Ich glaube, es könnte dir schon was nutzen, wenn du dir z.B. mal ne Frisurberatung beim Frisör gönnst oder dir ganz bewusst mal vornimmst, was Neues -also jetzt modetechnisch- auszuprobieren, dich selber neu zu erfinden oder doch zumindest deine Vorzüge zu betonen. Das kann jede Frau, egal, wie man aussieht. Man kann immer was aus sich machen, sich auch je nach Gefühl ganz anders kleiden. Man wirkt dann auch gleich anders auf die Anderen. Und so ne neue Frisur ist für viele Frauen ja oft wie ne Verwandlung
Und mit ner neuen Frisur kann auch neue Kleidung einher gehen. Ich hab z.B. die Haare 21 Jahre lang lang gehabt und dazu meist den Schlabberlook bevorzugt - war halt bequem. Dann hab ich mir einmal eine richtige Typberatung beim Frisör gegönnt und bekam nen kurzen Bob. Da konnte ich keine Schlabberklamotten mehr dazu anziehen, das sah einfach affig aus. Inzwischen bin ich vom Hosen- zum Rocktyp geworden, kleide mich viel weiblicher, zieh auch gerne mal bunte Sachen an. Und fühl mich viel wohler in meinem Körper, weil ich endlich raus gefunden hab, welche Frisur, welche Farben, und welche Schnitte mir stehen.
Vielleicht solltest du außerdem üben, mit dir selber genau so nachsichtig zu sein wie mit Anderen. Es ist oft so, dass wir Anderen Alles verzeihen, mit uns selber aber unglaublich streng ins Gericht gehen. Da macht man sich selbst auf Dauer nur unglücklich. Wir neigen dazu, ständig was an uns zu suchen, was man ändern oder verbessern kann. Wir suchen gern und oft unsere Schwächen und finden, wir müssten daran arbeiten. Muss man aber nicht, um glücklich zu sein. Um glücklich und selbstbewusst zu sein muss man seine Stärken und Schwächen kennen - und Beides als Gesamtpaket sehen und akzeptieren. Dann kann man sich auch selbst gut leiden. Anstatt an dir herum zu nörgeln könntest du z.B. ab jetzt jeden Tag Freunde und Verwandte fragen, was sie an dir mögen. Und das notieren und jeden Abend durchlesen. Oder dir selber über dich selber so eine Liste erstellen.
Du könntest auch eine Nörgel-Hitliste machen, das ist ne witzige Idee, hab ich von einem Arzt. Man schreibt Alles auf, was man immer so zu nörgeln hat. "Immer ich" oder "Meine Hüfte is so speckig" oder "Ich bin so kindisch manchmal!". Da hast du schnell raus, was deine Nörgel-Favoriten sind. Du kannst dir dann für jede Woche eine persönliche Hitliste erstellen, mit den Dingen, die du am meisten denkst, an erster Stelle. Vielleicht hast du immer ein Büchlein dabei mit Nörgelsprüchen und machst dann jedes Mal einen Strich, wenn du einen Satz davon denkst. Das sorgt dafür, dass man fürs Nörgeln sensibilisiert wird, also bewusst merkt, wann man nörgelt. Und sich gleichzeitig auf lächerliche Art und Weise damit beschäftigt, so dass man irgendwann sagen kann: "Immer haben die Anderen Glück? Hab ich langsam oft genug gehört!" Ist wie im Radio mit den Top 10. Am Anfang singt man noch gerne mit, aber wenn's dann zum 500ten mal kommt, kann man's einfach nicht mehr hören.
Meine Frisörin hat auch nen lustigen Trick gegen übertriebene Kritik, die ist nämlich auch sehr streng mit sich selbst und macht sich dadurch oft richtig selber kaputt. Wenn sie merkt, dass es ihr nicht gut tut, was sie tut, dann nimmt sie sich zwei Gläser, zwei Stühle, einen Tisch, und eine Flasche Rotwein. Und schenkt sich dann zwei Gläser ein und stellt die Stühle gegenüber, die Gläser dazu. Dann redet sie mit sich selber wie mit einer besten Freundin. Und merkt dadurch durch die vertauschte Sichtweise, dass sie gar keinen Grund hat, so streng mit sich selber zu sein.
(Könnte auch sein, dass sie da an einem Abend ne Flasche Wein alleine trinkt und ihre Sorgen dadurch in den Hintergrund rücken, aber ich möchte ihr mal unterstellen, dass das eher nicht der Fall sein wird.)
Auf jeden Fall sollte man sich überlegen: Was will ich im Leben eigentlich machen?
Will ich jahrelang versuchen, eine Perfektion zu erreichen, von der ich schon vorher weiß, dass es sie nicht geben kann? Will ich Lebensjahre damit verschwenden, ständig Fehler zu suchen und Dinge an mir zu kritisieren? Oder kann ich es mal wagen, mich so in der Fußgängerzone umzuschauen und mich mal mit den Leuten zu vergleichen, die da so rumlaufen? So perfekt sind die nämlich auch nicht. Wieso muss ich es dann sein? Wenn ich sowieso nur 70, 80 Jahre zu leben hab, dann sollte ich die vielleicht sinnvoller nutzen als an mir herum zu nörgeln.
Keiner denkt auf dem Sterbebett: "Hätt ich doch nur länger im Büro gesessen!" oder "Wär ich mal nicht immer so kindisch gewesen!"
Manchmal ist "passt schon" genug Passt schon. Es ist einfach okay, wie man ist. Man kann sich ändern und verbessern, klar, man muss aber nicht. Glücklich kann man auch sein, so, wie man jetzt gerade ist.
Liebe Grüße,
Bianca