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201303.01




Hallo liebe Forengemeinde,

heute möchte ich mal schildern, wie ich gerade als Angstpatientin bei einem Augenarzt behandelt wurde. Vielleicht könnt ihr mit einen Rat geben, wie ich auf sowas reagieren kann.

Ich habe insbesondere Angst vor Ärzten/Krankenhäusern/Arztpraxen, sodass ich wirklich nur dann zum Arzt gehe, wenn ich wirklich muss! Am Neujahrstag wachte ich auf und hatte ein vereitertes, geschwollenes Auge. Mein Freund hatte das zwei Wochen zuvor auch schon und von seinem Augenarzt Medikamente bekommen, die ich dann erstmal auch genommen habe und die haben auch gut geholfen. Nur konnte ich logischerweise erstmal nicht auf den Monitor schauen bzw. nur für kurze Zeit - und ich habe einen Job, bei dem ich die ganze Zeit vor dem Rechner sitze.

Gestern dann rief ich beim Augenarzt an und schilderte zunächst mein Problem, dass ich fürchterliche Angst hab und beim Arzt regelmäßig umkippe. Die Arzthelferinnen waren total nett, meinten, dann käme ich am besten, wenn es ruhiger wäre, heute wäre schlecht, aber dann morgen! Am nächsten Tag - heute - war das Auge schon deutlich besser, aber ich brauchte halt auch die Krankmeldung für den Arbeitgeber, also bin ich mit ner Beruhigungstablette wirklich in panischer Angst da hin. Die Arzthelferinnen waren mega nett und ich dachte schon, "ein Glück, hast es bald geschafft".

Aber dann kam der Arzt. Kaum war ich auf dem Stuhl, murmelte er, ohne mich anzusehen, warum ich denn hier sei. Ich sagte, dass ich vorweg erwähnen müsse, dass ich Angstpatientin sei und es sein könne, dass ich umkippe, weil ich halt so große Angst bei Ärzten habe. Darauf antwortete er: "Ja - warum kommen Sie dann?". Das fand ich schon ziemlich unverschämt. Naja, er schaute in meine Augen, sagte, dass es ja schon ziemlich abgeklungen ist und ich schilderte ihm, dass ich das Medikament meines Freunds genommen hab, was er auch ok fand. Ich sagte dann, dass ich gestern und heute ncht arbeiten konnte. Darauf er: "Warum?" Ich: "Weil ich nicht auf den Monitor schauen kann." Er: "Ach wissen Sie, das ist dem Monitor doch egal." UNFASSBAR!

Dann kam eine Frechheit nach der nächsten. Er sei keine Geschäftsstelle für gelbe Scheine. Ich hab dann nochmal erklärt, dass ich auch gestern gekommen wäre, es aber aufgrund der Angst nicht geschafft hab. Er meinte nur, im Nachhinein könne man es ja nicht beurteilen. Ja, was denkt der? Dass ich mir alles ausgedacht habe und den Angstsimulanten spiele, um nen Schein zu kriegen? Das hätte ich dann sicherlich einfacher haben können...

Jedenfalls meinte er abschließend, ich könne ja das nächste Mal zu einem anderen Arzt gehen. Da war ich total verdutzt und fragte ihn, ob er mich also in Zukunft nicht mehr behandeln wolle? Darauf er: "Es gibt ja noch viele andere Ärzte. Auf Wiedersehen".

Draußen hab ich erstmal geheult, so sauer war ich. Fachlich ist der möglicherweise gut, aber menschlich ist er eine Katastrophe. Und es hilft wohl kaum, mit so einem Arzt seine Ängste vorm Arzt abzubauen... Ich verstehe ja, dass er nicht mehr 100 pro nachvollziehen kann, wie schlimm das Auge noch gestern war. Aber mir zu unterstellen, dass ich simulieren würde und dazu noch derart frech zu sein, das ist unfassbar.

Jedenfalls überlege ich jetzt, irgendwo Beschwerde einzureichen. Es wird vermutlich nichts nützen...Bezeichnend auch, dass die Praxis - eine große Gemeinschaftspraxis - immer mehr auf Privatpatienten setzt. Mittlerweile gibt es schon bei der Anmeldung zwei Bereiche, einen für Privatpatienten, einen für den kläglichen Rest. Vermutlich hatte der Typ einfach keinen Bock auf einen Kassenpatient.

So, das musste ich einfach loswerden. Könnte schon wieder fluchen, aber ich lass es einfach mal

Habt ihr auch schonmal solche Erfahrungen gemacht?

Gruß Nordlicht

Auf das Thema antworten

14 Antworten ↓



  03.01.2013 19:20  
@ Nordlicht,
als ich deinen Beitrag da grad durchgelesen habe,war ich erst mal baff.....dann dachte ich mir du meinst das Ganze womöglich nicht ernst?
Anscheinend hast du das aber tatsächlich erlebt und ich kann so ein Verhalten eines Arztes absolut nicht verstehen und ich würde mir das auch nicht gefallen lassen.
Wenn ich du wäre,würde ich telefonisch Kontakt mit der Ärztekammer aufnehmen und diesen Vorfall schildern,denn ich glaube diesen Arzt würde mal eine Kopfwäsche ganz gut tun.
Lass dich bloss nicht runterziehen von sowas!!



  03.01.2013 19:41  
Hihi,

ja man könnte echt meinen, sowas gibts nur im Film...
Ich hab gerade bei der unabhängigen Patientenberatung angerufen. Die raten mir 1. sacken lassen, 2. alles aufschreiben, 3. an Ärztekammer oder Kassenärzt. Vereinigung wenden (was ich tun werde!) und 4. Den Arzt in Portalen bewerten, es gibt ja neben kommerziellen Portalen wie jameda auch noch Portale, die von Verbänden der Krankenkassen betrieben werden. Da hab ich auch schonmal eine Bewertung abgegeben.

Außerdem werde ich der Praxis auch noch ne mail schicken. Das wird natürlich mir alles nix bringen, vielleicht aber späteren Patienten...bin immer noch geschockt.


MitSouKo63 hat geschrieben:
@ Nordlicht,
als ich deinen Beitrag da grad durchgelesen habe,war ich erst mal baff.....dann dachte ich mir du meinst das Ganze womöglich nicht ernst?
Anscheinend hast du das aber tatsächlich erlebt und ich kann so ein Verhalten eines Arztes absolut nicht verstehen und ich würde mir das auch nicht gefallen lassen.
Wenn ich du wäre,würde ich telefonisch Kontakt mit der Ärztekammer aufnehmen und diesen Vorfall schildern,denn ich glaube diesen Arzt würde mal eine Kopfwäsche ganz gut tun.
Lass dich bloss nicht runterziehen von sowas!!



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  03.01.2013 20:04  
unglaublich!
ich habe mal etwas ähnliches erlebt. bei einem kardiologen. als ich ihm am telefon schilderte, dass ich angstpatientin bin , rotzte er nur : sie sind ja völlig überzogen,dann gehen halt sie zu ihrem hausarzt und lassen sich eine valium geben....ich war auch baff...hab geheult und fühlte mich hilflos.

hast du schon etwas unternommen? und wie gehts dir inzwischen?

alles liebe!



  03.01.2013 20:14  
Wir Angsthasen stoßen eben immer wieder auf Unverständnis. Keine neue Erfahrung, aber immer wieder unschön.



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  03.01.2013 20:24  
Hallo liebe Nordlicht,

das ist jawohl der Hammer. Die Schwachen haben nie die richtige Lobby. Es ist schon schwer genug mit einer "Fassade" durch die Welt zu gehen, da Außenstehende es einfach nicht nachvollziehen können, aber gerade die Berufsgruppe.....Ich habe spontan an eine Praxis in A., in der Nähe meines Heimatortes gedacht, das wäre aber mehr als Zufall.
Wenn du die Kraft und Energie hast, dann tu etwas, nur dann ändert sich etwas.
Nimm die Aussagen dieses Nicht-Menschenfreundes nicht ernst, wer weiß, was der für Probleme an den Hacken hat, ....was sein Verhalten natürlich in keinster Weise rechtfertigt.
Kopf hoch!

Liebe Grüße,

Charly.



  03.01.2013 21:02  
Wow das ist ja toll, das so viele antworten! Danke!Ich muss auch zugeben: Auch wenn es moralisch verwerflich sein mag, menschlich ist es wohl eher: Der Gedanke, diesem Typen mal eine Woche Angst vom Feinsten an den Hals zu wünschen.

Was ich aber auch noch unbedingt loswerden muss: Die Sache hatte ein Gutes! Dadurch, dass der mir laufend "Brocken" an den Kopf warf, hatte ich gar keine Zeit, wirklich Panik zu bekommen Wenn man es gut mit ihm meint, könnte man meinen, er hats extra gemacht, um mir zu helfen, hahaha. Ok, so wirds aber eher nicht gewesen sein. Es ist halt so, wenn ein Gefühl da ist, dass stärker ist als die Angst, dann hat das andere Gefühl die Überhand - in meinem Fall wirklich Wut und Entsetzen. Und das ist auch gut so: Wut ist etwas Aktives und somit immer besser als Angst, finde ich zumindest.

Unternommen habe ich heute abend nur noch eine Sache: Ich hab auf einer Bewertungsseite, die vom Verband meiner Krankenkasse initiiert ist, eine Bewertung hinterlassen, die wohl auch diesem Arzt geschickt wird. Note: 6 und mit einem deftigen Kommentar. Alles andere werde ich morgen machen - der Fraggle ist es nicht wert, dass man sich wegen dem den Abend verdirbt, nicht wahr?

@ Charly: Nein es ist nicht in A. Es ist in K.!



Liebe Grüße

Nordlicht



  03.01.2013 21:03  
@ Medusa: Sowas ist auch der Hammer! Facharzt hin oder her, aber die sollten ja wohl in ihrer Grundausbildung gelernt haben, mit Patientenn umnzugehen - und eben auch mit solchen, die Angst haben!



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  03.01.2013 21:15  
@nordlicht ja, und ich finde, man kann auch erwarten, dass ärzte mit patienten "umgehen" können.
der kardio hat mich mit : "wer früher mal geraucht hat, der braucht sich heute auch keine sorgen um strahlenbelastung zu machen" (sollte ins CT) erstaunt.

danach kam ein : "gut, das wars dann" und er hat aufgelegt... !

aber du hast recht, nach dem heulen, der hilflosigkeit kam auch bei die wut und mit IHR an der seite lebt sichs besser



  03.01.2013 21:24  
Ja, auf jeden Fall sollten Ärzte mit Patienten umgehen können. Fachwissen und -kompetenzen zu haben ist m.E. nur die halbe Miete. Ein Arzt, der nicht auf seinen Patienten eingehen kann, kann fachlich noch so gut sein ...

Genau, mutig und ruhig mit etwas Wut voran!



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  04.01.2013 03:28  
Bei www.Jameda.de kann man Ärzte online bewerten. Ich bin selber Angstpatient und ich finde solche Hinweise dort immer sehr hilfreich, wenn ich doch mal zu einem Doc muss. Der Typ ist echt ein Ar....



  04.01.2013 14:30  
Hi Angsthase,

bei Jameda hatte ich gestern in der Tat was geschrieben, aber es wurde irgendwie nicht veröffentlicht...

Habe dann auch ein bisschen recherchiert und manche User vermuten, dass die negativen Bewertungen absichtlich zurückgehalten werden bzw. wenn sich derjenige Arzt beschwert, wird der Text gelöscht...

Ich muss es wohl einfach abhaken...oder ich raffe mich tatsächlich auf und beschwer mich bei der Ärztekammer!

Gruß

Nordlicht



80
2
  05.01.2013 00:18  
Also ich hab da schon einige Ärzte mit 6 bewertet und entsprechende Kommentare da geschrieben. Die admins haben die immer geprüft ggf nochmal geschrieben das das eine oder andere eventuell für andere Personen nicht nachvollziehbar wäre und nachdem ich es besser formuliert hab wurden alle Kommentare veröffentlicht. Hat aber meist ein paar Tage gedauert



16916
6
6****
5467
  05.01.2013 09:06  
Ich glaube, bei der Ärztekammer befassen sie sich nicht mit solchen Sachen. Die können eingreifen, wenn ein Arzt sich weigert einen Patienten zu behandeln, oder wenn er etwas Ungesetzliches macht, wie z.B. falsch abrechnen oder falsch behandeln. Aber kein Arzt ist gesetzlich dazu gezwungen mit seinen Patienten freundlich umzugehen oder bei Angstpatienten besonderes Einfühlungsvermögen zu zeigen. Wenn er sich so verhält und seine Patienten verliert, ist das sein Problem.



6112
4
Ruhrgebiet
122
  05.01.2013 11:05  
Vielleicht hat er Arzt auch mal einen schlechten Tag gehabt....vielleicht war er auch gestresst ....

Ich würde da gar nicht so viele Energien drin verschwenden ihn versuchen eins auszuwischen.....
Klar auf seine antworten hätte ich ihn direkt kontra gegeben aber damit hätte es sich auch für mich erledigt....


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