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Verlassensängste seit meiner Kindheit

201823.06




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Servus zusammen!

Ich habe das Forum über Google gefunden, da ich mich in einer Akuten Angstsituation befinde.

Ich muss im Voraus erwähnen, dass ich hypersensibel bin. Außerdem Tod des Bruders 2001 mit 21, Vater Alki und verstorben 2012 im Alter von 60.

Ich wohne noch bei meiner Mutter, da ich weder finanziell noch emotional in der Lage befinde, alleine zu wohnen. Zudem benötigt meine Mutter noch Hilfe bei täglichen Dingen, da sie Gehbehindert ist. Gestern ist sie an ihrer ersten Hüfte operiert worden und liegt nun im Krankenhaus.

Problem an der Sache ist, dass ich an Verlassensängste ihr bezüglich leide. Ich denke, dass sich das aus einem Trauma meiner Kindheit entwickelt hat. Als Kleinkind wurde ich wg. Hodenhochstand operiert. Eines Nachts im Kinderkrankenhaus bin ich dann aufgewacht und befand mich in einem dunklen Zimmer umringt von plärrenden Kindern. Meine Mutter war nicht da und die Pflegekräfte haben keinen Finger gerührt. Ich wollte einfach nur schlafen.

Ich nehme schon seit 2005 Antidepressiva. Das KH befindet sich auch in der gleichen Stadt und ich kann sie auch jeden Tag besuchen. Des Weiteren wohnt meine Oma auch hier in Erlangen, um die ich mich zusätzlich kümmern muss und die auch für mich da ist. Zu Hause wartet immer mein mittlerweile an Lymphdrüsenkrebs erkrankter, lieber Kater auf mich. Trotzdem ist es bei mir jeden Morgen schlimm, da ich alleine zu Hause bin. Möglicherweise steckt auch noch die Angst mit drin, dass mir was passieren könnte und das meine Mutter nicht mitbekommen könnte. Im Hinterkopf weiß ich, dass immer jemanden für mich da sein wird, wenn ich ihn brauche. Aber vordergründig ist eben die blöde Angst da. Ich habe heute auch im Fitnessstudio gemerkt, dass die Angst Übungen schwieriger machen und dann zum Schluss alleine in der Ecke hocke und eine Runde flenne.

Ab Mittag wird es dann jedoch besser. Ich habe gehört, dass diese Symptomatik mit dem Hirnstoffwechsel zu tun hat. Um eine kurzfristige Beruhigung zu erlangen, bediene ich mich pflanzlicher Mittel die z.B. Nervoregin, Neurexan oder Passionsblume. Ich möchte mich aber nicht noch mehr mit Chemie vollstopfen, denn dann bin ich nur noch am schlafen.

Eigentlich müsste ich längst eine Therapie gemacht haben, es ist jedoch schwer die richtige Person dafür zu finden und die Wartelisten sind lang. Da ich im Moment Urlaub habe, kann ich nicht sagen, wie es sich verhält, wenn ich wieder auf Arbeit bin.

Deshalb ist die Frage, ob man den Hirnstoffwechsel irgendwie umkrempeln kann - am besten ohne Chemie?

Trotzdem sollte ich mir mal einen Therapieplatz ergattern, ich weiß. Denn die nächste Hüfte steht noch an. Ich kann jedoch auch ohne sie leben, wenn ich jemanden hätte, der bei mir wäre, wie z.B. eine Partnerin. Problem ist bei mir schlicht das Alleinesein.

Auf das Thema antworten

6 Antworten ↓



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BaWü
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  23.06.2018 18:02  
Hallo JoghurtBuddha, was für ein lustiger Username

Das mit deinem Bruder und deinem Vater tut mir leid. Die gesundheitlichen Probleme deiner Mutter auch. Du kümmerst dich um sie und um deine Oma, dafür mein Respekt, nicht jeder tut das. Ich wünsche euch allen alles Gute, für dich ganz besonders, dass du hier und hoffentlich bald in einer Therapie Unterstützung bekommst.

Gruß
Rubinrot

Danke1xDanke


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Wien
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  23.06.2018 18:38  
JoghurtBuddha hat geschrieben:
Ich kann jedoch auch ohne sie leben, wenn ich jemanden hätte, der bei mir wäre, wie z.B. eine Partnerin.


Da würdest du nur A durch B ersetzen. Ich möchte dir empfehlen, dich um eine Traumatherapie zu bemühen. Die Gefühle müssen zugelassen, genau betrachtet und die belastenden Lebensereignisse in die eigene Biographie integriert werden. Derzeit spaltest du ab.





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  23.06.2018 19:39  
Schokopudding hat geschrieben:

Da würdest du nur A durch B ersetzen. Ich möchte dir empfehlen, dich um eine Traumatherapie zu bemühen. Die Gefühle müssen zugelassen, genau betrachtet und die belastenden Lebensereignisse in die eigene Biographie integriert werden. Derzeit spaltest du ab.

Ja, da hast Du natürlich recht.



223
Offenburg, Baden-Württemberg
126
  24.06.2018 01:21  
Hallo JoghurtBuddha,

da hast du schon mehrere belastende Erfahrungen bezüglich Verlusten gemacht.
Da ist das Auftreten der Ängste völlig nachvollziehbar.

Der Ansatz der Gehirnchemie ist meiner Ansicht nach gerade nicht auf was du dich fokussieren solltest.

Mit einem Psychiater kannst du dich über entsprechende Möglichkeiten der Medikation unterhalten. Der hat dann auch Ahnung davon.

Einen Therapieplatz zu finden ist natürlich schon sehr anstrengend und langwierig - dran bleiben.
Ich hatte auch mehrere Psychotherapeuten ausprobiert, aber erst bei einem auf dem ich über die Warteliste angenommen wurde war ich auch (sehr) zufrieden. Die anderen sagten mir alle nicht zu.

JoghurtBuddha hat geschrieben:
Ich kann jedoch auch ohne sie leben, wenn ich jemanden hätte, der bei mir wäre, wie z.B. eine Partnerin. Problem ist bei mir schlicht das Alleinesein.

Einen Ersatz zu suchen ist der völlig falsche Ansatz.
Du machst dich und dein Wohlbefinden völlig von anderen abhängig.

Als Kind hast du Verlassen sein erfahren. Aber jetzt bist du erwachsen. Du kannst - wenn du es musst - für dich selbst sorgen. Du kannst (lernen) für dich selbst ein(zu)stehen.
Du kannst selbst über dein Leben bestimmen. (Auch wenn dich deine Ängste und Probleme momentan sehr einschränken bleibt die prinzipielle Möglichkeit sich zunehmend in die gewünschte Richtung zu bewegen!)

Du sprichst davon dich um deine Mutter und um deine Oma zu kümmern.
Wie häufig machst du denn etwas für dich? Für dein Wohlbefinden?
Schaffst du Ausgleich zu deinen Pflichten und Pflichtgefühlen?

Der Familienbund ist ein sehr starker und lebt auch mit einem sehr starken Pflichtgefühl.
Trotzdem darfst du dir bewusst machen dass du nichts davon tun musst.
Es ist dir erlaubt für dich selbst zu sorgen und einzustehen. Wenn es dich sehr belastet und einschränkt dann darfst du durchaus einfordern Dinge mindestens so zu ändern dass du auch den Rahmen, die Möglichkeiten und die Kraft findest für dich selbst du sorgen und an dir zu arbeiten.
Denn offensichtlich hast du selbst auch Dinge an denen du arbeiten müsstest oder bereits arbeitest und die auch Aufmerksamkeit und sehr viel Kraft kosten.

Die Verlustangst kann man vielleicht abschwächen in dem man sich mit dem Verlust beschäftigt.
Irgendwann wirst du sie verlieren. Es wird weh tun und dich beschäftigen. Aber das Leben geht weiter.

Sich mit einer unsicheren Zukunft zu beschäftigen hilft nicht weiter.
Was zählt ist der Moment, die aktuelle Situation, und das was man für die Zukunft *jetzt* beeinflussen kann.
Das was man jetzt hat kann man genießen.
Man muss jetzt dafür sorgen dass man für sich selbst sorgt.

Was kannst du jetzt ändern um Sicherheit zu bekommen?
Wovor hast du konkret Angst? Wenn man den Verlust weiter spielt, welche Gedanken und Befürchtungen folgen daraus?

Mit Verlustängsten kenne ich mich leider nicht so gut aus. Gerne hätte ich noch konkretere Tipps oder Einsichten geschrieben, oder einfach mehr Sicherheit gehabt.

Gruß
Jan



2151
19
NRW
797
  24.06.2018 01:38  
Wie wäre es mit dem Arbeiten mit dem inneren Kind?
Ich habe mir zwei Arbeitsbücher dazu bestellt und es macht ein viel versprächenden Eindruck.





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  24.06.2018 11:29  
Jan_ hat geschrieben:
Als Kind hast du Verlassen sein erfahren. Aber jetzt bist du erwachsen. Du kannst - wenn du es musst - für dich selbst sorgen. Du kannst (lernen) für dich selbst ein(zu)stehen.
Du kannst selbst über dein Leben bestimmen. (Auch wenn dich deine Ängste und Probleme momentan sehr einschränken bleibt die prinzipielle Möglichkeit sich zunehmend in die gewünschte Richtung zu bewegen!)

Das weiß ich ja alles vordergründig. Dennoch kommen so Ängste mit was wäre wenn und die Folgen.

Jan_ hat geschrieben:
Du sprichst davon dich um deine Mutter und um deine Oma zu kümmern.
Wie häufig machst du denn etwas für dich? Für dein Wohlbefinden?
Schaffst du Ausgleich zu deinen Pflichten und Pflichtgefühlen?

Das mache ich schon sehr häufig, etwas für mein Wohlbefinden zu tun. Allerdings habe ich bisher eine Therapie gescheut, da mir keine bisher geholfen hat. Muss aber dazu sagen, dass es bisher nur Gesprächstherapien waren.

Jan_ hat geschrieben:
Der Familienbund ist ein sehr starker und lebt auch mit einem sehr starken Pflichtgefühl.
Trotzdem darfst du dir bewusst machen dass du nichts davon tun musst.
Es ist dir erlaubt für dich selbst zu sorgen und einzustehen. Wenn es dich sehr belastet und einschränkt dann darfst du durchaus einfordern Dinge mindestens so zu ändern dass du auch den Rahmen, die Möglichkeiten und die Kraft findest für dich selbst du sorgen und an dir zu arbeiten.
Denn offensichtlich hast du selbst auch Dinge an denen du arbeiten müsstest oder bereits arbeitest und die auch Aufmerksamkeit und sehr viel Kraft kosten.

Ja, das ist richtig. Allerdings kann ich meine Mutter nicht hängen lassen, zumal sie auch für mich da war, als ich wie psychisches Wrack von meinem Vater zurück zu ihr zog. Außerdem hat meine Mutter auch eine gewisse Verlassensangst, da sie ja geschieden ist und ihren ersten Sohn bereits verloren hat. Das ist was, was sie klar selber bearbeiten muss und habe auch schon mit ihr darüber geredet. Aber es sagt sich halt alles so einfach.

Ich weiß ja nicht in wie weit man hier für Spiritualität offen ist, aber meine Mutter hatte mal durch ein Medium erfahren, dass sie und ich in früheren Leben mehrmals ein Paar ware. Sie ist mir dann scheinbar immer recht früh verstorben, was ich damals nicht verkraftete. Sowas kann sich in andere Reinkarnationen mit reinziehen. In diesem Leben sind wir diesmal Mutter und Sohn und sollen dieses Leben scheinbar nun so erleben. Vermutlich bedeutet das auch, dass ich das in diesem Leben aufarbeiten muss. Allerdings brauche ich ein wenig Unterstützung, indem eine bekannte Person mit mir räumlich zusammenwohnt, für die Zeit, die sie nicht da ist.

Jan_ hat geschrieben:
Die Verlustangst kann man vielleicht abschwächen in dem man sich mit dem Verlust beschäftigt.
Irgendwann wirst du sie verlieren. Es wird weh tun und dich beschäftigen. Aber das Leben geht weiter.

Ja, das tue ich ja mehr oder minder dauernd.

Jan_ hat geschrieben:
Was kannst du jetzt ändern um Sicherheit zu bekommen?
Wovor hast du konkret Angst? Wenn man den Verlust weiter spielt, welche Gedanken und Befürchtungen folgen daraus?

Um mehr Sicherheit zu bekommen, wäre es wie oben geschrieben hilfreich, wenn eine bekannte oder verwandte Person die Zeit über bei mir ist. Es gibt schon welche, die ihre Hilfe anbieten.

Ich habe eben Angst, dass mir meine Mutter frühzeitig wegstirbt. Oder das mir was passiert und sie nix davon mitbekommt. Allerdings weiß ich, dass es meiner Mutter einigermaßen gut geht und sie eine starke Person ist. Aber die Psyche ist halt so eine komplexe Sache. Sie ist halt nicht nur Mutter, sondern auch bester Freund. Die anderen eigenen gefundenen Freunde sind häufig Gefühlskrüppel. Einzig die von meiner Mutter verstehen mich und helfen mir.

Es ist echt eine beschissene Situation, die mich selber stört und die ich bearbeitet haben will. Und dann kommt noch dazu, dass ich sehe, dass mein Kater auch unter der Situation leidet. Den kann ich auch nicht tagelang alleine lassen.

Danke1xDanke


Dr. Reinhard Pichler

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