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Miamee

Miamee

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Hallo zusammen!
das wird jetzt etwas länger dauern und es tut mir jetzt schon leid!

Ich bin nun bereits in der 10. Woche krankgeschrieben. Grund ist ein akut psychisches Belastungssyndrom aufgrund einer Extremsituation auf der Arbeit, der ich beiwohnen durfte.
Habe regelmäßig Termine mit der Krisenintervention und das Ereignis selbst ist mittlerweile nicht mehr das größte Problem, sondern die Tatsache das ich bereits im Vorfeld unbemerkt auf dem Weg ins Burnout war und mir jetzt die Möglichkeit gegeben wird mich ordentlich zu erholen.
Das Problem jetzt ist, das ich letzte Woche Kontakt mit meinem Chef hatte, der mir unmissverständlich klar gemacht hat, das ich entweder bald zurück komme und wieder funktioniere, oder ich soll mir gleich was anderes suchen, damit meine Stelle besetzt werden kann. Es ist das erste mal, das ich so lange krankgeschrieben bin und definitiv niemand der wegen jedem Mist zu Hause bleibt! Ganz abgesehen, davon, das ich immer gute Arbeit geleistet habe! Das macht diese Aussage mehr als unfair!
Nachdem ich mich ein paar Tage maßlos darüber geärgert habe, habe ich heute einen echten sche*ßtag an dem mich das schlechte Gewissen plagt und mich der Gedanke noch weitere 3 Wochen(so lange bin ich noch krankgeschrieben) zu Hause zu sein echt ein wenig unruhig macht.
Ich bin immer sehr gerne auf die Arbeit gegangen und will auch, unabhängig vom gesagten meines Chefs, ab Anfang September wieder arbeiten gehen, aber erstmal muss ich jetzt wieder ruhiger werden und wieder an mich denken ohne diese blöden Gedanken. vor allem zweifle ich momentan daran überhaupt noch zu Hause bleiben zu müssen. Diese Aussage hat mich völlig verunsichert!

Was macht man gegen ein schlechtes Gewissen in so einer Sache? Habt ihr Tipps? Erfahrungen? Würde mich freuen!

Danke fürs lesen

16.08.2019 15:13 • 18.08.2019 #1


8 Antworten ↓


Miezekätzchen


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Hallo Miamee,

kennt denn dein Chef den Grund für deine Krankmeldung?

Liebe Grüße

16.08.2019 15:20 • #2


Miamee

Miamee


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Ja, den Grund kennt er.

16.08.2019 15:25 • #3


Miezekätzchen


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Wenn dein Chef den Grund für deine Abwesenheit kennt, finde ich seine Forderung unfair. Damit setzt er dich unter Druck und das obwohl er über die Umstände informiert ist. Dass du nun unruhig bist, kann ich gut nachvollziehen - mir würde es sicher ähnlich gehen.

Allerdings bin ich der Meinung, dass du kein schlechtes Gewissen haben musst, weil du auf dich und deine Gesundheit Acht gibst. Die Krankmeldung hast du nicht grundlos bekommen und wenn man sich in einem solchen Zustand befindet dauert es seine Zeit bis man sich wieder erholt. Außerdem profitiert auch dein Chef davon, wenn du erholt und mit neuer Energie deine Arbeit verrichtest und nicht unter Druck und aufgrund von Schuldgefühlen.

16.08.2019 15:36 • x 1 #4


Miamee

Miamee


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Vielen Dank!
So sehe ich das eigentlich auch, aber wie gesagt, irgendwie ist heute wohl nicht mein Tag und die negativen Gedanken haben überhand genommen!

Nach deiner Antwort geht es mir aber schon mal besser, weil es richtig klingt!

Also Dankeschön dafür!

16.08.2019 15:50 • x 1 #5


petrus57

petrus57


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Ich würde durch die Aussage deines Chefs noch ein paar Wochen dran hängen. Seine Ansage ist ja eher kontraproduktiv und zieht dich womöglich noch weiter runter.

16.08.2019 15:58 • x 2 #6


Tabe77


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Ich bin jetzt auch schon 5 Wochen krankgeschrieben, und wie es aussieht kann es auch noch Monate dauern bis ich wieder arbeiten kann. Muss noch viele Untersuchungen machen, und bin für Tagesklinik angemeldet. Wenn 7ch Pech habe wird es das Jahr garnichts mehr. Vielleicht habe ich ja Glück und es geht schneller. Ich fühle mir auch unwohl dabei, aber wenn's nicht geht, muss man sich damit abfinden. Bin sogar noch in der Probezeit, aber die Firma gibt mir noch Zeit.

16.08.2019 16:06 • #7


Kiliane77


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Hallo!
Ich war sieben Monate krank geschrieben und davon zwei Monate im einer Klinik. Drunter wäre es gar nicht gegangen. Schleichend rutscht man in die Spirale und dann braucht es auch Zeit um wieder stabil zu werden. Alles andere ist kontraproduktiv. Inzwischen kann es doch keinen Chef mehr geben, der darüber nicht informiert ist! Und wenn sie es mit Druck beschleunigen wollen, leisten sie ihrem Mitarbeiter und der Firma keinen Dienst. Ist halt nunmal kein Schnupfen und inzwischen wahrlich kein Ausnahmefall in der Arbeitswelt mehr. Schon dort sollte ein präventiver Ansatz herrschen. Fortbildung, Mitarbeiterfürsorge, Empathie, Zusammenhalt.... Und was wir eben brauchen um nicht zu erkranken. Wir sind keine Zitronen zum Auspressen. Der Chef und das Umfeld trägt aus meiner Sicht immer auch eine Mitschuld. Bis wir uns selbst wertschätzen lernen durch die Krankheit haben wir in.der Regel für den Arbeitgeber schon zuviel gegeben!

16.08.2019 16:54 • x 1 #8


silverleaf

silverleaf


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Liebe Miamee!

Es tut mir ganz unheimlich leid, was Dein Arbeitgeber da veranstaltet, es ist einfach so unfair! Man macht sich jahrelang krumm für die Arbeit und gibt alles, dann bekommt man einmal Probleme und schon wird einem signalisiert, dass das ja gar nicht geht und man eine Zumutung für die Firma/ die Dienststelle ist.

Zunächst einmal: Du bist nicht allein! Ganz viele Menschen mussten das über sich ergehen lassen, es liegt NICHT an Dir !
Und: Du musst überhaupt GAR kein schlechtes Gewissen haben! Du bist krank, und wenn Du einen komplizierten Splitterbruch im Bein hättest, würdest Du auch länger ausfallen und Dir diese Gedanken viel weniger machen. Das Problem ist, dass man sich für psychische Erkrankungen überproportional mehr rechtfertigen muss als für physische.
Traurig, aber leider Realität, es ist zum ***, echt !

Ich kann Dich sooo gut verstehen, ich war vor ein paar Jahren in einer ähnlichen Situation. Um Dir eine Vorstellung davon zu geben, wie relativ ein Begriff wie "lang" in Bezug auf Krankschreibung ist, möchte ich Dir gerne etwas davon erzählen, damit Du eine andere Perspektive auf die Länge Deiner Krankschreibung bekommen kannst.

Mir erging es ähnlich wie Dir, ein auslösendes Ereignis hat zu einer Krankschreibung geführt, in dieser Zeit brachen tieferliegende Probleme voll durch und die Krankschreibung wurde länger (viel länger) als erwartet. Mein Arbeitgeber hat sich unmöglich verhalten, ich habe vorher nie Probleme gemacht, weder von der Leistung noch von den Krankheitszeiten her, aber es wurde mir nicht gedankt, im Gegenteil.

Das ist auch vorweg schonmal die erste Lehre, die ich aus allem ziehen konnte:
Es dankt Dir NIEMAND, wenn Du Deine Gesundheit für den Arbeitgeber aufs Spiel setzt, das wird einfach nicht gesehen und sofort vergessen, sobald Du krank wirst.

Als ich merkte, dass bei mir etwas mehr nicht stimmte als nur die Erkältung, die ich hatte, sagte meine Hausärztin mir:"Ich schreibe Sie jetzt mal für 4 Wochen krank, und ich fürchte, dass auch das nicht langen wird, stellen Sie sich auf einen Klinikaufenthalt ein." Ich war total geschockt und habe sie für verrückt gehalten. 4 Wochen klang damals für mich irrwitzig lang und einfach nicht umsetzbar. Aber was soll ich sagen, sie hat recht behalten. An die 4 Wochen schloss sich meine erste Einweisung für einen ersten stationären Aufenthalt an, der dann auch gleich 12 Wochen dauerte. Danach dachte ich, jetzt könne ich wieder arbeiten. Weit gefehlt, keine 3 Monate später war ich wieder in der Klinik, wieder für 12 Wochen. Inzwischen habe ich gut ein ganzes Jahr in der Klinik verbracht, an Arbeit ist nach wie vor eher nicht zu denken und aus den 4 Wochen vom Anfang meiner Berufsunfähigkeit sind inzwischen fast 4 Jahre geworden.
Das ist sicherlich ein etwas heftiger Verlauf, der auch nicht typisch ist und den ich auch gleich wieder ins Verhältnis setzen möchte: In dieser Zeit habe ich ganz, ganz viele Menschen kennengelernt, die durch eine psychische Krise oder Erkrankung vorübergehend berufsunfähig waren. Viele sind inzwischen wieder im Beruf und kommen wieder gut zurecht. Aber alle haben die Erfahrung gemacht: So eine psychische Krise kann länger andauern, als man denkt. Viele waren mit Burnout in der Klinik, und von der ersten Krankschreibung bis zur Wiederaufnahme der Arbeit lagen bei vielen mehrere Monate.

Was ich damit sagen möchte: Du bist noch nicht lange krank, auch wenn Dein Arbeitgeber Dir das einreden möchte.

Ich habe leider auch viele Menschen kennengelernt, die unter dem Druck des Arbeitgebers zu früh zurück in den Job gegangen sind und dann ganz schnell wieder auf der Nase lagen. Daher würde ich Dir raten: Kuriere Dich vollständig aus. Nimm' Dir die Zeit, die Du brauchst. Es dankt Dir niemand, wenn Du nur zu 60% wiederhergestellt zurück zur Abeit gehst, wenn Du dann nochmal ausfällst, wird die Sache auch nicht besser, im Gegenteil. Und: Es wird Dir nicht gedankt. Man erwartet, dass Du wieder "funktionierst", wenn Du zurückkehrst, und wenn das nicht der Fall ist, braucht man auf Mitleid und Rücksichtnahme nicht zu hoffen. Vielleicht für ein paar Tage, aber das war's meistens.

Achte auf Dich! Deine Gesundheit ist Dein wertvollstes Gut, und die gibt Dir niemand zurück, wenn sie erstmal ruiniert ist. Es ist wichtig, zu lernen, an sich zu denken und für sich zu sorgen. Das ist sehr schwer, aber wenn Du es nicht tust, wird es niemand tun.

Ich wünsche Dir alles Gute !

LG Silver

19.08.2019 00:52 • x 1 #9




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