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Erdbeermuffin
Guten Tag!

Wie lange dauerte es, bis ihr diese grausame emotionale Taubheit losgeworden seid?
Konntet ihr den genauen Auslöser bzw. die Ursache ausfindig machen? Das kann ja angesichts der ganzen möglichen Ursachen schwierig sein…

Wer leidet ebenfalls darunter?

Wie kann ich das Weinen am besten triggern? Ich würde mich am liebsten wieder mal so richtig "ausweinen", allerdings kann ich seit gut 2,5 Wochen nicht mehr weinen.

07.05.2022 15:57 • 10.05.2022 x 3 #1


10 Antworten ↓


Ich versuche es heute Abend mal, mein erster Kommentar in einem Forum.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, ist Dir das nichts fühlen nicht angenehm. Bei mir ist es eher so, dass ich es wunderbar finde, in diesen Momenten fühlt es sich so an, als wäre ich normal, ohne Fehler und Probleme. Wenn bei mir die Wut oder Trauer über meine Unzulänglichkeiten aufkommen, bricht diese Fassade. Und ich bekomme Angst niemals ein Leben zu führen, wie ich es mir Wünsche. Dann mache ich mir wieder selbst, das erreichte kaputt, weil ich Angst vor dem Versagen habe. Wobei ich schon versagt habe.
Um auf deine Frage einzugehen, es ist wohl bei jedem unterschiedlich, aber wenn ich heulen will, denke ich an das was ich nicht erreicht habe.

07.05.2022 21:09 • x 3 #2



Emotionale Taubheit

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Julia_ne
Ich glaube auch, dass das bei jeden verschieden ist. Mir hilft es oft, an etwas trauriges zu denken. Oder vielleicht hilft dir auch ein trauriger Film?

07.05.2022 21:34 • x 2 #3


Spaceman
Hi @Erdbeermuffin

Zitat von Erdbeermuffin:
Wer leidet ebenfalls darunter?

Ich hatte auch mal eine Phase starker Emotionslosigkeit. Bei mir was es, denke ich, emotionale Erschöpfung. Es gibt für mich schlicht zu viele Traurigkeiten in der Welt und irgendwann hatte meine Psyche zum Selbstschutz entschieden weniger zu fühlen.

Zitat von Erdbeermuffin:
Wie kann ich das Weinen am besten triggern? Ich würde mich am liebsten wieder mal so richtig ausweinen, allerdings kann ich seit gut 2,5 Wochen nicht mehr weinen.

Vielleicht, indem Du Dich brutal ehrlich mit dem konfrontierst, was Dich tatsächlich mitfühlen lässt. Das kann ein bissl schwierig sein, weil Du vielleicht unbewusst eben genau diesen Themen ausweichst. Also: Nicht mit dem konfrontieren, wovon Du meinst oder willst, dass Du davon traurig wirst, sondern mit dem, was Dich tatsächlich quält. Genauso hatte ich das gemacht: mich schonungslos mit dem zu konfrontieren, was mich wirklich quält. Und dann, nachdem ich das erkannt hatte, nach Lösungen suchen.

Zitat von Thorast:
Wenn bei mir die Wut oder Trauer über meine Unzulänglichkeiten aufkommen, bricht diese Fassade

Meiner Erfahrung nach liegt in dem Brechen dieser Fassade ein großes Potential zur Veränderung. Es legt die Wunden offen, die wir haben und ermöglicht deren Heilung.

Zitat von Thorast:
Dann mache ich mir wieder selbst, das erreichte kaputt, weil ich Angst vor dem Versagen habe. Wobei ich schon versagt habe.

Kenne ich bestens! Aber: alle Menschen versagen ständig bei irgendwas. Der Unterschied zwischen den Glücklichen/Erfolgreichen und Leuten wie uns ist, dass wir nach dem Scheitern in ein tiefes Loch fallen, während die anderen aufsehen, sich den Dreck aus dem Gesicht wischen und einfach weitermachen.

Und weiter machen, weiter machen, darauf kommt es an.
Der Weg geht stetig bergauf? -- Ja, bis zum Ende wird er steigen.
Die Reise dauert bis zum Abend? -- Vom Morgengrauen bis in die Nacht hinein, mein Freund.


-- Deutsche Übersetzung eines Fragmentes aus der französischen Ausgabe der Van-Gogh-Briefe, basierend auf
dem Gedicht Up-Hill von Christina Rossetti.

Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better. You won't believe what you can accomplish by attempting the impossible with the courage to repeatedly fail better.

-- Samuel Beckett


Liebe Grüße und viel Erfolg!

07.05.2022 22:29 • x 6 #4


moo
@Erdbeermuffin

Angst ist auch eine Emotion, nur überstrahlt sie bei großer Intensität den emotionalen Rest. Also würde ich die Angst als die unmittelbare Ursache Deiner emotionalen Taubheit ausmachen. Das sollte Dich eigentlich diesbezüglich etwas beruhigen.

Zitat von Erdbeermuffin:
Wer leidet ebenfalls darunter?

Mir fällt auf, dass es Dich in anderen Threads ziemlich entlastet, wenn Du feststellst, dass andere ähnliche Probleme haben wie Du. Vielleicht könnte das ein Hinweis auf die tieferliegende Ursache Deiner Angst zu sein: nämlich, anders (allein?) zu sein, so wie Du meinst zu sein.

Zitat von Erdbeermuffin:
Wie kann ich das Weinen am besten triggern? Ich würde mich am liebsten wieder mal so richtig ausweinen, allerdings kann ich seit gut 2,5 Wochen nicht mehr weinen.

Weinen hat zweifelsohne seinen Wert, aber der ist auch nicht unbegrenzt und irgendwann sind auch alle verfügbaren Tränen geflossen. Weinen kann entlasten und/oder sogar heilen. Letzteres aber meiner Erfahrung nach eher selten. Die Entlastung hingegen ist zwar gut und legitim, aber irgendwann muss man in dieser Entlastung auch die Initiative für andere Möglichkeiten der Wahrnehmung ergreifen. Anderfalls wird das Weinen sozusagen missbraucht, wie eine Tablette o.ä.

Bei meiner Partnerin hilft das Weinen meistens in der PMS-Phase, um seelisch-körperlichen Druck abzubauen. Ich stehe da oft sprachlos daneben und halte sie. So dramatisch es mir erscheint, so gelassen sagt sie dann eine Stunde später so, endlich!... Immer wieder kurios für mich.

08.05.2022 08:01 • x 6 #5


Myosotis
Zitat von Erdbeermuffin:
Wie kann ich das Weinen am besten triggern? Ich würde mich am liebsten wieder mal so richtig ausweinen, allerdings kann ich seit gut 2,5 Wochen nicht mehr weinen.

Diese Frage hatte sich mir bis vor einiger Zeit eigentlich nie gestellt. Ich habe in meinem Leben schon so viel geweint und wünschte mir eher, dass das endlich mal ein Ende finden möge. Erstaunlicherweise hatte ich dann tatsächlich mal eine Phase, in der ich nicht mehr weinen konnte. Hatte das aber erst relativ spät gemerkt. Ich konnte das Weinen dann mithilfe von Musikstücken auslösen, die mich an Menschen erinnerten, die ich verloren hatte.

Vielleicht hilft auch Dir Musik. Wenn Du magst, probiere es mal aus. Wobei ich meine, dass ein Zeitraum von 2 ½ Wochen gar nicht sooo lange ist.

08.05.2022 11:17 • x 4 #6


Nora5
Zitat von Erdbeermuffin:
Guten Tag!

Wie lange dauerte es, bis ihr diese grausame emotionale Taubheit losgeworden seid?
Konntet ihr den genauen Auslöser bzw. die Ursache ausfindig machen? Das kann ja angesichts der ganzen möglichen Ursachen schwierig sein…

Wer leidet ebenfalls darunter?

Wie kann ich das Weinen am besten triggern? Ich würde mich am liebsten wieder mal so richtig ausweinen, allerdings kann ich seit gut 2,5 Wochen nicht mehr weinen.

Liebe Erdbeermuffin
Oha, da verstehe ich dich. Bei mir ist das eine riesen total dramatisierte Angst, in so einen Zustand zu kommen, ich bin dafür in dem gefühlt dauer traurigkeitszustand. Das füllt mich aus und macht alles schwer und lahm und nicht lebenswert. Aber ich habe eine so riesen Angst davor, dass so eine Taubheit einsetzt!
Also ich mache es so. Ich mache zum Bsp. Musik an, bei der ich traurig werde, nehme mir bewusst Zeit, bin sehr darauf fokussiert, es ist ganz oben in meinen Prioritäten, wenn Traurigkeit rauskommt, ist es das heilsamste überhaupt bei mir, dann ist alles andere fast unwichtig. Ich habe es in den Fokus geholt. In der Therapie ging es oft, immer wenn Freunde sich sehr empathisch zeigen, geht es.
Ganz viel Erfolg und ganz liebe Grüeß,
Nora

08.05.2022 11:31 • x 2 #7


Erdbeermuffin
Ich habe mir gerade ein emotionales Video angesehen und dabei tatsächlich weinen können. Es waren zwar nur geschätzt fünf Minuten, aber immerhin.

09.05.2022 11:58 • x 3 #8


Erdbeermuffin
Ich habe solche Phasen leider öfter. Es waren auch mal mehrere Monate am Stück, soweit ich mich erinnere.

09.05.2022 11:59 • #9


Erdbeermuffin
Guten Morgen.

Gestern habe ich mir erneut ein emotionales Musikstück angehört und musste dabei weinen. Dieses Mal waren es vielleicht 5-10 Minuten.
Ich würde mal wieder gerne so richtig "wie ein Schlosshund" weinen, aber das braucht vermutlich noch Zeit.

…außerdem würde ich so gerne mal wieder lachen und dabei etwas empfinden.
Das kann ich schon seit Jahren nicht mehr wirklich.

10.05.2022 06:27 • #10


-IchBins-
Hallo @Erdbeermuffin
vielleicht braucht es Übung, wieder richtig zu weinen, wie ein Schlosshund. Ich unterdrücke das oft, weil ich mich dabei unwohl fühle, sogar, wenn ich allein bin. Bei mir bleibt es dann bei ruhigen Tränen und Schniefen, aber auch danach geht es mir schon besser. Die Phasen sind weniger geworden, allerdings kommt es ab und zu mal ganz ohne Grund über mich (wahrscheinlich WJ).
Was das Lachen angeht, gibt es bestimmt auch eine Möglichkeit. Es gibt Lachyoga Kurse, vielleicht nicht überall. Eine Bekannte hat das mal mitgemacht und sie war begeistert. Klingt vielleicht blöd, aber das ist mir dazu gerade eingefallen.
Diese emotionale Taubheit, wie du sie beschreibst, kenn ich zwar nicht, aber es gab eine Zeit, in jener mir Vieles egal war, konnte aber trotzdem weinen.
Es fühlte sich an, als ob man mit einer Gewichtsdecke das Innere zugedeckt hätte.
Ich kann nicht mehr genau sagen, wie lang diese Phase angehalten hat und wie es wieder besser wurde, weil es schon zu lang her ist. Aber es gibt auch wieder Wege da raus. Ganz bestimmt.

10.05.2022 06:49 • #11



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