2

Das ist bei genauer Betrachtung allerdings sehr wahr.

Bis auf die wenigen Zwänge die uns die Biologie vorgibt
(atmen, essen, Essen entsorgen, sterben) können wir
uns allen sonstigen Zwängen, per freien Willensentscheid-
ung, vollkommen entziehen.

PS: In einer gewissen Weise tue ich das sogar zunehmend.

14.08.2012 19:11 • #41


So lange angst da ist, ist man nicht frei.
Wo angst ist, ist keine liebe und wo keine liebe ist, ist angst.

Das video hilft!
Gestern habe ich folge 5 bis 10 geschaut. heute früh aufgewacht, ist das übliche zittern ausgeblieben. der raum ist warm, hell und still gewesen. und ich bin gerne aufgestanden.

In zwei wochen wieder.
Probiert das auch.

14.08.2012 20:49 • #42


Zitat von Nyan:
So lange angst da ist, ist man nicht frei.
Wo angst ist, ist keine liebe und wo keine liebe ist, ist angst.

Diese Aussage erscheint mir nicht gerade wahr zu sein
Frei zu sein bedeutet doch nicht, dass man absolut keine Ängste mehr hätte. Es bedeutet doch nur, dass man mit seinen Ängsten so gelassen umgehen kann, dass sie einen zwar beraten aber grundsätzlich nicht behindern - jeder normale Mensch hat doch irgendwelche Ängste.
Angst und Liebe schließen sich grundsätzlich meines Wissens auch nicht gegenseitig aus, sie können sich sogar gegenseitig positiv beeinflussen. Es ist beispielsweise ein erstaunlich gutes und aufbauendes Gefühl, wenn man sich sogar trotz der Ängste selbst "lieben" gelernt hat.
Diese Aussage erscheint mir wie eine dieser für Betroffene typischen Aussagen, wonach sinngemäß das Ziel nur die absolute Angstfreiheit sein kann - was allerdings dann nur ein unerreichbares Ideal ist, und eigentlich nur die Angst vor der Angst kennzeichnet.

Es ist nur leider so, dass die meisten Betroffenen nicht glauben, dass man sich mit seinen Ängsten akzeptieren oder sogar lieben könnte. Letztlich ist Angst aber genau wie alle anderen unserer Gefühle, nur ein vom Unterbewusstsein (warum auch immer ) ausgelöstes Gefühl, mit einer mehr oder weniger starken körperlichen Reaktion - nicht mehr und nicht weniger. Erst unser Verstand bewertet dieses Gefühl und macht daraus beispielsweise etwas was man ablehnen/hassen oder etwas was man annehmen/lieben kann.
So kann beispielsweise die Angst und Angstreaktionen während einer Angstattacke als schrecklich empfunden werden, wohingegen eigentlich recht ähnliche Ängste und Angstreaktionen während eines Horrorfilms als toll empfunden werden können.

Ich hätte die beiden obigen Sätze wohl eher so formuliert:
Solange man seine Ängste fürchtet (ablehnt), ist man nicht freit.
Wo Angst und Ablehnung (keine Akzeptanz) ist, da ist auch keine Liebe und wo keine Liebe ist, da ist Ablehnung und Angst .


Ich finde die Videos auch sehr gut, auch wenn ich persönlich nichts neues darin gefunden habe - was aber auch daran liegt, dass panische Angstattacken kein Problem mehr für mich darstellen, auch wenn ich diese immer noch hin und wieder erlebe .

15.08.2012 09:04 • #43


Hallo Avalon,
Zitat von Avalon:
Frei zu sein bedeutet doch nicht, dass man absolut keine Ängste mehr hätte. Es bedeutet doch nur, dass man mit seinen Ängsten so gelassen umgehen kann, dass sie einen zwar beraten aber grundsätzlich nicht behindern - jeder normale Mensch hat doch irgendwelche Ängste.

sicher richtig, aber sind ängste, die weder gedanken noch handlungen beeinflussen, überhaupt noch ängste? wie würden sie sich äußern? ein profanes beispiel: man hat angst ins tiefe wasser zu gehen, dann lernt man schwimmen und schwimmt ohne angst zu haben im tiefen wasser. ist die angst dann immer noch da? wohl eher eine überlegung: ich schwimme jetzt im tiefen wasser, und weil ich ein schwimmer bin, kann mir unter normalen umständen nichts passieren.

Zitat:
Diese Aussage erscheint mir wie eine dieser für Betroffene typischen Aussagen, wonach sinngemäß das Ziel nur die absolute Angstfreiheit sein kann - was allerdings dann nur ein unerreichbares Ideal ist, und eigentlich nur die Angst vor der Angst kennzeichnet.

Die akzeptanz ist vielleicht der weg zum frei davon zu sein. wie siehst du das?

Zitat:
Ich hätte die beiden obigen Sätze wohl eher so formuliert:
Solange man seine Ängste fürchtet (ablehnt), ist man nicht frei.
Wo Angst und Ablehnung (keine Akzeptanz) ist, da ist auch keine Liebe und wo keine Liebe ist, da ist Ablehnung und Angst .

Kann man so auch sehen, im gewissen sinne ist ablehnung/abwehr der auslöser. durch sie entsteht angst und hass. aber was freiheit ist, das müssten wir erst definieren. darunter stellt sich sicher jeder etwas anderes vor.

Zitat:
Ich finde die Videos auch sehr gut, auch wenn ich persönlich nichts neues darin gefunden habe

ok, für mich kam ab folge 5 viel neues dazu, der umgang mit erinnerungen und auch die vielseitigkeit bei der auswahl der aspekte, die bezüglich der thematik angesprochen wurden. - tausende von angstbüchern habe ich auch selbst gar nicht gelesen....

15.08.2012 21:33 • #44


Zitat von Nyan:
Zitat von Avalon:
Frei zu sein bedeutet doch nicht, dass man absolut keine Ängste mehr hätte. Es bedeutet doch nur, dass man mit seinen Ängsten so gelassen umgehen kann, dass sie einen zwar beraten aber grundsätzlich nicht behindern - jeder normale Mensch hat doch irgendwelche Ängste.

sicher richtig, aber sind ängste, die weder gedanken noch handlungen beeinflussen, überhaupt noch ängste? wie würden sie sich äußern? ein profanes beispiel: man hat angst ins tiefe wasser zu gehen, dann lernt man schwimmen und schwimmt ohne angst zu haben im tiefen wasser. ist die angst dann immer noch da? wohl eher eine überlegung: ich schwimme jetzt im tiefen wasser, und weil ich ein schwimmer bin, kann mir unter normalen umständen nichts passieren.

Nur weil eine Angst weder Gedanken noch Handlungen beeinflusst, bedeutet dies nicht, dass sie nicht mehr vorhanden wäre.
Ängste sind eigentlich nichts anderes als eine Bewältigungsstrategie für ein Problem, die unser Unterbewusstsein irgendwann als sinnvoll gespeichert hat. Wenn man nicht schwimmen kann, dann ist es eine gute Lösung, wenn man Angst vor tiefem Wasser hat - besonders wenn man damit schon ein unangenehmes Erlebnis hatte.
Wenn man schwimmen lernt, dann lernt man für dieses Problem auch wieder eine neue Bewältigungsstrategie, die aber erst die alte ersetzt, wenn man dies ausreichend oft geübt hat und sich damit gefühlsmäßig bewiesen hat, dass die neue Bewältigungsstrategie besser für dieses Problem geeignet ist. Die Angst ist somit als Bewältigungsstrategie nicht mehr notwendig, aber weil diese Strategie vorher so gut funktioniert hat wird sie nicht einfach gelöscht oder überschrieben, zumal das Gehirn solche gelernten Verhaltensweisen nicht einfach vergessen kann. Grundsätzlich bleibt jede einmal erlernte Bewältigungsstrategie für den Rest des Lebens im Gehirn erhalten, um sie im Notfall einsetzen zu können.
Unter gewissen Umständen kann es also dann dazu kommen, dass die zweite Bewältigungsstrategie nicht optimal als Lösung funktioniert, so dass eine unangenehme oder gefährliche Situation entsandten ist. Dies kann dann dazu führen, dass die alte Angst als Bewältigungsstrategie wieder aktiviert wird, so dass wieder eine gewisse Angst vor tiefem Wasser besteht, obwohl man weiß, dass man eigentlich gut genug schwimmen kann.
Somit kann man letztlich keine Angst verlernen, weil es irgendwann einmal für das Unterbewusstsein eine funktionierende und somit sinnvolle Bewältigungsstrategie darstellte. Dies zeigt sich beispielsweise auch daran, dass Ängste selbst nach vielen Jahren plötzlich wieder auftauchen können.
Die Gelassenheit dient nun dazu, dass man gefühlsmäßig dem Unterbewusstsein signalisiert, dass man die Angst als Bewältigungsstrategie nicht benötigt. Es ist leider so, dass das Unterbewusstsein nur auf Gefühle reagiert und mit höheren Gedanken nichts anfangen kann. So kommt es, dass man noch so viel über Ängste wissen kann und noch so sehr wissen kann, dass diese Ängste unsinnig sind, aber das Unterbewusstsein versteht dies nicht, weil es nur gefühlsmäßig denken kann. Gelassenheit ist aber ein Gefühl der Entspannung, welches das Unterbewusstsein interpretieren kann. Aus dem gleichen Grund funktioniert auch die Akzeptanz, die im Grunde auch nichts anderes als ein Gefühl der Entspannung darstellt.

Zitat von Nyan:
Zitat:
Diese Aussage erscheint mir wie eine dieser für Betroffene typischen Aussagen, wonach sinngemäß das Ziel nur die absolute Angstfreiheit sein kann - was allerdings dann nur ein unerreichbares Ideal ist, und eigentlich nur die Angst vor der Angst kennzeichnet.

Die akzeptanz ist vielleicht der weg zum frei davon zu sein. wie siehst du das?

Die Akzeptanz hat mir geholfen meine sehr schlimmen Angst bedingten Depressionen, meinen Selbsthass, meine extremen Minderwertigkeitsgefühle usw. zu überwinden und es hat mir sehr dabei geholfen meine sehr extremen Ängste und Angstreaktionen schon um gefühlte mindesten 80% abzubauen. Momentan hilft mir die bedingungslose Akzeptanz sogar dabei eine meiner schlimmsten Blockaden Schritt für Schritt anzugehen.
Die Akzeptanz ist somit nach meiner Erfahrung der Beste aller Wege, um die Ängste und vieles mehr zu überwinden - leider lässt sich dies so unendlich schwer anderen Betroffenen vermitteln, weil Akzeptanz eigentlich das genaue Gegenteil von dem Denken repräsentiert, was man als Betroffener bisher gewohnt ist .

Statt die Angst abzulehnen, wird die Angst akzeptiert
statt die Angst zu unterdrücken, wird sie zugelassen,
statt die Angst zu bekämpfen, wird Frieden mit ihr gemacht
statt die Angst zu hassen, wird sie liebevoll behandelt
statt vor der Angst davon zu laufen, geht man mit ausgestreckten Armen auf sie zu
statt mit der Angst destruktiv und negativ umzugehen, geht man konstruktiv und positiv mit ihr um.

Ich musste erst durch die tiefste Hölle meiner Psyche, um mir dann fast das Leben zu nehmen, bevor ich bereit war Akzeptanz als möglichen Weg zu akzeptieren, Es hat dann noch sehr lange gedauert, bis ich dann endlich die Akzeptanz verstanden habe und auch sinnvoll einsetzen konnte - daher verstehe ich völlig, dass andere Betroffene sich damit so schwer tun.

Zitat von Nyan:
Zitat:
Ich hätte die beiden obigen Sätze wohl eher so formuliert:
Solange man seine Ängste fürchtet (ablehnt), ist man nicht frei.
Wo Angst und Ablehnung (keine Akzeptanz) ist, da ist auch keine Liebe und wo keine Liebe ist, da ist Ablehnung und Angst .

Kann man so auch sehen, im gewissen sinne ist ablehnung/abwehr der auslöser. durch sie entsteht angst und hass. aber was freiheit ist, das müssten wir erst definieren. darunter stellt sich sicher jeder etwas anderes vor.

Ablehnung und Abwehr sind ganz klar die Auslöser der Angst, es sind beides Gefühle der Bedrohung, die unser Unterbewusstsein verstehen kann und mit der Angst als Bewältigungsstrategie verknüpfen kann.
Beispielsweise die körperliche Reaktion Hände zittern, was im Grunde eigentlich eine sehr harmlose Körperreaktion ist. Wenn man an Ängsten leidet, dann ist dies meist schon mal als ein Anzeichen für Angst erkannt worden. Da man aber die Angst fürchtet und ablehnt möchte man sie natürlich auch abwehren (unterdrücken). Dies alleine sorgt dann schon für eine Vielzahl von Gefühlen, die dem Unterbewusstsein Gefahr anzeigen, was dann wiederum die Angst als Bewältigungsstrategie aktiviert. Somit wird aus einer eigentlich harmlosen körperlichen Reaktion mit der Zeit ein kaum noch zu ertragenes Angstsymptom, welches zu weiteren Einschränkungen des Lebens und sehr viel Leidendsdruck führt. Am Ende steht ein tiefer Hass gegenüber sich selbst, der Angst und dem körperlichen Angstsymptom.
Würde der Betroffene aber mit Akzeptanz, Gelassenheit und Selbstliebe reagieren, dann würde die Angst als Bewältigungsstrategie anfänglich zwar noch geweckt werden, aber durch die vielen Gefühle der Entwarnung würde das Unterbewusstsein mit der Zeit lernen, dass das Zittern der Hände nichts schlimmes ist und die Angst als Bewältigungsstrategie nicht notwendig ist. Mit der Zeit kann dann sogar das Zittern der Hände, als Angstsymptom, völlig verschwinden oder es bleibt weiterhin vorhanden löst aber keine Angst mehr aus - eine Strategie, die ich bei allen meinen Angstsymptomen erfolgreich eingesetzt habe oder immer noch einsetze .

Ja, Freiheit ist schwer zu definieren, aber letztlich kann auch Freiheit Angst auslösen, wenn die Freiheit beispielsweise ein Gefühl der Orientierungslosigkeit auslöst. So kommt es, dass wir zwar in einer der freisten Gesellschaften der Welt leben, aber gleichzeitig die Angstprobleme der Menschen immer mehr zunehmen.

16.08.2012 00:08 • x 1 #45


Guten morgen:-)

Das
"Würde der Betroffene aber mit Akzeptanz, Gelassenheit und Selbstliebe reagieren, dann würde die Angst als Bewältigungsstrategie anfänglich zwar noch geweckt werden, aber durch die vielen Gefühle der Entwarnung würde das Unterbewusstsein mit der Zeit lernen, dass das Zittern der Hände nichts schlimmes ist und die Angst als Bewältigungsstrategie nicht notwendig ist."
ist interessant!
Aber wie genau macht man das?
Zb. bezogen auf meine Zungenschmerzen und meinem Zungenbrennen, was ich seit Dezember extrem habe und sehr drunter leide und eingeschränkt bin.

16.08.2012 08:19 • #46


Huhu

1. Sich selber MIT seinen Ängsten und allen Folgen akzeptieren

2. Die Angst so zu einem festen Bestandteil seines Lebens machen

3. Der feste Bestandteil des Lebens verliert seinen Besonderheitswert

4. Der Focus und die Aufmerksamkeit lenken sich so von der Angst weg

5. Die Angst verliert ihren Stellenwert (Macht) und wird zunehmend weniger

Immer wenn ich hier im Forum lese: "Ich/wir wollen unsere Angst besiegen",
dann habe ich das Bild von einem lebenslangen Krieg vor Augen. Und in einem
Krieg werden Ängste nicht weniger, im Gegenteil, sie nehmen stetig zu.

In meiner Jugendzeit gab es den kalten Krieg zwischen Ost und West.
Nukleare Aufrüstung und weltweite Angst vor einem Atomkrieg ...

Die Friedensbewegung hatte damals folgenden Satz geprägt:
"Stelle dir vor es ist Krieg und keiner geht hin"

Ich denke, dieser Satz könnte sich so auch auf unsere Ängste anwenden lassen.

Ganz liebe Grüsse, Der Beobachter

16.08.2012 12:21 • #47


Hi Qashqaimaus,
Zitat von Qashqaimaus:
Aber wie genau macht man das?
Zb. bezogen auf meine Zungenschmerzen und meinem Zungenbrennen, was ich seit Dezember extrem habe und sehr drunter leide und eingeschränkt bin.

Persönlich kenne ich Zungenschmerzen als Angstsymptomatik nicht, so dass es recht schwer ist darauf zu antworten.
Dann müsste natürlich auch erst abgeklärt werden, ob es sich dabei um ein echtes Angstsymptom handelt. Akzeptieren funktioniert grundsätzlich ja nur auf der psychischen Ebene, so dass man dann erst einmal genau die psychische Belastung kennen müsste.

16.08.2012 14:07 • #48


Ich kenne es auch nicht als psychisches bzw Angst symptom.
Aber scheinbar ist es das.vwar bei 2 Hno Ärzten, Neurologe, 2 Ärzten, und ambulant in der Hno Klinik...Alles ohne Befund....

16.08.2012 16:25 • #49


Unsere Amygdalla hat viel Phantasie wenn sie sich bei uns beschweren will ...

16.08.2012 16:33 • #50


Hi Qashqaimaus,
dabei kann es sich dann um eine psychosomatische Reaktion handeln

In diesem Video wird schön erklärt wie so eine psychosomatische Reaktion funktioniert (ca ab 00:06:00)

Dies zu verstehen kann beim Akzeptieren dann sehr helfen, weil man dann eher versteht warum man diese Reaktion hat und warum sie nicht so leicht verschwindet

16.08.2012 16:48 • #51


Hallo Avalon...
Zitat von Avalon:
Die Angst ist somit als Bewältigungsstrategie nicht mehr notwendig, aber weil diese Strategie vorher so gut funktioniert hat wird sie nicht einfach gelöscht oder überschrieben, zumal das Gehirn solche gelernten Verhaltensweisen nicht einfach vergessen kann. Grundsätzlich bleibt jede einmal erlernte Bewältigungsstrategie für den Rest des Lebens im Gehirn erhalten, um sie im Notfall einsetzen zu können.

Du schreibst, die strategie hat gut funktioniert, hättest du ein beispiel dafür?

Zitat:
Am Ende steht ein tiefer Hass gegenüber sich selbst, der Angst und dem körperlichen Angstsymptom.

Eine ausweglosigkeit, die so schmerzt, dass man eigentlich nur noch die selbstvernichtung als ausweg sieht - kenne ich auch. aber die erklärung ist ganz einfach - diesen druck macht das Über-Ich, dessen struktur im kleinkindalter in der interaktion mit den eltern entstanden ist, und das dann unter dem druck der gesellschaftlichen normen durch neue aspekte zu einer noch größeren instanz angewachsen ist. wir leben ja in einer existenziellen abhängigkeit von dieser gesellschaft, und der umstand an sich impliziert einen aspekt der desorientierung - wer oder was ist das eigentlich, wovon meine existenz abhängt? ein phantom. der arbeitgeber, der supermarkt an der ecke, der ehemann, der sozialarbeiter, der staat. eine anpassung muss her, und die bewirkt inneren druck, der einer heilung des kindlichen Über-Ich's im weg steht. es gibt in dem fall keine heilbringende verschnauffpause, in der eine umstrukurierung stattfinden könnte. darum ändert sich die kindliche bewältigungsstrategie nicht. und sie greift nicht. im erwachsenenleben kann nur das erwachsene Ich eine angemessene strategie entwickeln, die keine zitternde hände oder panikattacken zur folge hat. das alles ist möglich, und auch das alte, der situation nicht angepasste programm kann komplett neu überschrieben werden. einmal aufgelöstes problem bedeutet: kein problem mehr. darauf zielt jedes therapieverfahren ab.

Die gedanklichen teufelskreise, die du beschreibst, geschehen etwa anhand dieser grundlage: (situation) - sinnenreiz - wahrnehmung - gedanke (vergleich, assoziation) - gefühl - gedanken. in der trennung zwischen den zwei letzten gliedern der kette liegt unser handlungsspielraum. das résumé des vorgangs ist nämlich: eine assoziation löst gedankenströme aus, die fälschlich der vorliegenden situation zugeordnet werden, obwohl sie als gedanke und ebenfalls als das daraus entstehende gefühl eigentlich einem längst vergangenen vorfall zu verdanken ist. also ist die lösung das trennen des gefühls von dem nachfolgenden gedankenchaos. weil dieses auch wieder weitere negative gefühle auslöst usw. - ein kreis. das gefühl zulassen, die gedanken beobachten, nicht für wahr halten, und die ursachen finden - in der erinnerung. wenn ich verstehe, was in mir geschieht, habe ich keine angst mehr davon, und dann kann ich das an mir vorbei ziehen lassen.

Freiheit? - ist frei sein von alle dem, wenn das Ich nichts mehr diktiert...

16.08.2012 23:59 • #52


Hi Nyan,
Zitat von Nyan:
Du schreibst, die strategie hat gut funktioniert, hättest du ein beispiel dafür?

Mein aller erstes Angstsymptom, welches ich damals damit überwunden habe, war ein sehr unangenehmes Zucken am Auge.
Ich hatte bereits vorher mit dieser Technik an meinen Angst bedingten Depressionen gearbeitet, wodurch ich gelernt hatte, dass Körper und Psyche sich gegenseitig beeinflussen können.
Jedenfalls begann ich damals gerade erst unter diesem Zucken am Auge zu leiden, weil es nicht nur unangenehm und nervig war, sondern auch äußerlich für jeden sichtbar war.
Von meinen Depressionen hatte ich damals gelernt, dass ich grundsätzlich am Anfang nur an den kleinsten und jüngsten Symptomen arbeiten darf - besonders um die Erwartungen gering zu halten, die bei älteren und stärkeren Symptomen durch den enormen Leidensdruck unvermeidlich sind. Zudem hatte ich gelernt, dass ich immer nur an einem einzigen Symptom arbeiten darf und mich möglichst nur darauf konzentrieren muss. Dies hängt mit der bitteren Erfahrung zusammen, dass ich vorher immer eine schnelle Lösung für alle meine Probleme gesucht habe (meist irgend eine Strategie der Stärke), womit ich mich immer völlig überfordert habe und durch die entsprechenden Erwartungen immer sehr von mir enttäuscht war - was die Ängste usw. dann noch unüberwindlicher erscheinen ließ.

Dieses Angstsymptom bot sich daher an, um daran meine neue Bewältigungsstrategie zu erproben und weitere Erfahrungen zu sammeln.
Als erstes begann ich mit der Selbstakzeptanz, was bedeutete, dass ich dies als IST-Zustand so gut wie möglich zu akzeptieren lernte und somit auch zugelassen habe - was oft sehr schwer und nicht immer möglich war . Zum Akzeptieren gehört aber auch das Respektieren, so dass ich mich auch darin übte es zu respektieren, dass ich es eben nicht immer akzeptieren kann.
Ich sagte mir unzählige Male Sätze wie: "Es ist OK, dass es an meinem Auge zuckt" , "Es ist OK, dass ich so empfinde" ,wobei ich versuchte es gefühlsmäßig auch so zu meinen . Ich verwende besonders am Anfang bewusst auch vorübergehend Notlügen und andere Vermeidungsverhalten, wenn mir dies sinnvoll erscheint, besonders wenn es dann um weitere Ängste usw. geht, die ich noch längst nicht lösen könnte.

Von meinen Depressionen hatte ich damals gelernt, dass es sehr sinnvoll ist, sich selbst objektiver zu beobachten, wobei das betreffende Symptom möglichst neutral gesehen werden sollte. Ich stellte mir vor, wie ein wissenschaftlicher Beobachter dies wohl betrachten würde. Ziel ist dabei, dass man so objektiv wie möglich zu beobachten lernt, was da eigentlich genau passiert.
Dabei lernte ich, dass es durch den Angst bedingten Stress ausgelöst wurde, sich durch meine immer weiter verstärkte Wahrnehmung auf das "Problem" mir immer bewusster wurde und durch meine Angst vor dem Symptom immer mehr verstärkte, da dies wiederum den Stress verstärkte - ein Teufelskreis.
Nach dem mir dieser Zusammengang klar war achtete ich noch viel mehr darauf, dass ich dieses Problem akzeptierte, nicht unterdrückte und in solchen Momenten möglichst liebevoll mit mir umging und natürlich begann ich konstruktiv darüber nachdenken. Dazu gehörte auch, dass ich anfing mit dem Symptom zu "spielen", was so viel bedeutet, dass ich versuche es bewusst auszulösen, um es später dann bewusst abzusenken - ich unternahm nicht den Versuch es zu verhindern.
Somit hatte ich neben dem Stress bedingten Auslöser für das Zucken am Auge, auch die bewusste Fähigkeit zum auslösen entwickelt.
Ich verstand somit die Zusammenhänge, womit ich dann durch Gelassenheit anfangen konnte dieses Symptom zu vergessen. Ich achtete anfangs bewusst immer weniger darauf, in dem ich es zwar zur Kenntnis nahm, aber dann mich daran erinnerte, dass ich gelassen damit umgehen sollte. Mit der Zeit automatisierte sich dann dieser gelassene Umgang, so dass ich es immer weniger als Problem wahrnahm. In den kommenden Wochen tauchte das Zucken immer mal wieder auf und ich konnte es auch noch bewusst erzeugen, aber es wurde immer weniger. Irgendwann merkte ich dann, dass das Symptom nicht mehr auftrat und dass ich auch kaum noch in der Lage war dieses bewusst auszulösen.
Jahre später tauchte das Symptom noch ein einziges Mal auf, aber es war mir so egal geworden, dass es seit dem nie wieder aufgetreten ist. Ich kann es inzwischen auch nicht mehr bewusst auslösen, allerdings versuche ich es auch gar nicht

Ich hoffe, dass dieses einfache Beispiel halbwegs verständlich ist.
Für mich ist dies jedenfalls eine Bewältigungsstrategie geworden, die mir sogar bei hoch komplexen Ängste, wie der Angst vor Ablehnung, hilft diese Schritt für Schritt aufzulösen.

18.08.2012 10:08 • #53


Hallo Avalon,
die verzweiflung über den eigenen "unzulässigen" zustand bringt viel mehr leid als dieser allein verursacht, das ist wahr. angst allein kann ich nicht als eine strategie bezeichnen. was bewältigungsstrategien sind, wissen wir; die kindlichen denk- und handlungskonzepte, die im erwachsenenalter berechtigte und den meisten unbewusste zweifel über ihre wirksamkeit und ihre daseinsberechtigung mit sich bringen. scheinbar, u. a. in folge dessen entstehen (auch wieder berechtigte) ängste als symptome, die auf das psychische ungleichgewicht aufmerksam machen. der innere druck (konflikt) - hintergründe kann man den 3-Ich-Modellen bzw. dem konzept des Inneren richters entnehmen - gilt als ursache dieser sozialen unsicherheit.

Mein augenlid hat irgendwann auch gezuckt, an das unangenehme gefühl kann ich mich noch erinnern... entwicklungsbedingt gibt es immer wieder kurzzeitig irgendwelche solche erscheinungen. sie kommen und gehen wieder. dass man sie wertet oder angst vor ihnen hat, gehört auch wieder zu den kindlichen überlebensstrategien, deren späterer wandel blockiert wurde bzw. die gar nicht entwicklungstechnisch vorgesehen waren. einem kind, das unter existenziellen ängsten leidet und dazu verurteilt ist, mit seinen bezugspersonen aus der position eines schwächeren heraus zu verhandeln, fehlt einfach der notwendige raum für seine altersgemäße sozial-emotionale entwicklung. dadurch sind quasi bereits weitere konfliktsituationen im erwachsenenleben vorprogrammiert. wie schon gesagt, das programm kann man sicher in den meisten fällen erfolgreich überspielen. was an erinnerungen übrig bleibt? na ja, irgendein päckchen hat wohl jeder zu tragen, sonst wäre das leben kein leben, sondern ein paradiesischer zustand.

18.08.2012 20:49 • #54


Hi Nyan,
auf mich wirken deine Ausführungen sehr theoretisch überladen, daher würde mich interessieren welche realen Fortschritte du selbst bei deinen Ängsten schon erreichen konntest und welche Strategie du bei deinen Angstsymptomen anwendest.
Da du davon ausgehst, dass man diese unangepassten Programm überschreiben kann, würde mich schon sehr deine eigene persönliche diesbezügliche Erfahrung interessieren.
Woran erkennt man, dass ein solches Programm wirklich überschrieben wurde?

18.08.2012 23:07 • #55


Hallo Avalon,
ich denke du kannst an einem therapieerfolg erkennen, dass - z. b. in der verhaltenstherapie - alte gewohnheiten nicht mehr vorhanden sind, wenn neue erlernt wurden. den neuronalen hintergrund der neuverschaltung kannst du ja auch leicht nachgoogeln.

Das hier ist eine datei zum thema "Gewohnheiten":

http://www.psychosomatikpraxis-leonberg ... ste....pdf

Ich selbst habe nie angststörungen gehabt. in welchen punkten widerspricht meine oder auch die allgemeine theorie deiner erfahrung?

19.08.2012 00:25 • #56


Hallo ,

Hat jemand Tipps wie man die ständigen bösen Gedanke stoppen kann ?

Liebe Grüße

02.01.2019 22:34 • #57


JuniBlume
Der klassische Gedankenstopp:
Wenn die Gedanken kommen, dann in die Hände klatschen und laut rufen STOP!
Dann möglichst sofort mindestens 3 Positive Dinge aufzählen die es in deinem Leben gibt oder Dinge wofür du Dankbar bist....
Ich übe mich dort seit neustem dran... es braucht Zeit und Übung... und vielleicht ist es auch nix für Jeden

03.02.2019 19:50 • #58


Zitat von Suppenlili:
Hallo ,

Hat jemand Tipps wie man die ständigen bösen Gedanke stoppen kann ?

Liebe Grüße


Zum Beispiel aufschreiben und das Blatt zerknüllen, immer wieder aufschreiben, dann ist es zunächst raus aus dem Kopf...ob das hilft, musst du selbst herausfinden, versteht sich.

LG

03.02.2019 19:57 • #59




gegen ende , glaub die letzten 10-15 min gehts nochmal genau ums annehmen. nichts ist wichtiger und heilender zugleich. es geht immer um gefühle, nie um gedanken

15.03.2019 10:46 • #60




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