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Hallo ihr Lieben,

mich beschäftigt aktuell ein schwieriges Thema: Meine Oma liegt seit gestern auf der Intensivstation mit einer bakteriellen Infektion. Das Herz ist schwach, die Nieren beschädigt. Die Ärzte möchten keine Prognose abgeben.

Dies ist nicht der erste Tod für mich. Meine beiden Opas, meine andere Oma, Uroma und -Opa, habe ich bereits beerdigt. Neu ist in diesem Fall, dass alle Anderen recht plötzlich und ohne Vorankündigung gestorben sind. Nun ist die Situation eine ganz Andere. Meine Oma lebt und ich wünsche mir von Herzen, dass sie diese Krankheit überwindet - aber in ihrem Alter und Verfassung wäre es töricht nicht auch an das Äußerste zu denken.

Wie geht ihr (aus Erfahrung) mit einer solchen Situation um? Ich meine damit nicht die Krankenbesuche, sondern eher auf der persönlichen Ebene. Ihr als Person. Ich z.B. verspüre die längste Zeit des Tages eine starke Anspannung, vermute bei jedem Telefon klingeln die schlechteste Nachricht. Das geht soweit, dass ich mein Handy auf der Arbeit bereits ausgeschaltet habe, um nicht von einer schlechten Nachricht "überrascht" zu werden. Auch habe ich meine Angehörigen gebeten mir keine Nachrichten alla "Ruf mich bitte an, wenn du zuhause bist" zu schicken, sondern einfach nur auf dem Haustelefon anzurufen. Ich habe ein Problem damit, negative Gefühle (vor allem Tränen) öffentlich zu zeigen. Und ich bin jemand, der bei solchen Nachrichten immer erstmal in Tränen ausbricht.

Auch wenn sich das jetzt wenig empatisch anhört: Ich habe aktuell eher Angst davor, von der Nachricht über ihren Tod in einer für mich ungünstigen Situation überrascht zu werden, sodass ich meine Tätigkeit/Vorhaben nicht mehr weiter ausführen/nachgehen kann. Mit dem Tod selbst konnte ich bisher hingegen gut umgehen und damit nach ein paar Wochen abschließen.

Wie habt ihr euch in so einer Situation emotional selbst entlastet? Der größte Teil der Familie verlegt sich eher auf Hoffnung. Auch mein Partner versucht das ganze möglichst positiv zu betrachten. Ich bin die einzige, die sie in Gedanken schon beerdigt hat. Das belastet mich sehr, aber es fällt mir schwer positiv zu bleiben. Diese Erwartungshaltung führt zu großem Stress. Kann mir jemand ein paar Tipps geben?

26.01.2016 21:49 • 27.01.2016 #1


8 Antworten ↓


Techno54
Hi xoxoxoxo

ich hatte ähnliches bei meiner Mutter. Sie lag 3 Wochen auf der Palliativstation. Ich wusst das dies das Ende ist. Ich bin geschwankt zwischen : sie soll sich wieder erholen und hoffentlich muss sie nicht länger leiden. Ich hatte in der Zeit mein Handy Tag und Nacht bei mir. Stress hoch 5 mit schlechtem Gewissen weil ich mir gewünscht habe, das sie nicht länger leiden soll. Als dann der Anruf kam hat es mir die Füße weggezogen.
In den 3 Wochen habe ich immer versucht mich abzulenken, hat aber nicht wirklich geklappt.
Ich wünsche dir das deine Oma sich wieder erholt.

Liebe Grüße
Techno

27.01.2016 05:31 • #2



Wie bereitet ihr euch auf den Tod eines Angehörigen vor

x 3


Schlaflose
Wie soll man sich konkret darauf vorbereiten? Man muss sich von vornherein darauf vorbereiten, dass die Großeleltern und Eltern in der Regel vor einem selbst sterben.

Als mein Vater vor 33 Jahren starb, war er ein paar Tage davor krank mit sehr hohem Fieber, hat sich geweigert ins Krankenhaus zu gehen, hat sich selbst mit Antibiotika behandelt (er war Arzt), hat diese aber immer wieder erbrochen, so dass sie nicht wirkten. Und dann eines nachts starb er.

Als meine Oma vor 14 Jahren starb, war sie schon ca.3 jahre lang ein Pflegefall zuhause, zwischendurch mit mehreren Krankenhausaufenthalten, und ich muss ehrlich sagen, dass ich froh über ihren Tod war, obwohl ich sie früher innig geliebt habe.

Ja, und vor genau drei Wochen starb meine Mutter ziemlich überraschend mit 79. Sie hatte einen leichten Schlaganfall erlitten und wurde im Krankehaus mit Blutverdünnern behandelt und es ging ihr schon viel besser und sie sollte am Ende der Woche entlassen werden und in die Reha gehen. Ja und dann gab es plötzlich Komplikationen, weil sie durch den Blutverdünner starke Magenblutungen bekam und dann ging es innerhalb von 3 Stunden zu Ende.

Mir war schon immer klar, dass sie irgendwann in den nächsten Jahren sterben und mich zurücklassen wird, darauf war ich vorbereitet, aber dass es so bald passiert, darauf war ich nicht gefasst.

27.01.2016 07:55 • #3


waage
Morgen,

ich glaube vorbereiten kann man sich nicht, wenn ein bestimmtes Alter erreicht ist...ist der Gedanke schon öfters da..

Meine Mutter wird dieses Jahr 80 J. , es kommen dauernd neue Krankheiten hinzu und sie baut sehr ab...ich wünsche mir das sie noch lange lebt....

Aber wie schon geschrieben, daß sie kein Pflegefall wird oder lange im Krankenhaus an Geräten "am Leben erhalten" wird.


Alles Gute

L.G. Waage

27.01.2016 08:16 • #4


enten
Guten Morgen,zusammen


Nein,man kann sich nicht vorbereiten..man denkt man könnte es aber leider ist dem nicht so

27.01.2016 08:24 • #5


Herbstkind
Ich habe Menschen verloren ... vorbereitet und unvorbereitet. Für mich war kein Unterschied da. Verlust war Verlust. Und die Verarbeitung hat in beiden Fällen Genauso lang gedauert. Ich finde persönlich, dass es kein richtig oder falsch gibt. Jeder geht anders mit solchen Situstionen um. Der eine erstarrt.... der nächste bricht in Tränen aus .... der andere realisiert das erst gar nicht und macht erstmal wie gewohnt weiter.

Ich wünsche Dir viel Kraft

27.01.2016 08:30 • #6


Luna70
Zitat von xoxoxoxo:
Auch wenn sich das jetzt wenig empatisch anhört: Ich habe aktuell eher Angst davor, von der Nachricht über ihren Tod in einer für mich ungünstigen Situation überrascht zu werden, sodass ich meine Tätigkeit/Vorhaben nicht mehr weiter ausführen/nachgehen kann.


Das kann ich verstehen, es ging mir ähnlich als meine Mutter nach einem Schlaganfall auf der Intensivstation lag. Die Ärzte haben uns damals wenig Hoffnung gemacht und es ging auch jeden Tag ein wenig schlechter. Ich hatte auch ähnliche Gedanken. Was ist, wenn ich mitten im Edeka stehe und mein Bruder ruft an und sagt mir, dass sie gestorben ist? Oder wenn ich auf der Arbeit bin und ich muss dann meine Kollegen informieren und Beileidsbekundungen über mich ergehen lassen. Ich glaube, das ist vielleicht einfach unsere "Angsthasen-Art" zu denken. Alle möglichen Situationen schon vorher gedanklich zu beleuchten und über alles, was mal eintreten könnte nachzudenken.

Die meisten Menschen würden diese Angst vermutlich gar nicht entwickeln weil der ganze Gedankengang für sie nicht nahe liegend ist. Für mich ist es aber absolut nachvollziehbar.

Auch die etwas ambivalenten Gefühle kann ich verstehen. Vielleicht können wir so besser damit umgehen, wenn wir das, was schlimmstenfalls passiert, schon mal fest ins Auge fassen.

Tipps? Mir fällt da eigentlich nur der eine, dass du für dich akzeptiert, dass du mit der Situation anders umgehst als deine Familie. Wenn du die Sicherheit brauchst, dass du eine schlechte Nachricht nur in deinen eigenen vier Wänden bekommst, dann sage das deiner Familie auch so. Ich denke, da kannst du ohne schlechtes Gewissen darauf bestehen.

27.01.2016 10:22 • #7


Vielen Dank für eure Antworten. Auch wenn es zum Teil jedes Lebens dazugehört hat man manchmal das Gefühl, dass man als Einziger vor so einer Situation steht. Dabei geht es doch eigentlich allen Menschen mehr oder weniger gleich damit.

Luna70: Was du schreibst ergibt durchaus einen Sinn für mich. Die "Angsthasen-Art" des Denkens ist einem selbst oft gar nicht bewusst. Dafür erlebt man sie in Ausnahmesituationen umso stärker. Mir tut es gut zu wissen, dass ich in so einer unkontrollierbaren Situation zumindest die Rahmenbedingungen für mich festlegen kann. Sobald mein Handy ausgeschaltet ist, bin ich wesentlich entspannter. Ich habe auch kein schlechtes Gewissen dabei, denn es ändert nichts an der Situation meiner Oma. Sowohl gute als auch schlechte Nachrichten werden mich bei Zeiten erreichen.

27.01.2016 15:12 • #8


ich hab in den letzten 3,5 Jahren drei sehr liebe menschen verloren. meinen Bruder, den ich mehr geliebt habe als jeden anderen menschen auf dieser Welt, und zwei gute Freundinnen. alle drei starben im Alter zwischen 30 und 40. viel zu früh nach meinem Ermessen! alle Todesfälle kamen ohne Voranmeldung, das heisst vorbereiten konnte ich mich nicht. ich bin jedesmal daran kaputt gegangen und begreif teilweise heute nicht einmal dass diese menschen nicht mehr in meinem Leben sind.

ob es anders gelaufen wäre wenn ich mich hätte darauf vorbereiten können weiß ich nicht.
das einzige was ich sagen kann ist dass man sich die Zeit nehmen muss sich mi der Trauer auseinander zu setzen, auch zuzulassen und sich Zeit zu geben zu trauern. es gibt kein Limit wie schnell man damit abgeschlossen haben muss. und ebenso wird es auch kein Patentrezept geben wie man sich darauf vorbereiten kann.

@xoxoxoxo , ich wünsch Dir von Herzen alles Gute und viel Kraft für die schwere Zeit.

27.01.2016 17:02 • #9




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