Zitat von mthp:Mein echtes Problem ist jetzt das, obwohl er kein Lügner ist, ist dies schon das 2. Mal dass er mich bzgl. seiner "Karriere" belogen hat. Nun habe ich ihn gebeten mir ein Zwischenzeugnis vorzulegen (für den Beweis dass er wenigstens die Prüfungen gemacht hat die er jetzt behauptet). Nun gibt es wieder jedesmal Gründe dass er es nicht holt - er meint er schafft es nicht es abzuholen, zu große Angst. Mein Vorschlag war ihn zu begleiten, zunächst meinte er ja und dann meinte er dass seine Therapeutin ihm als Hausaufgabe gegeben hat dass er es allein schaffen muss (die Therapie hat er begonnen nachdem die 2. große Lüge rauskam. Ich bin momentan aber so misstrauisch, glaube jetzt er lügt wieder und will alles kontrollieren
Naja, das ist schon irgendwie unwürdig, finde ich. Du weißt, dass er große Ängste hat und dass diese Ängste ihm bisher im Weg gestanden haben. Die Ängste und das Aufrechterhalten eines letzten Restes Stolz oder Selbstwertgefühls werden dazu geführt haben, dass er dich belogen hat. Und vielleicht jetzt wieder belügt. Letzteres finde ich ebenso wahrscheinlich wie verständlich. Misstrauen, Kontrolle, Beweise - das macht alles nur schlimmer. Den Druck auf ihn, sein Gefühl der Wertlosigkeit, dein Gefühl der Verantwortung und Überforderung, die zwangsläufige Schieflage eurer Beziehung... Lass es sein, du bist schließlich nicht seine Mutter! Sein Studium ist allein seine Sache und muss überhaupt nichts damit zu tun haben, ob und wie er in Zukunft seinen Teil zu eurem Lebensunterhalt beiträgt.
Zitat von mthp:dazu habe ich panische Angst vor unserer Zukunft, ich habe Angst dass alle finanzielle Verantwortung auf mir liegen wird etc. Ich habe solche Angst dass ich nachts schlecht schlafe, dass ich Panikattacken bekomme, mache jetzt auch Therapie.
Ja, das sind überzogene Ängste. Kann ja sein, dass du in Zukunft deutlich mehr verdienen wirst als er. Das heißt aber längst nicht, dass er sich vollkommen auf dich verlassen wird. Jobben kann man auch ohne Studium oder abgeschlossene Ausbildung. Außerdem hast du als Akademikerin gute Chancen auf ein eher überdurchschnittliches Einkommen - jedenfalls wenn du etwas studiert hast, das der Arbeitsmarkt braucht. Wovon lebt ihr eigentlich jetzt?
Zitat von mthp:Ich bin verzweifelt, weiß nicht wie es weitergehen soll, was wenn jetzt wieder eine Ausrede die nächste jagt und das Zeugnis nie daher kommt? Falls jemend Rat weiß wäre ich dankbar. Wie findet man wieder Vertrauen zu seiner großen Liebe obwohl sie mehrfach echt arg und lange gelogen hat?
Ich meine, diese Lügen waren lässliche Sünden. An deiner Stelle würde ich hochoffiziell auf die Vorlage dieses dämlichen Zeugnisses verzichten und ihm dazu noch sagen, dass es mir leid tut, ihn so in die Enge getrieben zu haben.
Zitat von mthp:das Problem ist ja nicht eigentlich dass er nichts kann oder faul ist sondern dass er so massive Ängste hat dass er gar nichts tun kann. Ich weiß nicht wie ich ihm helfen kann. Kann man denn zuversichtlich sein dass eine Therapie (er hatte erst 3 Sitzungen) in wirklich in die Lage versetzt sein Leben in die Hand zu nehmen - wird er das schaffen?
Vorher weiß man's nicht... Aber grundsätzlich: Ja, das kann man schaffen. Wenn das Problem sich durch Vermeidung ergeben hat, lassen sich wahre Wunder erreichen, wenn man die Dinge endlich angeht. Nur sind drei Sitzungen natürlich noch nichts, so eine Therapie kann sich hinziehen und es kommt drauf an, was das zugrunde liegende Problem ist - eher eine sog. neurotische Störung wie die typischen Angststörungen oder mehr eine Sache der Persönlichkeit.
Zitat von mthp:Ich erwarte ja nicht dass er jetzt plötzlich die Megakarriere aus dem nichts macht, nur dass er jetzt halt einen Beruf ergreift und wenn möglich daneben sein Studium fertigzumachen - wenn er das möchte. Das er wenigstens irgentwas finanziell beitragen kann und auch er dadurch glücklich wird, er ist so unglücklich und traurig und sagt er hasst sich selbst etc.
Dass aus einem chronischen Vermeider jemand wird, der neben einer vollen Berufstätigkeit ein Hochschulstudium durchzieht, würde ich jetzt mal ausschließen... Ich kann mir auch vorstellen, dass sich als sinnvolles Therapieziel herauskristallisiert, dieses Studium aufzugeben - es sei denn, das war immer sein Traum. Immerhin ist er schon 30, hat die Regelstudienzeit durch und noch nicht das Grundstudium. Wenn er sich jetzt reinkniet, die Therapie sofort greift und Erfolge bringt und wenn auch sonst alles glatt läuft, kann man da locker noch drei Jahre rechnen. Und das mit Geschichte. Was macht man damit eigentlich, wenn man's nicht fürs Lehramt studiert? Kann also sein, dass er sich umorientieren muss. Aber das muss er entscheiden. Du kannst ihn liebevoll unterstützen und ich finde es auch legitim, von ihm einen finanziellen Beitrag zu fordern und dass er an sich arbeitet. Aber versuch' nicht, an seiner Stelle seine Probleme zu lösen, ihm vorzuschreiben, wie er das zu machen hat, ihn zu kontrollieren etc.
Liebe Grüße
Christina