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BrudaSven
Hallo liebe Community,

ich habe hier mal den ein oder anderen Beitrag durchgelesen und mich in vielen davon wiedererkannt.
Oder zumindest mein "ehemaliges Ich".
Daher dachte ich mir, ich schreibe euch mal ein paar Zeilen wie es bei mir damals dazu kam und wie ich es wieder in den Griff bekommen habe.
Das ganze wird ein längerer Text werden. . . .

Alles fing etwa im November 2002 an.
An sich lief damals alles gut für mich. Ich hatte einen guten Job, war seit kurzem verlobt und hatte vor, mit dieser Frau zusammen zu ziehen.
Dann aber kam der Abend, der alles verändern sollte.
Ich traf mich an diesem Abend mit einem Arbeitskollegen, welcher mir dann eine längliche, selbstgedrehte "Zig." unter die Nase hielt.
Ich denke mal, jeder weiß welche Art Zig. ich hier meine. . . .
Wir gingen also nach draußen und rauchten die besagte Zig..
Zuerst war alles ok, mir wurde ein bischen schwummerig. . . aber nichts, was mich beunruhigt hätte. Aber dann !!
Mit einem mal fing mein Herz an zu rasen, immer schneller und schneller. . . . ich hatte das Gefühl, das es mir gleich aus der Brust zu springen drohte.
Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits den Rettungswagen vorfahren und einen Sanitäter mit Defibrilator herausspringen.
In diesem Moment hatte ich eine Todesangst, ich dachte "gleich ist es aus mit mir !!"
Ich ging mitten auf der Straße auf die Knie, packte mir an die Brust und rief meinem Arbeitskollegen zu "man mach was, ich geh drauf !!"
Nach ein paar Minuten ging es dann wieder, aber ich war total fertig und hatte das gefühl, als würde ich wie auf Eiern laufen.
Alles um mich rum war total schwammig, wie in Watte gepackt.
Meinem Arbeitskollegen schien das ganze weniger in Panik zu versetzen als mich.
Er versuchte mich zu beruhigen, nahm mich am Arm und führte mich zurück in die Wohnung zu meiner Verlobten.
Dort saß ich dann in der Küche, zitterte am ganzen Leib. . . die nächste Attacke bahnte sich an. Natürlich wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht, für mich war es irgendwas am Herzen.
Von meiner Verlobten hörte ich auf mein "schatz, ich glaub ich krieg nen Herzinfarkt" nur ein "jaja, is ja guuuuut".
Weder sie noch mein Arbeitskollege nahmen die Situation besonders ernst und ich fühlte mich in diesem Moment ein wenig im Stich gelassen.
Die beiden meinten "Du bist einfach nur High" (glaubt mir, vom Gefühl her passt das Wort "High" keinesfalls zu diesem Zustand !!).
Um mich wieder runter zu kriegen, wurde ich mit Süßigkeiten vollgestopft.
So neigte sich der Abend dann langsam dem Ende.
Ich legte mich ins Bett und schlief auch irgendwann ein.
Am nächsten Tag war alles wieder so wie früher. Und auch am Tag danach war alles ok.
Aber am dritten Tag. . . . . ich saß gerade auf der Arbeit, hatte die Situation von vor 3 Tagen schon wieder vergessen, bekam ich plötzlich wieder das gleiche Gefühl wie an jenem Abend.
Ich wurde plötzlich, ohne jeden Grund nervös, bekam Herzrasen und Schweissausbrüche.
ich wurde total blass, packte mir wieder an die Brust und ein heftiger Herzstolperer riss mich zu Boden.
Im Büro herrschte daraufhin heillose Aufregung.
Ich wurde in eine Decke gepackt, auf den Boden gelegt und binnen weniger Minuten war der Notarzt vor Ort.
Der sah mich dann kurz an, kontrollierte den Blutdruck sowie Puls und meinte danach nur "Hm. ist doch alles in Ordnung".
Dann gab er mir eine Valium, damit ich mich wieder beruhigte.
Ich wurde vom Vater meiner Verlobten abgeholt und heimgebracht.
Ab diesem Tag konnte ich dann fast die Uhr nach den Attacken stellen.
Pünktlich alle 3 Tage ging es immer wieder von vorne los.
Ich rannte von Arzt zu Arzt, ließ alles untersuchen: Herz mit Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Neurologe, Schilddrüse. Aber nichts wurde gefunden.
Immer wieder hörte ich die Ärzte nur sagen "Hach, so ein Herz/so eine Schilddrüse hätte ich auch gern".
Und was dachte ich mir dann ? "Was sind das für Ärzte ? Da muss definitiv was kaputt sein, warum finden die das nicht ??".
Inzwischen hatte ich eine riesen Angst vor einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall.
Vor lauter Angst hörte ich von einem Moment auf den anderen mit dem Rauchen auf.
Denn das schädigt ja das Herz. . . und wir wollen ja nichts herausfordern.
Inzwischen wurde ich von meiner Hausärztin 2 Wochen krankgeschrieben.
Die 2 Wochen verbrachte ich daheim, allein mit meinen Attacken.
Die kamen inzwischen täglich und zwar mehrfach.
In gut 3 Wochen wollte ich mit meiner Verlobten zusammenziehen, es gab also noch eine Menge zu planen. Verträge unterschreiben, Möbel aussuchen etc.
Ich quälte mich also zu einem schwedischen Möbelhaus und lief gute 2 Stunden mit meiner Verlobten durch selbiges.
In dieser zeit hab ich sicher 10 Liter Flüssigkeit in Form vom Schweiss verloren.
Ich ließ mir dann einen Termin beim Psychologen in einem Krankenhaus in meiner Nähe geben.
Auf dem Weg zu diesem Termin hatte ich während der Autofahrt dahin wieder eine Panikattacke.
Gott allein weiß, wie ich Unfallfrei dort angekommen bin.
Blass, total Panisch und leicht weinerlich kam ich beim Therapeuten an, welcher sofort Nägel mit Köpfen machte und mich flugs in die offene psychiatrische Abteilung einwies.
BUMM!! "jetzt bin ich also ein Psycho" ging es mir durch den Kopf und meine Welt zerbrach in winzig kleine Teile.
Unter Tränen rief ich meine Mutter an, welche mir dann ein paar Sachen ins Krankenhaus brachte.
Dort blieb ich etwa 3 Wochen. Ich ging wieder durch alle möglichen Untersuchungen, EKG's, Schädel-CT's.
Nichts körperliches wurde gefunden.
Nervlich war ich inzwischen ein totales Wrack. Ich traute mich kaum mehr, aufzustehen geschweige denn zu laufen.
Nach 3 Wochen (und einer Einstellung auf ein Medikament namens Seroxat) wurde ich aus der Klinik entlassen. Ich zog mit meiner Verlobten zusammen, ging wieder auf die Arbeit.
Aber es war nichts mehr so, wie früher.
Ich war nur noch unsicher, alles bereitete mir unbehagen.
Immer wieder meldete ich mich morgens krank zur Arbeit und blieb daheim.
Bis ich schließlich die Kündigung bekam. Natürlich nicht weil ich so oft gefehlt hätte, sondern angeblich wegen anderer Dinge.
Während meine Verlobte also tagsüber arbeiten ging, stellte ich das normale Leben ein.
Ich stand am frühen Vormittag auf, nur um mich gleich wieder auf die Couch zu legen.
So wenig bewegung wie möglich. Jede bewegung könnte ja das Herz belasten und mich sofort in den Tod reissen !!
Also tat ich garnichts mehr. Ich lag einfach nur auf der Couch, schaute DVD's an oder beschäftigte mich mit meiner Spielekonsole.
Meine Verlobte musste also inzwischen für 2 leben.
Das ging dann etwa 2 Monate so. Jeden Tag rief ich meine Verlobte oder meine Mutter an, um ihnen mein Leid zu klagen oder darüber zu informieren, das ich sicher gleich einen Herzinfarkt bekommen würde.
Eines Abends brach meine Mutter am Telefon unter Tränen zusammen.
So hatte ich sie noch nie erlebt.
Sie könne das nicht mehr so mitmachen, habe keine Kraft mehr dafür.
Ich fühlte mich in diesem Moment total verarscht.
Hallo ? Schließlich war ICH es doch, der bald ganz sicher an einem Herzinfarkt sterben würde !
Die ganze Familie versuchte, mich da irgendwie rauszubekommen.
Aber keiner schaffte es, konnte mich dazu bewegen mal das Haus zu verlassen.
Ich konnte nicht mal den Müll rausbringen oder in die Küche gehen um etwas zu kochen.
Ich brauchte bloss aufzustehen und sofort war mir schwindelig, ich hatte Herzrasen. (Kein Wunder. . . wenn man nichts isst und mit 1,83m Körpergröße nur noch 55 KG wiegt).
Im Juni 2004 beschloss meine Familie, das es so nicht mehr weitergeht.
Ich wurde wieder in eine Klinik eingewiesen, die Klinik zum Heiligen Geist in Frankfurt/Main.
Für mich war das wieder ein Tiefschlag. Obwohl. . . . viel tiefer konnte ich ja kaum noch sein.
Dort sollte ich dann 12 Wochen verbringen.
In dieser zeit bekam ich alle möglichen Therapien.
Konfrontationstherapie, Musiktherapie, Gesprächstherapie, Zeichentherapie. . . das volle Programm. Ich wurde auf ein anderes Medikament namens Paroxetin eingestellt.
Aber diesmal zeigte die Therapie langsam wirkung.
Ich konnte mich wieder halbwegs frei Bewegen.
Nach den 12 Wochen hatte ich mich also wieder halbwegs im Griff.
Die Attacken wurden weniger und ich traute mich wieder vor die Tür.
Kurz nachdem ich aus der Klinik raus war, verließ mich dann meine Verlobte.
Inzwischen hatte sie gut 2 Jahre mit mir und meinen Attacken ausgehalten, aber nun konnte sie nicht mehr.
Um nicht wieder völlig den Boden zu verlieren, ging ich nochmals für 3 Monate in eine Tagesklinik.
Da ich dazu jeden Tag das Haus verlassen musste, denke ich, das mir diese Tagesklinik von allen Therapien wohl am meisten brachte.
Inzwischen war es 2005 und ich war körperlich wieder halbwegs hergestellt.
Die letzte Panikattacke war gut 3 Monate her und ich lernte langsam, eine ankommende Attacke schon im Keim zu ersticken !
Es fühlte sich einfach nur gut an, endlich wieder Dinge machen zu können, die mir so lange verwehrt geblieben waren.
Im August 2005 find ich dann eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker an.
Ein Job, der körperlich teils sehr anstrengend ist.
So konnte ich mir selbst beweisen, das ich körperlich wohl doch nicht sooo zerbrechlich und Infarktgefährdet war, wie ich mir es 2 Jahre lang dachte.
Tja. . . . . was soll ich sagen ?
Im Juni letzten Jahres beendete ich meine Ausbildung, sogar mit vorgezogener Prüfung !
Die letzte richtige Attacke ist inzwischen *grübel grübel* bestimmt 2 Jahre her.
Ich gehe ohne Angst aus dem Haus. Ich war im letzten Jahr auf "Rock am Ring".
Das hätte ich mir zu meinen Panikzeiten niemals erträumt, zwischen so einer Menschenmasse zu stehen und zu FEIERN !! Ohne Angst !
Für dieses Jahr sind Rock am Ring, Wacken und M'era Luna geplant.
Inzwischen habe ich die Medikamente seit über einem Jahr abgesetzt.
Ich kann zwar nicht behaupten, das ich komplett Beschwerdefrei bin. . . . aber ich lasse mir mein Leben nicht mehr von diesen Attacken bestimmen.

Was will ich mit diesem Posting in epischer Länge nun sagen ?
Die Quintessenz dieses Beitrags ist: LASST EUCH VON DEN ATTACKEN NICHT DAS LEBEN VERSAUEN !!
Wenn ich das geschafft habe, dann ist es für jeden von euch möglich.
Ich bin sicher kein Mensch, der vor Selbstbewusstsein nur so strotzt oder eine übermäßige mentale Stärke besitzt.
Ganz im Gegenteil.
Ich war mein ganzes Leben lang unsicher, schüchtern, unauffällig.
Durch das überwinden dieser Attacken habe ich mir ein Stück Selbstbewusstsein aufgebaut.
Also, lasst es nicht zu das euch die Angst in die Schranken verweist.
Ich bin mir sicher, jeder von Euch ist stärker als er glaubt.
Und jeder hat die Möglichkeit, sich selbst aus diesem Teufelskreis heraus zu holen.
Es mag nicht einfach sein, aber es ist möglich !

So. . . . jeder, der diesen Beitrag bis zum Ende gelesen hat: Glückwunsch !! Ehrlich gesagt, habe ich hier noch einiges Abgekürzt, aber ich denke es ist auch so schon lang genug geworden
Ich freue mich über jegliches Feedback. Und wer Fragen hat, sich von mir Hilfe verspricht: JEDER DARF MICH GERN ANSCHREIBEN !
Soweit ich kann, werde ich versuchen Hilfestellung zu geben.
Natürlich ersetze ich in keiner weise eine professionelle Therapie. . . . aber vielleicht kann ich ja dem einen oder anderen ein wenig helfen.

Liebe Grüße

Sven

01.02.2009 03:04 • 01.07.2009 #1


56 Antworten ↓


Hallo Sven, ich habe gerade dein "Leben" mir durch gelesen und es ist echt der Hammer wie schnell du es geschafft hast da wieder raus zu kommen! Ich gratuliere dir das du nun heute wieder ein schönes Leben hast! Ich finde es toll und ziehe meinen Hut vor dir! Mach weiter so und berichte immer wieder es gibt vielen Menschen mut! Danke für diesen Bericht!

01.02.2009 09:55 • #2



Ein ehemaliger Paniker erzählt. . . .

x 3


Hallo,

es tut mir gut Deinen Bericht zu lesen. Er macht Hoffnung.

Was tust Du, um eine ankommende Attacke im Keim zu ersticken?

Ich bin auch davon überzeugt, dass es jeder von uns schaffen kann und dass jeder gestärkt daraus hervorgeht.

Kannst Du genau beschreiben, WIE Du den Weg aus der Angst geschafft hast?

Liebe Grüße
bollywood

01.02.2009 10:01 • #3


Hallo Sven

Dein Beitrag wird sicher viele hier bestärken die Hoffnung nicht zu verlieren und weiterhin an sich zu arbeiten. Beim lesen konnte ich regelrecht spüren was du durch gemacht hast. Es freut mich auch wenn wir uns überhaupt nicht kennen, dass du soweit gekommen bist und dein Leben wieder im Griff hast.

Ich wünsche Dir weiterhin ein Leben ohne Panik und Angst.

Gruß Ina

01.02.2009 10:35 • #4


Hi Sven,

du schreibst mir so aus der Seele in deinem Text. Bei mir hatten diese Zustände seit Juli 05 angefangen u. rate mal in dem Moment welchen Angstauslöser ich hatte, jawohl auch diese etwas kräftigere Zig.. Seit dem hat sich leider mein Leben aber komplett verändert. Danach folgte auch bei mir eine Arztodyssee u. nach 3 Monaten Ungwissheit, was los ist mit mir, hieße es, ich bin organisch kern gesund u. hätte psychosomatische Störungen. Na toll dachte ich mir. Ich machte sehr zeitnah eine tiefenpsy. Therapie, die mir viel soweit geholfen hat, was ich überhaupt habe. Ich hatte diese Therapie dann verlängert u. war dann im Feb. 08 soweit mit Therapie fertig. Heftige Attacken ließen dann deutlich nach, bzw. blieben aus, aber seit ungefähr August hat es leider wieder zugenommen ( ich denke ich weiß ca. auch warum ). Trotzdem mache ich wieder eine Gesprächstherapie mit der Hoffnung es nicht nur einigermaßen unter Kontrolle zu bekommen, nein sondern den Mut aufzubringen mein Selbstbewußtsein zu stärken und es einfach akzeptieren u. zulassen. Mit diesem Akzeptieren und zulassen, habe ich leider so manchmal meine Probleme. Zum Glück habe ich einen Bruder, der selbst "Ex-Betroffener" ist, der mir unheimlich in meinen Paniksituationen hilft, weil er mich verstehen kann. Ich glaube ich bin immer noch auf der Suche, nach genau dem Problem oder die Summe der Probleme, die dazu geführt haben, warum ich das geworden bin, statt wie gesagt, die neue Sichtweise immer u. immer wieder anzuwenden. Wenn nicht öfters diese Rückschläge kämen, wäre es natürlich einfacher die neue Sichtweise anzuwenden als so. Vielleicht, hast du ja ne kleine Hilfe für mich, was ich noch tun kann, um irgendwie ein wenig aus diesem Teufelskreis ein wenig rauszukommen. Theoretisch weiß ich wirklich viel, habe auch vielen anderen helfen können, aber bei mir selbst es praktisch anzuwenden, ist nicht Richtung 100 %. Ich danke dir im voraus!

01.02.2009 11:07 • #5


Hallo BrudaSven


Deine Geschichte hat mich sehr bewegt und berührt,

Freue mich mit dir das du es geschafft hast diesen Angstteufelskreis zu durchbrechen.Auch ich ziehe meinen Hut vor dieser Leistung und beglückwünsche dich dazu herzlichst. Ich selbst habe seit Monaten keine Attacken und Ängste mehr Gott sei Dank. Habe auch und arbeite auch viel an mir nachem ich 2 Rücklschläge hatte , nun Sehe ich vieles mit anderen Augen aus einem anderen Blickwinkel bin gelassener zu mir selbst und versuche nun mich an meine wiedergewonne Lebensquälität zu erfreuen und es geniessen. Jeder Tag ist nicht gleich aber jeder Tag kann der schönste seinin deinem Leben , also mach was draus ist mein Motto.Mir hat es geholfen

Dir alles erdenklich Gute weiterhin

Wünscht von Herzen


Mit GLG an Dich , Biggi

01.02.2009 12:11 • #6


BrudaSven
Hallo und erstmal vielen Dank für die lieben Antworten.
Ich werde nun mal versuchen, auf die Fragen einzugehen:

@bollywood:

Den Weg genau zu beschreiben. . . . . garnicht mal so einfach, denke ich.
Im Endeffekt war es wohl die Mischung aus den verschiedenen Therapieformen, der Einstellung auf das Medikament, viel Zwiesprache mit mir selbst, die Wahl meines Berufes.
Nachdem sich meine Verlobte von mir getrennt hatte, hätte ich auch wieder zu meinen Eltern ziehen können.
Trotzdem habe ich es vorgezogen, mir eine eigene Wohnung zu nehmen.
Als Paniker allein zu leben ist erstmal garnicht so einfach und erfordert eine gewisse überwindung.
Und sich als Herzphobiker einen Beruf auszusuchen, der tägliche körperlich harte Arbeit erfodert, ist wohl auch alles andere als einfach.
Ich habe meine Ausbildung in einem VW/Audi-Autohaus gemacht.
Und meine Ausbildung fing kurz vor der Winterreifen-Saison an.
Nun stelle man sich vor, mal steht da und plötzlich fährt ein VW Touareg auf die Bühne und es heisst "So, einmal Winterräder aufziehen !".
Die Räder dieses Fahrzeugs wiegen wirklich was !
Nach den ersten malen war ich wirklich außer Puste und mir schlug das Herz bis zum Hals. . . . . klar hat mir das in diesen Momenten schon Angst gemacht, aber ich konnte mir selbst sagen "Klar schlägt das jetzt schnell und hart, Du hast Dich ja auch gerade angestrengt".
Aber mit jedem Tag, an dem ich nach der Arbeit wieder heimkam, war ich glücklich das ich es geschafft hatte.
Jeder auf der Arbeit wusste von meinem Problem, so hatte ich keinen Druck das ich etwas "geheim" halten musste.
Alles in allem braucht es viele kleine Schritte und Geduld, um aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen.
Jeder Mensch ist anders und reagiert anders auf verschiedene Dinge.
Aber ich denke, das "einfachste" ist, sich mit diesen Ängsten zu konfrontieren und dabei zu merken, das man eben doch nicht einfach Tot umfällt.

@Samuel:

Dann erstmal "wilkommen im club der annonymen Zig."
Es ist ja nicht so, das ich garkeine Probleme damit hätte, eine Attacke zuzulassen.
Auch heute liege ich manchmal nach der Arbeit auf der Couch und kann spüren, das mein Herz ohne besonderen Grund stärker schlägt.
Ein paar minuten lang fühle ich mich dann sehr unwohl und die alte denkweise "Was wäre, wenn. . . ." taucht wieder auf.
Nun ist es aber so, das ich Panikattacken in jedem ausmaß kenne.
Von kleinen, kurzen Attacken bis zu Attacken, bei denen man einen totalen zusammenbruch hat, hyperventiliert, die Finger krampfen, es am ganzen Körper kribbelt und der Köper nur noch das macht, was er will.
Ich habe mir irgendwann mal folgende denkweise zugelegt:

"Also gut. . . . entweder: Ich bleib daheim (wo mir ja nix passieren kann), sperr mich ein und vermeide alles was irgendwie "gefährlich" ist, werde 90 Jahre alt und denke mir dann in meinem Sterbebett "naja, viel Spaß hast du im Leben aber nicht gehabt". . . . oder aber, ich mach was ich möchte, gehe das "Risiko" ein und sterbe vielleicht mal irgendwann daran".
Ich persönlich ziehe dann doch lieber die zweite Alternative vor.
Als ich im letzten Jahr beim Rock am Ring war, ging es mir phasenweise auch nicht so toll.
Nur dachte ich mir dann "Hey, du stehst hier zwischen ca. 30.000 Menschen, auf der Bühne stehen Nightwish/Bad Religion/The Offspring/Metallica und DU willst jetzt rumheulen ? IS NICH !!"
Also wieder ab in die Menge und ordentlich mitgehüpft
Naja gut. . . ich geb zu, den Auftritt von Metallica hab ich verpasst, weil ich da inzwischen schon total betrunken irgendwo in der Boxengasse lag
Aber es hat einen Riesenspaß gemacht und ich bin heilfroh, das ich mich da hingetraut habe.
Alles in allem Denke ich, es hat viel damit zu tun was man denkt und wie man damit umgeht.
Ich für meinen Teil lebe lieber mit Spaß und gehe das "Risiko" (das es eigentlich garnicht gibt) ein, als mir jeglichen Spaß zu verwehren und darauf zu hoffen, Methusalem mal im Alter einzuholen

01.02.2009 13:08 • #7


hallo sven. dein artikel ist der hammer. ich mache gerade das gleiche durch. leide schon seit 6 jahren und habe schon viel verloren und kaputt gemacht. nehme auch schon seit ca. 3 jahren paroxetin. wie hast du es geschafft die tabletten abzusetzen? lg. melanie

01.02.2009 13:12 • #8


sven ich teile deine Einstellung mit dir ich find das genial fenomenal. Ich Konfrontiere mich auch , Denn von nix kommt nix man muss an sich arbeiten und ich will älter werden als Methusalem aber ohne Ängste,

01.02.2009 13:15 • #9


BrudaSven
@angsthässchen:
Ich glaub, eigentlich sollte ich Dir garnicht sagen wie ich die Tabletten abgesetzt habe . Da bin ich kein gutes Vorbild. . . ich habe nämlich irgendwann einfach aufgehört, die zu nehmen.
Bzw. habe ich erstmal nur noch die halbe Dosis genommen und irgendwann dann gar keine mehr.
Ich rate allerdings dazu, das mit einem Arzt abzusprechen.
Hatte nämlich eine Zeit lang dann schon verschiedenste Absetzsymptome (Muskelzittern, Schwindel, Schweißausbrüche). . . . .
Auch ich habe in den Zeiten meiner schlimmen PA's mir einiges kaputtgemacht und verloren.
Aber passiert ist eben passiert. Was ich verloren habe, musste ich mir halt neu Aufbauen.
War sicher nicht einfach und ab und zu war ich auch am Boden zerstört, aber ich bin momentan froh über das, was ich wiedergewonnen habe.
Der rest wird kommen

@Biggi:
Dann mal viel Glück dabei, der weibliche Methusalem zu werden
Wenn Du mit der Konfrontation gut klar kommst: KLASSE !
Dann wird das auch was

01.02.2009 13:28 • #10


wäre mal was ganz neues

01.02.2009 13:31 • #11


Hallo Sven,

vielen Dank für Deinen Bericht!

Smilla

01.02.2009 13:44 • #12


Zitat von BrudaSven:
"Also gut. . . . entweder: Ich bleib daheim (wo mir ja nix passieren kann), sperr mich ein und vermeide alles was irgendwie "gefährlich" ist, werde 90 Jahre alt und denke mir dann in meinem Sterbebett "naja, viel Spaß hast du im Leben aber nicht gehabt". . . . oder aber, ich mach was ich möchte, gehe das "Risiko" ein und sterbe vielleicht mal irgendwann daran".
Ich persönlich ziehe dann doch lieber die zweite Alternative vor.


Ich denke, dass das ein ganz wichtiger Punkt ist. Ich habe im Moment auch die Nase davon voll, mir von der blöden Angst alles vermiesen zu lassen.

Danke für Deine Ausführungen. Mir machst Du damit ganz viel Mut und Hoffnung!

Hast Du denn eigentlich wieder eine nette Freundin gefunden? *ichgarnichtneugierigbin*

Liebe Grüße
bollywood

01.02.2009 14:34 • #13


BrudaSven
Zitat von bollywood:


Danke für Deine Ausführungen. Mir machst Du damit ganz viel Mut und Hoffnung!

Hast Du denn eigentlich wieder eine nette Freundin gefunden? *ichgarnichtneugierigbin*



Freut mich wenn ich Dir damit Mut und Hoffnung geben
Ich habe, kurz vor anfang meiner Ausbildung damals, wieder eine Freundin gefunden.
Die ist inzwischen aber auch schon wieder weg. . . . naja ^^

01.02.2009 17:21 • #14


hey. das ist toll. gab es denn noch eine tiefer liegende ursache, als der auslöser mit der Zig.?


lg

01.02.2009 18:06 • #15


BrudaSven
Zitat von yvey:
hey. das ist toll. gab es denn noch eine tiefer liegende ursache, als der auslöser mit der Zig.?


lg



Ja, die gab es. Da waren eine Menge Vorfälle in der Kindheit, welche ich nicht verarbeitet habe.
Die "Zig." war nur der "trigger", der das ganze dann ausgelöst hat.

03.02.2009 18:16 • #16


Hallo Sven!

Ich bin hier ganz neu registriert, bin der Robert und komme aus Wien.
Mich hat dein Bericht so sehr interessiert, weil ich sehr sehr Ähnliches erlebt habe und noch immer mit Abstrichen mit meinen Panikattacken leben muss.

Wiie du es aber geschafft hast ein fast normales Leben wieder zu führen beschäftigt mich sehr, da es mir nach nun mehr als 11 Jahren nicht so gelingen will.

Würde mich über eine Antwort von dir freuen.

mlG aus Wien von Robert






Zitat von BrudaSven:
Hallo liebe Community,

ich habe hier mal den ein oder anderen Beitrag durchgelesen und mich in vielen davon wiedererkannt.
Oder zumindest mein "ehemaliges Ich".
Daher dachte ich mir, ich schreibe euch mal ein paar Zeilen wie es bei mir damals dazu kam und wie ich es wieder in den Griff bekommen habe.
Das ganze wird ein längerer Text werden. . . .

Alles fing etwa im November 2002 an.
An sich lief damals alles gut für mich. Ich hatte einen guten Job, war seit kurzem verlobt und hatte vor, mit dieser Frau zusammen zu ziehen.
Dann aber kam der Abend, der alles verändern sollte.
Ich traf mich an diesem Abend mit einem Arbeitskollegen, welcher mir dann eine längliche, selbstgedrehte "Zig." unter die Nase hielt.
Ich denke mal, jeder weiß welche Art Zig. ich hier meine. . . .
Wir gingen also nach draußen und rauchten die besagte Zig..
Zuerst war alles ok, mir wurde ein bischen schwummerig. . . aber nichts, was mich beunruhigt hätte. Aber dann !!
Mit einem mal fing mein Herz an zu rasen, immer schneller und schneller. . . . ich hatte das Gefühl, das es mir gleich aus der Brust zu springen drohte.
Vor meinem geistigen Auge sah ich bereits den Rettungswagen vorfahren und einen Sanitäter mit Defibrilator herausspringen.
In diesem Moment hatte ich eine Todesangst, ich dachte "gleich ist es aus mit mir !!"
Ich ging mitten auf der Straße auf die Knie, packte mir an die Brust und rief meinem Arbeitskollegen zu "man mach was, ich geh drauf !!"
Nach ein paar Minuten ging es dann wieder, aber ich war total fertig und hatte das gefühl, als würde ich wie auf Eiern laufen.
Alles um mich rum war total schwammig, wie in Watte gepackt.
Meinem Arbeitskollegen schien das ganze weniger in Panik zu versetzen als mich.
Er versuchte mich zu beruhigen, nahm mich am Arm und führte mich zurück in die Wohnung zu meiner Verlobten.
Dort saß ich dann in der Küche, zitterte am ganzen Leib. . . die nächste Attacke bahnte sich an. Natürlich wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht, für mich war es irgendwas am Herzen.
Von meiner Verlobten hörte ich auf mein "schatz, ich glaub ich krieg nen Herzinfarkt" nur ein "jaja, is ja guuuuut".
Weder sie noch mein Arbeitskollege nahmen die Situation besonders ernst und ich fühlte mich in diesem Moment ein wenig im Stich gelassen.
Die beiden meinten "Du bist einfach nur High" (glaubt mir, vom Gefühl her passt das Wort "High" keinesfalls zu diesem Zustand !!).
Um mich wieder runter zu kriegen, wurde ich mit Süßigkeiten vollgestopft.
So neigte sich der Abend dann langsam dem Ende.
Ich legte mich ins Bett und schlief auch irgendwann ein.
Am nächsten Tag war alles wieder so wie früher. Und auch am Tag danach war alles ok.
Aber am dritten Tag. . . . . ich saß gerade auf der Arbeit, hatte die Situation von vor 3 Tagen schon wieder vergessen, bekam ich plötzlich wieder das gleiche Gefühl wie an jenem Abend.
Ich wurde plötzlich, ohne jeden Grund nervös, bekam Herzrasen und Schweissausbrüche.
ich wurde total blass, packte mir wieder an die Brust und ein heftiger Herzstolperer riss mich zu Boden.
Im Büro herrschte daraufhin heillose Aufregung.
Ich wurde in eine Decke gepackt, auf den Boden gelegt und binnen weniger Minuten war der Notarzt vor Ort.
Der sah mich dann kurz an, kontrollierte den Blutdruck sowie Puls und meinte danach nur "Hm. ist doch alles in Ordnung".
Dann gab er mir eine Valium, damit ich mich wieder beruhigte.
Ich wurde vom Vater meiner Verlobten abgeholt und heimgebracht.
Ab diesem Tag konnte ich dann fast die Uhr nach den Attacken stellen.
Pünktlich alle 3 Tage ging es immer wieder von vorne los.
Ich rannte von Arzt zu Arzt, ließ alles untersuchen: Herz mit Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Neurologe, Schilddrüse. Aber nichts wurde gefunden.
Immer wieder hörte ich die Ärzte nur sagen "Hach, so ein Herz/so eine Schilddrüse hätte ich auch gern".
Und was dachte ich mir dann ? "Was sind das für Ärzte ? Da muss definitiv was kaputt sein, warum finden die das nicht ??".
Inzwischen hatte ich eine riesen Angst vor einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall.
Vor lauter Angst hörte ich von einem Moment auf den anderen mit dem Rauchen auf.
Denn das schädigt ja das Herz. . . und wir wollen ja nichts herausfordern.
Inzwischen wurde ich von meiner Hausärztin 2 Wochen krankgeschrieben.
Die 2 Wochen verbrachte ich daheim, allein mit meinen Attacken.
Die kamen inzwischen täglich und zwar mehrfach.
In gut 3 Wochen wollte ich mit meiner Verlobten zusammenziehen, es gab also noch eine Menge zu planen. Verträge unterschreiben, Möbel aussuchen etc.
Ich quälte mich also zu einem schwedischen Möbelhaus und lief gute 2 Stunden mit meiner Verlobten durch selbiges.
In dieser zeit hab ich sicher 10 Liter Flüssigkeit in Form vom Schweiss verloren.
Ich ließ mir dann einen Termin beim Psychologen in einem Krankenhaus in meiner Nähe geben.
Auf dem Weg zu diesem Termin hatte ich während der Autofahrt dahin wieder eine Panikattacke.
Gott allein weiß, wie ich Unfallfrei dort angekommen bin.
Blass, total Panisch und leicht weinerlich kam ich beim Therapeuten an, welcher sofort Nägel mit Köpfen machte und mich flugs in die offene psychiatrische Abteilung einwies.
BUMM!! "jetzt bin ich also ein Psycho" ging es mir durch den Kopf und meine Welt zerbrach in winzig kleine Teile.
Unter Tränen rief ich meine Mutter an, welche mir dann ein paar Sachen ins Krankenhaus brachte.
Dort blieb ich etwa 3 Wochen. Ich ging wieder durch alle möglichen Untersuchungen, EKG's, Schädel-CT's.
Nichts körperliches wurde gefunden.
Nervlich war ich inzwischen ein totales Wrack. Ich traute mich kaum mehr, aufzustehen geschweige denn zu laufen.
Nach 3 Wochen (und einer Einstellung auf ein Medikament namens Seroxat) wurde ich aus der Klinik entlassen. Ich zog mit meiner Verlobten zusammen, ging wieder auf die Arbeit.
Aber es war nichts mehr so, wie früher.
Ich war nur noch unsicher, alles bereitete mir unbehagen.
Immer wieder meldete ich mich morgens krank zur Arbeit und blieb daheim.
Bis ich schließlich die Kündigung bekam. Natürlich nicht weil ich so oft gefehlt hätte, sondern angeblich wegen anderer Dinge.
Während meine Verlobte also tagsüber arbeiten ging, stellte ich das normale Leben ein.
Ich stand am frühen Vormittag auf, nur um mich gleich wieder auf die Couch zu legen.
So wenig bewegung wie möglich. Jede bewegung könnte ja das Herz belasten und mich sofort in den Tod reissen !!
Also tat ich garnichts mehr. Ich lag einfach nur auf der Couch, schaute DVD's an oder beschäftigte mich mit meiner Spielekonsole.
Meine Verlobte musste also inzwischen für 2 leben.
Das ging dann etwa 2 Monate so. Jeden Tag rief ich meine Verlobte oder meine Mutter an, um ihnen mein Leid zu klagen oder darüber zu informieren, das ich sicher gleich einen Herzinfarkt bekommen würde.
Eines Abends brach meine Mutter am Telefon unter Tränen zusammen.
So hatte ich sie noch nie erlebt.
Sie könne das nicht mehr so mitmachen, habe keine Kraft mehr dafür.
Ich fühlte mich in diesem Moment total verarscht.
Hallo ? Schließlich war ICH es doch, der bald ganz sicher an einem Herzinfarkt sterben würde !
Die ganze Familie versuchte, mich da irgendwie rauszubekommen.
Aber keiner schaffte es, konnte mich dazu bewegen mal das Haus zu verlassen.
Ich konnte nicht mal den Müll rausbringen oder in die Küche gehen um etwas zu kochen.
Ich brauchte bloss aufzustehen und sofort war mir schwindelig, ich hatte Herzrasen. (Kein Wunder. . . wenn man nichts isst und mit 1,83m Körpergröße nur noch 55 KG wiegt).
Im Juni 2004 beschloss meine Familie, das es so nicht mehr weitergeht.
Ich wurde wieder in eine Klinik eingewiesen, die Klinik zum Heiligen Geist in Frankfurt/Main.
Für mich war das wieder ein Tiefschlag. Obwohl. . . . viel tiefer konnte ich ja kaum noch sein.
Dort sollte ich dann 12 Wochen verbringen.
In dieser zeit bekam ich alle möglichen Therapien.
Konfrontationstherapie, Musiktherapie, Gesprächstherapie, Zeichentherapie. . . das volle Programm. Ich wurde auf ein anderes Medikament namens Paroxetin eingestellt.
Aber diesmal zeigte die Therapie langsam wirkung.
Ich konnte mich wieder halbwegs frei Bewegen.
Nach den 12 Wochen hatte ich mich also wieder halbwegs im Griff.
Die Attacken wurden weniger und ich traute mich wieder vor die Tür.
Kurz nachdem ich aus der Klinik raus war, verließ mich dann meine Verlobte.
Inzwischen hatte sie gut 2 Jahre mit mir und meinen Attacken ausgehalten, aber nun konnte sie nicht mehr.
Um nicht wieder völlig den Boden zu verlieren, ging ich nochmals für 3 Monate in eine Tagesklinik.
Da ich dazu jeden Tag das Haus verlassen musste, denke ich, das mir diese Tagesklinik von allen Therapien wohl am meisten brachte.
Inzwischen war es 2005 und ich war körperlich wieder halbwegs hergestellt.
Die letzte Panikattacke war gut 3 Monate her und ich lernte langsam, eine ankommende Attacke schon im Keim zu ersticken !
Es fühlte sich einfach nur gut an, endlich wieder Dinge machen zu können, die mir so lange verwehrt geblieben waren.
Im August 2005 find ich dann eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker an.
Ein Job, der körperlich teils sehr anstrengend ist.
So konnte ich mir selbst beweisen, das ich körperlich wohl doch nicht sooo zerbrechlich und Infarktgefährdet war, wie ich mir es 2 Jahre lang dachte.
Tja. . . . . was soll ich sagen ?
Im Juni letzten Jahres beendete ich meine Ausbildung, sogar mit vorgezogener Prüfung !
Die letzte richtige Attacke ist inzwischen *grübel grübel* bestimmt 2 Jahre her.
Ich gehe ohne Angst aus dem Haus. Ich war im letzten Jahr auf "Rock am Ring".
Das hätte ich mir zu meinen Panikzeiten niemals erträumt, zwischen so einer Menschenmasse zu stehen und zu FEIERN !! Ohne Angst !
Für dieses Jahr sind Rock am Ring, Wacken und M'era Luna geplant.
Inzwischen habe ich die Medikamente seit über einem Jahr abgesetzt.
Ich kann zwar nicht behaupten, das ich komplett Beschwerdefrei bin. . . . aber ich lasse mir mein Leben nicht mehr von diesen Attacken bestimmen.

Was will ich mit diesem Posting in epischer Länge nun sagen ?
Die Quintessenz dieses Beitrags ist: LASST EUCH VON DEN ATTACKEN NICHT DAS LEBEN VERSAUEN !!
Wenn ich das geschafft habe, dann ist es für jeden von euch möglich.
Ich bin sicher kein Mensch, der vor Selbstbewusstsein nur so strotzt oder eine übermäßige mentale Stärke besitzt.
Ganz im Gegenteil.
Ich war mein ganzes Leben lang unsicher, schüchtern, unauffällig.
Durch das überwinden dieser Attacken habe ich mir ein Stück Selbstbewusstsein aufgebaut.
Also, lasst es nicht zu das euch die Angst in die Schranken verweist.
Ich bin mir sicher, jeder von Euch ist stärker als er glaubt.
Und jeder hat die Möglichkeit, sich selbst aus diesem Teufelskreis heraus zu holen.
Es mag nicht einfach sein, aber es ist möglich !

So. . . . jeder, der diesen Beitrag bis zum Ende gelesen hat: Glückwunsch !! Ehrlich gesagt, habe ich hier noch einiges Abgekürzt, aber ich denke es ist auch so schon lang genug geworden
Ich freue mich über jegliches Feedback. Und wer Fragen hat, sich von mir Hilfe verspricht: JEDER DARF MICH GERN ANSCHREIBEN !
Soweit ich kann, werde ich versuchen Hilfestellung zu geben.
Natürlich ersetze ich in keiner weise eine professionelle Therapie. . . . aber vielleicht kann ich ja dem einen oder anderen ein wenig helfen.

Liebe Grüße

Sven

01.03.2009 20:05 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hallo Sven,
dazu kann man Dir nur gratulieren!
Ein Beitrag, der " Lust auf mehr" macht.
Liebe Grüße
Iris

02.03.2009 11:18 • #18


Habe viel gelesen,gestern und heute.Jetzt wollt ich ma meinen Trick dazu beitragen.Bei mir hat das vor 2 Jahren angefangen,aus heiterem Himmel wohl nicht,habe ich neuerdings rausgefunden.So Leute wie wir,sind einfühlsame Menschen,nachdenkliche,vorsichtige,kontollbedürftige....sprich sehr spezielle.Das ist scho ein Trost,Ignoranten,Egomanen passieren solche Sachen selten,habe ich bei meinen Recherchen rausgefunden...Nun dem,am anfang war ich am Ende...was ist mit mir los..kann ich denn gar nichts mehr...massive Selbstzweifel...den Rest erspar ich Euch.Irgendwann hatte ich nur noch MICH und ANGST.Also sagte ich mir,du hast nix mehr zu verlieren,bist ja schon ganu unten,demnach fing ich an,Sachen zu machen,die ich lange vermieden hatte.Sogar FLIEGEN,das war einer meiner grössten Ängste,dieses eingeschlossen sein,durchzudrehen...Sass mit meinem Freund im Flieger,zitternd,heulend,abwartend auf die Panik,und es passierte nicht viel.Diese schmerzhaften Gefühle kannte ich doch nur zu gut,eine Steigerung gibt es nicht!!Angstpatienten sind Löwen,wir sind so stark,nachdem ich das gemerkt hatte,in der 1 stunde im Flieger,schwor ich mir,Nett zu mir zu sein.Na und,dann hab ich eben Angst!! Das heisst aber nicht,dass mir was passiert,es ist mir ja schon was passiert.Seit 2 Jahren lebe ich wie ein Skla.,mein eigener....UND das ist schlimm genug.Ich hoffe dass mein Trick EUCH allen da draussen halbwegs helfen kann.hört bitte auf mit den Selbstzweifeln,wir können ALLES,sobald mann bissel selbstsicherer wird,ES ist nur die Art,wie wir selbst über uns denken...liebe grüsse hetepete

16.03.2009 16:51 • #19


Hallo hete,

es ist "nur" die Art wie wir selbst über uns denken. Ganz schön kaputt mach ich mich damit im Moment. Schlimm.... aber ich gebe Dir Recht.

Liebe Grüße
bollywood

16.03.2009 17:43 • #20



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