App im Playstore
Pfeil rechts
3

Hallo Forum,

leider muss ich mich wieder melden. Ich bin 33, männlich und lebe alleine in einer Stadt, bin beruflich eingebunden. Ich bin seit 4 Jahren in Psychotherapie.

Seit ca. 3,5 Monaten habe ich ein Problem: Alles hat angefangen, dass ich eine berufliche Ablehnung erfahren habe. Daraufhin war ich sehr wütend, hatte aber den Eindruck, ich habe dies weggesteckt. Zur gleichen Zeit hatte ich auch einen Flirt mit einer Frau, die ich sehr anziehend fand - es lief nichts, aber ich habe mich etwas in sie verknallt. Zu dieser Frau muss man wissen: Sie war etwas instabi und manipulativ, ich habe das auch gemerkt, aber es hat mich nicht wirklich gestört.

Urplötzlich, nach ca. 1 Woche schreiben mit ihr, hatte ich dann eine plötzliche Panikattacke: Ich habe mir auf einmnal vorgestellt, dass sie eine narzisstische Psychopathin sein könnte, und dass sie sich nun vielleicht auf mich fixieren könnte, mich stalken könnte und mir mein Leben zur Hölle machen könnte. Diese Vorstellung hat mich so sehr beschäftigt und erschrocken, dass ich in regelrechte Panik verfallen bin (sowas hatte ich noch nie). Die Wochen darauf habe ich dann extreme Ängste entwickelt, wenn ich sie gesehen habe, und gehofft, dass sich das Verhältnis im Sande verläuft (tat es dann auch, obwohl sie versucht hat, es aufrecht zu erhalten).

Nun, die extreme Ängstlichkeit haben sich dann irgendwie gebessert, aber dann kamen merkwürdige Gedanken, die mich zwanghaft beschäftigt haben: Ich habe auf einmal angefangen über das Leben selbst zu philosophieren. Ich habe gegrübelt über das Leben, warum es überhaupt Leben auf dieser Erde gibt und warum es entstanden ist - irgendwie habe ich mich so sehr in diese Gedanken hineingesteigert, dass es mich total fertig gemacht hat, dass das Leben auf dieser Erde vielleicht nur aus einem bloßen Zufall entstanden sein könnte - denn das würde ja bedeuten, dass alles evtl. keinen übergeordneten Sinn hat. Ich habe mich umgeguct, auf die Bäume, Tiere, Mitmenschen und habe mir dann gedacht (Was, wenn all das hier nur ein dummer, physikalischer Zufall ist?). Und weiter habe ich mir gedacht: Wenn all das hier nur ein dummer physikalischer Zufall ist, der sich aufgrund irgendwelcher merkwüdiger physikalischer Prozesse so gebildet hat, wie wir ihn jetzt sehen, dann ist jeder Sinn den ich hierin sehe, einfach nur ein von mir erdachter bzw. gebildeter Sinn und gar nicht wirklich vorhanden. Selbst beim Schreiben dieser Sachen fällt mir auf, wie seltsam und wirr das alles für manche klingen könnte, aber das waren einfach die Gedanken (mir war auch beim Denken klar, wie wirr und abstrus das hier langsam wird, aber irgendwie habe ich mich daran fixiert). Irgendwie hat es mich extrem gestört und verletzt, dass sich das Leben auf eine mechanische Art und Weise erklären lässt, dass ich jegliche Lebenslust verloren habe.

Und dies führt uns zur aktuellen Phase, die noch seit knapp 1,5 Monaten anhält: Ich habe jegliche Lebensfreude verloren. Früher hatte ich eine Art Erfüllung in gewissen Dingen wie Sport, Musik und Filme. Ich habe mich durch diese Sachen irgendwie verbunden gefühlt mit dem Leben, mit meinen Mitmenschen, habe darin irgendeinen tieferen Sinn gesehen. Diesen Zugang habe ich irgendwie verloren. Ich fühle NICHTS mehr, keine Freude, keine Trauer, gar nichts. Selbst der Gedanke, an einer tödlichen Krankheit zu sterben, löst nicht viel in mir aus. Dieser Zustand ist kaum auszuhalten, da es sich so sinnlos alles anfühlt und ich nicht weiß, wo meine Gefühle sind - früher haben meine Gefühle mich durchs Leben getragen, und ich bin auch ein Mensch, der in seinem Beruf auf sein Gefühl angewiesen ist, und dies ist mir nicht mehr zugänglich, ich spüre keine Liebe mehr fürs Leben, nur Gleichgültigkeit.

Kommen wir zu den Ängsten:

- Ich habe Angst, dass diese Gefühllosigkeit nicht mehr weggeht. Ich weiß nicht, wo sie hergekommen ist, und ob sie wieder weggeht. Ich habe keine anderen Symptome einer Depression (Schuldgefühle, Selbstvorwürfe etc. habe ich alles nicht).

- Ich habe Angst, dass das was ich gerade habe, ein Vorbote einer Schizophrenie sein könnte (ein Negativsymptom) - zu meiner Schande habe ich hier im Forumn sogar jemanden gefunden, bei dem eine Schizophrenie GENAU so angefangen hat, wie ich gerade hier beschreibe.

- Ich spüre auch irgendwie, dass das alles hier ein solches Gefühlschaos ist, dass ich die Befürchtung habe, dass das hier nicht mehr wirklich verständlich ist, was ich gerade schreibe - weil wenn dem so wäre, wäre das ja nur ein WEITERES Symptom meiner drohenden Schizophrenie oder sonstigen psychischen Dekompensation

- Früher habe ich ja wenigstens noch so etwas wie Angst gespürt - sogar das spüre ich nicht mehr. Ich merke, dass mich das Thema beschäftigt, aber wirkliche Angst davor habe ich eigentlich nicht - und DAS macht mir extrem Sorgen, weil, so komisch es auch klingt, selbst wenn die Angst und Wut, und alles andere furchtbar waren, so war es wenigstens irgendwie so wie ich mich kenne. Jetzt, in diesem gefühlslosen Zustand, kenne ich mich irgendwie mich nicht mehr.

- Ich hatte auch früher schon schlechte Phasen, aber diese gingen in der Regel von Sport weg und wurden abends besser. Jetzt habe ich das erste Mal, dass ich wie GEFANGEN bin, und NICHTS wirklich hilft.

- Ich habe KEINE Suizidgedanken, ganz im Gegenteil: ich habe eine unfassbare Angst, jemals welche zu entwickeln, und eine UNFASSBARE Angst, eine Schizophrenie oder schwere Depression zu entwickeln (diese Angst spüre ich zwar nicht richtig wie früher, aber sie ist trotzdem irgendwie da. )

Beschreibung der Gefühlslosigkeit:

Es ist einfach wie, wenn man nichts mehr wirklich empfindet. Selbst die Ängste werden nicht mehr so richtig wahrgenommen. Z.B. jetzt merke ich zwar, dass ich Angst vor Schizophrenie habe, aber ich spüre die Angst in meinem Körper nicht wirklich. Außerdem merke ich auch im Umgang mit Mitmenschen, dass ich keinen wirkliche emotionalen Kompass mehr habe - manchmal weiß ich nicht, ob ich wütend, traurig, verletzt, oder sonst irgendwas bin. Ich habe auch das Gefühl, egal, was man mir sagen würde, es würde mich nicht jucken - selbst, wenn man mich beleidigen, kündigen etc. würde, würde es mich kaum interessieren. Musik und Filme interessieren und berühren mich nicht mehr - alles ist für mich leeres Gerede geworden (dazu der Zwangsgedanke: Wenn das alles nur zufällige physikalische Wesen sind, was ist dann so besonders an diesem künsterischen Ausdruck? Warum sollte dich das berühren? Das ist wie, wenn du dich von einer Illusion berühren lassen würdest) - spätestens wenn dieser Zwangsgedanke kommt, ist jeglicher Genuss eines Liedes oder Filmes hinüber. Die Gefühlslosigkeit zeigt sich auch im Alltag, wenn ich etwas schlimmes höre, wo ich früher geweint hätte, oder sehr wütend geworden wäre, hätte ich früher total viel gespürt, heute nehme ich es nicht mehr war, was ich spüre.

So, das ist meine Leidensgeschichte. Ich bete einfach so sehr, dass mir einer von euch helfen kann.

05.08.2025 21:58 • 06.08.2025 x 2 #1


2 Antworten ↓


@ASAMO

Hallo,

ich halte deine Gedanken weder für wirr, noch für seltsam. Im Gegenteil. Du bist reflektiert und sortiert - wenn vielleicht auch irritiert und überfordert von den Antworten, die auf existentielle Fragen gegeben werden könnten.

Meiner Meinung nach, hängen alle Punkte, die du schilderst miteinander zusammen.

Sowohl deine erfahrene Ablehnung, deine Gedanken zu dieser Frau, zum Sinn des Ganzen und deiner emotionalen Abflachung, die du beschreibst.

Es ist so, wie du es selbst sagst, ein Gefühlschaos, welches du zu kontrollieren und zu beantworten suchst - auch zB über kognitive Umwege der Lebensentstehung.

Wovor du Angst hast, ist mAn nicht die Schizophrenie. Wovor du Angst hast, sind deine Gefühle. Vor den Affektdurchbrüchen. Weil du gemerkt hast, dass sie sich übernehmen können, wenn du zB gekränkt wirst. Dass du sie, die Affekte, nicht kontrollieren kann.

Das ist keine Dekompensation, sondern eine Überkompensation deiner Emotionen durch Logik. Die Rationalität verschließt Emotionen - scheinbar.

Aber deshalb sind sie nicht wirklich weg, nur weil deine innere Spannung durch die Logik umstrukturiert und dadurch oberflächlicher in der Betrachtung wird.

Die Emotionen zeigen sich für das Bewusstsein nur anders. In Form von logischen Abstrahierungen.

Die Herausforderung, vor der du stehst, besteht meines Erachtens darin, diese überkompensierende Rationalität wieder loszulassen, um deinen Emotionen mehr Raum zu geben. Sie zu akzeptieren. Sie nicht logisch neu zu codieren. Nicht zu verdrängen.

Wir alle wollen Schmerzen vermeiden, aber manchmal müssen wir die Schmerzen auch zulassen. Es ist OK, dass wir Schmerzen haben. Das ist unsere subjektive Wahrheit.

Erst wenn wir diese Schmerzen akzeptieren können, können wir sie wieder loslassen. Und dann hören wir auch auf, mit unserer Logik das Seil festhalten zu wollen, damit es uns ja nicht aus den Händen gleitet.

Zulassen heißt Loslassen.

Hi, erstmal finde ich es total beruhigend, dass du schreibst, dass es nicht wirr oder ungeordnet klingt. Ja, ich weiß auch nicht so richtig, was da drunter sein könnte, was ich damit versuche zu ignorieren. Das Problem ist ja, man kann sich nicht einfach selber sagen Ok, jetzt hör mal auf zu rationalisieren, und fühl mal wieder - das klappt ja irgendwie nicht so richtig auf Knopfdruck. Von daher stecke ich jetzt in diesem widerlichen Gefühl der Gefühllosigkeit und dieser inneren Leere fest.

Fällt dir dazu irgendwas ein?




App im Playstore