Hallo zusammen,

nachdem ich einige Einträge in diesem Forum gelesen habe, denke ich, dass ich mit meiner momentanen Gefühlslage hier ganz gut hingehöre.

Wenn ich es realistisch betrachte, habe ich eigentlich keinen wirklich Grund zu jammern. Ich habe vor kurzem neben meinem Beruf ein Studium abgeschlossen, von dessen Notenschnitt wahrscheinlich die meisten träumen. In meinem Beruf macht mir die Arbeit (meistens) Spaß und ich werde von meinen Kollegen auf Grund meiner guten Arbeit und von einigen sicher auch wegen meiner Persönlichkeit durchaus geschätzt. Ich habe einen weit gestreuten Bekanntenkreis, von dem ich auch so akzeptiert werden, wie ich bin.

Mein Problem ist, dass ich mich trotz allem häufig sehr einsam fühle. Natürlich könnte ich dann versuchen, Freunde zu erreichen, aber im Grunde meines Herzens weiß ich, dass mir in dem Moment irgendwas bei diesem oder jenem Freund fehlen wird und die ganze Veranstaltung mir ein noch größeres Gefühl der Einsamkeit gibt. Der Notenschnitt, den ich beim Studium erreicht habe, resultiert vermutlich aus der Tatsache, dass ich mich schon vor dem Studium einsam gefühlt hatte und jetzt endlich einen Sinn in meinem Handeln gesehen hatte.

Momentan kämpfe ich häufig gegen das Bedürfnis, mich erneut wieder massiv in Arbeit zu stürzen, um vor diesem Gefühl der Einsamkeit wegzulaufen. Der hohe Stresspegel hat bei mir aber leider zwischenzeitlich dazu geführt, dass ich auch körperliche Auswirkungen wie beispielsweise Herz-Rhythmusstörungen aufweise. Aus meiner Sicht bin ich persönlich momentan so labil, dass ich mir vollkommen hilflos vorkomme. Wenn alles in meinem Umfeld so läuft, wie ich es gerne haben möchte, bin ich zufrieden. Es fehlen aber nur Kleinigkeiten (beispielsweise die Nachricht, dass ich aus gesundheitlichen Gründen eine bestimmte Berufsrichtung nicht einschlagen kann, bei der ich mir mittlerweile nicht mehr sicher war, ob ich sie tatsächlich einschlagen möchte) und ich stelle die ganze Welt in Frage. Ich habe dann das Gefühl, dass mich keiner versteht, keiner liebt und die ganze Welt gegen mich ist. Ich komme dann von solchen Gedanken einfach nicht los, heule ganze Tage durch und weiß nicht, wie das Leben weitergehen soll.

Wie gesagt, mir ist rein rational bewusst, dass ich im Vergleich mit vielen, die hier posten, keine "wirklichen" Probleme habe, trotz allem belasten mich meine Stimmungsschwankungen sehr.

Hat jemand einen Rat, wie ich diesem Gefühl von immer wieder auftretender Einsamkeit und emotionaler Hilflosigkeit begegnen kann?

Viele Grüße

Puck

13.03.2010 07:26 • 29.03.2010 #1


4 Antworten ↓


Hallo Puck,

das Einsamkeitsgefühl in Arbeit ertränken...kenne ich auch...

Einsam unter Millionen...sich unverstanden zu fühlen, in einer Gruppe...ausgeschlossen, ausgegrenzt...

Das ist alles subjektiv und wahrscheinlich objektiv ganz anders. Du fragst, wohin mit dem Gefühl der Einsamkeit? - Es loslassen vielleicht? Damit es verschwinden kann! Sich nicht an dieses Gefühl binden, sondern Raum schaffen für neue Gefühle. Mir hilft es, wenn ich rausgehe in die Natur...Tapetenwechsel, räumliche Veränderung. Dadurch kommen neue Reize auf mich zu und ich muss mich anderen Dingen stellen, als bloß meinem Gefühl.

Ja, es ist bloß ein Gefühl - in den meisten Fällen jedenfalls, und bei genauerer Betrachtung ist man gar nicht wirklich allein. Um einen herum sind so viele gute Kontaktmöglichkeiten, die man vielleicht übersieht, weil man gerade wieder gefangen ist in der Einsamkeitsschiene...

Alles Liebe
Carine Naramudi

26.03.2010 19:52 • #2


Zitat von undpuck:
Der hohe Stresspegel hat bei mir aber leider zwischenzeitlich dazu geführt, dass ich auch körperliche Auswirkungen wie beispielsweise Herz-Rhythmusstörungen aufweise. [...] Wie gesagt, mir ist rein rational bewusst, dass ich im Vergleich mit vielen, die hier posten, keine "wirklichen" Probleme habe

Och nö...

Du bist doch der Fall, den Rainhard Fendrich, nö, STS ganz exemplarisch beschreiben. "bevor mi der Herzinfarkt mit 40 in die Windln brackt, lieg i scho irgendwo am Strand" "noch was zu tun befiehlt die Eitelkeit"

26.03.2010 20:32 • #3


undpuck könnte es sein, dass Du mit Deiner Arbeit vor Deinen Gefühlen wegrennst?
Welche Gefühle kannst Du den zulassen?

26.03.2010 21:56 • #4


Hallo Carine Naramudi,

danke für deine Tipps mit dem Tapetenwechsel. So langsam versuche ich meine Freizeit ein wenig wie bei "Der Tag der toten Ente" zu gestalten. Ich suche mir bewusst Aktivitäten, um die Zeit nach Feierabend zu verbringen. Ich habe dann zwar teilweise zunächst das Gefühl, dass es ja eigentlich nur dem Zeittotschlagen dient, aber wenn ich mich erst einmal aufgerafft habe (wie z.B. heute meinen Balkon mit Blumen zu bepflanzen), dann freue ich mich schon darüber.

Hallo Pax,

du fragtest, welche Gefühle ich denn zulassen könnte. Wie soll diese Frage zu verstehen sein?
Klar laufe ich durch die Arbeit vor meinen Gefühlen weg. Ich fühle mich halt einsam. Mir fehlt das Gefühl, dass ich einen Platz habe, wo ich tatsächlich hingehöre. Zwei Freunde aus meinem näheren Umkreis kennen auch durchaus Anrufe von mir, in denen ich total am heulen bin, obwohl wir uns tags zuvor gesehen hatten und ich da richtig gut gelaunt war. Es liegt also nicht daran, dass ich mich nicht mitteile oder es mir nicht auch echt gut tun würde, wenn mich ein Freund in den Arm nimmt.

Gruß

Puck

29.03.2010 18:19 • #5





Dr. Reinhard Pichler