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Hallo liebe Forenmitglieder,

vielleicht könnt ihr mir einen guten Tipp geben, wie man besser mit seiner Vergangenheit klar kommt. Im Speziellen geht es darum, dass ich ständig über Dinge aus meiner Vergangenheit nachdenke und mich mit Selbstvorwürfen fertig mache. Einige Jahre später fallen mir plötzlich Dinge aus meiner Vergangenheit ein, die mich dann Wochen oder Monate beschäftigen. Die Emotionen, die ich damals empfunden habe, durchlebe ich noch einmal, nur gefühlt um einiges stärker.
Es gibt einige Dinge, mein Verhalten betreffend, die mir super peinlich sind, die ich so beschämend finde. Die Schamgefühle sind einfach so überwätigend. Wie kommt man damit klar? Ich weiß, man muss sich selbst verzeihen, sich eingestehen, dass man nur ein Mensch ist, der Fehler macht usw. usw.
Nur so nebenbei: Ich habe absolut keine krassen Dinge verbrochen. Es sind schon Kleinigkeiten, z.B. habe ich einem Fremden etwas (im Nachhinein) total dummes auf seine StudiVz-Pinnwand gepostet. Oder ich bin Typen hinterhergelaufen, die ich gar nicht kannte, und die sich schon von mir genervt/belästigt gefühlt haben. Das ist schon Jaaahre her. Hört sich für andere mit Sicherheit lächerlich an, aber solche Geschichten verfolgen mich jahrelang.

Ich bin auch bei anderen Menschen sehr streng, z.B. meiner Mutter. Ich weiß, sie wollte nur das Beste, aber sie hat sehr oft mein Vertrauen missbraucht, Lügen etc. Solche Dinge kann ich nicht vergessen und halte sie ihr auch vor. (Leider) habe ich ein sehr gutes Gedächtnis, was dazu führt, dass ich mich an jede Kleinigkeit erinnere, als wenn solche Geschichten in meinem Gedächtnis eingebrannt sind. Während andere Menschen Dinge schon längst vergessen haben, hänge ich immer noch an solchen Dingen oder sie fallen mir Jahre später wieder ein. Mit meiner Mutter reden kann ich auch nicht reden, da sie nur selten zu ihren Fehlern steht, vieles abstreitet oder sich - wie gesagt- auch nicht mehr daran erinnert.

Das macht mich alles fertig. So viel negative Gefühle habe ich in mir, Scham (meine ganze Person betreffend) Wut, Agression... Ich denke, dass ich hochsensibel bin und mir alles zu sehr zu Herzen nehme. Vor einigen Jahren wurde ich auch pyschotherapeutisch wegen einer Sozialphobie behandelt.
Wie kann ich besser damit zurecht kommen? Danke für eure Tipps und Erfahrungen!

14.11.2016 22:59 • 19.11.2016 #1


6 Antworten ↓


Hotin
Hallo Foxistar,

willkommen hier im Forum.

Eine Verbesserung in Deiner Situation zu erreichen ist grundsätzlich nicht sehr schwer. Sie wird jedoch dadurch
schwierig, weil Du Dir selbst eine Denkschleife gebaut hast.
Zitat:
dass ich ständig über Dinge aus meiner Vergangenheit nachdenke und mich mit Selbstvorwürfen fertig mache.


Zitat:
Ich bin auch bei anderen Menschen sehr streng,…


So kannst Du Dich verhalten. Nur bekommst Du dafür eine psychische Störung.
Wer oder was ist dafür verantwortlich, dass Du alles tausendmal überprüfst und dann immer noch nicht zufrieden bist.
Von wem fehlte Dir immer eine echte Zuneigung?
Zitat:
Solche Dinge kann ich nicht vergessen und halte sie ihr auch vor. (Leider) habe ich ein sehr gutes Gedächtnis, was
dazu führt, dass ich mich an jede Kleinigkeit erinnere, als wenn solche Geschichten in meinem Gedächtnis eingebrannt sind.


Bitte sei mir nicht böse. Das kann kaum sein, dass du Dich nach Jahren noch an jede Kleinigkeit erinnerst.
Du glaubst Dich an jedes Detail zu erinnern.
Ich hatte in jungen Jahren einen Freund und eine Freundin, die das gleiche behauptet hatten.
Kurz bevor sie mich schwindelig geredet hatten, habe ich mich aus den Situationen damit gerettet, das ich wichtige
Sachen gelegentlich aufgeschrieben hatte. Als sie mir dann wieder erzählen wollten, wie genau sie sich erinnern konnten,
habe ich dann ihre Erinnerungen mit meinen schriftlichen Aufzeichnungen verglichen.
Du glaubst es kaum. Es war eine Katastrophe und leider auch das Ende unserer Freundschaften.
Nun kannst Du weiter behaupten, bei Dir ist das ganz anders. Ich habe jedoch daran meine Zweifel.
Zitat:
Es gibt einige Dinge, mein Verhalten betreffend, die mir super peinlich sind, die ich so beschämend finde.
Die Schamgefühle sind einfach so überwältigend. Wie kommt man damit klar?


Besser klar kommst Du damit, wenn Du mit Deinem Bewusstsein diese Erlebnisse mit Deinem heutigen Wissen neu bewertest.
Dann solltest Du erkennen, dass das, was damals falsch und schambesetzt war, aus heutiger Sicht, völlig harmlos
und überhaupt nicht schlimm ist.
Zitat:
z.B. meiner Mutter. Ich weiß, sie wollte nur das Beste, aber sie hat sehr oft mein Vertrauen missbraucht, Lügen etc.


Leider benutzen wir Menschen Lügen. Du kannst auch nicht nur die Wahrheit aussprechen. Das ist leider so. Oft hilft es
Dir, wenn Du herausfindest, warum Dich jemand in einer bestimmten Situation belügt. Wir Menschen kommen immer
wieder in Gedanken- und Entscheidungszwänge. Viele kommen da nur mit einer Lüge wieder heraus.
Du kannst nur versuchen möglichst ehrlich zu sein. Nie lügen geht aber gar nicht.
Zitat:
Das macht mich alles fertig.


Das glaube ich.
Zitat:
Ich denke, dass ich hochsensibel bin


Das glaube ich kaum.
Zitat:
Wie kann ich besser damit zurecht kommen?


In dem Du andere Menschen fragst, wie sie das sehen, was Du glaubst zu sehen.
Das sind besonders Psychologen, oder auch Menschen mit speziellen Interessen, wie wir das hier machen.
Und dann musst Du natürlich irgendwann anfangen, Deine neu gewonnenen Erkenntnisse in Deine Gedanken einzubauen.
Das ist es dann hauptsächlich..

Viele Grüße

Bernhard

15.11.2016 09:54 • x 1 #2



Vergangenheit loslassen, Schamgefühle überwinden

x 3


Danke, Bernhard, für deine Antwort. Du hast mir sehr gute Denkanstöße gegeben.

15.11.2016 19:36 • x 1 #3


JollyJack
Moin,

was Hotin sagt.

Du schaust nur nach hinten, nie nach vorne....
Jeder Mensch hat eine Vergangenheit und die ist in den seltensten Momenten ruhmreich.

Zitat von FoxiStar:
Und dann musst Du natürlich irgendwann anfangen, Deine neu gewonnenen Erkenntnisse in Deine Gedanken einzubauen.
Das ist es dann hauptsächlich..


Besser kann man es nicht formulieren. Nach vorne geht der Blick!

Liebe Grüße,
JollyJack

PS: Das Zitat war eigentlich von Hotin und nicht von Dir.

15.11.2016 20:24 • x 2 #4


Hi FoxiStar,
ich kann Dich-glaube ich-recht gut verstehen.Denn ich bin selber Sozialphobiker und wohl auch hochsensibel.Jedenfalls sagen das einige Tests aus.
Diese schmerzlichen Rückerinnerungen an längst vergangene Ereignisse suchen auch mich regelmäßig heim.Sie gehen mit starken Empfindungen von Scham und Peinlichkeit einher,die im umgekehrten Verhältnis zur Belanglosigkeit der Situation stehen.

Ich kann oft selber nur den Kopf schütteln,bin aber auch beunruhigt über die destruktive Macht,die in solchen Erinnerungen liegt.Noch Jahre später habe sie die Möglichkeit mich "kalt zu erwischen" und mich erneut zu quälen.So als wäre die Verletzung,die Blamage oder die Kränkung gerade eben passiert und nicht schon vor Ewigkeiten.
In diesem Sinne heilt die Zeit überhaupt keine Wunden.

Natürlich bin ich mir im Klaren darüber,daß dieses ganze Geschehen auf einem gewissen Nährboden wächst und hier spielt das permanente Grübeln und "Zerdenken" aller möglichen Eindrücke die zentrale Rolle.
Verkürzt gesagt:Weniger Grübeln,weniger schmerzliche Erinnerungen.
Es hilft,sich mal zu fragen:"Wann grübel ich besonders viel?"
Ich persönlich grübel gerne,wenn ich eigentlich eine Entscheidung treffen müßte oder wenn ich mich nicht aufraffen kann,eine unangenehme Sache zu erledigen.

Dann hilft es sich auf lösungsorientierte Gedanken zu konzentrieren.Was mache ich wie in welcher Reihenfolge?Was ist die beste und klügste Lösung für ein Problem?
Damit ist mein Bewußtsein im Idealfall so beschäftigt,daß man allem anderen das Wasser abgräbt.


Vielleicht ist auch die Meditation für Dich hilfreich.Beim Zazen,dem Atemzählen im Sitzen,lernt man Gedanken kommen und gehen zu lassen,während man sich ermahnt,dem Ein- und Ausatmen gedanklich zu folgen.
Und bei alledem wertet man nicht,sondern beschreibt wie ein neutraler Beobachter alles was kommen und gehen will.

Das wären so ein paar Ansätze von mir............

15.11.2016 20:37 • x 1 #5


Danke, Chingachgook, für deine Antwort. In dem, was du geschrieben hast, finde ich mich zu 100% wieder. Mir fällt es generell auch schwer, mit Dingen abzuschließen, da ich mir diese wieder und wieder ins Gedächtnis rufe. An Meditation hatte ich auch schon gedacht. Danke für deine Tipps!

17.11.2016 20:08 • #6


Zitat von FoxiStar:
Hallo liebe Forenmitglieder,

vielleicht könnt ihr mir einen guten Tipp geben, wie man besser mit seiner Vergangenheit klar kommt. ...

Das macht mich alles fertig. So viel negative Gefühle habe ich in mir, Scham (meine ganze Person betreffend) Wut, Agression... Ich denke, dass ich hochsensibel bin und mir alles zu sehr zu Herzen nehme. Vor einigen Jahren wurde ich auch pyschotherapeutisch wegen einer Sozialphobie behandelt.
Wie kann ich besser damit zurecht kommen? Danke für eure Tipps und Erfahrungen!



Ich gebe sonst auf so einen Hilferuf keine Buchtips. Aber in deinem Fall paßt es zu deinem gesamten Hilferuf einfach so perfekt
daß ich es nicht unterlassen kann:
Von:
Rainer Egli
"Das LoLa-Prinzip"

Ist nicht nur gut und wahr, und im übrigen auch NICHT esotherisch, sondern gut zu lesen und wie auf dich zugeschnitten.
Unbedingt zulegen. Kann man auch immer wieder drin lesen. Alles Gute !

19.11.2016 02:15 • x 1 #7




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