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Hallo Seelenfresser,
Du brauchst als Schülerin mit 16 Jahren nicht den Weg über lange Wartelisten gehen beim Therapeuten. Du hast als Schülerin Anspruch auf eine Schulpsychologische Betreuung, die ist kostenlos und da ist eigentlich immer binnen einer Woche ein Termin möglich.
Du kannst entweder zum Schulpsychologen oder Beratungslehrer deiner Schule gehen oder dich direkt an den schulpsychologischen Dienst in deiner Stadt wenden. Google einfach mal danach, es gibt für jeden Bezirk und jede Region sowas - normalerweise.
Selbst wenn du keine Therapie willst kann man dir dort evtl. weiter helfen. Du musst ja weder bei deinen Großeltern noch deinen Eltern wohnen. Du kannst jederzeit ausziehen in ein betreutes WG-Wohnen mit anderen Teenies oder in was Eigenes, wenn du 18 bist. Eine Freundin von mir kommt auch schlecht mit ihren Eltern klar, sie beantragte Bafög und zog auch mit 16 von Daheim aus, und es hat ihr sehr gut getan sagt sie, von da weg zu sein.
Ich kann dir bloß sagen dass es mir früher ganz ähnlich ging. Nur waren nicht meine Eltern Schuld an meiner verkorksten Kindheit sondern eine Krankheit die ich bekommen hab als ich 6/7 Jahre alt war. Ich musste dann oft operiert werden, Wochenlang im Krankenhaus bleiben, hatte da bloß alte Menschen um mich und keine Kinder. Ich hab irgendwie verlernt mit Gleichaltrigen umzugehen, vielleicht auch nie richtig gelernt. Und weil ich so selten in die Schule gehen konnte war ich auch immer der Außenseiter, jahrelang. Ich hab's lange nicht geschafft die soziale Kompetenz aufzuholen die mir von früher gefehlt hat. Erst als ich aufgehört hab mich damit abfinden zu wollen und mich selbst zu bemitleiden und begonnen hab selber aktiv was zu ändern wurde es langsam besser. Ich hab begonnen mich in Schul-AGs aktiv einzubringen, hab in der Cafeteria geholfen, Selbstverteidigung gemacht, im Chor gesungen, all solche Sachen. Zusätzlich bin ich dann auch noch in diverse Vereine gegangen. Egal was mich interessiert hat, ich hab's einfach mal ausprobiert. Manches hab ich nicht weiter gemacht, manches schon. Das ist erst mal egal. Wichtig war für mich: Nicht mehr Daheim hocken und im Selbstmitleid versinken sondern raus gehen, unter Leute kommen, und mit den Anderen jenseits der festen Grüppchenordnung aus der Schule reden. Da sind die nämlich ganz anders drauf als in der Klasse
Es hat trotzdem etwa zwei Jahre gedauert bis ich mich selber gut leiden konnte und ohne Probleme auf Andere zugehen konnte. Aber ich war verdammt froh über jeden kleinen Schritt. Ich hab dann Jahre später eine Therapie gemacht, eine Verhaltenstherapie, eigentlich weil mein Vater gestorben ist, aber dort kamen auch viele verschüttete Dinge aus meiner Kindheit hoch, ich hatte das mit meiner schweren Krankheit noch immer nicht ganz verkraftet. Erst durch die Therapie hab ich's geschafft das endlich richtig abzulegen. Ich hatte z.B. jahrelang Horror vor Krankenhäusern und wurde unruhig un reinweißen Räumen - seit der Therapie bin ich das endlich los.
Deswegen rate ich dir an zwei Seiten anzupacken
Zum Einen: Selber aktiv werden, Hobbies suchen, rausgehen, nicht mehr Daheim sitzen, so schwer es auch fällt aktiv zu sein.
Zum Anderen: Eine Verhaltens-Therapie beim Therapeuten der mit dir reden und dir aufzeigen soll wie du dich Anderen gegenüber vielleicht geschickter verhalten kannst als du es jetzt tust.
Und nochmal: Du musst das nicht alles im Alleingang machen. Geh zur Krisenberatung oder zum Schulpsychologen. Es gibt genug Erwachsene die nur dazu ausgebildet wurden dir zu helfen, und die auch dafür bezahlt werden. Hab keine Scheu das auch in Anspruch zu nehmen!
Liebe Grüße,
Bianca