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Hallo zusammen,

seit einigen Tagen haben wir die Diagnosen für meinen Sohn (11 Jahre) bekommen. Neben einer PTBS die als erstes angegangen werden soll mit einer Traumatherapie, hat er auch die Diagnose ADHS bekommen. Ich habe mich schon länger mit dem
Thema beschäftigt, da ich mir ziemlich sicher war, dass es diese Diagnose sein würde.

Ich muss gestehen, dass ich immer der Meinung war, dass das einfach nur ein Label ist für Kinder, die etwas aktiver und zappeliger sind, um dem Kind einen Namen zu geben. Jetzt, wo ich mich mehr damit beschäftigt habe, weiß ich aber, dass das nicht stimmt. Mein Sohn sagte mir, wie sehr er sich bei diesen Tests Mühe gegeben hätte und trotzdem hat er ziemlich schlecht abgeschnitten. Als die Psychiaterin uns erklärte, wie genau sich das äußert: Gedanken abschweifen, ungefilterte Eindrücke, Gefühle viel intensiver wahrnehmen, Reizüberflutung, Überforderung etc, konnte er sich endlich alles erklären und war sogar etwas erleichtert. Auch wenn ziemlich kurz danach schon die Frage kam, warum ausgerechnet er anders sein müsse.

Ich glaube, dass wir das alles hinbekommen werden und bin froh, dass ich darüber jetzt Bescheid weiß und entsprechend geduldiger werden kann. Teilweise hab ich mich nämlich oft schon veräppelt gefühlt, wenn ich ihm Dinge 33 mal sagen muss und er sie trotzdem vergisst. Oder wenn er bei den Hausaufgaben mal wieder so getrödelt hat, weil er sich mit allem möglichen hat ablenken lassen.

Jetzt aber zu dem, was mich etwas stutzig gemacht hat. Die Psychiaterin sagte, dass es gut sei, dass die Diagnose im Kindesalter bereits gestellt worden ist. So könne man gut mit Medikamenten arbeiten, sodass man das ADHS dann im
Erwachsenen Alter viel schwächer ausgeprägt haben könnte.

Ich möchte eigentlich nicht, dass mein Sohn Tabletten nimmt. Wenn er das irgendwann selber möchte, soll er alt genug dafür sein um das selbst zu entscheiden. Ich würde mich nicht gut fühlen ihn da jetzt als Kind schon „ruhig stellen“ zu wollen. Aber ist das überhaupt ruhig stellen oder verweigere ich ihm eher etwas, was er dringend braucht?
Er möchte aktuell keine Medikamente. Das sagte er von sich aus direkt. Aber ich denke er ist noch zu jung um da Nutzen und Risiko abwägen zu können.
In der Schule ist sein Arbeitsverhalten nicht sonderlich gut. Er spricht viel dazwischen, kann nicht warten, bis er dran ist. Ist auch schon 1-2 mal aufgestanden im Unterricht, träumt viel, lässt sich leicht ablenken. Er schreibt in fast allen Fächern nur einsen und haut sich durch das Verhalten im mündlichen Unterricht dann eher schlechtere Noten rein. Das ist also schon auffällig. Ansonsten kann er aber durchaus anständig am Tisch sitzen, einen Film mit uns schauen etc. Klar, er rutscht schon oft mit dem Hintern hin und her und manchmal beginnen wir ein Gespräch im Wohnzimmer und am Ende ist er dann schon in der Küche gelandet durch sein Gezappel.

So viel erstmal zur Einordnung. jetzt zu meiner Frage. Kann mir jemand der vielleicht selber betroffen ist sagen, was ihr für Erfahrungen gemacht habt? Ob Tabletten geholfen haben, oder ihr euch welche gewünscht hättet/es bereut welche genommen zu haben? Wäre super, wenn mir hier vielleicht jemand weiterhelfen könnte. Ich danke euch

01.08.2025 09:19 • 01.08.2025 #1


17 Antworten ↓


Hallo, ich habe einen Sohn der die Diagnose mit 12 bekam, mein Mann bekam seine erst kürzlich,ü50.

Ich war auch immer gegen Ritalin aber meinem Sohn hat es buchstäblich das Leben gerettet da er zusätzlich in eine Depression kam. Die Tabletten nimmt er seitdem, ist ruhiger, fühlt sich besser, er ist sortierter.

Mein Mann nimmt seit ca einem Jahr Methylphenidat und es geht ihm auch besser, seine Mutter hat ihm kürzlich erzählt dass sie es schon immer wusste, aber gegen Medikamente war. Man hätte ihm damit 40 Jahre Leid ersparen können. Er ist zwar immernoch depressiv aber hat nicht mehr so viele wirre Gedanken und kann besser damit umgehen..

LG Nicky

A


ADHS in der Kindheit Erfahrungen

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Also ich bin jetzt nicht selbst betroffen aber hatte mal Nachbarn, deren Sohn betroffen war. Der war glaube 11 damals. Die meinten, dass es ihm ohne Medikamente schlechter gehe und er sehr davon profitiert. Aber wie gesagt, aus eigener Erfahrung weiß ich leider nichts.

Vielleicht noch mal mit der Psychiaterin pro und Contra Argumente besprechen, offen über Deine Ängste und Befürchtungen reden, Meinungen von anderen Ärzten hinzuziehen.
Sehe es in jedem Fall genauso wie Du, dass Dein Sohn das in seinem Alter noch nicht entscheiden sollte.

Zitat von Afraid:
Aber ist das überhaupt ruhig stellen oder verweigere ich ihm eher etwas, was er dringend braucht?

Die Medikamente können ihm helfen, im Schulalltag konzentrierter zu sein. Und am Wochenende lässt man die Medikamente nach der Phase der Dosisfindung weg, damit das Kind es selbst ist.

Ich kenne einige, die nach Schule und Studium nichts mehr genommen haben. Aber während dessen war es ein Segen.

Die Persönlichkeit ändert sich dadurch nicht. Viele Erwachsene beschreiben es sogar so, das sie durch die Fähigkeit zur Fokussierung und Konzentration eine bessere persönliche Entwicklung und vor allem Stabilität in allen Lebensbereichen erlebten.

@Nicky78 das mit den Depressionen deines Sohnes tut mir leid. Es ist schwer, wenn die Kinder leide…

Mein Sohn hat durch langes Mobbing eine emotionale Störung des Kindesalters (ist quasi die Vorstufe der Depressionen). Uns wurde gesagt, wir sollen das Trauma als erstes angehen, da sich dann dementsprechend andere Probleme von selbst lösen könnten. Denke mal diese Phase der Depression. ADHS wird dadurch nicht verschwinden, aber man könnte schauen, wie weit ihn „nur“ dieses Problem dann belastet und was noch übrig ist von seinen Sorgen. Ich finde es irgendwie schwierig das zu beurteilen, wenn mehrere Diagnosen im Raum stehen. Generell tue ich mich mit solchen Entscheidungen schwer und habe auch große Angst vor den Nebenwirkungen. Es freut mich jedenfalls, dass es deinem Sohn geholfen hat. Das war dann für euch definitiv die richtige Entscheidung.

@Euphoria danke auch dir für deine Antwort. Es gibt ja verschiedene Stufen von ADHS denke ich. Ich kenne zwei Kinder, die total aggressiv waren, um sich geschlagen haben etc. Die brauchten Medikamente, um überhaupt den Alltag erledigen zu können. Was nicht bedeutet, dass es bei anderen nicht auch schlimm und belastend ist, nur weil man es nicht so deutlich sieht.
Ich habe nach den Ferien eh ein Gespräch mit seiner Therapeutin, die ja den Bericht der Psychiaterin bekommt. Möchte nur vorher schon ein paar Meinungen einholen.

Zitat von Dunkelbunte:
Und am Wochenende lässt man die Medikamente nach der Phase der Dosisfindung weg, damit das Kind es selbst ist.

Danke für deine Antwort. Das wusste ich noch gar nicht. Also ist das Medikament dann auch keines, was nach dem Absetzen noch lange Zeit weiter wirkt, wenn es schon am Wochenende ohne Einnahme dann wieder beim Alten ist.

Zitat von Dunkelbunte:
Ich kenne einige, die nach Schule und Studium nichts mehr genommen haben. Aber während dessen war es ein Segen.

Ja, so hatte ich es auch verstanden. Dass das Medikament, in jungen Jahren schon eingenommen, dann evtl nicht mehr gebraucht wird.

Zitat von Dunkelbunte:
Die Persönlichkeit ändert sich dadurch nicht.

Ja, das ist mir sehr wichtig. Er soll schon noch er selber bleiben. Aber evtl würde es ihm dann im sozialen auch leichter fallen. Da eckt er durch diese überdrehte Art und das schlechte Einhalten von Regeln eben auch an.

Zitat von Afraid:
, so hatte ich es auch verstanden. Dass das Medikament, in jungen Jahren schon eingenommen, dann evtl nicht mehr gebraucht wird.

Doch, es würde noch gebraucht bzw die ADHS schwächt nicht ab. Aber viele entscheiden sich für eine Veränderung der Umstände, der Ernährung, der beruflichen Belastung, Sport als Ausgleich etc. Sie wollen, wie ich, den Normalzustand inkl komischer ADHS und übersteigertem Antrieb.

Zitat von Afraid:
Also ist das Medikament dann auch keines, was nach dem Absetzen

Die Haltwertzeit beträgt max 4 bis 6 Std. Meistens erfolgt eine 2. Einnahme im vormittagsbereich.

@Afraid Ich hatte auch Angst vor Nebenwirkungen aber: Ritalin ist kein Medikament, das einen Spiegel aufbauen muss wie Antidepressiva. Es wirkt sofort mit allen Wirkungen und Nebenwirkungen. Falls es nicht vertragen wird, ist die Wirkung am Nachmittag raus.

Ich habe mich dann für den Versuch entschieden, ich werde es nie vergessen, er ging in sein Zimmer und hat von oben bis unten aufgeräumt und geputzt.

Die einzige Nebenwirkung ist der Appetitmangel, da er aber übergewichtig war, hat er mit dem Medikament Normalgewicht erreicht, was ihn auch glücklicher gemacht hat.

Aufhören kann man immer.

LG Nicky

@Afraid er bleibt er selbst. Mein Sohn ist ohne das Medikament (wenn er mal aussetzt) der gleiche Mensch, nur mit mehr Hunger. Er ist dadurch auch nicht unruhiger.
Falls mein Mann die nachmittags Tablette vergisst, merkt man es sofort, er ist wieder unruhig, bei meinem Sohn ist das nicht so.
Sie nehmen beide Methylphenidat, mein Sohn als Retardkapseln einmal täglich, mein Mann zwei Mal eine.

Zitat von Nicky78:
da er aber übergewichtig war, hat er mit dem Medikament Normalgewicht erreicht,

Mein Psychiater hat mir erklärt, das nach heutiger Einschätzung sehr viele der übergewichtigen Kinder ADHS haben und das Essen impulshaft ist. Sehr interessant.

Auch in Bezug aufs Thema Magenverkleinerung. Über 20 % der operierten haben eigentlich eine unerkannte ADHS.

@Dunkelbunte es ging nicht alleine durch das Medikament. Er hat sich dazu aufraffen können, Sport zu machen und sich um gute Ernährung kümmern können. Das kam nicht sofort, vielleicht zwei drei Jahre später, aber jetzt ist er schlank und sehr darauf bedacht, dass es so bleibt.

Bei meinem Mann hat es gar keinen Einfluss auf den Appetit

Ich kann nur zu einer medikamentösen Behandlung raten. Unser Sohn hat seit Ritalin ein ganz anderes Leben. Er kommt in der Schule klar, das Arbeitsgedächtnis ist viel besser, die Probleme zu Hause sind quasi weg und er ist ein glücklicher Teenie mit sehr guten Sozialkontakten. Er sagt selber, dass er es manchmal kaum glauben kann, wie gut das Leben auch sein kann .

Deswegen finde ich es fahrlässig, wenn man einem Kind nicht wenigstens die Möglichkeit gibt, Medikamente auszuprobieren. Das würde man bei jeder anderen Erkrankung ja auch tun.

Wir handhaben es auch so, dass er das Medikament nur in der Schulzeit nimmt.

@Zita genau die gleiche Erfahrung haben wir auch.

@Nicky78 das ist gut! Ich kann manchmal auch gar nicht glauben, was das Medikament für einen Unterschied macht...

Naja, also meinem Sohn wurde auch mal ADHS diagnostiziert, ich glaube da war er 8 oder 9. Er sollte auch Ritalin bekommen, was wir aber abgelehnt haben. Er hat dennoch alles, wenn auch schwieriger, geschafft. Mittlerweile ist er 20 und hat sich super entwickelt. In seiner Ausbildung ist er total gut, hat viele Freunde, unternimmt viel, lacht viel, ist ruhiger geworden, geht zum Sport usw. Zufrieden und völlig normal... nur mal, um auch diese Seite mit zu beleuchten. Damals in Schulzeiten war er eher ein Außenseiter. Durch eine Therapie hat er gelernt, dass er selbst einen großen Anteil dazu beitragen kann und das hat ihm sehr geholfen. Zudem ist er noch zum Kampfsport gegangen, auch das war super für ihn. Zuvor hatte er nie Ausdauer oder Geduld für irgendwas und fühlte sich eher zu Problemkindern hingezogen. Es gab auch mal eine Diagnose für eine Hochbegabung, obwohl das völlig widersprüchlich erschien. Aber er ist tatsächlich sehr schlau, langweilt sich eben schnell und konnte mit gleichaltrigen Kindern nix anfangen. Er dachte schon viel weiter, dadurch grenzte er sich selbst aus sozusagen...

Danke für eure Erfahrungen. Ich finde es gut da mal beide Seiten zu sehen

Mein Sohn ist sehr dünn.. also von Übergewicht ist er weit entfernt. Aber das könnte man dann natürlich alles sehen.

Zitat von Zita:
Deswegen finde ich es fahrlässig, wenn man einem Kind nicht wenigstens die Möglichkeit gibt, Medikamente auszuprobieren.

Das ist mir allerdings zu pauschal ausgedrückt. Wie stark ADHS ausgeprägt ist, ist ja unterschiedlich. Auch gibt es unterschiedliche Formen. Wenn das Kind extrem leidet und ein normales Leben nicht anders möglich ist, ist es natürlich fahrlässig.

@Gaulin genau so, wie du es beschreibst ist es bei meinem Sohn auch. Er langweilt sich auch total schnell. Ebenfalls die Hochbegabung, andere Interessen als die Anderen.. Dadurch ja auch das Mobbing und die PTBS. Bei diesen vielen Diagnosen ist es eben echt schwer zu sagen, was wovon kommt.

Die Psychiaterin hat jetzt erstmal von Medikamenten geredet. Allerdings in dem Kontext, dass es wohl dauerhaft etwas im Gehirn verändern würde, wenn die Kinder das frühzeitig nehmen. Deshalb schrieb ich vorhin, dass ich das merkwürdig finde. Es klang so, dass es eine große Verbesserung auf Dauer geben kann, wenn man im Kindesalter direkt Medikamente nimmt. Sie meinte dadurch würden sich die Botenstoffe dauerhaft verändern.

Ich werde aber nur auf die Empfehlung der Psychiaterin kein Medikament geben. Sie hat ihn ja nur für ein paar Tests gesehen. Ich werde mir anhören, was seine Therapeutin rät, die ihn ja jetzt ein Dreiviertel Jahr kennt und gut einschätzen kann. Sie sagte auch mal, dass sie es bei manchen Kindern sinnvoll findet und bei anderen nicht. Ich glaube wirklich, dass das individuell unterschiedlich ist und bin echt froh, wenn ich mehrere Meinungen hier lese. Also danke

Du kommst doch aus Hannover, oder? Versuch mal in Wahrendorff oder MHH einen Termin zu bekommen und lass dich dort in der Sprechstunde beraten, mit all deinen Fragen.

Die Tochter einer guten Freundin hat ADHS, Diagnose mit 13, jetzt ist sie 24. Ohne Medikamente ging und geht es nicht, sie selbst ist unheimlich dankbar das sie medikamentös gut eingestellt ist. Sie ist seit damals in der MHH in Behandlung und meine Freundin sowie Tochter sind sehr zufrieden.
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@Greta__ ja, komme ich. Ich wusste gar nicht, dass es diesbezüglich dort Sprechstunden gibt. Gerade mit der MHH habe ich bzgl Kindern gute Erfahrungen gemacht. Da werde ich mich mal erkundigen. Danke dir

A


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