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Hallo Sven,
es ist wirklich unglaublich, aber Deine Geschichte ist so vergleichbar mit meiner, dass ich direkt hier was schreiben muss
Auch ich habe nach jetzt fast 3 Jahren meine Herzneurose besiegt und kann wieder angstfrei gehen, Treppen steigen, tanzen, und sogar seit ca. 6 Monaten wieder joggen. Und das war wie bei Dir lange lange undenkbar.
Meine Geschichte begann im Januar 2007. 3 Tage nach dem Abschluss meines Studiums bin ich in der Arbeit von einem Krankenwagen abgeholt worden, weil ich plötzlich Herzrasen, Herzstolpern und Schwindel bekamm. Nach einer fünftätigen Volluntersuchung wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen: "Sie sind gesund. Ihnen fehlt nichts. Gehen Sie zu Ihrem Hausarzt." Na super. Der konnte mir nicht wirklich weiterhelfen, außer mich erstmal krankschreiben. Zu Hause ging die Hölle los. Meine Panikattacken mit Herzrasen, Herzstolpern und unglaubliche Angst vor einem Herzinfarkt und plötzlichen Herzstillstand wuchs auf ein Pegel, denn ich alleine nicht mehr kontrollieren konnte. Der Notartz musste her. Valium einspritzen. Drei verschiedene Kardiologen mussten mich trotz des kürzlichen Krankenhausaufenthaltes erneut untersuchen. Mit dem immer gleichem gesunden Ergebnis. Doch das konnte mir nur für die nächsten zwei Tage helfen. Was ja auch keine Wunder war, denn mein Herz hörte ja nicht auf zu schlagen oder mir mit den heftigsten Stolpern seine kranke Existenz zu demonstrieren. So ging es ca. 8 Wochen weiter, bis ich nicht mehr konnte und freiwillig in eine psyosomatische Klinki mich habe einweisen lassen.
Dort angekommen, habe ich Anfangs noch geglaubt, dass ich beim Verlassen wieder völlig gesund sein werde, doch die Herzneurose ist keine Erkrankung wie eine Grippe. Dafür gibt es keine Pillen, die dich in den nächsten par Tagen von dem Leid befreien können.
Nach 13 wirklich nicht einfachen Wochen in der Klinik war ich wieder zu Hause. Ich lebte damals schon mit meinem Freund zusammem, so dass ich nicht alleine sein musste. Doch zunächst war ich wieder krankgeschrieben. Wieder arbeiten zu gehen, kam für mich noch nicht in Frage. Was dazu führte, dass aus meiner Herzangst parallel eine starke soziale Phobie entstand. Ich traute mich nicht mehr vor die Tür, nicht mehr ans klingende Telefon, nicht mehr alleine Einkaufen. Ich lag wie Du Sven bis mein Herz mich wieder weckte im Bett und dann den Rest des Tages auf der Couch. Bloß nicht zu viel bewegen, schließlich hatte ich heute Morgen und Gestern und die Wochen davor schon so viel Herzrasen gehabt. Noch mehr Belastung schafft mein Herz bestimmt nicht. Mein Freund meine Eltern mussten sich permanent anhören, dass ich das nicht überlebe, und dass ich eben wieder ganz schlimme Herzstolper hatte und ich schnell einen Arzt brauche.
Irgendwann wollte mein Hausarzt mich nicht mehr krankmelden. Doch ich war noch nicht in der Lage arbeiten zu gehen, nicht mit meiner Herzangst und jetzt auch noch der sozialen Phobie. Ich konnte nicht anders und kündigte meinen Arbeitsplatz, den ich mir direkt nach dem Studium gesichert habe.
Und so ging es immer steil Berg ab. Mir ging es immer schlimmer und das Geld war immer knapper. Die Beziehung zu meinem Freund war fast zerstört. Wir standen permanent vor der Trennung, was meiner Herzneurose erst recht nicht half. Leute treffen auf Parties gehen, das war unmöglich. Mein Leben bestand nur aus Angst und nichts anderem mehr.
Doch ich hatte Glück im Unglück. Ich habe eine tolle Therapeutin gefunden, die mir mit viel Einsatz und Geduld wieder auf die Beine geholfen hat, und mir immer wieder Mut gemacht hat. Ich habe viel gelernt in der schlimmen Phase und weiß jetzt genau warum das alles so bei mir war. Im Moment habe ich bereits seit fast einem jahr einen neuen Job und freue mich das alles so weit geschafft zu haben.
Sorry, dass ich jetzt so viel geschrieben habe, aber ich finde es so toll hier jemanden zu treffen, denn es scheinbar genauso erging.
Ich wünsche Dir alles Liebe für die Zukunft und allen anderen, die das hier lesen und sich gerade ich der schwierigsten Phase Ihres Lebens befinden, möchte ich sagen, dass Ihr nicht aufhören dürft daran zu glaube wieder völlig frei von Angst zu sein. Glaubt an Eure Kraft in Euch!
Eins was mir in den schlimmsten Stunden geholfen hat, war die Einsicht, dass ich eigentlich keine Wahl habe, entweder ich sterbe daran, oder ich stehe wieder auf,kämpfe und glaube an mich und eine wunderschöne Zukunft. Also kämpfte ich und bin heute dankbar denn je das alles bis jetzt geschafft zu haben. Ihr könnt das auch
Viele Grüße
Trusty