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AriN
Hallo! Ich hab mich hier neu angemeldet weil ich sonst niemanden hab mit dem ich groß darüber sprechen kann.
Ich bin mir sicher viele andere haben noch größere Probleme, aber wenn man alleine ist kommt es einem doch sehr viel vor.
Zur Zeit bin ich noch bis ca März in Therapie. Ich habe aber schon gesagt, dass ich dort nicht weiter machen werde. Ich bin jetzt seit ich 13 / 14 bin in diversen Therapien gewesen und so richtig geholfen hat mir nur die erste. Die jetzt hat mir zwar geholfen zu verstehen, warum ich so geworden bin, aber weiter gebracht bzw gesünder hat mich das auch nicht gemacht. Ich gehe nach der Therapie zu einer Selbsthilfegruppe und habe einen Termin beim Psychiater, um über Anti Depressiva als Option zu sprechen.

Was mich zur Zeit aber mit am meisten belastet ist, dass ich schon seit Jahren keinen Anschluss mehr finde und keine Freunde mehr habe. Irgendwie passt es einfach nie. die Interessen bei Leuten in meinem Alter sind halt meist entweder noch Party und saufen oder schon Heiraten und Kinder. Für beides bin ich nicht (mehr) wirklich zu haben.

Seit fast 10 Jahren bin ich jetzt auch schon mit meinem Freund zusammen, seit 1,5 Jahren wohnen wir zusammen in einem gekauften Haus. Um ehrlich zu sein läuft es hier aber auch schlecht denke ich. Kann ich aber leider niemandem erzählen, dann kommt z.b. von meiner Familie immer nur ich soll mich doch trennen. Mein Freund ist auch psychisch angeknackst, er ist sehr unsicher mit seinem Äußeren und achtet da extrem drauf, obwohl er wirklich gut aussieht. Durch seine psychisch schlechten Phasen haben wir viel schweres zusammen durchgemacht. Den Hausbau habe ich im Prinzip allein organisiert und überwacht weil es ihm nicht gut ging. Er ist an sich ein wirklich lieber Mensch und auch zu mir immer gut, aber nun mal labiler als er vllt. auch selber denkt. Vielleicht ist all das, was wir schon durch haben, auch der Grund dafür, dass zur Zeit nichts mehr so recht läuft. Er sagt er braucht Zeit, ich würde ihn bedrängen mit meinem Wunsch nach Nähe.

Es sind jetzt schon etwa 2 - 3 Monate rum und geändert hat sich nichts obwohl ich mich wirklich bestmöglich zurücknehme. Ich habe einfach die Befürchtung, dass er entweder keine Gefühle mehr hat aber trotzdem zusammen bleiben will damit er im Haus wohnen bleiben kann, oder er hat schon wieder psychische oder sogar medizinische Probleme, von denen er mir nichts erzählt. Es belastet mich sehr, dass die einzige Person die ich hier habe mich wegstößt und evtl. keine Gefühle mehr für mich hat. Ich wollte eigentlich noch einen Monat abwarten bevor ich ihn wieder anspreche, aber manchmal hab ich das Gefühl ich platze deswegen.

Dazu kommt noch, dass ich vor kurzem 2 meiner 6 Haustiere kurz hintereinander verloren habe. Ich nehme oft kranke Tiere auf und lade mir damit viel Verantwortung auf. Nun sind die beiden chronisch kranken tot und es hat mich doch sehr mitgenommen. Ich werde auch keine weiteren Tiere mehr aufnehmen.

Auf der Arbeit bin ich auch nicht wirklich zufrieden. Es fordert mich zu wenig und hier ist auch niemand in meinem Alter, wo ich Kontakte knüpfen könnte.

Ich weiß derzeit einfach nicht, an welcher Baustelle ich anfangen soll und vor allem wie. Ich wollte es einfach mal los werden, denn allein komm ich nicht mehr weiter.

Danke fürs Lesen
AriN

14.01.2020 08:14 • 14.01.2020 #1


3 Antworten ↓


Szegfue
Hallo AriN,

das sind in der Tat viele Themen auf einmal. Da du auch von Trennung schreibst, wäre es vielleicht gut wieder eine Therapie zu machen. Auch wenn du nicht so überzeugt bist davon, wenn ich das richtig rausgelesen habe.

Von Medikamenten würde ich persönlich eher Abstand nehmen, wenn es geht. Man zahlt immer einen Preis! Also, wenn du bisher einigermaßen überlebt hast ohne dir oder anderen zu schaden, dann würde ich keine nehmen. Sondern lieber zur Therapie. Welche Therapieformen hast du denn schon kennengelernt? Vielleicht wäre ja eine Verhaltenstherapie etwas oder eine Gruppentherapie.

So jung und schon ein Haus? Wow! Da kannst du stolz auf dich sein. Und das ihr schon zusammen seid seit du 15 bist, ist auch bemerkenswert. Ist er ähnlich alt wie du?

Dass ich dir eine Therapie empfehle, beruht auf persönlichen Erfahrungen. Die Trennung meiner ersten Beziehung war sehr traumatisch und ich war damals gerade nicht in Behandlung.

Und vielleicht muss es ja auch gar nicht eine endgültige Trennung sein. Vielleicht würde eine vorübergehende räumliche Trennung schon etwas bringen. Distanz hilft einem, um sich seiner Gefühle wieder bewusst zu werden.

Da es noch mehr Baustellen gibt, wie Unzufriedenheit im Job, wäre es eben gut diese Dinge in der Therapie zu besprechen. Aber es könnte beim Angehen einer Baustelle auch passieren, dass sich die anderen Baustellen in Wohlgefallen auflösen.

Lieben Gruß, Szegfue

14.01.2020 09:58 • x 2 #2



Freund mit sozialer Phobie - Probleme in der Beziehung

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AriN
Danke für die schnelle Antwort.

Ich denke nicht, dass ich mich derzeit trennen würde. Außer natürlich der Grund wäre doch etwas schlimmeres wie Betrug oder so...
Mein Freund ist 6 Jahre älter als ich.
Dadurch, dass ich so viele Tiere habe, kann ich auch nicht einfach mal so mehrere Tage weg bleiben.

Ich habe schon Verhaltenstherapien und jetzt die tiefenpsychologische analytische Therapie gemacht. Ich denke mein Hauptproblem ist, dass ich wenig Menschen um mich habe, denen ich vertraue. Das kann ich so direkt mit einer Therapeutin nicht lösen, daher mach ich ja nach dieser Therapie in einer Selbsthilfegruppe weiter und hoffe, dass ich so mehr vertrauen kann und evtl. auch Freunde finde.

Bei Anti Depressiva denk ich mir halt oft, was soll ich mich denn quälen und z.B. nie in den Urlaub fahren können, wenn mir doch vielleicht Medikamente helfen könnten. Ich will es zumindest mal besprechen aber vor den Nebenwirkungen bzw Abhängigkeit hab ich natürlich auch Angst.

14.01.2020 12:16 • #3


Szegfue
Ich habe den Eindruck, dass du die Dinge in deinem Leben ganz gut einschätzen kannst und gut reflektieren kannst. Daher weiß ich gar nicht, was ich dir raten könnte Das du in eine Selbsthilfegruppe gehen möchtest, finde ich gut. Ich habe das auch mal versucht, aber bisher habe ich es nicht geschafft am Ball zu bleiben. Das einzige was mir noch einfällt ist, dass es vielleicht ganz gut wäre deine Sorgen, die das Zusammenleben betreffen, mit deinem Freund zu besprechen. Was meinst du? Das mit der beruflichen Unzufriedenheit kenne ich von mir selbst.. Bis heute holt mich diese Unzufriedenheit immer wieder mal ein. Ein Patentrezept habe ich noch nicht gefunden. Häufig liegt es bei mir daran, Konflikte nicht auszuhalten bzw. adäquat damit umzugehen. Ich neige dann zu Vermeidungsverhalten bzw. Flucht.

14.01.2020 19:09 • x 2 #4