Zitat von Enyja: trotz allem muss ich immer wieder an die schöne Zeit im Sommer denken. Wenn ich die Bilder von uns ansehe, kommt mir das Heulen.
Sich an schöne Bilder erinnern, die eine Weile zurückliegen, bringt in aller Regel auch die dazugehörige Erinnerungsverklärung mit sich: Wir sehen nur, was schön war oder zumindest schien und blenden aus, was es an Unschönem gab.
Das hat die Funktion, uns zu schützen, denn immer wieder über negative Erfahrungen nachdenken, belastet uns über die Maßen. Und das kann keiner leiden. Bei der Erinnerung an Schönes entsteht nicht selten die Sehnsucht danach, es sich wiederzuholen. Was einmal gelungen ist, könnte doch auch erneut klappen.
Das Problem: Es ist ja auch damals nicht gelungen. Es war nur schön, weil bestimmte Parameter erfüllt waren. Zum Beispiel, dass man sich in frischen Beziehungen erst nach und nach in all seinen Facetten zeigt. Oder auch der Umstand, dass wir oft lange Zeit bereit sind, für ein harmonisches Miteinander Dinge, die uns eigentlich stören, auszublenden oder zumindest zurückzustellen, um diese Harmonie nicht zu gefährden.
Erst im Laufe der Zeit zeigt sich dann, wie gut man tatsächlich miteinander zurechtkommt, wenn man nach und nach ehrlicher mit der eigenen Persönlichkeit umgeht und sich nicht 24/7 von der Schokoladenseite zeigt.
In deinem Fall hat euch die Realität im wahrsten Sinne des Wortes gewaltsam eingeholt. Dass sich deine Sehnsüchte an die Zeit vor dieser klammern, hat vermutlich auch damit zu tun, dass du dir wünscht, diese Erfahrung nie gemacht haben zu müssen. In Verbindung damit steht die Sehnsucht, die Uhr so weit zurückzudrehen, dass nur die sonnigen Tage übrig bleiben.
Dein Kopf weiß längst, dass das nicht geht. Dein Herz, deine Sehnsüchte...brauchen noch eine Weile, bis sie hinterher kommen.
Nicht zu unterschätzen ist auch der Faktor, dass diese Beziehung, so ungut sie über weite Teile auch gewesen sein mag, vertraut und einschätzbar war. Und das gibt, auch wenn die Umstände extrem unangenehm sind, ein Stück weit auch Sicherheit.
Der gegenüber steht nun die Unsicherheit, wie das Leben und wie die Liebe sich neu gestalten werden. Auch das ist ein Gefühl, das wir nicht so gut leiden können. Und es führt für nicht wenige dazu, lieber in altvertrauten Mustern und Beziehungen kleben zu bleiben, als das Wagnis einzugehen, sich auf Unbekanntes einzulassen.
Ob es nun ein Jahr dauert, ob weniger oder mehr, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, die Zeit zu nutzen, um zu verarbeiten und loszulassen. Dann wirst du irgendwann auch frei sein für Neues, Schönes und Beglückendes.