undjetzt

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Hallo,

ich habe mich hier gerade neu angemeldet, weil ich zum Ergebnis gekommen bin, dass ich Ratschläge brauche.

Auch wenn das vielleicht jetzt viel Text wird, vielleicht findet sich doch der eine oder die andere die sich die Zeit zum lesen nimmt, hierfür schon mal vielen Dank!

Also kurz zu mir:
Ich bin ein Mann Mitte 30 und mir wächst die Einsamkeit langsam über den Kopf. Meine letzte Beziehung ist schon weit mehr als 10 Jahre her, seitdem hat sich nichts wirklich ernstes mehr angebahnt und entwickelt. Zum "Ausgleich" habe ich ich mich immer in meine Arbeit "geflüchtet", was zwar meiner Karriere doch gut tat aber ich merke immer mehr, dass mich das nicht gut tut und das auch nicht erfüllend ist.

Dazu kommt, dass ich vor gut eineinhalb Jahren Deutschland verlassen musste und nun im Ausland lebe und arbeite. Erst dachte ich, dass sich mit der neuen Umgebung vielleicht alles bessert, aber ich bin leider in das gleiche Muster zurückgefallen, und widme mich fast nur der Arbeit und meiner Führungsposition.
Was mir dabei auf jeden Fall klar geworden ist, dass ich man mit Geld keine Freunde kaufen kann.

Mangels Bekanntenkreis spüre ich die Einsamkeit und Langeweile immer, wenn ich nicht am arbeiten bin, verbringe die meiste freie Zeit zu hause in der Wohnung, aber auch nur mit unbefriedigenden Dingen wie Zeit im Internet totzuschlagen, fernzusehen etc. Weil mir diese Einsamkeit nicht aus dem Kopf geht, kann ich auch oft schwer einschlafen bzw. schlafe auch nicht durch und verliere schnell jede positive Stimmung.

Mir fiel es in den letzten Jahren in Deutschland schon immer schwerer neue Kontakte, und damit meine ich "echte" Freunde, zu finden. Fast immer blieb es bei einem unverbindlichen Gespräch unter Kollegen/Mitarbeitern oder belanglosem Small Talk über Wetter und co.
Eine der wenigen Ausnahmen war z.B. eine meine Mitarbeiterinnen, zu der sich bis vor kurzem Begann ein freundschaftliches Verhältnis abzuzeichnen, doch auch diese Hoffnung zerschlug sich spontan, als sie unangekündigt einfach nach Deutschland zurückkehre.
Seit ich hier im Ausland bin, kommt dazu noch die Sprachbarriere, da ich die Landessprache nicht so gut beherrsche wie ich mir das wünschen würde, und vielleicht auch etwas die kulturellen Unterschiede, die es mir noch weniger leicht machen, "unter Menschen" zu kommen. (Fast) alle Menschen hier, die meine Sprache sprechen sind Touristen und nach 1-2 Wochen wieder verschwunden, so dass sich auch hier nichts langfristiges und festes ergibt.

Ich habe schon viele Dinge versucht, die aber nicht zum Erfolg führten, z.B. einfach so Konzerte oder Veranstaltungen zu Besuchen, abends Weggehen (Clubs, Bars, Cas., etc), Versuch an öffentlichen Treffen teilzunehmen usw. aber irgendwie kommt dabei nicht das heraus was ich mir vorstelle sondern ich bleibe doch für mich irgendwie einsam und abseits, oder es reicht im besten Fall für ein kurzes belangloses Gespräch, aus dem sich dann auch nichts weiter entwickelt. Mir ist klar, dass das sehr oft auch "normal" ist, aber dass sich daran seit so vielen Jahren nichts ändert, das kann doch nicht mehr gut sein.

Ich habe das Gefühl, dass ich Menschen um mich herum nur kommen und gehen sehe, sich nichts festes entwickelt und ich hier in meinem "Gefängnis unter Palmen" in der Einsamkeit gefangen bin.

Wenn ihr mir einen Tipp geben könnt, was ich noch versuchen könnte, seien es jetzt konkrete Taten oder Hilfen vielleicht die innere Einstellung zu verbessern, wäre ich euch dankbar. vielleicht habt ihr aber auch ähnliches erlebt und ich kann von eurer Art wie ihr das gelöst habt, lernen?

Schon mal danke für alle Reaktionen!

21.09.2013 14:00 • 13.10.2014 #1


9 Antworten ↓


DoOrDie


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Hallo,

hast du schonmal drüber nachgedacht einem Hobbie nachzugehen? In Vereinen oder anderen Interessensgemeinschaften sei es Sport, Kultur, Musik, Kunst usw. kann man ja ganz gut Leute kennenlernen weil man auch direkt ein Thema hat welches einen verbindet. UND bei solchen Sachen trifft man sich dann auch regelmäßig und hat Zeit merhmals mit Menschen zu reden.

Das wäre so mein erster Ansatz

21.09.2013 21:28 • #2


juwi

juwi


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Hallo,

Ich bin auch neu hier und habe mich angemeldet, weil mich die Erfahrungen von anderen Betroffenen interessieren und ich mir Rat erhoffe – vielleicht auch nur, um zu lesen, dass es nicht nur mir so geht… Danke, dass du hier deine Situation geschildert hast!

In Vielem, was du beschreibst, finde ich mich wieder. Ich bin auch Mitte 30 (aber weiblich), auch seit über 10 Jahren Single und habe auch keine Freunde und nur wenige Bekannte und auch keine Hobbys, die mich unter Leute bringen würden. So sitze ich auch viel zuhause und schlage die Zeit tot und finde das schrecklich, denn Zeit ist das Wertvollste überhaupt und dass ich nicht mehr aus meinem Leben mache, macht mich fertig. Ich wohne zwar nicht im Ausland, aber in einer Stadt, die dafür bekannt ist, ein „hartes Pflaster“ in puncto soziale Kontakte zu sein. Am liebsten würde ich wegziehen und anderswo von vorn beginnen, aber ich vermute, es würde sich nichts ändern. Die Einsamkeit dürfte an meiner Persönlichkeit liegen, nicht am Umfeld. Obwohl ich schon auch viel Pech habe: So habe ich vor rund einem Jahr endlich wieder so etwas wie eine Freundin gefunden, und jetzt musste sie wegziehen und wir kommunizieren nur noch über Mail und Telefon. Eventuell hat es mit meinem Auftreten zu tun, dass ich keinen Anschluss finde. Ich glaube, ich strahle zu sehr aus, dass ich nicht viel von mir halte. Wie soll mich ein anderer interessant finden, wenn ich mich selbst nicht mag? Daran versuche ich schon seit längerem zu arbeiten, mit einer Psychotherapie. Die Erfolge halten sich in Grenzen, aber es ist halt ein langer Weg, da heißt es geduldig bleiben. Kann es bei dir vielleicht auch sein, dass du dich nicht "gut genug" findest und das ausstrahlst? Es ist zwar in deiner Schilderung nicht angeklungen, aber möglich wäre es.

Ich habe noch ein zusätzliches Problem, und zwar habe ich aus gesundheitlichen Gründen (Burnout/schwere Depression) vor eineinhalb Jahren meinen Job, in den ich mich 10 Jahre lang voll reingehängt habe, gekündigt und wechsle seitdem immer zwischen arbeitssuchend und krankgeschrieben. Als ich den Job noch hatte, war ich wenigstens unter Leuten und habe mich gebraucht gefühlt. Das macht viel aus! Drum sei froh, dass du deine Arbeit hast! Vielleicht ergibt sich doch wieder eine nette Bekanntschaft, so wie mit dieser Kollegin, die dann leider wegging? Eine Chance ist es allemal. Behalte das bei, dass du Smalltalk betreibst. Nur ja nicht frustriert den Rückzug antreten!

Ich finde es auch super, dass du aktiv bist und zu Veranstaltungen gehst! Dazu fehlt mir wegen der Depression zurzeit leider die Energie, aber wenn es mir wieder besser geht, werde ich wieder mehr rausgehen, das habe ich mir fest vorgenommen. Ich sehe es so: Rausgehen ist keine Garantie dafür, dass du jemand Nettes triffst – aber Daheimbleiben verbaut dir jegliche Chancen, irgendjemanden zu treffen! Wahrscheinlich muss man da beharrlich bleiben und sich immer und immer wieder aufraffen, auch wenn sich zunächst keine bleibenden Kontakte ergeben. Ist mühsam, aber einen anderen Ausweg sehe ich nicht. Sieh zu, dass du nicht zu verkrampft an die Sache herangehst, so unter dem Motto „Heute MUSS ich aber endlich jemanden näher kennenlernen!“, und dass du deine Enttäuschung über einen Abend, der wieder nicht zum erwünschten Erfolg geführt hat, in den Griff bekommst. Stell dich nicht in Frage, nur weil keiner, den du getroffen hast, dein Freund werden will. – Ich weiß, leichter gesagt als getan! Vielleicht magst du dir von einem Therapeuten helfen lassen? Ich könnte mir vorstellen, dass dir eine Gesprächstherapie, in der du an deinen „social skills“ und deiner Selbstwahrnehmung arbeitest, gut tut. Ich mache wie erwähnt auch eine Therapie und mir hilft es schon sehr, über alles mit einem Experten zu reden und mir seine objektive Meinung dazu anzuhören.

Sonst kann ich dir auch nichts raten. Der Weg aus der Einsamkeit ist steinig, aber es lohnt sich, ihn zu gehen! Wir wollen ja nicht bis an unser Lebensende mit diesem schrecklichen Gefühl der Leere zuhause sitzen und die Zeit totschlagen, oder?

Liebe Grüße,
juwi

26.09.2013 17:16 • #3


stef33


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Wie auch andere hier kenn Ich das Gefühl sehr gut.
Bei mir hat sich in den letzten monaten alles ziehmlich verschlechtert,und je mehr ich mich durch diverse Beiträge hier durchlese
desto mehr kommen mir zweifel,ob es überhaupt besser werden wird.
Wenn ich lese das Leute jahrelang erfolglos versuchen Kontake aufzubauen,Sportvereine usw,dann verunsichert das schon sehr.
Aufgeben tut man natürlich trotzdem nicht,man hat auch keine wahl.
Persönlich hab ich die erfahrung gemacht,dass man einfach nicht mit jedem kompaktibel ist,irgendjemanden gibts aber immer mit dem man gut auskommt.
Schwierig wie schon von dir erwähnt ist es echte freundschaften aufzubauen,da die meisten leute mit denen ich zu tun hatte schon einen richtigen freundeskreis
haben,und da reinkommen ist schon fast unmöglich.
Die Leere versuche Ich z.b irgendwie durch Hobbies,in meinem Fall;lesen,Fotografie,filme,musik,sport etwas zu füllen,funktoniert aber leider nur kurzfrißtig.
Was mir persönlich etwas geholfen hat sind Bücher über die Buddthistische Lebensart.
Da sieht man das es noch eine andere Lebensweise,weit weg von userem stark weltlich geprägten Westlichen Lebensstil gibt.

26.09.2013 18:06 • #4


okok


Zitat:
Ich habe noch ein zusätzliches Problem, und zwar habe ich aus gesundheitlichen Gründen (Burnout/schwere Depression) vor eineinhalb Jahren meinen Job, in den ich mich 10 Jahre lang voll reingehängt habe, gekündigt und wechsle seitdem immer zwischen arbeitssuchend und krankgeschrieben. Als ich den Job noch hatte, war ich wenigstens unter Leuten und habe mich gebraucht gefühlt. Das macht viel aus! Drum sei froh, dass du deine Arbeit hast! Vielleicht ergibt sich doch wieder eine nette Bekanntschaft, so wie mit dieser Kollegin, die dann leider wegging? Eine Chance ist es allemal. Behalte das bei, dass du Smalltalk betreibst. Nur ja nicht frustriert den Rückzug antreten!


@ juwi

Ja das kenne ich auch zu gut, leider....

26.09.2013 18:16 • #5


Miaka1


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Hallo,

ich kann das Gefühl der Einsamkeit sehr gut verstehen und man kann dadurch leicht in eine Depression abrutschen. So ist es mir Jahre lang gegangen. Ich habe es zwar noch nicht überstanden, aber ich arbeite daran und es wird besser.
Es ist ein Teufelskreis da wieder raus zu finden. Man hat irgendwie wenig Energie und schafft es an manchen Tagen gerade so aufzustehen. Man ist selbst von sich enttäuscht, da man seinen Erwartungen nicht entsprochen hat und das macht das ganze nur noch schlimmer...
Mir hat es geholfen mich von diesem Leistungsdruck zu befreien, meine Erwartungen zu senken und mich überraschen zu lassen.
Außerdem neigt man dazu sich Zuhause einzuigeln und alle Angebote auszuschlagen, wofür man sich später wieder hasst, weil man die Chancen an sich vorbei ziehen lassen hat.
Ich habe mir dazu einen kleinen Trick ausgedacht und der hilft mir wirklich sehr. Ich lasse es den Zufall entscheiden. Selbst wenn ich keine Lust habe, werfe ich eine Münze, bei Kopf gehe ich hin bei Zahl bleibe ich Daheim, so muss ich kein schlechtes Gewissen haben und der Druck sinkt....
Das funktioniert ganz gut und ich habe nun einen großen Freundeskreis mit tollen Leuten.

Was natürlich unablässlich ist ist die Kommunikation.
@undjetzt : Daher würde ich auf jedenfall einen Sprachkurs belegen. Du willst/wirst sicher noch eine Weile in dem Land sein und ohne Sprachkenntnisse lassen sich auch tiefgründigere Beziehungen nicht aufbauen, selbst wenn du ausgehst bleibt es bei small talk.

Ein weitere Tipp: Beobachtet euch mal selbst. Wie ihr auf andere, neu Leute zugeht und auf sie wirkt und was ihr vielleicht an eurem Verhalten ändern könnt. Versucht mal den Leuten ein Lächeln zu schenken, dass wirkt Wunder und die Leute sind gleich viel aufgeschlossener.

09.11.2013 15:58 • #6


Einsamkeit

Einsamkeit


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mach packt es gerade auch wieder. ich bin seit fast 2 monaten getrennt und habe das gefühl, dass ich ohne partner nichts wert bin. ich habe angst lange alleine zu sein. wenn du doch an einem schönen ort in der welt lebst, dann lade doch einfach mal jemanden zu dir ein?! also ich würde sofort vorbei kommen, mich hält hier nichts mehr.

19.11.2013 17:46 • #7


Goldy


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Ich würde versuchen einen Kurs zu belegen , wo man die Landessprache erlernt . Denn dort , würde ich vermuten , lernt man vielleicht Menschen kennen die das selbe Problem haben .. nämlich der Sprache nicht mächtig zu sein . Meist verbindet so etwas ja auch . Und wenn man die Sprache erlernt hat , ergibt sich vielleicht auch was . Man kann dadurch auch besser auf einheimische zu gehen , weil man sich dann verständigen kann . Das wäre so mein Tipp der mir spontan eingefallen .. ich wünsch Dir ganz viel Glück LG

19.11.2013 19:22 • #8


beacon


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Hallo undjetzt,

da ich mich in deinem Beitrag zu einem Großteil wieder finde (bin ebenfalls Mitte 30, m, lebe aber statt im Ausland in einer dt. Großstadt) würde mich interessieren, ob du mittlerweile deine Einsamkeit lindern konntest und wenn ja wie.

Man flüchtet sich mangels eines wirklichen Privatlebens in den Job, kommt mir sehr bekannt vor. Wobei ich es mir zumindest zur Gewohnheit gemacht habe, in der Freizeit notgedrungen alleine regelmäßig Dinge zu machen wie schwimmen gehen, inline fahren, durch Einkaufsstraßen zu bummeln, die Natur zu genießen, in Freizeitparks zu gehen, Städtetouren in Europa zu machen...

Was ich toll finde ist, dass du auch alleine abends weggehst (Clubs, Bars), das hab ich bis auf einige öffentliche Veranstaltungen und Kurse alleine noch nicht geschafft. Die Gespräche, die sich bei letzteren ergeben haben, waren meistens eher belanglos, da man kaum die wahren Charaktere der Personen erkennen konnte, weil irgendwie -subjektiv empfunden- immer mehr Leute nur noch unbewusst oder bewusst Rollen spielen (bei unserem Geschlecht z.B. gerne die des coolen, lauten, extrovertierten, prahlerischen) anstatt sich so zu geben wie sie sind mit allen Fehlern und Schwächen und auch den/die Andere/n so zu akzeptieren wie er/sie ist - ohne ständige Erwartungen und Druck.

Wiegesagt, leider kann ich dir keinen Ratschlag oder Lösungen bieten da ich selbst danach suche (und es ganz ehrlich auch zur Zeit in der Motivation bei der Umsetzung angesichts der immer wieder eintretenden Rückschläge/Enttäuschungen hapert). Aber du sollst zumindest wissen, dass es in deinem Alter auch noch andere Männer mit diesen Problemen gibt.

Würd mich über eine Antwort freuen, wenn du noch hier im Forum aktiv bist

LG
beacon

22.05.2014 19:42 • #9


Countdown

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1. Bildung von wahren Interessengemeinschaften wie Klettern, Wandern, Joggen, Malen, Kunst, Museen - einfach wahrer Interessenaustausch. Wer z.B. kein Interesse an Skulpturen hat - der wird auch schwerlich darüber mit jemandem Sprechen können - geschweige denn - jemanden dadurch kennenlernen.
2. "Erwartungshaltung":
Warum nicht einfach mal was auf sich zukommen lassen? Warum nicht einfach mal los lassen? Warum muss man immer was ERWARTEN?
3. Interessieren Sie sich für andere. Hören Sie einfach mal anderen Menschen zu. Sein Sie für jemanden da. Werden Sie ehrenamtlich wohltätig für andere - oder belegen Sie Kurse an der VHS (Volkshochschule).

13.10.2014 07:22 • #10



Dr. Reinhard Pichler


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