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Hallo zusammen,

leider weiß ich mein Anliegen nicht so recht der optimalen Kategorie zuzuordnen, da dieses sowohl das Thema "Einsamkeit" als auch das Thema "Angst" berührt - doch "Kummer und Sorgen" passen ja eigentlich immer.

Zu meiner Situation: aufgrund fortschreitender Gehbehinderung lösen sich allmählich meine wenigen Außenkontakte (Verein) auf. Aktuell kann ich unter Schmerzen noch kurze Wege zurücklegen und einen Moment lang stehen. Irgendwann wird mir auch das Einkaufen nicht mehr möglich sein.

Nun bin ich es einerseits gewohnt, für mich selbst sorgen zu müssen (weil kein anderer da ist, der das übernimmt), zum anderen sogar dankbar, es selbst zu können, denn die Vorstellung, um Hilfe zu bitten, erfüllt mich mit reichlich Unbehagen (was noch mild ausgedrückt ist). Tief sitzt die Angst, mir abwertende Reaktionen abzuholen, die eben im Zusammenhang mit dem Angewiesensein auf Unterstützung entstehen.

Für jemanden, der - wie ich - weder Freunde noch einen Partner hat, bedeutet eine Einschränkung in der Selbstversorgung, auf professionelle Hilfsangebote zuzugreifen. Das mögen u.U. Minimalleistungen sein - aber auch die müssen beantragt werden, was heißt, sich zu erklären (rechtfertigen) und zu betteln. Und wofür? Für ein Leben in sozialer Isolation, denn meine Vereinstätigkeit kann ich ohne gesunde Füße nicht weiter verfolgen. Die ehrenamtliche Betätigung habe ich deshalb bereits aufgegeben.

Ich würde mich sehr freuen, mich mit Menschen austauschen zu können, die nichts mehr fürchten als den Verlust ihrer Autonomie - aber auch Ablehnung und Einsamkeit gut kennen.

(Falls sich jemand äußert: bitte nicht böse sein, wenn meine Antworten - soweit gewünscht - etwas länger dauern; meine Möglichkeiten der Internetnutzung sind leider begrenzt).

Vielen Dank für euer Verständnis!

Quasinemo

15.04.2020 15:54 • 17.04.2020 #1


6 Antworten ↓


Darcyless
Liebe Quasinemo,

erstmal tut es mir sehr leid, dass du in so einer schwierigen gesundheitlichen Situation ganz alleine bist. Darf ich fragen, unter welcher Krankheit du leidest und wie die Prognose da ist?
Ich kenne dieses Gefühl der Einsamkeit sehr gut und ich hätte ehrlich gesagt gar nicht die psychische Stärke allein zu wohnen, da ich auch nur beschränkt arbeitsfähig bin.
Wie wäre es denn wenn du dir online eine/n nette/n Mitbewohner/in suchst? Nur so ne spontante Idee.
Wenn du so Schwierigkeiten beim Gehen hast, wäre es vielleicht generell gut wenn du über das WWW nette Bekanntschaften suchen könntest. Aber wenn es wichtig für dich ist auch mal aus der Wohnung zu kommen, gibt es in deiner Stadt doch bestimmt auch soziale Gruppen und Organisationen, die Veranstaltungen anbieten? Wir haben hier in Braunschweig mehrere dieser "sozialen Häuser" (weiß grade nicht wie ich das nennen soll^^) z.B. Diakonie, AWO, Kulturhäuser und interkulutrelle sowie ein Frauen- bzw. Mehrgenerationenhaus. Sie alle bieten regelmäßig die verschiedensten Veranstaltungen an. Klar grade in der Corona-Zeit natürlich nicht, aber ich meinte auch so "generell" wenn die Pandemie hoffentlich bald mal wieder vorbei ist.

15.04.2020 16:22 • x 2 #2



Drohende Behinderung beendet Kontakte und fördert Angst

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Hallo Darcyless,

Zitat von Darcyless:
Darf ich fragen, unter welcher Krankheit du leidest und wie die Prognose da ist?

Klar! Ursprünglich hatte ich "nur" einen Senk/Knick/Spreizfuß, wie viele andere auch. Ich versuche mir selber schon einzureden, dass ich mich "anstelle", da diese Deformitäten anderen Betroffenen keine nennenswerten Probleme bereiten bzw. die Probleme durch eine passende Einlagenversorgung ausgeglichen werden können. Zunächst bekam ich nach falscher Diagnose (hallux rigidus - das ist Arthrose im Großzehengrundgelenk) auch falsche, nämlich knüppelharte Einlagen, wodurch sich die Symptome gleich verschlechterten und ich diese Einlagen natürlich wegließ. Mein Einwand, dass gerade das Laufen auf hartem Untergrund sehr schmerzhaft ist, fand erst vor ein paar Monaten Gehör, doch inzwischen sind Begleiterscheinungen des nicht behandelten Problems hinzugekommen: Sehnenentzündung, Fersensporn (weil die Achillessehne ziemlich angeschwollen ist, passen Schuhe nicht mehr), stechende Schmerzen in der Fußsohle...Neuerdings zieht auch der andere (bisher gesunde) Fuß nach. Das Gehen fühlt sich ungefähr so an, als lägen Betonplatten auf den Füßen. Die kürzlich verordneten Einlagen bringen wiederum keine Entlastung und waren schon nach ein paar Tagen abgelaufen.

Nun habe ich dich ziemlich "zugetextet" mit einem Problem, bei dem ich mir selbst albern vorkomme, weil es für andere Menschen kein Problem ist.

Ich kenne dieses Gefühl der Einsamkeit sehr gut und ich hätte ehrlich gesagt gar nicht die psychische Stärke allein zu wohnen, da ich auch nur beschränkt arbeitsfähig bin.Wie wäre es denn wenn du dir online eine/n nette/n Mitbewohner/in suchst? ...


Der Witz ist: ich wohne zwar in einer betreuten Einrichtung für psychisch Kranke, habe also Mitbewohner/innen, allerdings auch einen völlig anderen Hilfebedarf, weshalb ich die Betreuung für mich gar nicht nutzen kann. Streng genommen dürfte ich da nicht wohnen, weil ich zu selbständig bin. Die anderen Klienten gammeln mehr oder weniger in den Tag hinein (das meine ich nicht abwertend, die können ja schließlich nichts dazu, dass sie krank sind)...jedenfalls gewährt man mir das Wohnrecht mit gefakten Fachleistungsstunden - noch! Allein wohnen stellt auch für mich keine Option mehr dar, da blicke ich auf ganz üble Erfahrungen zurück.

Möchtest du mir etwas von deiner Situation berichten?

LG

15.04.2020 19:53 • #3


O.k. habe gerade dein Thema, betreffend die nonstop redende Schwiegermutter gelesen. Das ist natürlich extrem nervig. Wie schon andere Forumsmitglieder bemerkten, wirst du bei dieser Person vermutlich keine Änderung ihres Verhaltens bewirken können, indem du verbal an ihre Einsichtsfähigkeit appellierst. Du kommst ja nicht "dazwischen!, wenn sie so in ihrem Element ist.

Wie wäre es denn, wenn du bei jedem misslungenen Versuch, zu Wort zu kommen, einfach aus dem Kontakt gehst - solange, bis sie merkt, dass dich die Monologe nicht interessieren bzw. überanstrengen. Ich glaube nicht, dass dies sehr lange dauern wird.

Dann veränderst du nämlich etwas: du entziehst der Vielrednerin den Nährboden - dich als Zuhörerin. Erst dann ergibt sich vielleicht die Chance, dass die Frau gezwungen ist, nachzudenken und somit eine gute Basis für ein klärendes Gespräch in Dialogform!

15.04.2020 21:05 • x 1 #4


Darcyless
Huhu und übrigens alles Gute zum Geburtstag! (zumindest steht in deinem Profil dass du heute Geburtstag hast, ich hoffe das stimmt?)
Ja dann bist du ja wenigstens nicht komplett allein. Wie verstehst du dich denn mit deinen Mitbewohner/innen?
Danke für deine Worte zu meinem Schwiegermutter-Problem. Ja, definitiv bin ich auch deiner Meinung, dass ich in der Situation intervenieren muss, um ihr direkt zu zeigen dass es grade zu viel ist. Jedoch hab ich noch keinen guten Weg gefunden. Wie meinst du das, ich soll einfach das Gespräch verlassen? Du meinst einfach eiskalt aufstehen und weggehen? Das kann man ja irgendwie auch nicht bringen.. XD
Ich versuche aber, dann nicht mehr auf sie einzugehen und das Thema genauso harsch zu wechseln wie sie es tut. Nur dass ich selbst darunter leide, weil ich ein Mensch bin der für so ein Verhalten eigentlich viel zu sensibel und rücksichtsvoll ist. Aber bei ihr muss man zu solch harten Mitteln greifen- leider.

15.04.2020 22:17 • #5


Danke Darcyless! Ja, der Geburtstag stimmt - im Gegensatz zu meinem Laptop, der spinnt sich heute was zusammen (älteres Schätzchen, wird bald den Geist aufgeben) Ich schreibe dir noch etwas, wenn es störungsfreier vorangeht, im Moment ist es mühsam.....

16.04.2020 15:44 • #6


So, ich versuche es nochmal!

[quote="Darcyless"] dann bist du ja wenigstens nicht komplett allein.

JAIN....ich bin nicht so allein wie in einer Single-Mietwohnung, das stimmt schon, allerdings darf man auch nicht außer Acht lassen, dass die Kommunikation mit meinen Mitbewohner/innen an deren Einschränkungen scheitert. In der Regel reduziert sich der Kontakt auf eine freundliche Begrüßung. Viel mehr können und wollen die meisten gar nicht.

Was ich jedoch sehr schätze, ist der respektvolle Umgang miteinander - die Grenzen des anderen (z. B. im Hinblick auf sein Ruhebedürfnis) werden gewahrt. Es besteht zumindest in meiner WG ein hohes Maß an Absprachefähigkeit, wenn es um Rücksichtnahme geht, niemand will den anderen stören oder selbst gestört werden - Daraus erwächst allerdings ein Nachteil: der ständige Rückzug führt zu der Verwirklichung des Mottos "aus den Augen, aus dem Sinn". Wer nicht in den Gemeinschaftsräumen zufällig gesehen wird, nach dem sieht auch keiner - man könnte also getrost in seinem Zimmer versterben!

Zu deinem Schiegermutter-Problem schreibe ich am besten unter deinem vorgestellten Thema. Dann können andere Interessenten mitlesen und ggfls. ihre Meinung dazu kundtun.

17.04.2020 15:36 • #7




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