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Hallo,

ich hab schon seit Ewigkeiten schreckliche Angst geistig behindert zu werden und zum Selbstmord nicht mehr in der Lage zu sein quasi "gefangen in eigenen Körper". Allgemein ist die Vorstellung geistig behindert zu sein das Schlimmste was ich mir bei mir vorstellen kann. Schlimmer als der schlimmste Tod. Dadurch entstehen auch immer meine Panikattacken, Angst vor Schlaganfall, Allergien ähnliches und einer möglichen Behinderung hinterher. Vor einem Flugzeugabsturz hab ich zB keine Angst, da ist man garantiert tot.

Bald hab ich eine Operation, die ich eigentlich schon vor Jahren hätte machen sollen dabei ist es nur ein Standardeingriff, aufgeschoben habe ich sie aus der Angst heraus danach behindert zu sein, weshalb ich noch einmal auf Weltreise ging und so viel gelebt habe wie nur möglich, quasi meine Bucketlist abgehakt. Eigentlich völliger quatsch, vor der OP selber hab ich auch keine Angst sondern nur vor den Narkosemitteln. Ich hatte schon diskutiert ob die OP mit einer Lokalbetäubung möglich ist, aber der Arzt meinte dies wäre nicht möglich auch aufgrund meiner Panikattacken.

Kennt sich hier jemand aus? Ich würde es gerne mit einer Patientenverfügung so hinbekommen dass egal was passiert ich auf keinen Fall mit einer geistigen Behinderung weiterleben muss. Eine körperliche wäre kein Problem, da hätte ich noch meinen Kopf um einen möglichen Selbstmord durchzuziehen oder auch nicht falls ich mich dafür entscheiden sollte so zu leben, aber geistige Einschränkungen könnte ich vermutlich nicht mehr selbstständig entscheiden. Mich graust es davor, wenn ich mir nur vorstelle dass mein armer Partner mich so sehen müsste. Oder wie andere über mich lästern würden oder noch schlimmer, Mitleid mit mir hätten.

Meine Angst vor der Vollnarkose entstand das erste Mal durch zwei Zeitungsberichte. In beiden Fällen waren Mädchen in meiner Umgebung geistig behindert nach einer Vollnarkose. In meiner Kindheit war ich durch meine damals aggressive Art bedingt durch die Scheidung meiner Eltern in einer Sonderschule für 1 Jahr. Hier gab es viele geistig Behinderte und seit dem habe ich auch immer mehr oder weniger in meinem Leben die Angst davor (geistig) behindert zu werden und zum Selbstmord nicht mehr in der Lage zu sein.

Könnt ihr mit vll helfen?

26.03.2021 17:31 • 27.03.2021 #1


3 Antworten ↓


Lottaluft
Ich rate dir dringend professionelle Hilfe aufzusuchen und deine Angst zu schildern

26.03.2021 20:30 • x 5 #2



Schreckliche Angst vor Behinderung

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Calima
Zitat von basedela:
Hier gab es viele geistig Behinderte und seit dem habe ich auch immer mehr oder weniger in meinem Leben die Angst davor (geistig) behindert zu werden und zum Selbstmord nicht mehr in der Lage zu sein.


Du bewertest deine Lebensqualität aus der Sicht eines Menschen ohne Behinderung. Das ist erst mal normal - du kennst ja nur diese. Dabei lässt du aber außer Acht, dass du als Mensch mit einer geistigen Behinderung eine komplett andere Bewertung haben wirst.

Wenn du dich mit Menschen mit Behinderung beschäftigst , wirst du bei vielen eine unglaubliche Lebensfreude entdecken. Lebensqualität orientiert sich nicht an Zustand des Verstandes und ist nicht abhängig von Kognition.

Ich vermute, die Angst dahinter ist die vor Abhängigkeit und Hilflosigkeit insgesamt. Würdest du geistig behindert, hättest du - so deine Angst- keine Kontrolle mehr. Und damit landen wir auch hier wieder beim immer selben Problem: Der Angst vor Kontrollverlust.

Du möchtest Sicherheit generieren, diesen zu verhindern. Dabei lässt du völlig außer Acht, dass deine Entscheidung, deine Wahrnehmung ganz andere sein können, wenn dein worst-case-Szenario jemals eintreffen sollte.

Zu Ende gedacht könnte das bedeuten, dass man dich gegen deinen Willen tötet. Das mag dir jetzt egal sein, aber wenn du dir vorstellst, dass dich morgen jemand töten würde, weil du vor 10 Jahren verfügt hast, an diesem Tag zu sterben, wäre das eine vergleichbare Handlung gegen deinen aktuellen Willen.

Die Bewertung von dem, was man als lebenswertes, gutes Leben bezeichnet, verändert sich mit dem eigenen Zustand. Ein 20-Jähriger, durchtrainierter, schöner Mann kann sich schwer vorstellen, dass er mit faltiger, hängender Haut und spärlicher Kopfbehaarung Spaß am Leben hätte.

Heißt: Vertrau darauf, dass das Leben dir mit jeder Veränderung auch die Fähigkeit schenkt, mit dieser umzugehen.

Du kannst nicht kontrollieren, weil es immer anders kommt, als man glaubt.

27.03.2021 10:52 • x 2 #3


Zitat von Calima:
Du bewertest deine Lebensqualität aus der Sicht eines Menschen ohne Behinderung. Das ist erst mal normal - du kennst ja nur diese. Dabei lä...


Dein Beitrag ist ein unglaublich guter Rat! Aus der Sicht hab ich es noch nie betrachtet.

27.03.2021 13:16 • x 1 #4




Dr. med. Andreas Schöpf