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Hallo ich bin neu hier im Forum,
ich habe schon im Forum "Soziale Ängste" über mein Problem berichtet, aber habe erst im Nachhinein dieses spez. Forum "Hyperhidrose" gesehen.

Ich bin seit einigen Jahren an Rheumatoider Arthritis erkrankt, musste anfangs sehr hohe Dosen Kortison per Infusion bekommen, dazu noch Immunsupressiva usw., dadurch bekam ich noch dazu einen Diabetes Typ 3 , ausgelöst durch Kortison.
Seitdem nehme ich eine Erhaltungsdosis Kortison von 2,5 bis 5 mg. je nach Schmerzintensität.

Ich habe seit dem Ausbruch dieser Autoimmunerkrankung Probleme mit starkem SChwitzen am Kopf, was bei mir mittlerweile schon zu psych. Problemen führt.

Voller Enthusiasmus meldete ich mich mit meinem Ehemann zu einem Salsakurs im Frühjahr 19 an, als es noch gar nicht wirklich heiß wurde, war ich nach ca. 20 Minuten am Kopf jedes Mal tropfnass, wie geduscht. Es war mir mega unangenehm, ich musste immer ein handtuch mitnehmen. Im 2. Kurs fing der Tanzlehrer an, einen Partnertausch anzusagen, ich musste also mit klatschnassem, triefendem Kopf reihum mit allen andren Männern tanzen, ich war mit den Nerven fix und fertig. Mein Ding ist es sowieso nicht, ich ertrage diese Nähe zu wildfremden Menschen schon nicht gut und dann noch dieses peinliche Schwitzen am Kopf. Ich habe alles probiert von Sweatosan bis zu Sweat-Off auf die Kopfhaut über Nacht aufgetragen, was bei mir schlimme Ekzeme am Kopf auslöste und auch nicht wirklich geholfen hatte. DAs Schwitzen steigerte sich dann noch durch die extreme Hitze im Sommer. Obwohl mir das Tanzen sehr viel Spaß machte, ich konnte nicht mehr hingehen, cancelte den Kurs und bin seither total traurig, weil es nicht das 1. Mal ist, dass mein Körper mir einen Strich durch die Rechnung macht.
Auch durch meine rheumat. Erkrankung habe ich mittlerweile viele Einschränkungen, weil meine Gelenke einfach nicht
mehr mitmachen und nun auch noch das.

Ich gehe schon bei Wanderungen nicht mehr mit, da ich nach 20 Minuten klatschnass bin und dann anfange zu frieren. Radfahren geht gar nicht mehr, wegen dem Schwitzen und auch wegen der Belastung auf meinen Händen und Handgelenken.
Ich tanzte früher gerne Flamenco, das musste ich vor Jahren aufgeben, meine Fußgelenke wollten das nicht mehr und ich hatte danach immer große Schmerzen; ich war eine leidenschaftliche Joggerin, das ging auch nicht mehr, jetzt gehe ich nur noch walken.

Ich schwitze auch beim Putzen und bei allen körperlichen Arbeiten, ist der Kopf klatschnass.

Meine Freundinnen sagten nur, ach was mach dich nicht verrückt und mach den Tanzkurs weiter, aber ehrlich, wenn man es selbst nicht hat, hat man gut reden. Es ist als Frau einfach megapeinlich und ich war so fertig mit den Nerven, dass ich mich nicht mehr überwinden konnte hinzugehen. Noch dazu sagte der Tanzlehrer, dass beim Salsa ein Partnertausch sein müsse, damit man den Tanz überhaupt richtig lerne. Wir wollten dann nicht jedes Mal die Außenseiter im Kurs sein und sagen, dass wir den WEchsel nicht mitmachen würden. Mein Partner hat übrigens auch Probleme mit starkem Schwitzen und bei Nervosität steigert sich das GAnze bis zur Unerträglichkeit, da macht ja alles keinen Spaß mehr ganz ehrlich. So einen Stress, will ich mir in meiner Freizeit nicht machen. Aber schade ist es wirklich und ich komme mir nun vor meinen Bekannten, die den Kurs weitermachen so saublöd vor. Die lachten, als ich sagte, ich könne das mit dem Partnertausch nicht, weil ich so schwitze. Solche Probleme kennen die halt nicht.

Ich freue mich über Antworten von Leidensgenossen/innen
Liebe Grüße Agricola

07.11.2019 10:09 • 23.06.2021 x 1 #1


4 Antworten ↓


Carsten1974
Hallo @agricola,

vielen Dank für das Thema. Ich schwitze auch schnell und stark aufgrund von Medikamenten (vermute ich). Das ist vor allem unangenehm, wenn ich zu Veranstaltungen/Treffen gehe, weil ich fast immer mit dem Fahrrad dahin fahre und dann immer mehr oder weniger durchgeschwitzt bin.

Es kommt dann sehr auf die Art des Treffens der Veranstaltung an, ob es mir wirklich was ausmacht oder nicht. Bei Treffen mit guten Freunden ist es mir meist egal. Ich ziehe mich dann so an, dass ich nicht anfange zu frieren und habe ein Handtuch dabei.

Wenn es "offizielle" Veranstaltungen wie Theater oder ähnliches sind, dann fahre ich mit dem ÖPNV, um nicht durchgeschwitzt anzukommen. Tanzkurs könnte ich mir aber zum Beispiel in meinem "Zustand" auch gerade nicht vorstellen.

Da ich gerade Single bin, mache ich mir nicht ganz so viele Gedanken und fühle mich auch nicht sehr stark eingeschränkt. Ich achte aber schon darauf, ein starkes Deo zu benutzten. Anders wäre es eventuell in einer Partnerschaft, da müsste meine Partnerin natürlich auch mit meinem schnellen Schwitzen klarkommen.

07.11.2019 16:26 • x 1 #2



Extremer Kopfschweiß

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WandaDetroit
Hallo Agricola,
Ich kann dich so gut verstehen und weiß, was du da durchmachst.
Ich selbst leide auch an starkem Kopfschwitzen und habe dazu noch Übergewicht. Da haben natürlich gleich viele Menschen dieses Schubladendenken. Dick=Schwitzen=Stinken=mangelnde Körperhygiene.

Ich leide sehr darunter und fühle mich oft unwohl unter Menschen. Bei jeder Anstrengung geht das los und der Schweiß läuft mir am Kopf runter. Egal, ob ich putze, mit dem Hund spazieren gehe oder auch einkaufen gehe. Sogar bei einer Außentemperatur von unter 20 Grad fange ich an zu schwitzen. Meine Haare sind dann richtig nass und ich möchte mich am liebsten verstecken. Ich habe dann immer das Gefühl, als ob ich die einzige auf der Welt wäre, die das Problem hat. Dabei stelle ich mir immer vor, wie die Leute mich angucken und sich ekeln. Es ist einfach nur schrecklich.
Ein Handtuch traue ich mich nicht mitzunehmen, weil es denn ja noch auffälliger ist. Ich versuche es im Verborgenen mit einem Taschentuch, was natürlich nicht so gut funktioniert.
Ich war auch schon bei einigen Ärzten deswegen, aber alle meinten, dass alles in Ordnung wäre. Aber ich weiß, dass dies nicht so ist.
Eigentlich bin ich ein fröhlicher Mensch und liebe es, mit anderen Menschen zu lachen, aber durch diese Problematik bin ich ruhiger und nachdenklicher geworden und ziehe mich oft zurück. Ich möchte meinen Anblick den anderen Leuten ersparen.
Nun bin ich aber froh, dieses Forum entdeckt zu haben und das es noch mehr Leute gibt, mit den gleichen Problemen. Das baut wieder ein bisschen auf. Vielleicht kommt man so ins Gespräch und kann sich wunderbar austauschen. Ich freue mich darauf.

Liebe Grüße

19.06.2021 12:42 • #3


esläuftundläuft
Hallöchen Wanda,
die psychischen Komplexe, Gedanken, Ängste, die du beschreibst hätte ich quasi selbst schreiben können. Bis auf den Kontext 1zu1 die typischen Hyperhidrose Gedanken. Ich versuche es mal kurz zu halten mit der Vorgeschichte: Angefangen hat es bei mir ganz klassisch mit ca. 11-13, am Anfang der Pubertät. Ich habe es das erste mal in der Schule gemerkt, nachdem ohne jegliche Anstrengung, die Achseln komplett nass waren. Als ich dann das erste mal von Klassenkameraden darauf hingewiesen wurde (sehr unschöne Erfahrung), habe ich das beobachtet und über das Internet bin ich dann im Laufe der Jahre auf meine Eigendiagnose einer primären fokalen Hyperhidrose gekommen. Vor allem betroffen sind Hände, Füße und Achseln. Der Kopf kam im Sommer natürlich auch dazu Die Folge waren immer ein langes Oberteil/Pulli, panische Angst vor jeglichen Interaktion mit anderen Menschen, über die Hände...Generell hat sich über die Jahre eine Soziophobie und extreme Berührungsangst entwickelt, vor allem was näheren sexuellen Kontakt angeht. In den letzten Jahren auch extremes Schwitzen an Achseln Händen, Kopf (die Füße sind eh immer nass ),bei kleinsten Temperaturänderungen, von Bewegung zu Ruhe, emotionale Änderungen... Ich habe im Sommer ca. 2012/13, als es mal besonders schlimm war, versucht meiner Mutter zu erzählen. Bis dahin war ich psychisch schon komplett zugemauert, habe es nie jemandem erzählt und die ständigen dämlichen Fragen, warum man schwitzt, warum man die "falschen" Klamotten zur "falschen" Jahreszeit/Temperatur trägt, einfach still in mich rein gefressen. Sie zu fragen und ihr die Thematik zu erklären hat mich sehr viel Überwindung gekostet. Geantwortet hat sie, dass schwitzen im Sommer normal ist und dass ich mir keine Sorgen machen soll. Danach war das Ding mit der Kommunikation, mit jeglichen anderen Menschen für mich durch. Für ein Kind, mit einer HH und den daraus resultierenden Problemen, ist das zu 100% die falsche Antwort, von der größten Bezugsperson. Ich brauche die ganzen Beispiele für peinliche Situationen, Angstzuständen im Alltag...nicht im Detail erzählen, du kannst dir das gut vorstellen, da bin ich mir sicher. Ich habe alles was mir im Zusammenhang damit passiert ist immer nur in mich reingefressen und "begraben", ab und zu mal ein Antitranspirant probiert und so die Jahre überdauert. Ich konnte mich immer ganz gut mit meinen Leidenschaften, erste Sahne Freunden, halbwegs erträglichen Familie, vor einer Konfrontation mit der HH ablenken. Jetzt rede/schreibe ich eigentlich das erste mal nach 10 Jahren darüber

Was mir geholfen hat:
AHC Antitranspirant forte und Antihydral (am besten mal googeln und Erfahrungsberichte lesen). Keine Ahnung inwiefern das hier im Forum ein Problem ist aber ich möchte hier wirklich keine Werbung machen. Ich muss aber sagen, was für mich zu einem erträglicheren Leben geführt hat. Ich nutze die beiden Sachen erst in den letzten Wochen wieder vermehrt und die Wirkung kommt langsam. Schweißreduktion an den Händen und Achseln funktioniert, Füße habe ich noch nicht probiert. Für den Kopf ist Antihydral eher nicht, weil das die Haut schon merklich belastet/angreift/austrocknet. Das AHC (vielleicht erstmal die grüne/leichte Version probieren) könnte bei deinem Wasserschädel sicher funktionieren ;D
Ansonsten jegliche Salbeitee/Salbeiextrakte helfen, wenn auch nur gering. Auf "Stark gegen Schwitzen/ Das neutrale Aufklärungsportal" kannst du dich auch mal belesen, da werden einige Therapiemöglichkeiten/Hausmittel erklärt.
Abseits von den gängigen Therapien, nutze ich seit Jahren Canna. zur psychischen/körperlichen Entspannung. Das brauche ich ja erstmal nicht weiter ausführen ^^ Zu einem Arzt habe ich mich damit leider noch nicht getraut, in Deutschland auch nahezu unmöglich da irgendwie kompetente, EMPHATISCHE Ärzte zu finden, die offen und informiert gegenüber dem Gebrauch von medizinischem Canna. sind. Bei deiner "Karriere" körperlicher Leiden, finde ich es aber um Weiten naheliegender, mal mit einem Arzt darüber zu reden, falls dich sowas überhaupt interessiert Ich und das Internet stehen auch für Fragen offen.

Was mir noch weitaus mehr geholfen hat und das habe ich erst mit den Jahren gelernt, ist die Kopfarbeit. Selbstakzeptanz, das Leben nehmen, wie es ist. Muddi Natur ist halt manchmal launisch und wir können alle nur versuchen, das beste draus zu machen. Ich will/kann aus deinen Zeilen nicht deinen aktuellen emotionalen Zustand rauslesen aber lass dir meine Kurzgeschichte ein abschreckendes Beispiel sein und rede mit Menschen über deine Gefühle. Wenn nicht im realen Leben dann tut es das Forum sicher auch
Ein Dermatologe wäre auch eine gut Anlaufstelle. Aber am wichtigsten ist, dass du weiterhin nüchtern akzeptieren musst, wie es ist, ganz ohne Schuldzuweisung oder Wut...versuch irgendwie die Emotionen rauszunehmen, wenn dich wieder so eine Schwitzattacke packt. Hört sich blöd an so ein "Tip" und das hat bei mir auch erst mit der Zeit geklappt aber es funktioniert. Wenn du dich seelisch auf eine ruhige stabile Ebene begibst, wird das mit Sicherheit Auswirkungen auf das Schwitzen haben. Ich selbst, habe mich Jahre lang vor der Tatsache versteckt, dass mein psychischer Zustand, maßgeblich für die aktuelle Stärke des Schwitzens mitverantwortlich ist. Wenn du wieder so eine Schwitzattacke hast, verstärken der psychische Teufelskreis in den man sich dann begibt und das emotionale Wirrwarr, das Ganze extrem. Schwitzen-Angst vor den Blicken anderen-Peinlichkeitsgefühl-körperlich/geistiger Stress-mehr Schwitzen-keine Besserung der Situation in Sicht-mehr Stress-mehr Schwitzen...du kennst es wahrscheinlich. Verstehen musst du aber auch, dass es komplett irrelevant ist, was andere Menschen von deinem Schweiß denken. Menschen denken jeden Tag tausende von Dingen und du hast nicht den Hauch einer Chance, einem von denen in den Kopf zu blicken. Deshalb weißt du auch nicht, was diese Menschen denken, auch wenn du das glaubst. Und deshalb musst du dir jedes mal wenn du wieder in einer Schwitzattacke bist und darüber nachdenkst, was anderen Menschen denken, selbst sagen wie absurd das ist Ganz rational betrachtet trägt es einfach nicht zu deiner Situation bei, was andere Menschen denken, wenn es mal wieder suppt.

Ich hoffe du steigst irgendwie durch meine Gedanken durch und die teilweise Sauklaue ist verständlich. Die anderen hier sollen sich natürlich auch gerne angesprochen fühlen aber in so Foren sind die Leute nach ein paar Monaten meist inaktiv, deshalb habe ich mal die Wanda angesprochen,
Beste Grüße

22.06.2021 18:44 • x 1 #4


WandaDetroit
Vielen lieben Dank für deine ehrlichen Worte. Ich kann dich sehr gut verstehen, was deine Geschichte angeht. Vieles deckt sich mit meiner Situation.
Ich werde mir ein paar Tipps von dir mal anschauen bzw. erlesen. Vielleicht ist da ja auch etwas für mich dabei.
Die Dinge, die du geschildert hast, dass man sich von Gedanken anderer frei machen soll, klingt auf jeden Fall logisch. Nur leider bin ich da noch nicht soweit, da mein Selbstbewusstsein nicht gerade das Beste im Moment ist. Das braucht noch Zeit.
Vielleicht bleiben wir in Kontakt und tauschen uns mal aus. Ich würde mich freuen.

Liebe Grüße
Wanda

23.06.2021 21:41 • #5




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