Zitat von ssj2goku:Alles das oder man könnte natürlich auch nicht links und rechts schauen. Das man rausfinden sollte wovor man konkret Angst hat ist klar. All zu schwierig sollte, dass aber nicht sein. In meinem Fall sagt mir mein Bauchgefühl das schon. Ich bin übrigens in einer Therapie und der Versuch Panikstörungen an irgendwas festzumachen was in der Kindheit passiert ist etc. ist beinahe sinnlos weil man als Mensch normalerweise so einiges erlebt hat was man als traumatisch interpretieren kann. Deshalb ist es viel hilfreicher Konfrontationstherapie zu betreiben.
Das dachte ich mir schon, daß du dieses komplexe Thema so einfach betrachtest. Ich meinte keine Umstände, die aus der Kindheit hoch kommen und einen Menschen als Trauma begleiten oder zu Panikstörungen führen. Es gibt außer dem noch Kombinationen, die Konfrontation sogar unmöglich machen, weil das die Gefahr in sich birgt, damit mehr Schaden anzurichten, als Erleichterung zu schaffen und das können sein: Persönlichkeitsstörungen, Depression oder auch spezielle Lebenssituationen. Dann kommt es auch darauf an, wie lange jemand die Panikstörung hat. Es gibt beispielsweise bei Agoraphobie Menschen, die zwanzig Jahre und länger die Panik gut kaschieren konnten und im Alltag scheinbar hervorragend funktionierten. 'Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.' Diese Menschen haben über Jahre ihrem Gehirn dieses Angst-Muster überlassen. Durch Konfrontation eine veränderte Reaktion zu erleben, wird für diese Menschen schwer, denn ihr Gehirn hat sich über all die Zeit ein bestimmtes Reaktionsmuster eingeprägt.
Zitat:Ich kann wieder täglich rausgehen kann, mich mit Freunden treffen kann und Sachen unternehmen. Ich kann jetzt auch täglich Sport machen und begreife, dass ich meinem Körper vertrauen kann und stark bin und nicht aus Zucker. Panikattacken sind von täglich auf ein paarmal im Monat zurück gegangen.
Dazu gratuliere ich dir.

Ich verstehe auch die Euphorie für eine Konfrontationstherapie, nur es ist wie mit allem, daß nicht eines für alle gleich gut ist. Beispiel: wenn du gerade Mutter geworden bist und aus egal welchem Grund, plötzlich mit dem Baby allein dastehst, dann bist du als Mutter allein für alles verantwortlich. Du hast keinen Stellvertreter, dem du Pflege- und Erziehungsaufgaben übertragen kannst. Egal wie es dir geht, egal was um dich passiert - niemand ist da, der dir das erleichtert. Dann entwickelt die junge Mutter aufgrund dieser Überforderung eine Panikstörung. Zum Arzt kann sie für sich sowieso selten gehen, da sie Kind und Job auch irgendwie managen muß, egal ob sie gerade Grippe hat oder nicht und so vernachlässigt sie sich und ihre Gesundheit. Um aber die Aufgaben immer erfüllen zu können, entwickelt sie Strategien oder schafft es doch mal zum Arzt. Sie muß ja Lösungen für sich finden. Hier wäre Konfrontation u.U. der falsche Weg, weil die enorme Lebensanstrengung nicht abzustellen ist. Das ist permanente Konfrontation. Es geht hier auch nicht darum, sich entspannt mit Freunden treffen zu können oder Unternehmungen, Hobbys nachzugehen, sondern darum (falls nicht sowieso schon vorhanden) Depression zu vermeiden und die permanente Konfrontation (nämlich die tägliche Herausforderung Kind+Job) besser einzustellen und beispielsweise durch Entspannungstechniken zu entschärfen.
Zitat:Es hilft mir persönlich sehr gut und ich bin nichtmal besonders gut darin Konfrontation durchzuziehen. Man kann da wohl noch motivierter sein (sagt meine Psychologin). Es ist also sogar etwas für Faule.
Das glaube ich dir sofort, daß es was für Faule ist. Es ist aber nichts für Menschen, die beispielsweise durch eine sog. Persönlichkeitsstörung mit einer Panikstörung reagieren. Nächstes Beispiel: eine schizoide Persönlichkeit (nicht schizophren) ist ein Mensch mit großem Autonomieverlangen. Die Panikstörung kann in früher Kindheit bereits entstehen, weil dieser Mensch permanent überfordert ist mit ganz banalen Alltagssituationen. Es fällt ihm beispielsweise schwer sich ein- und unterzuordnen und er wird mit dem Dogma groß: du mußt, du mußt, du mußt...aber er kann nicht. Ich vergleiche das gerne anschaulich mit einem Nichtschwimmer, der immer ins Tiefe Wasser zurückgestoßen wird, um mit den anderen zu schwimmen. Er weiß aber gar nicht wie schwimmen geht. Seine Willenskraft und Autonomie bewahrt ihn vor dem Ertrinken, aber dennoch ist das permanente Konfrontation, die immer gleich schrecklich erlebt wird oft mit Panik, irgendwann zur Depression wird und die jede weitere unfreiwillige Konfrontation den inneren Konflikt, die Reizüberflutung und Angreifbarkeit soweit verschärft, dass so ein Mensch durchaus fahrlässig straffällig wird oder im Affekt zuwider handelt.
Für einen schizoiden Menschen ist Konfrontation deshalb unbrauchbar und für andere Persönlichkeitsstörungen ist Konfrontation nur eingeschränkt möglich, bei nur mässigem Erfolg, z.B. auch die Kombination selbstunsichere und ängstlich-vermeidende Persönlichkeit und Agoraphobie.
Es geht also nicht nur um faul oder nicht faul.
Zitat:Es tut mir übrigens Leid wenn es so als schnippisch rüber kommt was ich schreibe. Ich halte von diesen Beiträgen einfach nichts in denen die Gefahren der Konfrontationstherapie beschworen werden (es ist die Standardbehandlung in einer Gesprächstherapie). Meines wissens gibt es praktisch auch garkeine.
Ich habe meine Psychologin 20mal gefragt ob ich plötzlich tod umfallen kann wenn ich Dinge angehe. Sie antwortet darauf immer nur "Was glauben Sie denn?". Zum Thema Straßenverkehr noch, ich habe so ein paar Bücher gelesen wo es auch um Leute mit Fahrängsten geht. Denen wird nie empfohlen sich nicht ins Auto zu setzen. Nervös fahren führt wohl nicht zu Unfällen wie man als Paniker meinen würde. Man ist wohl sogar noch schneller beim Reagieren.
Du bist aufgrund Überzeugung für Konfrontationstherapie. Das ist doch in Ordnung. Sie hilft ja auch, wenn die Voraussetzungen passen. Nur habe ich dir gerade zwei Beispiele gebracht, in denen Kontrontationstherapie eben nicht angezeigt ist. Und so gibt es dabei einiges zu bedenken und es sollte immer psychologisch betreut werden.
Niemals sowas auf eigene Faust versuchen, weil es da mal im Internet steht.
Fahrangst ist m.E. etwas anderes gelagert, als Angst vor dem Überqueren von Straßen. In beiden Fällen gilt allerdings, daß die StVO §1, Abs. 2 gilt. Wird jemand in einen Konflikt verwickelt, der andere Verkehrsteilnehmer berührt, sollte er diese Angst nicht erwähnen. Verkehrsrichter haben die Bücher über Fahrangst eher nicht gelesen und neigen dazu, bei Unfällen auch immer den Zustand der Unfallteilnehmer genauer zu betrachten und jede Beeinträchtigung eines Verkehrsteilnehmers, ob nun psychisch oder physisch fließt in Urteile mit ein.

Man kennt das vielleicht noch aus der Fahrschule, daß der Fahrlehrer einem sagt, 'niemals hinters Steuer setzen, wenn die eigene Verfassung nicht die Richtige ist.'
