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chaosmädchen
Hallo,

eigentlich habe ich eine PTBS Diagnose vor Jahren erhalten nach einer Beziehung, in der mir Gewalt angetan worden ist. Das ist Jahre her. Und nun, nachdem ich aus einem Haus ausgezogen bin, in dem meine Nachbarin mich mit überlauter Musik rausgeekelt hat (ca 70 dB in meinem Schlafzimmer), bin ich nach einer unglaublichen Episode von Wohnungssuche, Amtsgängen und Anwaltsbesuchen in meine neue Wohnung in einer neuen Stadt gezogen. Hier sind die Wände dünn und die Nachbarn eigentlich sehr leise. Ich bin aber derart überreizt, sodass ich hier alles höre und wieder in Panik ausbreche. Ich habe hier vor allem Angst und horche viel.
Hinter jedem Geräusch wittere ich Absicht, ich warte darauf, dass etwas Schlimmes passiert. Ich weine viel und möchte am Liebsten wieder zurück zu meinen Eltern, da habe ich mich sicher gefühlt. Hier fühle ich mich nicht zu Hause, hier ist Angst und Unsicherheit, Verzweiflung und Depression.
Kennt jemand das?

Ich bin absolut am Ende mit meiner Kraft

18.09.2020 19:37 • 28.08.2023 x 1 #1


14 Antworten ↓


Lottaluft
Zitat von chaosmädchen:
Hallo,eigentlich habe ich eine PTBS Diagnose vor Jahren erhalten nach einer Beziehung, in der mir Gewalt angetan worden ist. Das ist Jahre her. Und nun, nachdem ich aus einem Haus ausgezogen bin, in dem meine Nachbarin mich mit überlauter Musik rausgeekelt hat (ca 70 dB in meinem Schlafzimmer), bin ich nach einer unglaublichen Episode von Wohnungssuche, Amtsgängen und Anwaltsbesuchen in meine neue Wohnung in einer neuen Stadt gezogen. Hier sind die Wände dünn und die Nachbarn eigentlich sehr leise. Ich bin aber derart überreizt, sodass ich hier alles höre und wieder in Panik ausbreche. Ich habe hier vor allem Angst und horche viel. Hinter jedem Geräusch wittere ich Absicht, ich warte darauf, dass etwas Schlimmes passiert. Ich weine viel und möchte am Liebsten wieder zurück zu meinen Eltern, da habe ich mich sicher gefühlt. Hier fühle ich mich nicht zu Hause, hier ist Angst und Unsicherheit, Verzweiflung und Depression. Kennt jemand das?Ich bin absolut am Ende mit meiner Kraft



Ich kenne das leider auch durch sehr sehr schlechte Erfahrungen in der letzten Wohnung und auch in der jetzigen ist es mir oft viel zu laut
Du bist also damit nicht alleine
Was lässt dich denn unsicher fühlen ?

18.09.2020 19:40 • #2


A


Neu ausgelöste PTBS durch Lärm

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chaosmädchen
ich weiß es nicht, ich kann es bisher superschwer orten. Ich dachte,dass diese PTBS niemals wieder kehrt. Aber ich sollte nicht recht behalten. Ich habe hier Angst. Meine Gedanken kreisen immer darum, dass es hier bedrohlich ist, dass das Absicht ist und dass ich es hier hasse und fliehen möchte. Ich habe Angst vorm Alleine sein und vorm Hier- nicht-Fußfassen.
Ich fürchte mich davor, dass mich der Lärm hier wahnsinnig macht und ich die Kontrolle verliere. Dass ich nicht mehr in der Lage bin, aufzustehen und zu leben. Dass mich der Umzug an den Rand der Verzweiflung treibt. Und dass ich hier nicht mehr raus kann. Ich fühle mich sehr unwohl.
In meiner alten Wohnung habe ich mich nur zum Schluss sehr unwohl gefühlt und am Anfang sehr ängstlich. Aber dieses Was ist, wenn ich es nicht aushalten kann, was ist wenn die Angst nie mehr weg geht? das ist relativ neu in dieser Internsität...

18.09.2020 19:55 • #3


Lottaluft
Bist du mit deinen Ängsten in therapeutischer Behandlung ?

18.09.2020 19:56 • #4


chaosmädchen
Ich war, ich habe ja meine alte Heimat verlassen, sodass ich meine Therapie abbrechen musste, es waren aber auch nur noch vier Stunden übrig. Daher war es jetzt nichts, wo meine Kasse gesagt hat, dass das nicht geht.

18.09.2020 19:59 • #5


Herr76
hy, nicht schön. Kenne das auch mit diesem Lärm und habe seitdem immer Ohrenstöpsel hier liegen, die dann zum Einsatz kommen, wenn es oder ich das Gefühl habe, dann zu laut wird.. Ist zwar keine Dauerlösung für dich denke ich, aber hilft dir vielleicht ein wenig

18.09.2020 20:26 • x 1 #6


chaosmädchen
Danke, für den Moment ist das sicherlich eine Lösung, aber hast du auch einen Tipp für die aufkommende Angst?

18.09.2020 20:30 • x 1 #7


fourofour
Zitat von chaosmädchen:
eigentlich habe ich eine PTBS Diagnose

Mit einer PTBS ist kann so eine Geschichte eine tragreiche Wirkung haben.

Das was Du momentan wahrnimmst ist deine hochaktive Amygdala. Das ist in deiner Situation alles andere als verwunderlich in meinen Augen.

In einer Traumatherapie bekommt man eigentlich alle Dinge beigebracht, die einem helfen sich wieder zu desinsibilisieren, nachdem man sich aus der Situation hat nehmen können (Umzug).
Welcher traumatherapeutische Ansatz wurde bei dir angewendet in der Therapie?

18.09.2020 22:05 • x 1 #8


Herr76
Zitat von chaosmädchen:
Danke, für den Moment ist das sicherlich eine Lösung, aber hast du auch einen Tipp für die aufkommende Angst?


Wenn ich diese Lösung hätte, dann würde ich den Beruf wechseln und dann würde ich nicht genauso reagieren wie du kenne das ja auch.. Kann dich gut verstehen.. Wir können nur weiter an uns arbeiten

19.09.2020 17:29 • #9


chaosmädchen
Ehrlich gesagt lief bei mir alles unter Verhaltenstherapie, also was ich für trigger habe und wie man das auslöst usw.Aber da war irgendwie niemals Lärm dabei. Und das macht es so neu. Die Gefühle sind wie damals, der Trigger ist ein anderer.

20.09.2020 00:03 • x 1 #10


fourofour
Eine Verhaltenstherapie kann helfen, persönlich bin ich der Meinung das eine reine VHT alleine, je nach dem was für eine Tragweite das/die Traumata hat/hatten, unzureichend sein kann.

In einer Traumatherapie lernt man so Dinge wie:

- Skills zum unterbrechen von Impulsen
- Achtsamkeit
- Notlauf-/Minimalstruktur
- Innere, wie äussere Grenzen kennen, definieren und bewahren
- Übungen für Erdung, Zentrierung
- eine abgewandelte Form des Skillstrainings
- Ressourcenhaushalt
- Energiehaushalt
- Sandboxdenken, damit einhergehend mit Raster-/Bereichsdenken
- Selbstregulation mit Hilfe von Bio- / Neurofeedback
- Aufklärung über Sinnesreize, deren Filterung, Bewertung und die Weiterleitung an das Angstzentrum.
- Erkennen von Schutz-, Kompensations- und Abwehrmechanismen.


Es gibt dazu mehrere Therapieansätze wie z.B. :

- PITT (psychodynamische, imaginative Traumatherapie)
- DBT-PTBS
- Somatic Experiance
- Zen
- EMDR

Das was Du beschreibst mit dem das Du dich in deiner neuen Wohnung unsicher fühlst und das alltägliche Geräusche als Gefahr definiert werden kenne ich absolut. Bin auch vor 9 Monaten umgezogen und eine Zeit lang habe ich solche Symtome wie Du erlebt.
Da ich diesbezüglich meine Werkzeuge habe, tritt das inzwischen nur noch sehr selten auf (1x pro Woche) und kann das binnen Sekunden selbst regulieren. Alle anderen Sinnesreize werden inzwischen wieder automatisch und in normaler Weise gefiltert.

20.09.2020 07:38 • x 1 #11


P
Hi,

ich bin kein Psychologe aber ich verstehe, was in deinem Kopf für Nervenanreiz-Party abgeht, wenn der leiseste Schimmer von Lärm zu hören ist. Keiner kann hier sich in dich besser hineinfühlen als ich. Ich war in einer Wohnung , die über sehr agressiven und ständig Alk. Nachbarn lokalisiert war. Ich habe in der Wohnung über Jahre mit dem Lärm gelebt und sogar am Anfang zum Lärm manchmal geschlafen. Aber du fragst dich wie? Ich hatte damals Angst vor Geistern, d.h. auch Angst vor der kompletten Ruhe. Ich hatte immer darauf gewartet, dass jemand aus meiner Familie aufsteht und das Klo besucht, damit ich die Schritte höre und mich sicherfühle, dass keine Geister plötzlich erscheinen werden, und die Chance ergriffen, in jenem Momen den Tiefschlaf zu ergreifen. Wenn dies nicht passierte, dann hatte ich mich dazu gefreut, wenn die Nachbarn z.B. lauten Fernseher anmachten, da ich nicht mehr das einsame Gefühl hatte. Allerdings bleibt man nicht jung und man wird reifer. Irgendwann lernte ich ein paar Philosophen aus Büchern kennen, und ich habe so viele Bücher verspeist wie ich konnte. Irgendwann bekamm ich im Unterbewussten einen anderen Blick auf die Welt. Ich wollte Ruhe haben, ich wollte vor dem Schlafen in Ruhe ein Buch lesen, das Klicken der Tischlampe hören nachdem ich mit dem Schreiben meines Tagebuchs zu Ende, das Scleifen der Bettdecke über mich bevor ich mein Haupt auf das Kissen platziere, das Zwitschern der *beep* am Morgen hören, während mir im Sommer eine Brise weht. Alles war ein Traum, bis mein Bewusstsein die tägliche zufällig auftretende Lärmbelästigung in Kombination mit dem Tod meines Vaters und eine Luftnot, die ich während dieser Zeitspanne hatte, mein Leben auf dem Kopf stellte. Ich wurde hilflos, reizlos. Jedes Mal, wenn die leiseste Musik angemacht wurde .

Nun ist die Frage: warum passiert uns das? Warum gibt es Menschen, die zur lauten Musik schlafen?
Von mir kennst du es ja. Ich wollte als kleiner Geräusche hören, um mich nicht alleine in der Nacht zu fühlen. Später fand ich heraus, dass die damaligen Nachbarn Alk. waren, mit denen man keine menschliche Kommunikation aufrichten konnte. Also entwickelte ich Hass gegenüber denen. Was macht das Gehirn, wenn du jemanden hasst? Jede kleine Aktion wird als Angriff oder Gegenangriff verstanden. Und das ist ja täglich. Langsam mit der Zeit werden die Nerven neu verkabelt. Man hat eine höhere Bereitschaft für eine Fight-Or-Flight Reaktion. Aber wie du sagst, bist du weggelaufen, also Flight. Du hattest eine Niederlage. Du konntest deine Nachbarin nicht aufhalten. Sie hat gewonnen. Du bist gebrochen aus der Wohnung mit psychischer Gewalt hinausgezogen, du hast ständig Angst, dass wenn das wiederkommt, alle Gewaltenteilungen des Landes würden dir nicht helfen, d.h. du bist schutzlos. Dein Gehirn verbindet dein Verhalten mit den Emotionen und die damit verbundenen Gedanken.

Wenn ich heutzutage von draußen Musik höre, dann horche ich, bis ich das Geräusch lokalisiert habe, dann bekomme ich Flashbacks. Ich bekomme das Gefühl, dass ich verloren habe, dass ich irgendwann einfach ins leere ausziehen muss, um meine Ruhe zu genießen, irgendwo in einem abgelegenen Dschungel, wo ich mein ganzes Lebensschmerzes hinausschreien kann. Aber das wird mir nichts nützen haha, denn schon am ersten Tag könnte ich nicht überleben. Wir sind von Anfang an von bereitgestellten Ressourcen abhängig,

- Du musst viel lesen. Geh in die Bücherei, nimm dir ein Buch und lies
- Trainiere viel. Intensiver Sport bedeutet mehr Auschüttung von Endorphinen, die deinen Körper entspannen und gleichzeitig fühlst du dich stärker.
- Lass dir niemals dein Recht entziehen. Wenn dir kein Anwalt helfen kann, dann mit deiner Faust und Fuß. Bei dem Fall mit deiner damaligen Nachbarin hättest du bei ihr an der Tür hämmern sollen, schreien, drohen. Selber Lärm machen. Dann ausgezogen. Somit hättest von der Angst weniger mitgenommen
- Versuch dich mit der Musik wieder anzufreunden. Erinnere dich daran - Verhalten, Emotionen und Gedanken. Beginne erstmals mit klassischer Musik
- Wenn jemand oder ein Fernseher zu hören ist oder bisschen Lärm, dann überlege es dir. Diese Menschen kennen dich garnicht, also beabsichtigen sie das nicht. Wenn du Lärm hörst, dann leg dich hin und schließe die Augen. Versuche dich währenddessen an etwas anderes zu konzentrieren, versuche zu schlafen, ja zu schlafen. Ich habe es versucht und es klappt. Gehe nicht zu deinen Nachbarn, bis die Sache ernst wird, d.h. so laut ist, dass du nicht mehr schlafen kannst. Dein Gehirn muss adaptieren. Mach während du Lärm hörst z.B. Liegestütze, gehe etwas Kochen, mach während des Lärms etwas normales. Somit verbindet dein Gehirn das Lärm damit, dass du dich normal verhalten sollst. Aber wenn du jedes Mal in Panik gerätst, dann wird das irgendwann so stark, als hättest du einen Lebensgefährten, den du Mal verloren hast und nie vergessen wirst
- Kaufe Lavendel. Meditiere.
- Und bitte vermeide schlechte Nachrichten oder Dokus über arme Länder. Mach etwas intelektuelles, geh raus zur Natur, mach etwas verrücktes, was du niemals gewagt hättest
-

Mit dieser Veränderung deines Verhalten-Emotionen-Gedanken-Muster, verkabelst du dein Gehirn neu. Nichts vom genannten ist einfach umzusetzen, aber, du musst es umsetzen, oder du stirbst irgendwann wegen Angst und die Sache eskaliert bis zum psychiatrischen Anstalt, wo du Tag und Nacht das Hüpfen und Gejammer von Patienten hörst, wo du dich nach deinen leisen Nachbarn sehnen wirst.

Ich hoffe ich konnte dir helfen.

03.06.2023 08:11 • x 2 #12


K
Otoflat. kann man auch nachts zum Schlafen nehmen. Und Kapselgehörschutz, wenn es mal sehr laut wird. Und viel in den Wald gehen, wo Ruhe ist, abgesehen von Eichhörnchen, ruhige Orte aufsuchen. ZB. im Sommer kann man sich auch mal in eine große Kirche in der Stadt setzen oder in einen Park. Wichtig ist, diese Auszeiten zu haben, wo man sich abregen kann.

Wenn es Dir bei Deinen Eltern gut geht, dann frage sie doch, ob Du dort für ein, zwei Jahre wieder wohnen dürftest, damit Du Dich erholen kannst. Wenn es Dir dort gut geht und Du Dich dort sicher fühlst, wäre das eigentlich der richtige Platz. Und dann kann man als Übergangslösung und zur Regeneration mal das nutzen. Es ist halt die Frage, ob Du das willst, ob es Deine Eltern wollen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch erwachsene Kinder im Fall einer Erkrankung nochmal für eine Zeit in ihr Elternhaus zurückkehren und sich helfen lassen müssen. Ich kenne das von einigen Erkrankungen, ohne Unterstützung von den Eltern wäre da auch nichts mehr gegangen. Die meisten Eltern sind dazu bereit. Man müsste eben fragen und wenn sie ja sagen und es geht, muss man sich klar machen, dass man sie nicht überstrapazieren darf und man für sich selbst verantwortlich bleibt.

Diese Sache mit Geräuschempfindlichkeit und Nachbarschaftskonflikten haben viele. Oft geht tatsächlich nur, nochmal umzuziehen und einen Ort zu finden, der leiser ist. Die Leute geben da nicht nach, weil der, der Krach macht, nimmt ihn nicht wahr. Und wenn man zu den Leuten was sagt, dann sind sie beleidigt und machen erst recht weiter.

03.06.2023 13:32 • #13


H
Hi,habe jetzt eine Diagnose bekommen PTbs und Anpassungsstörung.Um es nicht mit einem langen Text jetzt zu beschreiben. Also vor über 3 Jahren aufgehört mit Alk, Nikotin sehr launisch dann Angst und Panik .Dann kam Corona Isolation und dann Tot plötzlich Mutter und später Vater.Bei Mutter bin in tiefes Loch gefallen, lange Krankgeschrieben 4Monate.Nun muss sagen auf Arbeit ist laut und wenn ,dann Ohrstepsel draußen Pfeifft mir Tinnitus wie sau auch kann den Lärm nicht mehr ertragen. Gerade wenn es viele Geräusche sind komme dann ins schwitzen und suche ruhigen Ort. Es geht dann wieder ,doch muss mich irgendwie beruhigen. Was meint ihr ist es angebracht, eine Therapie für Trauma zu machen weil hab die Trauer nicht richtig verarbeitet und muss viel Weinen auch sehne mich nach Ruhe .Wenn jemand ähnliches kennt ,vielleicht hat jemand Zuspruch und Tipps oder Rat .Wäre über jeden Strohhalm dankbar

28.08.2023 16:59 • #14


Dunkelbunte
Die Lärmempfindlichkeit kenne ich auch zu gut.
Gerade bei einer aktiven PTBS.
Du brauchst Geduld und vor allem viele Pausen, in denen du Reize herunterfahren kannst.

Eine Therapie ist nicht nie verkehrt. Gerade bei dieser Diagnose.

28.08.2023 17:10 • x 1 #15


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