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MaKaZen
Zitat von moo:
Wirken und Erleben sind zwei verschiedene Seiten der einen Medaille. Wir nennen diese Medaille "Ich".

Mein "Ich" kann auch sehen und fühlen, was ein anderer erlebt und bewirkt. Das "Du" und das "Ich" sind genauso zwei Seiten der Medaille. Ich empfinde mein "Ich" mehr so als Puzzle-Teil des grossen Ganzen. Ohne ein "Ich" oder ein "Du" gäbe es keine Vergangenheit, keine Zukunft, keine Gegenwart und keine Zeitlosigkeit. Daraus folgt, wir können nur gemeinsam wachsen oder vergehen, weil alles verbunden ist und auch nicht. Smile

#141


hereingeschneit
Gegenwart

Zitat von moo:
Wer gegenwärtig ist, ist voll im Hier und Jetzt, heißt es.
Wo bzw. in welchem Zustand ist dann jener, der nicht gegenwärtig ist?

Das ist eine gute Frage. Was meint man denn immer mit gegenwärtig sein, in der Gegenwart leben?
Weil im Prinzip ist das ja gar nicht möglich, nicht in ihr zu leben. Gegenwart ist immer, in jedem Moment und dennoch wird behauptet, wir leben nicht in dieser.

Zitat von moo:
Wirken und Erleben sind zwei verschiedene Seiten der einen Medaille.

Ich denke, dass es auf das Verhältnis ankommt, auf welcher Seite wir uns mehr befinden. Vermutlich ist die Erlebensseite das, was man mit gegenwärtig meint.

Was verbinde ich mit welcher Seite?

Das Wirken sind unsere Gedanken
Wir leben in der Vergangenheit, wenn wir uns erinnern. Wir können uns nur über unsere Gedanken erinnern. Keine Gedanken, kein abgleichen oder keine willentlich herbeigeführte Wiederholung der Gefühle möglich.
Wir leben in der Zukunft wenn wir mit unseren Gedanken diese gestalten. Wir planen, gestalten, philosophieren, phantasieren..., wir malen uns verschiedene Szenarien aus. Auch Dinge, wo wir wissen, dass sie so nie eintreten können, würde ich darunter einordnen. Es ist einfach eine Gedankenwelt, die nur in unserem Kopf stattfindet. Ob es irgendwann mal so kommt oder nicht, ist dabei nicht wichtig, denn wir leben nicht im Hier und Jetzt, sondern irgendwo.

Warum wirken? Weil wir uns mit unseren Gedanken in eine bestimmte Stimmung versetzen, bewusst oder unbewusst. Wir wirken auf uns selber, auf unsere Gefühle ein.


Das Erleben ist unsere Wahrnehmung
Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen (hab ich was vergessen?) Das funktioniert nur, wenn im Kopf Stille ist. Man meint, dass man es auch gleichzeitig kann, aber der Wechsel der Seiten kann so schnell vonstatten gehen, dass wir den Eindruck haben, dass man es gleichzeitig macht, aber ich bin mir sicher, es ist nicht so.
Wenn wir eine Blume sehen und denken - oh wie schön, dann liegt zwischen dem Sehen, dem Wahrnehmen der Blume und den Gedanken dazu, eine Pause (und wenn sie noch so kurz ist). Das ist nicht gleichzeitig.

Im Grunde genommen nehmen wir irgendwas wahr und sofort sortieren wir das gedanklich gleich irgendwo ein. Bewerten es, stecken es in eine Schublade....., anstatt mal einfach in dieser Wahrnehmung zu bleiben. Und so wechseln wir fortlaufend zwischen den beiden Seiten.

Die Momente, wo in meinem Kopf Stille herrscht, die sind sehr kurz, fast nicht wahrnehmbar, da muss man sich echt darauf fokussieren, damit man sie überhaupt bemerken kann. Daher ist bei mir die Wirkungsseite (was nichts über die Qualität dieser aussagt) dominant. Und ich denke, dass dies bei den meisten so ist.

Gegenwärtig bedeutet für mich also, dass man sich Zeit nimmt für das Erleben, für das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Beobachten... Nicht indem man es bewertet, sortiert, einordnet, sondern einfach nur wahrnimmt.
Man kann auch sagen: Man lässt das außen auf sich wirken. Man wirkt nicht selbst (also keine Gedanken), sondern gibt sich dem hin was ist.

Je stiller es im Kopf ist, umso gegenwärtiger sind wir.

x 1 #142


A


Sammelthread Kontemplationen für individuelle Probleme

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hereingeschneit
Mein Feind, der keiner ist, weil er keine Macht hat

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten und somit hat jeder von uns einen eigenen Schatten. Je nach Lichtquelle ist er manchmal kaum zu sehen oder riesig groß, aber er ist immer da, ob wir das wollen oder nicht.
Wir können vor dem Schatten nicht wegrennen, können uns nicht verstecken, können ihn nicht bekämpfen, ihn austricksen oder was auch immer. Egal wie sehr wir uns bemühen, es wird keinen Sinn machen, wir werden ihn nicht los.
Aber, das müssen wir auch nicht, weil der Schatten uns auch nichts tut. Er greift uns nicht an, er beißt nicht, er kratzt nicht, er stellt uns kein Bein und er manipuliert uns nicht. Er ist uns auch nicht böse, wenn wir ihn vernichten oder verletzen wollen, oder ihn loshaben wollen. Es ist ihm schlicht und einfach egal, er ist einfach nur da. Das aber ständig, hartnäckig und unnachgiebig.

Die allermeiste Zeit im Leben beachten wir ihn gar nicht. Wenn wir wollen, können wir ihn betrachten und auch seine Form verändern, indem wir uns bewusst bewegen oder Stellungen einnehmen, damit der Schatten ein Bild ergibt, das uns gefällt.
Haben wir uns damit genug beschäftigt, dann wenden wir uns wieder anderen Dingen zu und beachten den Schatten nicht weiter, eben weil wir wissen, dass er keine Macht über uns hat, sondern einfach nur da ist, ob wir ihn beachten oder nicht.

Ich glaube, dass es sich mit unseren Gedanken genau so verhält. Nur dass man den Schatten mit den Augen wahrnimmt und Gedanken hörend. Ob wir wollen oder nicht, Gedanken sind immer da. Wir können vor ihnen nicht flüchten, können sie nicht bekämpfen und können uns vor ihnen nicht verstecken. Doch auch sie haben keine Macht über uns.

Um sich das zu verdeutlichen, kann man sich jetzt Beispiele ausdenken und dann auf den Schatten übertragen.

Z. B. Ich will den und den Gedanken nicht haben, deshalb versuche ich ihn zu ignorieren.
Mache ich das mit dem Schatten, dann muss ich ihn immer im Blick haben um mich abwenden zu können.
Wenn ich die Gedanken bekämpfen möchte, indem ich mit ihnen streite – haut ab, lasst mich in Ruhe, ich will euch nicht mehr hören….
Dann ist das beim Schatten, wie wenn ich auf ihn rum trample, ihn schlage, versuche ihn auszutricksen.

Wenn ich meinen Gedanken glaube und keinen Zweifel zulasse und mich somit danach richte und auch fühle, dann ist das so, wie wenn mein Schatten den Weg bestimmt, also ich immer in die Richtung laufe, in die er gerade zeigt.

Ich finde es einfacher zu sehen, was es mit einem macht, wenn man sich das mit dem Schatten bewusst macht. Renne ich vor meinem Schatten eine Stunde lang weg, dann bin ich außer Puste, brauche Pause…. Wenn ich auf ihn einschlage, tut mir die Hand weh, weil ich nur den Hintergrund schlage, auf den er fällt.

Es kommt also sehr darauf an, wie ich den Schatten sehe. Habe ich Angst vor ihm, so dass ich flüchten oder kämpfen möchte, oder habe ich Freude an ihm, weil er mir schöne Muster macht und meine Phantasie anregt und mir sogar die Möglichkeit gibt, ihn umzuformen, bis zu einem gewissen Grad.
Dem Schatten selbst ist es egal, er ist einfach.

Ich glaube die Gedanken sich auch einfach. Ein Radio im Hintergrund, das man einfach nicht ausmachen kann. Wir haben nur die Möglichkeit ein bisschen am Sender und der Lautstärke zu drehen. Aber im Endeffekt ist es egal, ob wir das tun oder nicht, es wäre nur wichtig zu akzeptieren, dass wir das Radio nicht abstellen können. Über das Radio denken wir ständig nach, über den Schatten nicht. Ich bin mir inzwischen aber sicher, dass unsere Gedanken keine Macht über uns haben, sondern einfach nur da sind, so wie der Schatten.

Diese Sicherheit muss nur noch in der Bewusstheit ankommen.

x 2 #143


M
Kontemplation von Sinneseindrücken

Früh am Morgen. Langsam verflüchtigt sich der Schlaf. Der erste Zug fährt vorbei. Die Männer von der Müllabfuhr leeren die Tonnen aus. Vögel pfeifen. Die Wärme Deines Körpers. Die Weichheit der Bettdecke. Der ein oder andere Schmerz:

Das "Ich" erwacht.

Vielleicht ist es Dir - vor allem morgens direkt nach dem Erwachen - schon mal passiert, dass zwar ein Geräusch da war, aber der Geist hat es nicht zugeordnet. Es war noch keine Mülltonne, die ausgeleert wurde, sondern lediglich ein "RatataDockZoschRatatak". Die "Vögel" sangen noch nicht, sondern lediglich der Klang dessen, was Du gemeinhin als Vogelgesang interpretierst, war da. Da war Wärme, aber noch nicht mein Körper, der warm "ist". Da war die Mischung aus Unangenehmem, aber noch nicht mein Schmerz.

Ganz eigentlich war da aber auch noch gar kein "Klang", keine "Wärme", nichts "Unangenehmes".
Es war einfach so.

Gemeinhin übergeht man solch meist kurze Augenblicke. Man wird irgendwann "richtig" wach. Und meint eigentlich damit, dass das Ich, das Ego sich einklinkt - in die Welt, in das Erleben. Man ist wieder "da". Und damit "die Welt".

Wenn man derlei Erlebnisse mal nicht als dysfunktionales Übergangsstadium abtut sondern festhält, dass es quasi einen Modus des "Erlebens ohne Erleber" gibt, könnte man daraus für den "Alltagsmodus" (nämlich: "Ich in der/meiner Welt") bemerkenswerte Schlüsse ableiten.

Bleiben wir bei dem Beispiel des vorbeifahrenden Morgenzuges. Dieses Geräusch, das (vermeintlich!) wir wahrnehmen, besteht (also: "existiert") nicht aus sich heraus. Es kam durch Abhängigkeiten zustande: "Räder" aus "Stahl" berühren in einer wiederum abhängigen Bewegung "Gleise" und "erzeugen" das sogenannte Geräusch. Wir nennen diese Verbindung von Abhängigkeiten zwar "ein Zug fährt vorbei" aber bei genauer Hinsicht müssen wir zugeben, dass dies reine Interpretation ist, eine höchst ungenaue Vereinfachung.

Dies gilt letztendlich für alle Sinneseindrücke: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Berühren - und - Denken. Denn jeglicher Gedanke speist sich im Endeffekt aus den fünf Sinneseindrücken.

Man könnte es eigentlich dabei belassen. Doch wenn da Sinneseindrücke sind, muss doch auch "jemand" da "sein", der diese "erlebt"!

Ist das so?

Wir haben uns auf das Prinzip "Subjekt und Objekt", also "Ich und Welt" bzw. "Erleber und Erlebtes" geeinigt. Unser aller Leben findet zu nahezu 100% in diesem Modus statt. Und dieser Modus wird gemeinhin auch nicht hinterfragt. Zurecht kann man ihn "ego-zentrisches Weltbild" nennen: Ein "Ich" um das sich "Alles" dreht.

Im Alltag hat dieser Modus durchaus seinen Sinn. Doch vergessen wir zumeist, dass wir uns daduch eigentlich stets nicht der Realität entsprechend verhalten. Das was wir im Alltagsmodus als Realität verstehen, ist letzten Endes lediglich eine "Benutzeroberfläche".

Wie bei jeder aufrechterhaltenen Verkennung der Tatsachen bedarf es einer Schutzfunktion, um die Ignoranz aufrecht zu erhalten. Die Vorstellung, dass "Ich" eigentlich ein Konstrukt ist, dem bei genauer Hinsicht jeglicher "Halt", jegliches "Fundament" fehlt - macht dem Ego Angst. Die Schutzfunktion besteht darin, ununterbrochen anhand der Benennung und Bewertung von Sinneseindrücken das Ego zu bestätigen: "Ich erlebe, also bin ich." "Ich denke, also bin ich."

Die Vorstellung, "Ich" sei eine Illusion - ist notwendigerweise unvorstellbar.

In der Kontemplation von Sinneseindrücken liegt die Möglichkeit, unsere verfestigte Fehlinterpretation von "Realität" aufzuweichen.

Eine sehr wirkmächtige Kontemplationsvariante wäre,

Gesehenes nur als Gesehenes,
Gehörtes nur als Gehörtes,
Gerochenes nur als Gerochenes,
Geschmecktes nur als Geschmecktes,
Berührtes nur als Berührtes und
Gedachtes nur als Gedachtes

zu verstehen. Wir bleiben bewusst da stehen, wo normalerweise das Benennen (und in der Folge das Bewerten) stattfindet. Das hört sich einfach an, ist aber nicht leicht... Es kann helfen, wenn man als "Überschrift" stets bedenkt: "Nur so..." Durch diese Phrase lässt man die Dinge "lose" anstatt sie später "loslassen" zu müssen: Man vermeint nicht.

So kann man in der Kontemplation gezielt mit einem Sinneseindruck arbeiten (z. B. einem Geräusch) und sich nach und nach auf die anderen Sinne sowie Gedanken verlagern.

Je nach Veranlagung kann auch eine andere Kontemplationsvariante versucht werden: Den Dingen auf den Grund gehen. Hierbei wird, wie oben bei dem Eisenbahngeräusch bereits grob angerissen, quellenorientiert vorgegangen. Wir suchen nach dem Ursprung z. B. des Geräuschs. Dabei werden wir feststellen, dass es letztendlich keinen "anfangsgültigen" Ursprung gibt. Jegliche Gegebenheit ist abhängig von.... Wären die Räder der Eisenbahn nicht rund, könnten sie nicht rollen, wäre keine Bewegung da, gäbe es keine Reibung usw. Auch das Hören wäre ohne Ohr, ohne Hörbewusstsein etc. nicht möglich.

Man wird dabei schnell feststellen, dass unser gesamtes "Erlebensmaterial" abhängig ist von wiederum Abhängigem.

Beide Kontemplationsvarianten führen logischerweise zu einer gewissen Ernüchterung. Sie lassen das was wir normalerweise als "unsere Welt" erleben, ein Stück weit uninteressanter, reizloser erscheinen. Wir blicken ein Stück weit "hinter die Fassade".

Der nächste Schritt, der jedoch in Worten schwierig zu beschreiben ist, ist das aus dieser Kontemplationspraxis resultierende Abschwächen der Persönlichkeits(an)sicht. "Ich" und "Mein", "Du und "Dein" werden verhandelbarer. Mit dem Erkennen der wahren Realität der Objekte muss notwendigerweise auch ein Erahnen der Realität des Subjektes einhergehen.

x 2 #144


hereingeschneit
Meine spontanen Gedanken dazu:

Wir hier auf Erden haben einen Körper und Wahrnehmungsmöglichkeiten wie sehen, hören, riechen... bekommen. Auch die Gedanken sind ein Teil von uns, wie die Arme, Beine.... Das Ich besteht also aus ganz vielen Teilen.

Wenn ich (das Ego = die Gedanken) also etwas erleben möchte (um an der Welt teilzunehmen), dann muss ich? mich selbst mit einem Teil von mir verbinden, es wahrnehmen. Dann muss ich? mich auf dessen Ebene begeben. Wenn ich Wärme spüren möchte, dann muss ich mich auf mein Gefühl achten, wenn ich Musik hören möchte, dann muss ich mein Gehör aktivieren.

Ich? bin nicht mein Körper, meine Gedanken und meine Gefühle, aber ich kann mich mit ihnen verbinden, so dass ein Ich (Ego) entsteht.

Das Ego ist also abhängig von meiner Bereitschaft ihn als ein Teil von mir anzuerkennen, sowie ich bereit bin meinen Körper anzuerkennen. (Oder auch nicht, wir haben diese Teile jetzt halt einfach).

Es geht wohl darum, aus diesen vielen einzelnen Teilen, die mich ausmachen, eine Einheit zu machen, so dass man sich nicht getrennt, sondern als eins fühlt. Das funktioniert nur, wenn man alles an sich annimmt.

Mein Fazit:
Das Erleben ist abhängig vom Riechen, Schmecken, Fühlen, Hören, Spüren und ja, auch vom Denken. Wenn wir nicht darüber nachdenken, nicht einordnen, dann gibt es kein Erleben, dann gibt es kein Geräusch, keinen Geschmack.... sondern nur so.

Solange ich also irgendwas erleben möchte, irgendwas mit anderen teilen möchte, mich austauschen möchte, solange ist das Ego von uns getrennt. 🤔

Ich lass das jetzt einfach mal so stehen. Das war einfach spontan und nicht tiefer gegangen (oder doch?). Alles weitere würde nur mein Ego für wichtig erachten (also das tiefer gehen, das genaue wissen wollen, die Abhängigkeiten aufdecken wollen...)

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Feuerschale
@moo gute klare Zusammenfassung, vielen Dank 👍

Wie Kausalketten ernüchtern, das hab ich selbst noch nicht so ganz klar.

Ist auf jeden Fall mal eine Kontemplationsübung für mich, über die Abhängigkeiten.

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