es nicht Dein Leben lang so bleibt. Wie ist das Verhältnis zu Deinen Eltern; wie geht es Di rdamit?

28.04.2016 00:07 • #4


Hallo ihr lieben kennt jemand brennen im rücken ?

28.04.2016 00:15 • #5


@Vergissmeinicht
An die soziale Phobie habe ich mich eigentlich gewöhnt. Ich weiß überhaupt nicht, wie es ist normal zu sein. Klar wünsche ich mir, dass ich Leuten in die Augen gucken könnte und meinen Mund aufbekommen könnte, aber eigentlich habe ich mich wirklich mit der sozialen Phobie abgefunden.
Was mich mehr stört, sind die Panikattacken und meine gelegentlichen Anfälle von Selbstmitleid.

Das Verhältnis zu meinen Eltern ist von meiner Seite aus eigentlich ganz gut. Ich bin keiner dieser Kinder, die viel reden oder mit Problemen zu ihren Eltern gehen, aber wir gehen eigentlich ganz harmonisch miteinander um.
Meine Mutter beschwert sich gelegentlich darüber, dass ich nie mit ihr rede und nur zu ihr komme, wenn ich irgendetwas von ihr brauche. Jedoch empfinde ich das anders. Ich rede nun mal nicht gerne mit meinen Eltern über meine Probleme, ich glaube nicht, dass ich das jemals hinbekommen würde. Aber ich liebe sie und ich glaube, dass ist genug.
Mich stört es nur ein wenig, dass ich so von ihnen abhängig bin. Aber das ist jedes Kind. Also versuche ich, diese Tatsache meistens zu ignorieren und davon zu träumen, endlich zu studieren und meine eigene Wohnung zu haben.

29.04.2016 20:30 • #6


Vergissmeinicht
Grüß Dich zurück.

Du schreibst irgendwie sehr schön und irgendwie mag ich Dich; möchte Dir das einfach so schreiben.

Letztlich ruhst Du in Dir selber, aber irgendwie scheint es Deine Seele nicht so zu wollen und wünsche Dir aus tiefstem Herzen, das Du aus dieser Sache rauskommst.

Was möchtest Du mal studieren; was interessiert Dich?

29.04.2016 20:41 • x 1 #7


@Vergissmeinicht

Dankeschön, ist mal ganz nett so etwas zu hören.

Ich würde sehr gerne Physik studieren. Nur habe ich Angst, dass meine Noten nicht gut genug dafür sind. Ich bin ziemlich faul und habe die Schule in den letzten Jahren hängen lassen. Meine Physik Noten waren jedoch immer sehr gut. Bis auf eine Arbeit, die ich irgendwie komplett vermasselt habe. Es ist ziemlich dumm, aber nachdem ich diese eine furchtbar schlechte Note bekommen habe, fiel ich in ein tiefes Loch. Physik war immer die Sache, die ich konnte, in der ich gut war. Es war meine Absicherung für die Zukunft. Ich habe mir gesagt, dass mein Leben vielleicht schei. ist, aber irgendwann ist die Schule vorbei und dann werde ich Physik studieren.
Es ist eigentlich mehr als dumm, aber meine seelische Verfassung verschlechterte sich enorm nach dieser Arbeit. Ich wusste selber, dass es nur eine einzige Arbeit war, aber trotzdem. Ich hatte irgendwie das Gefühl überhaupt nichts zu können.
In mein Tagebuch schrieb ich: Mein Leben ist eine Straße, die in einen Abgrund führt. (...) Ich darf nicht über alles nachdenken, dass halte ich nicht aus. Mein Gehirn bringt mich um. (...) Ich ersticke gleich, bekomme nur schwer Luft. (...) Morgen werde ich wieder in diese Schule gehen und sie wird mich krank machen. (...) Ich weiß nicht, wie ich beschreiben soll was passiert ist (damit meinte ich die schlechte Physik Arbeit). Es zu schreiben, bedeutet es zu akzeptieren. Aber das werde ich nichts und ich sehe nicht was ich schreibe, weil ich weine und ich fühle mich so dumm, weil ich dumm bin. (...) Ich bin so erschöpft und verzweifelt und wütend. (...) Ich kann gar nichts. Ich bin gar nichts. (...) Ich bin weniger als ein Wimpernschlag, bin nicht einmal einen Gedanken wert. Ich weiß nicht was ich will, aber ganz sicher nicht das. (...) Ich habe mich verloren, falle nur noch ins bodenlose.
Es sieht vielleicht so aus, als würde ich übertreiben. Was ich definitiv tat. Aber irgendwie fiel die ganze Zukunft von der ich immer geträumt habe, in sich zusammen. Ich hatte keinen Plan mehr für mein Leben und wollte einfach nicht mehr existieren.
Eine kleine Info am Rande: Die nächste Physik Arbeit absolvierte ich mit einer 1-2. Jedoch freute ich mich überhaupt nicht. Ich habe nur die Note gesehen, die mir eigentlich sagen sollte: Hör auf in Selbstmitleid zu versinken, du hattest nur einen einzigen Ausrutscher. Jedoch dachte ich nur: Oh, ich hätte gerne eine bessere Note gehabt. Und das war´s. Kein Fünkchen Freude oder Erleichterung. Danach war ich den ganzen Tag traurig (wieso auch immer) und hatte im Unterricht mehrmals das Gefühl gleich in Tränen auszubrechen.

Da fragt man einen, was er studieren will und dann endet es damit, dass er einen sein halbes Tagebuch zitiert und über unbegründete Nervenzusammenbrüche schreibt.

Nach der schlechten Physik Arbeit fing ich an über Alternativen nachzudenken. Ich interessiere mich für Psychologie und könnte mir vorstellen Kinderpsychologin zu werden. Jedoch müsste ich bei diesem Beruf die ganze Zeit mit Menschen rede und das ist eigentlich etwas, was ich vermeiden möchte.


Gott, es ist echt erbärmlich, dass mich eine einzige Schulnote so runterziehen konnte.

29.04.2016 21:21 • #8


Vergissmeinicht
Huhu.

Weißt Du, das Eine sind die Noten; die Praxis ist eine ganz andere. Du warst es gewohnt immer Einsen zu schreiben und dann einen Patzer und den hast Du Dir wahrscheinlich bis heute nicht verziehen.

Es erinnert mich an meine Schulzeit. Wir hatten Deutschstunde und es war Lesen dran. Immer gab es einen Jungen der nach er dran war mich aufrief; immer. Irgendwann, er war noch garnicht fertig, fing ich dann an zu lesen an und was war, er rief jemand anderen auf.

Wir sind Menschen; Du auch.

29.04.2016 21:34 • x 1 #9


@Vergissmeinicht

Ich habe mir meinen Fehler wirklich immer noch nicht verziehen. Es macht mich nicht mehr traurig, an die Arbeit zu denken. Aber ich habe mich auch nicht wirklich von ihr erholt.
Ich selber weiß, dass wir keine Maschinen sind und vielleicht gerade Fehler uns menschlich machen. Aber ich kann die innere Kritikerin in mir nicht ausschalten.
Ich bin innerlich so zerrissen. Einerseits sage ich mir, dass es okay war, was passiert ist (und damit meine ich nicht nur die Arbeit). Aber andererseits hasse ich mich selber und verabscheue alles was mich ausmacht.

29.04.2016 21:47 • #10


Vergissmeinicht
Grüß Dich,

schaue ich auf Deinen letzten Satz, macht er mich traurig. Es ist der falsche Weg. Hey, Du bist ok!

30.04.2016 11:03 • x 1 #11



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