Hallo, ich kam zufällig auf deinen Beitrag, da ich das Wort "gehörlos" gesucht hatte.
Ist schon eine Weile her seit deinem letzten Beitrag, vielleicht liest du es trotzdem.
Dein Geschichte klingt nicht gut und ich versuche noch zu verstehen, weshalb du keinen Kontakt möchtest? Weil du das Gefühl hast, dass deine Mutter deine Gefühle nie ernst genommen hat? Vielleicht verstehe ich es beim Schreiben. Ich kann natürlich nur von außen betrachtet und mit dem was hier steht, meine Meinung bilden. Was ich aber sehe ist, dass deine Mutter wohl eine andere Wahrnehmung von dieser Situation hat als du. Sie scheint ihrer Ansicht nach (?) sich viel Mühe zu geben, um dir das zu geben was du brauchst oder um den Kontakt aufrecht zu erhalten (DGS Kurs, Geld überweisen, Paket usw.). Ich glaube, das Problem ist einfach, dass du dir gewünscht hättest, dass sie deine Gefühle und Gedanken als du ein Kind (oder jetzt) warst, ernst genommen hat?
Und klar, dass du keinen Kontakt willst, muss man respektieren. Ich finde es schwierig, da Hörende eben diesen Punkt nicht verstehen, wie es ist hörgeschädigt zu sein und ausgeschlossen zu werden. Oft ist es keine böse Absicht, aber es hinterlässt Narben. Ich bin selbst schwerhörig und lautsprachlich aufgewachsen, hatte also auch immer einen gewissen Druck zu spüren gehabt, aber eher im Sinne von dass ich alles verstehen muss und musste mir ständig Sprüche anhören ob ich nicht zuhöre, ob meine Hörgeräte kaputt sind und und.. das hat mich damals sehr verletzt. Meine Umstände waren auch etwas komplizierter. Jedenfalls bin ich mit 20 dann weit weg gezogen um ein eigenes Leben zu haben und fahre jetzt nur noch einmal zweimal jährlich aus Pflichtgefühl dahin, sitze das paar Stunden aus und hab dann Monate meine Ruhe. Bei mir ist so zwiegespalten, denn es ist meine Familie, ich kann denen nicht den Rücken zukehren. Hab lange damit gekämpft, dass ich am liebsten gar keinen Kontakt will und ein neues Leben ohne sie anfangen will, aber andererseits denke ich dass es nicht ihre Schuld ist. Sie haben ihr Bestes gegeben. Für Hörende ist nicht nachvollziehbar, wie es ist hörgeschädigt zu sein. Ich kann nicht erwarten, dass sie das verstehen, wie es für mich ist und wie es mein Selbstwertgefühl kratzt, wenn ich da sitze und nix verstehe. Ich hatte es mal angesprochen aber die sehen das Problem sind bzw. sind sie überfordert und wissen keine Lösung, damit ich miteinbezogen werden kann im Familiengespräch. Ich fragte auch mal, wieso die nicht DGS gelernt haben, dann wäre mein Leben einfacher gewesen. Die Antwort war: Aber du konntest doch was hören" Ähm ja. Es fehlt auch Aufklärung, der erste Ansprechpartner bei Diagnose ist der Arzt, der sagt: oh, wir müssen ein CI machen lassen und Logopädie!" Die emotionale Aspekte werden völlig vernachlässigt. Nicht umsonst leiden viele Gehörlose später an Angststörungen oder Depressionen.
Entschuldige, ich schweife vom Thema ab. Mein Punkt ist, vielleicht hilft dir ein Perspektivenwechsel. Also, dass deine Familie eben aus diesem Grund so und so reagieren, aus Unwissenheit, Überforderung, vielleicht sogar Druck von außen usw..
Auf jedenfall würde ich es ihr nochmal ausführlich erklären, warum du keinen Kontakt willst. Offensichtlich ist es nicht angekommen bei ihr. Sie muss verstehen, dass du dich um dich kümmern musst und keine Menschen gebrauchen kannst, die negative Emotionen in dir wecken. Dann muss sie damit leben.. ich denke, es fällt ihr schwer dich loszulassen und sie braucht wohl selbst Therapie.
Um das mal vorsichtig zu fragen: Mein Gedanke war noch, ob du nicht etwas zu hart bist? Ich weiß nicht, was genau vorgefallen ist, klar.. aber ob du das schon reflektiert hast für dich? Wenn man wütend ist, ist man halt in diesem Gefühl drin und akezeptiert nichts anderes. Manchen soll ja verzeihen oder die Situation so zu akzeptieren helfen. Ich kann diesen Wut absolut nachvollziehen. Ich hatte jahrelang Wut auf meinem Bruder, weil er mich immer als behindert behandelte und respektlos war. Irgendwann habe ich mich zur Wehr gesetzt und gesagt, dass er so nicht mit mir reden braucht. Erst hat er sich darüber lustig gemacht aber nach einer Weile konnte ich merken, dass er anfing anders mit mir zu reden, respektvoller. Dann war die Wut verschwunden. Ich denke, ein Brief an deine Mutter hilft.. nur wäre eine Erklärung natürlich gut. Wenn sie es immer noch nicht versteht, dann ist es eben so. Hauptsache du findest deinen Frieden.
Wieso kann deine Therapeutin dir nicht helfen? Und wie ist die Situation mittlerweile?