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Liebe Forumsmitglieder,
ich (42) habe seit über 12 Jahren Panikattacken und eine Angststörung und immer wieder auch depressive Verstimmungen. Nach der letzten Panikattacke am Di. morgens, wo ich es nur noch mit dem Taxi zur Arbeit geschafft habe und dort dann den ganzen Tag Angstzustände vor dem Heimweg hatte und Dauerpuls um die 100, selbst am späten Abend noch, bin ich den nä. Tag zur Hausärztin gegangen. Die hat mein Escitalopram von 15 auf 20mg hochgesetzt und mir zusätzlich Obsidan 25mg verordnet. Hat jemand Erfahrungen mit dieser Kombi? Bin etwas verzweifelt, weil ich so erschöpft, v. a. tun mir meine Beine so weh, bin müde, kann aber nicht schlafen und immer wieder diese Angst vor der nächsten Attacke. Über einen anderen Rat bin ich natürlich auch dankbar.

04.12.2020 13:52 • 10.12.2020 #1


10 Antworten ↓


Angor
Es wurden Wechselwirkungen gefunden

Zu folgenden Arzneimittel-Kombinationen sind Wechselwirkungen bekannt:
OBSIDAN 25 mg Tabletten und ESCITALOPRAM-1A Pharma 20 mg Filmtabletten

Was kann passieren?
Bei Kombination der Arzneimittel kann die Wirkung von OBSIDAN 25 mg Tabletten möglicherweise verstärkt werden. Blutdruckabfall und damit zusammenhängend Schweißausbruch, Benommenheit und Schwindel können auftreten.

Was ist zu tun?
Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, da bei der Kombination dieser Arzneimittel eventuell verstärkte Kontrollen oder weitere Maßnahmen (zum Beispiel Gabe eines alternativen Arzneimittels) nötig sein können.
Quelle: https://www.apotheken-umschau.de/Medika...kungscheck

Wie lange nimmst Du das Escitalopram schon? Vielleicht hilft das Escitalopram bei Dir nicht so gut, wenn Du es schon längere Zeit nimmst, bei meiner Angsstörung helfen mir schon 10mg.(Ich nehme es zwei Jahre)

Vielleicht kannst Du mal mit dem Arzt sprechen, ob Du eventuell zu einem anderen AD wechselst?
Auf jeden Fall würde ich ihn auch mal auf die Wechselwirkung mit Obsidan ansprechen.

LG Angor

04.12.2020 14:11 • x 2 #2



Escitalopram in Kombi mit Obsidan?

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Herzenswaerme
Ich kann Dir lediglich sagen, dass ich auch längere Zeit Escitalopram eingenommen habe, allerdings in Verbindung mit Pregabalin. Jetzt habe ich auf Venlafaxin umgestellt und stelle fest, dass ich mich davor deutlich erschöpfter gefühlt habe. Nebenwirkungen sollen nach einer Weile verschwinden, weshalb man erst ein paar Wochen zuwarten und beobachten sollte, um dem Mittel eine Chance zu geben. Aber wenn sich das gar nicht legt, wird es wohl am Escitalopram liegen.
Tut mir leid, dass ich Dir nichts anderes dazu sagen kann. Wäre es nicht vielleicht besser, wenn Du mal mit einem Facharzt darüber sprechen würdest, der auf dem Gebiet erfahrener ist? Nichts gegen die Hausärztin aber wenn Du schon Angst vor der nächsten Panikattacke haben musst, bringt das Mittel wohl nicht den gewünschten Erfolg.
Hast Du deshalb eine Psychotherapie gemacht?

04.12.2020 14:31 • x 2 #3


Vielen Dank für Eure Antworten!
Escitalopram nehme ich schon mindestens 7 Jahre. Die ersten Jahre haben 10mg ausgereicht. Vor 2 Jahren habe ich nach Verschlimmerung auf 15mg hochgesetzt. Trotz mehrerer Klinikaufenthalte und verschiedener Psychotherapien hab ich es noch nicht geschafft, Panikattacken abzufangen. Meine frühere Psychiaterin arbeitet jetzt woanders und ein Anruf beim Neuen ergab, dass er keine Notfallsprechstunde anbietet und der nächste reguläre Termin erst Mitte Januar zu haben wäre. Daraufhin hab ich mich erstmal an meine Hautärztin gewandt. Haben Eure Psychiater Notfallsprechstunden oder war ich da nur verwöhnt? Bei Obsidan war die Idee, dass diese Kreislaufspitzen (Puls ca. 1/2 Stunde bei 150 und dann den ganzen Tag bei 100) abzufangen. Die Escitalopram habe ich heute auf 20mg erhöht. Wie lange dürfte es brauchen, bis ich eine Wirkung verspüre? Wie schafft Ihr es eine Panikattacke auszuhalten ohne zu flüchten oder Hilfe zu holen?

04.12.2020 16:24 • #4


Herzenswaerme
Lieber Tom, das erscheint plausibel und wahrscheinlich hätte ich an Deiner Stelle das Gleiche getan. Eine "Notfall-Sprechstunde" gibt es bei meiner Neurologin nicht aber sobald sich unvorhergesehene Komplikationen ergeben, gerade mit Medikamenten, wird man sehr schnell zurückgerufen und bereits per Telefon instruiert. Ich habe schon die ganze Zeit 20mg Escitalopram eingenommen und in meinem Fall war es so, dass ich nach ca. 2-3 Wochen gemerkt habe, dass ich gelassener und ruhiger geworden bin.
Kennst Du zufällig das Buch "Ich bin mal eben wieder tot" von Nicholaus Müller? Darin geht es gerade um ganz schlimme Panikattacken.
Ich persönlich wäre ein ganz schlechter Ratgeber, denn auch ich habe mich insbesondere vor Terminen schon so reingesteigert, dass ich es erst gar nicht geschafft habe, den Termin überhaupt wahrzunehmen, je nachdem, um welchen Termin es sich gehandelt hat. Ansonsten hilft mir ab und an der Gedanke, und damit mache ich mich jetzt wahrscheinlich total lächerlich, dass mein Leben davon nicht abhängt und dass wir alle sterblich sind, also praktisch der Gedanke an das Ende des Lebens und wenn ich mir das dann vorstelle, erscheint mir im Vergleich dazu so ein "kleiner" Termin nicht mehr ganz so bedeutungsvoll. Ich hoffe, dass Du das jetzt nicht falsch verstehst, weil ich Dich mit Deiner Angst und den Panikattacken vollkommen verstehen kann.

07.12.2020 18:26 • x 1 #5


Zitat von Mr.Tom78:
Wie schafft Ihr es eine Panikattacke auszuhalten ohne zu flüchten oder Hilfe zu holen?

Die Kunst ist es, es gar nicht erst bis zu einer (starken) PA kommen zu lassen:
- Grundanspannung deutlich runter fahren durch gesündere Lebensumstände (und ggf. Medikamente)
- lernen, auslösende Gedanken nicht aufkommen zu lassen oder umzulenken
- bei erstem Panikanflug Skills nutzen oder anderweitig ablenken.
- bei intensiver PA dagegen bzw mit arbeiten und nachher erkennen, was man wieder ausgehalten hat.

Je seltener PAs kommen, um so mehr sinkt die Angst davor. Ich hatte Anfang März meine letzte Panikattacke und habe auch fast keine Angst mehr davor.

07.12.2020 20:50 • x 1 #6


Zitat von Herzenswaerme:
Lieber Tom, das erscheint plausibel und wahrscheinlich hätte ich an Deiner Stelle das Gleiche ...


Es beruhigt mich etwas, dass ich verstanden werde. Meine Traumatherapeutin meint, ich muss die Ursachen nur ganz genau verstanden haben, damit keine PA's und Symptome mehr auftreten. Das glaube ich nicht mehr, denn wir haben im Sumpf gewühlt, mehr als mir lieb ist. Und dann schießt es täglich seit über 10 Jahren blitzschnell hoch und ich bekomm es kaum geregelt. Es ist frustrierend...
Das Buch ist ein guter Tipp. Das schaue ich mir mal an.

08.12.2020 21:33 • #7


Zitat von Pauline333:
Die Kunst ist es


Danke für die Tipps!
Die richtigen Skills habe ich wohl leider noch nicht gefunden. Da werde ich weiter ausprobieren müssen. An etwas riechen war zumindest letztens nicht erfolgreich.
Große Probleme macht mir Panik z. B. in der Bahn. Da ist nix mit Abbewegen. Durch die Maskenpflicht ist Durchatmen kaum möglich.
Da kann man nur rational vorgehen und durchhalten, oder?
Freue mich aber sehr für Dich, dass Du schon ne Weile panikfrei bist! So soll es bleiben!

08.12.2020 21:41 • #8


Für mich hat Zählen von Dingen oder im Geist genau erfassen/beschreiben oft geholfen, wenn ich die Unruhe merkte. Fenster zählen, Menschen zählen, rote Dinge zählen oder das Gegenüber heimlich beobachtet und sich vorstellen, wie die Wohnung aussieht, Worte rückwärts lesen. Primzahlen aufsagen etc. Halt den Geist beschäftigt halten, dass er sich nicht so gut reinsteigern kann.
Was auch hilfreich sein könnte, ist, wenn du zum Beispiel zuhause zu einer Entspannungsmusik oder Meditation entspannen kannst, dies ausgiebig üben und dann, wenn du darauf richtig gut entspannen kannst, die Musik per Kopfhörer anmachen, wenn du in die Bahn gehst.
Weiterer Tipp ohne zu wissen, ob du dafür der Typ bist: ein Gespräch anfangen mit irgendwem. Interaktionen mit anderen Menschen haben mich zumindest immer am allerbesten von meinen PAs abgehalten. Ich hörte mich kleines Häuflein Elend dann sprechen und dachte mir, du klingst echt gut. Gar nicht aufgeregt oder ängstlich und das hat dann irgendwie rück gekoppelt.

08.12.2020 21:55 • x 2 #9


Herzenswaerme
Zitat von Mr.Tom78:
Es beruhigt mich etwas, dass ich verstanden werde. Meine Traumatherapeutin meint, ich muss die Ursachen nur ganz genau verstanden haben, damit keine PA's und Symptome mehr auftreten. Das glaube ich nicht mehr, denn wir haben im Sumpf gewühlt, mehr als mir lieb ist. Und dann schießt es täglich seit über 10 Jahren blitzschnell hoch und ich bekomm es kaum geregelt. Es ist frustrierend...Das Buch ist ein guter Tipp. Das schaue ich mir mal an.


Ha! Dann bin ich ja froh, dass ich nicht die Einzige bin. Ich bin noch immer in psychotherapeutischer Behandlung, allerdings frage ich mich schon, welchen Sinn das auf Dauer haben soll. Die Gespräche helfen zwar in dem Moment aber an dem "Grundproblem" ändert sich dauerhaft eben nichts, also genau wie Du es auch beschrieben hast. Ich bin auch bis zum "Grund" vorgedrungen aber geändert hat sich bisher nicht so viel. Ich bin in einer tiefenpsychologischen Behandlung, möchte keinem Arzt zu nahe treten, denn sicher ist deren Job nicht leicht aber ich habe festgestellt, dass mir das zweimal in der Woche vom Kopf her einfach zu anstrengend ist, während sich die Hauptproblematik nicht ändert.

10.12.2020 17:06 • x 1 #10


Die Ursache(n) zu kennen, stoppt ja nicht die Reaktion des Körpers. Dazu muss man sich "umprogrammieren", damit man sich in Triggersituationen irgendwann mal "normal" verhält.

Deswegen ist bei Angst oftmals Verhaltenstherapie das Mittel der Wahl: die Vergangenheit interessiert weniger, sonder man richtet das Augenmerk auf die Verbesserung des Umgangs in den Situationen.

10.12.2020 17:39 • x 1 #11



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Dr. med. Andreas Schöpf