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TomTomson
Hallo zusammen,

ich litt selber lange an Schwindel und nach über 10 Jahren habe ich endlich die Ursache dafür gefunden. Ich schildere euch im folgenden meinen Werdegang und natürlich auch was schliesslich der Auslöser für meinen Schwindel war und wie ich ihn losgeworden bin. Hab der Übersicht halber den ganzen Post in 3 Teile gegliedert wer sich mein Blabla sparen will kann auch direkt zum letzten Teil skippen.


Vorwort

Vorweg, ich weiss der Schwindel kann viele Auslöser haben, vom "einfachen" Drehschwindel der in der Regel vom Innenohr verursacht wird bis hin zu komplexeren und auch schwieriger zu beschreibenden Formen wie dem Schwankschwindel, Benommenheitsschwindel oder einfach dem Gefühl, dass im Kopf ein Sturm herrscht.
Daher kann ich auch nur von mir erzählen, mit dem Wissen, dass es vermutlich bei 95% oder gar mehr der an Schwindel Leidenden eine andere Ursache sein wird. Dennoch wenn ich auch nur jemandem damit helfen kann oder den Leuten zumindest Hoffnung geben kann hat sich dieser Beitrag für mich schon gelohnt.

Bei vielen die an Schwindel leiden bleibt nachdem das meiste körperliche ausgeschlossen wurde häufig nur noch die Psyche oder irgendein Problem an der HWS als Auslöser übrig. Ich kenne mich leider zu wenig damit aus und konnte bei mir auch nicht beurteilen woher es kam. Ich würde mal mit gesundem Menschenverstand die Behauptung aufstellen, dass wenn ihr zusätzlich zu dem Schwindel noch an einer konkreten Angst leidet und / oder der Schwindel durch die Angst ausgelöst wird, vermutlich die Psyche mit höherer Wahrscheinlichkeit daran Schuld ist als etwas anderes und ihr daher euren Fokus zuerst darauf richten solltet.
Tritt der Schwindel jedoch unabhängig von einer Angst auf und / oder ist irgendwie immer vorhanden, wird es vermutlich einen anderen Auslöser als die Psyche sein. Natürlich verursacht der Schwindel wiederum auch Angstgefühle, so dass man sich kaum noch sicher sein kann, was ist eigentlich Huhn und was Ei. Zwar ist diese Angst dann primär auf den Schwindel gerichtet und alles was damit einhergeht, ich weiss jedoch aus eigener Erfahrung, dass man irgendwann seinem eigenen Urteil nicht mehr traut bzw. alles beginnt anzuzweifeln, besonders wenn man damit zum Psychologen geht und dieser darauf besteht, dass es von der Psyche kommen muss. Aber Psychologen tendieren leider dazu alles auf die Psyche zu schieben und dagegen kann man halt einfach nicht argumentieren, denn: "es könnte ja sein".


Meine Geschichte

So nun zu meiner Geschichte: Begonnen hat alles vor ca. 11 Jahren, als ich noch im Gymnasium war. Damals kamen leichte Gefühle von Unruhe hoch, sowie Konzentrationsstörungen, ausserdem fühlte ich mich ständig müde und abgeschlagen und hatte irgendwie Mühe mit den Augen etwas zu fixieren. Ich hab mir damals aber nicht viel dabei gedacht und es zunächst ignorieret und mir einfach gesagt, "ach das wird schon". Leider wurde es aber nicht besser sondern zunehmend schlimmer. Ca. 7 Jahre später hat das ganze dann einen Punkt erreicht wo es einfach nicht mehr ging, ich hatte durchgehend so ein seltsames Druckgefühl im Kopf und fühlte mich völlig benommen, es fühlte sich alles so komisch und surreal an, als wäre ich komplett neben mir, auch war meine Konzentration dermassen im Eimer, so dass ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte.

Weil ich irgendwie das Gefühl hatte den Verstand zu verlieren bin ich damit zuerst einmal zum Psychologen, mit welchem ich diverse Verdachtsdiagnosen durchgegangen bin, von Psychose über soziale Phobie bis hin zu ADHS. Allerdings hat nichts so richtig gepasst, aber leider bestand dieser Psychologe darauf, dass das Problem von der Psyche kommen muss. So habe ich insgesamt 2 Jahre mit regelmässigen Besuchen beim Psychologen verbracht, bis ich irgendwann selber entschieden habe, dass dies nichts bringt und ich meiner Meinung nach absolut keine schwerwiegenden psychischen Probleme habe. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich an Ängsten leide oder mich irgendwas bedrückt abgesehen von diesem ätzenden Benommenheitsschwindel. Gleichzeitig habe ich natürlich auch noch diverse andere Ärzte abgeklappert, wie Neurologen, HNO Arzt usw. doch dort war stets alles in Ordnung.

Tja, das war dann der Punkt wo ich so langsam echt nicht mehr weiterwusste und anfing zu verzweifeln. Ich lag zunehmend nur noch zuhause im Bett mit dem Laptop und lenkte mich entweder mit Youtube Videos ab oder googelte nach weiteren Möglichkeiten. In der Zeit bekam ich immer stärkere Nackenschmerzen mit denen ich schliesslich zum Chiropraktiker ging. Dieser machte ein Röntgen von meiner HWS und wie man sich vielleicht denken kann, war damit auch alles in Ordnung. Also suchte er nach verspannten Muskeln und löste diese mit Nadeln und Manueller Therapie. Leider hat dies alles kaum geholfen, so dass ich nach ein paar Monaten auch dies abgebrochen habe.
Nun hatte ich aber den starken Verdacht, dass dies vermutlich alles zusammenhängt und der Schwindel doch irgendwie vom Nacken kommen muss. Nachdem ich knapp ein weiteres Jahr mit Selbstrecherche und austesten von diversen Nackenübungen verbracht habe wurde ich endlich fündig, das Problem kam tatsächlich von Nackenverspannungen, allerdings war das ganze so heimtückisch und versteckt, dass es kein Arzt und kein Chiropraktiker bemerkt hat.


Die Ursache

Die Wurzel allen Übels lag bei mir im sogenannten Musculus Longus Capitis, dies ist ein Muskel der vorne am Hals liegt und den Kopf nach unten zieht. Dieser Muskel ist extrem wichtig für die Fixierung des Kopfes. Der Muskel ist allerdings recht versteckt und wird offenbar gerne übersehen. Nun war dieser Muskel bei mir aber völlig verhärtet. Witzigerweise oder an dieser Stelle vielleicht eher tragischerweise bemerkte ich an dieser Stelle nie irgendwelche Schmerzen auch wenn dieser Muskel wohl schon seit über 10 Jahren verspannt und verhärtet ist.
Wenn ein Muskel in unserem Körper nicht richtig funktioniert übernehmen andere Muskeln seine Funktion um einerseits eine Schonhaltung für den betroffenen Muskel zu gewährleisten und um andererseits die Funktion dieses Muskels zu kompensieren. Ich denke jeder kennt das wohl von einer Halskehre, wenn man eine komische Haltung annimmt nur um bloss nicht den verspannten Muskel anspannen zu müssen. Nun war es bei mir aber so, dass dieser Muskel verhärtet blieb und all die Jahre die anderen Muskeln seine Arbeit übernehmen mussten. Und weil die Kompensation dieses Muskels halt nur suboptimal funktioniert und die anderen Muskeln völlig überbeansprucht werden, kann dies auf Dauer nicht funktionieren. Der Schwindel entsteht dabei einerseits durch den unnatürlichen und asymmetrischen Muskeltonus und andererseits durch die mangelnde Stabilität des Kopfes.

Damit sich dies alles wieder normalisiert, musste ich also den verhärteten Muskel wieder lösen, dies geht einerseits mit gezielten Übungen für den Muskel sowie mit Mas-sage der verhärteten Stelle, was bei diesem Muskel übrigens etwas tricky ist. Doch mit etwas Übung hatte ich es irgendwann raus und siehe da, nach nur wenigen Wochen war das Problem verschwunden und alles normalisierte sich. Ich habe dazu sogar noch etwas in der Fachliteratur gefunden, wo genau dieses Problem beschrieben wird.

Im Prinzip kann jeder verspannte Muskel der HWS Schwindel auslösen, allerdings bemerken wir die meisten davon. Doch es gibt noch weitere Kandidaten, welche gerne übersehen werden u.a. weil sie auch kaum Schmerzen verursachen.

1. M. Longus Colli
2. M. Longus Capitis
3. M. Splenius Capitis
4. M. Semispinalis Capitis

Dies sind jeweils tiefsitzende Muskeln nahe der Wirbelsäule entweder vorne am Hals (1. + 2.) oder hinten am Nacken (3. + 4.)
Da diese Muskeln halt etwas versteckter liegen bleiben sie häufig unentdeckt.

Wenn ihr schon länger an Schwindel leidet und / oder das Gefühl habt, dass es vermutlich nicht oder nicht nur von der Psyche kommt kann es sich vielleicht lohnen diese versteckten Muskeln einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Liebe Grüsse und Alles Gute

24.10.2019 09:37 • 26.10.2019 x 2 #1


4 Antworten ↓


Luunay
Oh Gott ich danke dir so sehr für diesen Beitrag.
Ich habe extreme Probleme mit der HWS und habe manchmal auch so ein.. Schwindel-Kopfschmerz (Mischung aus beiden) , ganz komisch zu beschreiben.
Dieser Musculus Longus Capitis oder einer dieser Muskeln vorne tat letztens so weh bei mir, nicht durchgehend aber manchmal für 1-2 stunden und dann wieder für ein paar Minuten. Selbst beim tiefen einatmen war an der Stelle so ein stechender, ziehender Schmerz.
Ich werde bald mal zu einer Osteopathin gehen, vielleicht kann sie mir ja auch dabei helfen.

24.10.2019 10:20 • #2


TomTomson
Hey ich hoffe du findest bald die Lösung des Problems. Du kannst aber durchaus auch selber deine Muskeln massieren, ist zu Beginn vielleicht etwas ungewohnt, aber ich denke auf Dauer ist es etwas vom wirksamsten dass man tun kann denn man spürt selber am besten wo genau es schmerzt, wie viel Druck man darauf ausüben kann und wie häufig.

Eine Osteopathin sollte sich bestimmt damit auskennen, vor allem wenn du spürst von wo her es zieht kann man ja gezielt danach suchen.

Wünsche dir alles Gute

24.10.2019 19:21 • #3


Zitat von TomTomson:
Hey ich hoffe du findest bald die Lösung des Problems. Du kannst aber durchaus auch selber deine Muskeln massieren, ist zu Beginn vielleicht etwas ungewohnt, aber ich denke auf Dauer ist es etwas vom wirksamsten dass man tun kann denn man spürt selber am besten wo genau es schmerzt, wie viel Druck man darauf ausüben kann und wie häufig.Eine Osteopathin sollte sich bestimmt damit auskennen, vor allem wenn du spürst von wo her es zieht kann man ja gezielt danach suchen. Wünsche dir alles Gute



Hallo TomTomsen!
Welche Übungen hast du denn gezielt gemacht? Ich finde sehr wenig im Internet darüber! Leide auch unter ständigem Schwindel! Hab auch meine Muskulatur in Verdacht! Sogar beim Liegen ist es als würde ich Karussell fahren! Kann schön langsam nicht mehr!

LG

26.10.2019 08:08 • #4


TomTomson
Hallo Kat, also welche Übungen man machen sollte hängt davon ab, welcher Muskel verspannt ist. Bei den meisten Muskeln bemerken wir relativ schnell, wenn sie verspannt sind, ausser eben es sind die tieferen Muskeln, daher würde ich auch gezielt mal die 4 Muskeln abtasten, welche ich oben beschrieben habe.

Da sie etwas tiefer sitzen ist es etwas unangenehmer diese zu suchen, und wenn du dich gar nicht traust, kannst du damit auch zu einem Physiotherapeuten, Osteopathen o.ä. gehen.

Falls du es selber probieren möchtest hier eine Anleitung, kannst natürlich auch googeln da findet man auch jede Menge.

Also um die Muskeln vorne am Hals zu ertasten orientierst du dich am grossen Halswende Muskel (Sternocleidomastoideus) seitlich am Hals, dies ist jeweils der dicke Muskel links und rechts am Hals, den man sehr gut greifen kann. Die tiefen Halsmuskeln liegen genau zwischen diesem Muskel und der Luft / Speiseröhre. Du kannst nun z.B. mit der rechten Hand deinen rechten Halswender greifen und dann mit dem Daumen vorsichtig in den Zwischenraum zwischen Halswender und Trachea drücken, im Prinzip kann man dann soweit hineindrücken wie es geht, irgendwann stösst man dann nämlich auf die Wirbelsäule mit den Muskeln dran. In dieser Gegend liegt auch noch die Carotisarterie, wenn du merkst, dass etwas pulsiert dann schieb es einfach zur Seite und drücke daneben weiter. Es hört sich im ersten Moment vielleicht etwas unheimlich an aber keine Angst, solange du nur eine Seite aufs mal abtastest, kann nichts dabei passieren. Solltest du dabei auf eine schmerzliche Stelle stossen bedeutet dies mit grosser Wahrscheinlichkeit, dass die vorderen tiefen Halsmuskeln verspannt sind. Diese Halsmuskeln erstrecken sich vom obersten Wirbel bis etwa zum fünften, suche also ruhig die ganze Länge nach Muskelverspannungen ab. Die Verspannungen kannst du dann natürlich auch gleich selbst massieren.

Die tiefen Muskeln am Hinterkopf sind etwas einfach zu ertasten. Du orientierst dich dabei wieder am seitlichen Halswender. Diesmal verfolgst du mit der Hand den Halswender bis an den Hinterkopf wo er verschwindet. Etwas medial davon also bzw. leicht Richtung Nackenmitte gleich neben der Stelle wo der Halswender am Hinterkopf ansetzt kannst du mit deinen Fingern etwas tiefer hineindrücken und gelangst so an die unteren Muskelschichten.

Selbstmassage ist zu Beginn immer etwas ungewohnt, aber ich finde es lohnt sich, sich damit vertraut zu machen.

Ich hoffe ich konnte dir helfen, kannst gerne hier Bescheid geben, ob du was gefunden hast.
Liebe Grüsse

26.10.2019 10:44 • #5




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