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201804.03




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Hi,

ich bin 18 und seit etwa 4-5 Monaten habe keine Emotionen mehr und seit 1-2 Monaten kann ich mir auch keine Sorgen um irgendwas machen, alles lässt micht kalt.
Ich lebe seit Dezember bei meinem großen Bruder der schwer krank ist und ich sehe wie sehr er leidet aber es löst nichts bei mir aus und er ist der wichtigste Mensch für mich.
Eine Familie habe ich auch nicht mehr weil die Mutter mich rausgeworfen hat weil sie mich nicht als Ihren Sohn sieht und mein ganzes Leben falsch erzogen hat, es war ihr egal das ich Ängste und adhs habe und deswegen mein Leben nicht auf die Reihe bekommen habe, durch die Erziehung erst recht nicht. Ich werde sie auch nie wieder sehen obwohl sie mal den Kontakt gesucht hat.
Mein Psychiater hat bei mir schwere Depressionen festgestellt und eine Angststörung, soziale phobie und adhs ohne hyperaktiv diagnostiziert.
Auch wenn sich das extrem anhört aber ich würde auch nichts fühlen wenn ich erfahren würde das meine Mutter gestorben ist.
Das ich mir nichtmal wegen meinem Bruder sorgen machen kann verursacht bei mir sehr großen Selbsthass weil ich ihm kaum helfen kann obwohl ich es vielleicht sogar könnte z.b. Sachen zu erledigen oder wichtige Sachen für unser Leben zu bewältigen.

Ich hatte ungefähr eine Woche von der emotionslosigkeit einmal eine große Angst fast schon Todesangst weil meine Mutter überraschend kam und ich ungedingt innerhalb 1 Minute Sachen verstecken musste die sie nie sehen durfte, noch nie hatte ich so eine Angst in meinem Leben oder ob man das Panik nennen kann?

ich bin total ratlos was sowas verursachen kann das nichts überhaupt garnichts an mich rankommt, ohne meinen Bruder wäre ich obdachlos und ich habe auch nichts gefühlt als ich dachte jetzt werde ich mit 18 obdachlos... ich weiß nicht was passieren müsste das ich wieder was fühle... ich würde auch gerne weinen aber das kann ich auch nicht, wenn ich mal kurz emotional wurde, kamen nur kurz Tränen in die Augen aber kurz darauf waren die Gefühle wieder weg.

Ist da eine Blockade in meinem Kopf? ich fühle mich allgemein auch sehr eingeschränkt im Denken und alte Erinnerungen sind verblasst und nicht mehr so klar wie eben vor 4-5 Monaten.
Bin total Ratlos... durch die Depressionen? kann ich mir kaum denken weil ich eigentlich bis vor 2 Monaten dachte ich habe keine was aber mein Psychiater anders sieht.
oder dadurch weil mein Kopf weiß ich habe meine Familie für immer verloren?

naja ich denke mal ich habe alles gesagt... entschuldigt für Rechtschreibfehler :)

Auf das Thema antworten




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  04.03.2018 23:19  
ich bin mir auch nicht sicher ob es durch den Dauerstress von meiner Mutter kommt. Ich habe sie schon seit 2-3 Jahren nicht mehr als Mutter gesehen und nur schlechtes in ihr gesehen, nie vertrauen gehabt, Erinnerungen von schlägen die mich früher immer zum heulen gebracht haben als ich daran gedacht habe, sie hat mich fast dauerhaft kontrolliert und wollte mich dazu drängen mein Leben zu ändern oder hat mich angepisst weil ich micht z.b. nicht für oldtimer interessiert habe oder anderes...



205
Offenburg, Baden-Württemberg
121
  05.03.2018 01:42  
Du äußerst schon sehr klare Charakteristika einer Depression. Gerade gedämpfte Gefühle gehören oft zu einer Depression dazu. Kann aber auch ein Stück weit ein Persönlichkeitsaspekt sein.

Gerade wenn du lange unter Anspannung standest können das auch Erschöpfungssymptome sein. Du und dein Körper sind verausgabt und fahren herunter.
Dass dein Bruder in so einer schweren Lage ist ist da ja eine zusätzliche Belastung für dich, die das noch verschärft.
Insofern sind da auch Rückzug/Rücknahme von Gefühlen sehr plausibel, statt etwa Trauer oder Anteilnahme was du scheinbar erwartest.

Andererseits könnte man es auch als Abschotten interpretieren. Du hast eine schwere Kindheit/Jugend hinter dir, ohne empathisches und unterstützendes Vorbild das dich hätte stärken können in Sachen Gefühlen. Wenn deine Gefühlswelt jetzt überfordert/überbelastet ist schaltet sie ab, und wird 'taub'.
Auch mit der drohenden Gefahr dass es mit deinem Bruder zu Ende gehen könnte, der das Wichtigste für dich ist, wenn ich das richtig verstanden habe. Das ist ja eine enorme Belastung.

Mach dir nicht so viele Gedanken darüber was mit dir 'nicht stimmt'/'falsch ist'.
Du bist durch genetische Veranlagung und durch deine Umgebung geformt, und jetzt in einer blöden Situation gelandet.
Bei so einem Chaos mit Depression und all dem fällt es schwer für sich selbst zu sorgen, den Alltag zu bewältigen, und überhaupt klar zu denken.

Insgesamt hört sich das alles nach großer Belastung an, und nach Überlastung.

Danke2xDanke


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2
  06.03.2018 11:26  
Hey Philoo,

ich habe vergleichbare Erfahrungen mit meiner Mutter gemacht und ähnliche familiäre Probleme gehabt.
Ebenso hab ich etwa im gleichen Alter die von dir beschriebene Emotionsarmut und Depression in Kombination mit schwankend starken Sozialphobien gehabt.

Die Depression ist phasenweise immer noch ein einflussreicher Bestandteil in meinem Leben, allerdings habe ich ihn akzeptiert und lege vermeintliche Abnormalitäten, die einige als "Schwächen" bezeichnen würden als Stärken aus.

Mithilfe von Therapeuten und ner Menge Lektüre zum Thema hab ich die Emotionsarmut als Schutzmechanismus erkannt, da ich ansonsten unter den gegebenen seelischen Belastungen kaputt gegangen wäre. Heutzutage nutzte ich es zu meinem Vorteil und bin dadurch auch in sehr belastenden Situationen in der Lage ruhig zu bleiben und nüchtern zu argumentieren bzw. nach Lösungen zu suchen, was vielen "Normalen" abgeht.
Nach einigen Jahren der Emotionslosigkeit hab ich dann durch meine Partnerin gelernt, dass ich sehr wohl Emotional sein kann, aber nur im sicheren Umfeld. Dies ist vornehmlich in Anwesenheit meiner Partnerin möglich.

Ebenso erachte ich die Depression als notwendig für meine mentale Gesundheit. Als ich alt genug geworden bin um die Welt in groben Zügen zu verstehen, also z.B. dass Politiker, Polizisten, Ärzte, Lehrer und andere Authoritätspersonen zum einen nicht unfehlbare Idealmenschen, sondern fehlerhaft oder sogar böse sein können und zum anderen, dass mehr Schlechtes als Gutes auf der Erde passiert, hat mich das maßlos überfordert. Ich fragte mich wie das sein kann, bei all diesen gebildeten und zivilisierten Menschen auf der Welt. Letztlich hat sich für mich herauskristallisiert, dass es 2 Typen Menschen gibt. Die einen, die sich vor den Dingen verschließen, sie entweder leugnen, gar nicht erst hinsehen oder sich erfolgreich mit Sport, Medien, sonstwas ablenken. Und zum anderen, die das Schlechte sehen, erkennen und anerkennen. Einige suchen sich eine Nische, in der sie ihren Teil dagegen leisten können, andere resigieren und werden depressiv, abhängig oder reagieren sonstwie kompensatorisch auf die Umwelt.

Ob man nun seine Nische findet oder kompensatorisch agiert hängt stark von der Kindheit, Erziehung, Bildung, Sozialkompetenz usw ab. Da ich aus einem bildungsfernen Milieu stamme und eine suboptimale Erziehung genossen habe, war ich nicht in der Lage pragmatisch mit den Problematiken meines Lebens und der Existenz an sich fertig zu werden, somit hat mein Gehirn das für mich übernommen. Mittlerweile bin ich dankbar dafür. Eine Depression würde viele Menschen dazu bewegen mal über den Tellerrand hinweg zu schauen und Empathie und vor allem Ruhe zu entwickeln.

"Lieber ein unzufriedener Mensch, als ein zufriedenes Schwein[...]" Mill

"Eine kranke Gesellschaft führt dazu, dass sich gesunde Menschen krank fühlen." Fromm (glaube ist nicht ganz richtig zitiert, aber der Wortlaut sollte stimmen)

Ok, ich bin ein bisschen vom eigentlichen Thema abgedriftet. Ich wollte sagen:

Es ist ok nichts zu fühlen, wenn man sonst daran zerbrechen würde. Entweder es normalisiert sich wieder oder du lernst damit umzugehen und nutzt es zu deinen Gunsten und im Bestfall auch zugunsten anderer. Ich arbeite im sozialen Bereich und habe "normale Leute" an schweren Schicksalen anderer emotional zerbrechen sehen. Einige Kollegen arbeiten jetzt völlig fachfremd in irgendwelchen stupiden Jobs um auf keinen Fall mehr Bindung zu "schicksalsgefärdeten Menschen" aufzubauen. Andere sind zum Selbstschutz völlig kalt und Gleichgültig gegenüber Klienten um keine Bindung aufzubauen und keinen Schmerz empfinden zu müssen. Ich mit meinem "Defizit" habe dagegen kaum Probleme damit mich mit Menschen anzufreunden, die morgen schon tot sein könnten.
Nur als Beispiel.

Depressionen sind mies, da man keinen Gips bekommt oder zumindest ein handfeste Diagnose und Symptomatik, aber Depressionen können einen Charakter positiv formen, was man von körperlichen Gebrechen nur selten behaupten kann.

Danke2xDanke

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