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E
Hallo,

mich würde interessieren, wie ihr damit umgeht euch krank schreiben zu lassen wegen euren psychischen Problemen.
Ich war noch nie deswegen krank geschrieben und meine Krankschreibungen erfolgten immer nur wegen physischen Ursachen wie eben Infekten, Erkältung etc.

Bei mir ist es so, dass das Verhältnis zu den Arbeitskollegen relativ gut ist, aber ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich mir vorstelle längerfristig krank zu sein.
In den fast 20 Jahren wo ich nun arbeite, bin ich sicher schon oft krank gewesen aufgrund von Infekten, Erkältung etc. so wie manch anderer vielleicht auch und blieb dann immer so zwischen 1 - 3 Wochen zu hause. Aber es war ja immer so, dass ich wusste, dass ich auf absehbare Zeit wieder komme.

Aber es ist aus meiner Sicht eine andere Hausnummer, wenn man sich zB für mehrere Monate krank schreiben lässt und der Arbeitgeber ja auch spontan niemanden einstellen kann, weil man selbst auf der Stelle sitzt. Die angefallene Arbeit muss dann von jemand anderem aufgefangen werden (was im Endeffekt nur eine Person machen kann, da wir eben nur zu Zweit sind. ) und es ist eben nicht klar, wann ich wieder komme (oder überhaupt)

Es würde mir sicher leichter fallen, wenn ich irgendwo wäre, wo man eh wie Sch* behandelt und/oder gemobbt wird.

Oder sollte es mir einfach egal sein, weil ja die Ärzte entscheiden?

Ich habe damit einfach keine Erfahrung.

Ich kann mich an meine Ausbildungszeit erinnen, da gab es eine Frau die wirklich sehr oft nicht da war und auch keiner wusste warum, weil sie sich sehr oft krank schreiben ließ und manchmal mehrere Monate oder 1 Jahr nicht da war. Dementsprechend wurde dann auch immer sehr oft gelästert und gehetzt gegen sie.
Na ja gut, das ist ein anderer Fall, aber ihr versteht sicher was ich meine.

Was ich auch noch loswerden wollte: Mir ist in den letzten Jahren immer wieder bei mir aufgefallen, dass ich regelrecht froh war, wenn ich mich mit irgendeinem Infekt angesteckt hatte, weil es für mich eine zusätzliche Möglichkeit war mich von der Arbeit zu erholen und den Druck dadurch von mir zu nehmen.
Ich bin letztes Jahr auch einmal ambulant operiert wurden und durfte anschließend 3 Wochen nicht arbeiten. Aber im Grunde war ich froh, weil ich mich einfach von dem Druck der Arbeit entlasten konnte.

25.05.2023 08:37 • 26.05.2023 #1


33 Antworten ↓


Lina60
Lieber @Anduin, Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Du aus physischen oder psychischen Gründen nicht arbeiten kannst. Doch so wie Du Deinen Arbeitsalltag beschreibst, frage ich mich/Dich ob Du vielleicht nicht einen Stellenwechsel ins Visier nehmen solltest. Denn der grosse Druck kann Dir mit der Zeit noch mehr zu schaffen machen.
Ich wünsche Dir alles Gute !

25.05.2023 09:04 • x 4 #2


A


Krankschreibung und schlechtes Gewissen

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Abendschein
Ich bin jetzt seit über 40 Jahren am arbeiten und ich habe gemerkt, das ich immer zur Stelle war, wenn Not am Mann
war und auch mit Schmerzen arbeiten gegangen bin. Seit dem letzten Jahr ging dann gar nichts mehr und ich bin jetzt schon, das erste Mal, seit einigen Monaten krankgeschrieben. Meine Gesundheit ist mir wichtig, denn die gibt mir keiner zurück. Den Kollegen ist auch nicht geholfen, wenn ich arbeiten komme und es nicht geht. Ich verstehe mich auch sehr gut mit meinen Kolleginnen und auch mit dem Chef. Alle sagen, ich soll ersteinmal gesund werden. Klar habe ich auch ein bißchen schlechtes Gewissen, aber ich weiß das ich körperliche Einschränkungen habe und ich tue alles, damit es mir besser geht.

Mach Dir nicht soviele Gedanken, das machen andere wahrscheinlich um Dich auch nicht. Wie sollst Du gesund werden, wenn Du immer nur an die Arbeit denkst? Das belastet alles nur. Ich war auch immer zur Stelle, wenn jemand krank war.

Gute Besserung wünsche ich Dir.

25.05.2023 09:05 • x 2 #3


Ankergirl
Also ich war deshalb auch noch nie Krank geschrieben. Wobei ich sagen muss, mich holt die Arbeit immer aus einem tiefen Loch. Das bedeutet die Arbeit ist meine feste Konstante, die dafür sorgt eine gewisse Regelmäßigkeit zu erzeugen.

25.05.2023 09:10 • x 2 #4


N
Hallo,

ich kenne von mir persönlich die langen Krankschreibungen nur mit anschließender Kündigung meinerseits. Ich bin also nie zurückgegangen.

In einem Büro, in dem ihr nur zu zweit seid, ist es schwierig. Kennt die Kollegin deine Probleme?

LG Nicky

25.05.2023 09:11 • #5


E
Zitat von Lina60:
Lieber @Anduin, Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Du aus physischen oder psychischen Gründen nicht arbeiten kannst. Doch so wie Du Deinen Arbeitsalltag beschreibst, frage ich mich/Dich ob Du vielleicht nicht einen Stellenwechsel ins Visier nehmen solltest. Denn der grosse Druck kann Dir mit der Zeit ...

Hallo Lina,

letztes Jahr war geplant, dass ich meine Stelle für einige Jahre um 50% reduziere, weil ich mir so erhofft hatte Druck von mir zu nehmen. Es wäre zum damaligen Zeitpunkt finanziell gerade noch so gegangen. Aber dann kam plötzlich der Krieg und die Inflation und ich musste meinen Antrag wieder zurück ziehen.

Stellenwechsel? In meinem Beruf ist es überall gleich und ich habe auch eh große Panik vor Vorstellungsgesprächen. Das ist eigentlich auch mein Problem. Alles hemmt mich. Ich glaube, dass ich mich im Moment schwer tue mit Arbeit (oder zumindest weniger arbeiten), aber aufgrund der Geldentwertung und steigenden Preisen ist es nicht möglich. Vor dem Krieg wäre es gerade noch so gegangen. Es macht mich wieder wütend wenn ich darüber nachdenke, weil ich einfach nichts für diese sch. kann!

25.05.2023 09:12 • x 2 #6


E
Zitat von Ankergirl:
Also ich war deshalb auch noch nie Krank geschrieben. Wobei ich sagen muss, mich holt die Arbeit immer aus einem tiefen Loch. Das bedeutet die Arbeit ist meine feste Konstante, die dafür sorgt eine gewisse Regelmäßigkeit zu erzeugen.

Ok, das ist krass, weil bei mir ist es genau umgekehrt. Die Arbeit macht mich einfach nur kaputt und ich habe das Gefühl, sie hält mich zusätzlich davon ab mich mit mir selbst zu beschäftigen.

25.05.2023 09:16 • #7


E
Zitat von Nicky78:
Hallo, ich kenne von mir persönlich die langen Krankschreibungen nur mit anschließender Kündigung meinerseits. Ich bin also nie zurückgegangen. In einem Büro, in dem ihr nur zu zweit seid, ist es schwierig. Kennt die Kollegin deine Probleme? LG Nicky

Sie weiß, dass ich eine Therapie mache seit einiger Zeit, aber ich habe ihr nicht meine Diagnose KPTBS erzählt.
Überlege aber, ob ich das zu gegebenem Zeitpunkt tun soll.

Selbst kündigen wäre eine Option, allerdings bekommst du dann eine Sperre beim Arbeitsamt und die kann ich mir nicht leisten. Vielleicht ist es auch alles eine Frage des Leidensdrucks. Vor 3 Jahren hätte ich mir auch nicht vorstellen können, dass ich in Therapie bin und solche Sachen in ein Forum schreibe.

25.05.2023 09:18 • x 1 #8


D
Schlechtes Gewissen weil man krank ist, ist gesellschaftlich hoch angesehen. Das muss man unbedingt haben. Mumpits. Natürlich tangiert Dein Krankenstand andere Mitarbeiter und die Firma aber damit hat ein Firmeninhaber zu rechnen. Nennt sich unternehmerisches Risiko.
Für Deine Gesundheit oder Genesung bist alleine Du verantwortlich und ein schlechtes Gewissen hilft da sicher auch nicht unbedingt. Du kannst aber vielleicht auch ohne ein solches, den Fokus auf Deine Gesundung setzen und dann vielleicht auch wieder arbeitsfähig werden. Glaub mal nicht, dass ohne die hierzulande geltenden Gesetze zum Schutz und Erhalt deines Arbeitsplatzes, Du nicht eventuell schon längst ersetzt wärst, wenn es der Arbeitgeber so haben wollte. Das die Kollegen nicht begeistert sind, wenn jemand wegen Krankheit ausfällt und den ausgefallenen Menschen verteufeln statt dessen Erkrankung, ist doch von Oben so gewünscht. Zur Überbrückung einen Zeitarbeitnehmer ins Boot zu holen, schmälert ja den Ertrag oder Gewinn. Woher kommt denn der von Dir beschriebene Druck auf der Arbeit? Vielleicht weil es insgesamt zu wenig Personal für zu viel arbeit gibt? Vielleicht könnte mehr Personal ja Druck nehmen. Arbeitslose gibts ja genug und da kommt mir der „Fachkräftemangel“ schon fast zynisch vor, den Arbeitgeber immer vorschieben. Kein Mensch kommt als vollausgebildete „Fachkraft“ auf die Welt. Aber Ausbildung kostet ja auch Geld und da wären wir wieder bei Ertrag und Gewinn.
Brauchst nur mal in die Welt gucken, wieviele Firmen dicht gemacht werden, weil es sich „nicht lohnt“. Meinst Du, die Unternehmer haben da ein schlechtes Gewissen?

Aber vielleicht sollten alle Arbeitnehmer ein schlechtes Gewissen haben, dass die Firma nun zu ist, weil sie nicht genug geleistet haben, sodass es dazu kommen musste. Denn ein schlechtes Gewissen zu haben ist ja gesellschaftlich hoch angesehen, zumindest gegenüber der Firma und den Kollegen.

Es gibt unzählige Gründe ein schlechtes Gewissen zu haben, aber erkrankt zu sein ist meiner Meinung nach keiner und falls doch, ist es einer, der behandlungsbedürftig wäre.

25.05.2023 09:34 • x 2 #9


E
Zitat von Anduin:
Bei mir ist es so, dass das Verhältnis zu den Arbeitskollegen relativ gut ist, aber ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich mir vorstelle längerfristig krank zu sein.


Zitat von Anduin:
Mir ist in den letzten Jahren immer wieder bei mir aufgefallen, dass ich regelrecht froh war, wenn ich mich mit irgendeinem Infekt angesteckt hatte, weil es für mich eine zusätzliche Möglichkeit war mich von der Arbeit zu erholen und den Druck dadurch von mir zu nehmen.


Zitat von Anduin:
letztes Jahr war geplant, dass ich meine Stelle für einige Jahre um 50% reduziere, weil ich mir so erhofft hatte Druck von mir zu nehmen.


Zitat von Anduin:
Die Arbeit macht mich einfach nur kaputt und ich habe das Gefühl, sie hält mich zusätzlich davon ab mich mit mir selbst zu beschäftigen.


Das Themas ist schwierig, aber Deine Zeilen deuten für mich SEHR darauf hin, dass Dein Job in der Art und Weise für Dich sehr wahrscheinlich keine Zukunft für Dich haben sollte.
Ich habe auch stückweise reduziert auf 75% und als ich dann noch weiter auf 50% reduzieren wollte, kam es dazu gar nicht mehr, weil ich kurz davor krankgeschrieben wurde und es bis heute immer noch bin (sind mittlerweile knapp zwei Jahre). Letzten Winter hatte ich eine Wiedereingliederung in einem anderen Bereich bei uns in der Arbeit versucht mit komplett neuer Umgebung, anderer Tätigkeit und anderen Kollegen, aber es hat leider nicht geklappt (mehr wie 4 Std pro Woche habe ich nicht geschafft, dann gingen die Symptome wieder los).

Arbeit wirkt bei jedem anders. Einigen tut es gut, bei anderen verstärkt es das Problem noch bzw. ist ein Teil der Ursache. Das sollte man unbedingt erfühlen und sich nicht selbst belügen. Wenn einen der Job krank macht, dann muss man nach Alternativen Wegen suchen. Sicherlich tut sich derjenige leichter, der das finanziell stemmen kann, aber einfach so weiter im Hamsterrad bleiben, welches einen daran hindert, wieder gesund zu werden, ist definitiv falsch. Es geht um unser Leben und daran hängt auch die eigene Familie.
Ich habe das totale Glück, dass ich finanziell keine Probleme habe und längere Durststrecken durchhalten könnte, aber ich würde sofort all mein Geld hergeben, wenn ich wieder 100% gesund werden könnte. Das Leider meiner Familie anzusehen ist viel schlimmer, als das ganze Geld.

Was man noch versuchen kann: Seine komplette Einstellung und Art und Weise, wie man sich in der Arbeit verhält, ändern. Druck nicht mehr zulassen (ich weiß, dass das nicht bei jedem Chef geht), mehr das Soziale genießen und als Behandlung sehen im Zusammenhang mit der Erkrankung (mir fehlen meine Kollegen und die Small Talks z.B. sehr), Geld und Karriere hinten anstellen, denn das ist nun alles völlig egal, solange man nicht gesund ist. Ich sage das deshalb, weil ich im Bekanntenkreis immer wieder sehe, dass Leute, die eigentlich wissen, dass sie krank sind (auch psychisch), es trotzdem nicht sein lassen können, jedem Euro hinterherzulaufen....es einfach nicht sein lassen können. Es ist dieser gesellschaftliche Druck bei einigen, welcher Geld so hoch ansetzt und auch teils Karriere. Man darf nicht schwach sein. Das ist ein riesen Problem mittlerweile in der Arbeitswelt.

Was das schlechte Gewissen gegenüber Chef, Kollegen usw betrifft: Man muss lernen, damit umzugehen. Anfangs werden die Kollegen vermutlich nicht ganz verstehen, wie schlimm das ist für einen und dass das nicht nur ein Klax ist. Bei mir dachten auch alle, der kommt nach einigen Monaten wieder und dann passt das wieder (kurze Phase eines Hängers etc), aber irgendwann haben sie mehr und mehr verstanden, was das für eine große Sache ist. Sicherlich wird es immer Leute geben, die einem neidig sind oder denken, dass man blau macht oder übertreibt und einfach keinen Bock auf Arbeit hat. Diese Leute kann man aber eh nicht ändern und solche brauche ich auch nicht als Freunde oder gute Kollegen. Die haben allgemein eine sehr vorurteilhafte Einstellung. In diesen Lebensphasen merkt man richtig, wer sich wirklich um einen selbst sorgt und nicht nur um das Drumherum.

25.05.2023 09:45 • x 3 #10


E
Zitat von Anduin:
Sie weiß, dass ich eine Therapie mache seit einiger Zeit, aber ich habe ihr nicht meine Diagnose KPTBS erzählt.
Überlege aber, ob ich das zu gegebenem Zeitpunkt tun soll.

Ich empfehle Dir, Dich zu outen, zumindest ihr gegenüber. Mir hat das sehr geholfen, auch im Freundeskreis.

25.05.2023 09:47 • x 1 #11


N
Du kannst dich insgesamt ungefähr anderthalb Jahre krankschreiben lassen und bekommst Krankengeld. Du musst nicht sofort kündigen.

25.05.2023 09:48 • x 1 #12


E
Zitat von Disturbed:
Aber vielleicht sollten alle Arbeitnehmer ein schlechtes Gewissen haben, dass die Firma nun zu ist, weil sie nicht genug geleistet haben, sodass es dazu kommen musste. Denn ein schlechtes Gewissen zu haben ist ja gesellschaftlich hoch angesehen, zumindest gegenüber der Firma und den Kollegen.


Ein guter Punkt, den Du das ansprichst. Es ist in der Tat so, dass ein schlechtes Gewissen von vielen Firmen so gewollt ist. Es ist logisch, denn mit schlechtem Gewissen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Erkrankte eher wieder produktiv wird. Das wirkt sich positiv auf die Produktivität der Firma aus.
So läuft der Hase.

Ein bisschen unterscheiden muss man denke ich, welchen Job man macht. Wenn man z.B. in bestimmten Bereichen im öffentlichen Dienst arbeitet (Krankenhaus, Polizei, Schule usw) und andere Menschen leiden, sofern nicht genug Personal vorhanden ist, ist das schwerer zu verdauen finde ich als in irgendeiner Firma, in der durch Liegenlassen von Papier einfach der Gewinn am Ende etwas geringer ausfällt. Bei Letzterem wäre mir das pfurzegal, denn es ist das schon angesprochene, unternehmerische Risiko. Firmen, denen die Gesundheit der Mitarbeiter sehr am Herzen liegt (und die gibt es auch!), tun viel, um dafür zu sorgen, dass Genesung oder auch Motivation ganz oben stehen.

Einzuordnen, wie der Arbeitgeber tickt und die Zusammenhänge etwas ermitteln, kann helfen, damit besser umgehen zu können. Einige Dinge muss man einfach akzeptieren. Geht es einem wirklich schlecht, dann ist das einfach so und das sollte ganz oben stehen. Einer mit Hüftbruch sollte auch kein schlechtes Gewissen haben und sich vor kompletter Heilung wieder auf die Baustelle schleppen.

25.05.2023 09:54 • x 1 #13


E
Zitat von Disturbed:
Woher kommt denn der von Dir beschriebene Druck auf der Arbeit?


Es gibt dafür wahrscheinlich mehrere Faktoren.
Ich glaube der Druck hängt teils von meiner Diagnose ab und teils wahrscheinlich auch von der Tätigkeit selbst.
Dann ist es so, dass meine Arbeitsstelle eben auch genau in dem Landkreis liegt wo ich wohne und wo eben die ganzen Traumata passiert sind. Ich habe ständig Angst gewisse Menschen von früher zu treffen und ihnen zufällig zu begegnen (was manchmal leider auch passiert).
Dann kommt auch noch dazu, dass meine Eltern – zu denen ich den Kontakt abgebrochen habe – nicht weit von mir wohnen, und das macht mich zusätzlich fertig.
Ich glaube, dass es mir helfen würde diesen Landkreis zu verlassen und weit weg zu ziehen, weil er eben mit allen Traumata in meinem Leben zu tun hat und ich täglich einfach daran erinnert werde.
Ich bräuchte ein neues Umfeld, wo mich quasi niemand kennt und wo die Orte unbelastet sind von alten Erinnerungen.

Zu all dem kommt noch: Ich sehe in meiner Arbeit generell keinen Sinn (mehr).
Als ich meine Ausbildung von 20 Jahren begonnen habe, war ich davon sehr erfüllt und konnte mir nichts anderes vorstellen. Dies hat sich nach langer Zeit nun ins Gegenteil verkehrt.
Ich habe auch keine Ideen was ich anderes machen könnte. Auch diverse Berufsfindungstests durch das Arbeitsamt haben mir nicht dabei helfen können, diese Frage zu klären.

Und dann ist das Problem wahrscheinlich auch, dass selbst wenn ich es wüsste, ich wahrscheinlich eh keine Kraft dazu hätte, weil so eine Änderung ja auch gewisse Risiken in sich birgt, die ich nicht kalkulieren kann. Wie zB die Frage, ob ich bei einer neuen Arbeitsstelle wieder genau so gemobbt werde wie vor 10 Jahren etc. Aufgrund der Diagnose fühle ich mich auch gehemmt einfach so eine Bewerbung raus zu schicken, weil ich einfach generell auch total Angst vor Vorstellungsgesprächen habe

Ich bin einfach gefangen in meiner Situation.

Ich müsste einfach von Grund auf neu als Mensch programmiert werden – was wohl leider nicht gehen wird.

25.05.2023 10:56 • x 1 #14


D
@Anduin Nun frage ich mich allerdings, bei all dem was Du schilderst, woher Dein schlechtes Gewissen wegen der Krankschreibung kommt. Deine Ängste sind nachvollziehbar. Dir wurde übel mitgespielt. Du bist krank. Du stellst Dir Fragen, auf die es momentan keine schlüssigen Antworten gibt. Die Zukunft ist ungewiss, weil sie es ist. Aber was hat das mit deinem schlechten Gewissen zu tun, abgesehen davon, dass Du wohl meinst, eines haben zu müssen? Vor allem, wem gegenüber hast Du es denn genau?

Was Dir tatsächlich helfen kann, aus der Situation in der Du Dich gefangen siehst, heraus zu kommen, kann ich Dir leider auch nicht sagen. Aber ein schlechtes Gewissen, denke ich, ist keinesfalls hilfreich. Ich denke sogar, dass es eher das Gegenteil bewirkt.

25.05.2023 11:25 • x 2 #15


E
Zitat von Anduin:
Ich glaube, dass es mir helfen würde diesen Landkreis zu verlassen und weit weg zu ziehen, weil er eben mit allen Traumata in meinem Leben zu tun hat und ich täglich einfach daran erinnert werde.
Ich bräuchte ein neues Umfeld, wo mich quasi niemand kennt und wo die Orte unbelastet sind von alten Erinnerungen.

Als ich Deine Zeilen las, wollte ich genau das auch anmerken, aber Du hast es dann sofort selbst geschrieben.
Ich kann Deine Denke gut nachvollziehen, weil es bei mir ähnlich ist. Ich denke mir auch oft, dass es irgendwann soweit kommt, dass meine Familie und ich wegziehen müssen, vor allem aus der Stadt raus. Ich ertrage mehrere Dinge nicht mehr in meiner gewohnten Umgebung. Da geht es um Personen, um das ganze Stadtleben usw. Du musst das nicht sofort tun, solltest aber zumindest nicht ausschließen, es dann doch irgendwann zu tun, sofern es nicht anders geht. Das könnte tatsächlich die Heilung für Dich sein. Der Schritt ist aber gewaltig und daher trauen viele es sich nicht oder wollen es nicht wahrhaben.

Zitat von Anduin:
Ich sehe in meiner Arbeit generell keinen Sinn (mehr).


Zitat von Anduin:
Als ich meine Ausbildung von 20 Jahren begonnen habe, war ich davon sehr erfüllt und konnte mir nichts anderes vorstellen. Dies hat sich nach langer Zeit nun ins Gegenteil verkehrt.

Danke, dass Du so ehrlich bist. Bei mir ist es ähnlich. Ich war hochmotiviert in meinem Beruf, jahrelang. Der Kern meines Berufs ging aber mehr und mehr unter, die Bürokratie nahm zu, zu viele Hürden, die es einem erschwerten, seine eigentlich sinnvolle Aufgabe zu tun. Das zermürbte mich mit der Zeit. Mein Job ist ein Teilaspekt, warum ich krank wurde, aber er war es nicht allein. Meist müssen mehrere Dinge zusammen kommen, damit man einbricht.

Das Wort SINN ist so wichtig. Ich finde, man kann seinen Beruf eigentlich nur dauerhaft durchhalten, wenn man zumindest entweder etwas Sinn darin findet (z.B. Menschen helfen) oder sehr viel Spaß daran hat. Hat man beides nicht, wird es schwierig. Eine gute Atmosphäre in der Arbeit mit den Kollegen kann einiges auffangen, weil man dadurch genug Energie hat, um das andere, Negative auszuhalten, aber meist läuft das nicht dauerhaft so.
Ich habe mich auch oft etwas dafür geschämt, dass ich meinen Job mehr und mehr so verurteilt habe und offen gesagt habe, dass mich alles nur noch nervt und fertig macht. Ich weiß ja, dass meine Eltern z.B. auch sehr hart arbeiten mussten und es auch heute viele Leute gibt, die überhaupt froh sind, einen Job zu haben. Und ich jammere sozusagen herum auf vermutlich ziemlich hohem Niveau...das geht so in die Richtung den perfekten Traumjob willst du haben ohne Macken...träum weiter und akzeptiere, dass jeder sein Paket zu schleppen hat.
Das Ding ist aber: Wenn der Job dazu beiträgt, dass man wirklich krank wird, dann ist das eine etwas andere Geschichte. Wenn meine Familie darunter leiden muss, weil ich krank bin, dann hört bei mir der Spaß auf und dann ist auch völlig egal, ob man als stell dich nicht so an angesehen wird (was ja in der Realität genau genommen eh nicht der Fall ist für die Leute, die mittlerweile komplett Bescheid wissen).

Wie gesagt scheint mir Dein Job ein elementarer Punkt zu sein, der sehr Einfluss darauf hat, ob Du wieder gesund wirst und in ein glückliches Leben findest oder nicht.
Ich bin aktuell auch dabei, mich beruflich umzuorientieren. Ich kann mich nicht so einfach bei einer anderen Firma etc bewerben. Mein erlernter Beruf ist speziell und kaum zu gebrauchen da draußen. Außerdem bin ich mir mittlerweile klar, dass ich nur noch etwas machen will, worin ich wie oben gesagt entweder wirklich SINN sehe oder viel Spaß habe. Anders wird es nicht gehen und ich werde die Energie dafür nicht haben. Das kann auch rein selbständig sein. Einer meiner Haupttherapeuten hatte mir sehr früh vorhergesagt, dass ich jobmäßig komplett neu starten müsste und zwar wirklich mit etwas, wofür ich brenne. Sonst würde es nicht funktionieren. Ein erfüllter Job (Geld sollte hinten anstehen!) kann so viel Energie freisetzen, dass man seine Krankheit insgesamt dadurch auch fast komplett überwindet.

25.05.2023 11:28 • x 1 #16


E
Ich bin gerade unterwegs und werde auf jeden Fall später antworten! Danke dafür

25.05.2023 11:46 • #17

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E
Hallo,

so, ich versuche jetzt nochmal auf alles einzugehen

Ich komme nicht so richtig mit der Zitatfunktion klar, deswegen versuche ich es anders darzustellen. Ich stelle eure Sätze auf kursiv und antworte dann darunter. Es ist hoffentlich verständlich.

@Disturbed
„Nun frage ich mich allerdings, bei all dem was Du schilderst, woher Dein schlechtes Gewissen wegen der Krankschreibung kommt. Die Zukunft ist ungewiss, weil sie es ist. Aber was hat das mit deinem schlechten Gewissen zu tun, abgesehen davon, dass Du wohl meinst, eines haben zu müssen? Vor allem, wem gegenüber hast Du es denn genau?“

Weil die Kollegen ja im Grunde nichts damit zu tun haben was dir im Leben widerfahren ist. Klar kann ich sagen, dass ich als Kind misshandelt wurde und jetzt psychische Probleme habe, und so ist es ja auch. Aber was kann meine Kollegin dafür? Die Arbeit lastet dann auf ihr. Klar es ist dann die Sache des Arbeitgebers das zu lösen in meiner Abwesenheit, aber erstmal ist es halt so ein Gefühl und man will ja auch selbst nicht gerne als Opfer wahrgenommen werden. Das ist auch ein Grund wieso ich so lange darüber geschwiegen habe. Eben auch weil die Dinge die man selbst erlebt hat, für viele mit einer Bilderbuchkindheit eben gar nicht nachzuvollziehen sind. Also ich würde nicht mal unterstellen, dass mir nicht geglaubt wird, aber ich glaube dass viele die sowas nicht erlebt haben, es vom Kopf halt einfach nicht nachvollziehen können, weil da eben die Erfahrung fehlt, weil das eigene Leben eben ganz anders abgelaufen ist als die Erzählung.

@Hicks
„Als ich Deine Zeilen las, wollte ich genau das auch anmerken, aber Du hast es dann sofort selbst geschrieben.
Ich kann Deine Denke gut nachvollziehen, weil es bei mir ähnlich ist. Ich denke mir auch oft, dass es irgendwann soweit kommt, dass meine Familie und ich wegziehen müssen, vor allem aus der Stadt raus.“

Darf ich dich fragen wie deine Familie damit umgeht?
Ich bin auch in einer Beziehung und mein Partner stützt mich, aber es ist halt immer mal wieder Thema und auch für ihn nicht immer einfach. Er ist mit unserem Wohnort auch nicht so ganz zufrieden, auch weil meine Psyche es oft verhindert, dass wir etwas vor Ort unternehmen. Meine Angst dort draußen in der näheren Umgebung jemanden zu treffen und auch die Angst vor spontanen Flashbacks ist einfach sehr groß. Erst letztens als wir im Kino waren, saß bei uns im Saal plötzlich eine Person von früher, mit der ich in dem Moment gar nicht gerechnet hätte.
Ich würde am liebsten mit ihm in seine Heimat ziehen, die ca. 250 km von unserem Wohnort entfernt liegt. Er wäre auch dafür. Die Arbeit ist bei ihm auch kein Problem, da er sich sofort versetzen lassen könnte. Das Problem bin eher ich.

Hast du denn schon eine Idee wie weit ihr wegziehen wollt und wann? Und wie genau willst du es angehen?
Ich denke manchmal, dass das Problem vielleicht auch einfach ist, dass man sich keinen Stichdatum oder so setzt. Ich denke, dass es vielleicht helfen könnte, wenn man sagt: So, bis zum 30.11.2023 will ich das und das geschafft haben.
Ich habe das nie so gemacht, weil ich immer dachte, dass ich mich so selbst noch mehr unter Druck setze. Aber ich merke auch, dass sich scheinbar so nie etwas ändert.

„Das Wort SINN ist so wichtig. Ich finde, man kann seinen Beruf eigentlich nur dauerhaft durchhalten, wenn man zumindest entweder etwas Sinn darin findet (z.B. Menschen helfen) oder sehr viel Spaß daran hat.“

Es ist so richtig was du sagst und wenn ich ehrlich bin, habe ich den Job bis jetzt noch nicht aufgegeben, weil ich eben finanziell daran gebunden bin. Der Krieg hat mir wie gesagt einen Strich durch die Rechnung gemacht meine Stelle zu reduzieren.
Was du schreibst mit dem Scham kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich hatte das letztens bei einer Freundin, mit der ich zusammen die Ausbildung gemacht habe. Ich habe ihr gesagt, dass ich am liebsten sofort aufhören würde zu arbeiten und man fühlt sich sofort einfach als gescheiterte Person.

Ich denke auch, dass andere Menschen im Leben andere Situationen durchmachen mussten wie zB Kriege. Aber sind unsere Erfahrungen deshalb „nicht so schlimm“ oder „weniger wert“? Ich denke das nicht. Ich denke einfach nur, dass jeder von uns zu irgendeinem Zeitpunkt in diese Welt hineingeboren wurde und man nicht gefragt wurde ob man das überhaupt will und dann damit zurecht kommen musste. Nein, ich finde man kann sowas echt total schlecht gegen was anderes aufwiegen. Ja, es mag auch sein dass Menschen jeden Tag in Afrika sterben an Hunger und man selbst sich aber was zu Essen kaufen kann im reichen Europa, aber ich finde halt einfach nicht, dass das mit unseren Sachverhalten etwas zu tun hat. Vor allem gibt es überall auf der Welt traumatisierte Menschen, egal ob das bei uns ist oder in XY.

„Das Ding ist aber: Wenn der Job dazu beiträgt, dass man wirklich krank wird, dann ist das eine etwas andere Geschichte. Wenn meine Familie darunter leiden muss, weil ich krank bin, dann hört bei mir der Spaß auf und dann ist auch völlig egal, ob man als stell dich nicht so an angesehen wird (was ja in der Realität genau genommen eh nicht der Fall ist für die Leute, die mittlerweile komplett Bescheid wissen).“

Ich habe es heute tatsächlich meiner Kollegin gesagt und sie hat es gut aufgenommen und war dankbar. Ich glaube, dass ihr dadurch viele Dinge im Nachhinein klar wurden, die sie vielleicht mal seltsam fand in Zusammenhang mit mir – das habe ich sofort in ihrem Gesicht gesehen. Wie auch immer, es war glaube ich gut so.

„Ich kann mich nicht so einfach bei einer anderen Firma etc bewerben. Mein erlernter Beruf ist speziell und kaum zu gebrauchen da draußen. Außerdem bin ich mir mittlerweile klar, dass ich nur noch etwas machen will, worin ich wie oben gesagt entweder wirklich SINN sehe oder viel Spaß habe.“

Es ist bei mir auch so. Also ich könnte evtl. schon woanders etwas finden in meinem Beruf, aber ich würde vom Regen in die Traufe kommen. Aber vielleicht ist sowas auch als Übergang ok, nur damit man wegziehen kann?
Ich finde es auch problematisch, dass in unserer Gesellschaft suggeriert wird, dass man nur dann glücklich ist, wenn man möglichst viel Geld hat. Klar entlastet Geld von vielen Sorgen, aber ich denke wenn man nicht so extrem auf das Geld angewiesen wäre wie es der Fall ist, würden Menschen Dinge tun die sinnvoller wären und dafür glücklich sein. Keine Ahnung, wünsche ich dir auf jeden Fall, dass du das auch schaffst. Ich habe nur so meine Zweifel, dass das Arbeitsamt da bei mir so eine große Hilfe sein wird.

25.05.2023 15:46 • x 1 #18


E
@Hicks

Ich wollte noch etwas fragen, weil du schreibst, dass es mehrere Dinge in deiner Umgebung gibt, die du nicht ertragen kannst. Kannst du sagen was das ist? Es würde mich interessieren.

25.05.2023 16:06 • #19


D
Zitat von Anduin:
Weil die Kollegen ja im Grunde nichts damit zu tun haben was dir im Leben widerfahren ist. Klar kann ich sagen, dass ich als Kind misshandelt wurde und jetzt psychische Probleme habe, und so ist es ja auch. Aber was kann meine Kollegin dafür? Die Arbeit lastet dann auf ihr.

Da hast Du recht, die Kollegen können nichts dafür. Die könnten auch nichts dafür, wenn Dich jemand übern Haufen gefahren hätte und du erstmal wieder körperlich auf die Beine kommen müsstest. Ob bewusst oder unbewusst, Du stigmatisierst gerade Menschen mit einer psychischen Erkrankung, als nicht wirklich krank. Ich glaube nicht, das jemand ein schlechtes Gewissen hat, bei einer körperlichen Erkrankung die ihm widerfahren ist und für die er nichts kann. Falls aber doch, liegt da vielleicht auch eher ein psychisches Problem dahinter.

Aber gut, ich möchte Dir dein schlechtes Gewissen nicht ausreden. Ich bin nur der Meinung, es ist eher unangebracht und kontraproduktiv, wenn man tatsächlich krank ist.

25.05.2023 17:35 • #20


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