Hallo ihr beiden,
hatte mich ja ne Weile stressbedingt ausgeklinkt.
Mir fallen in eurem Gespräch zwei Punkte auf:
1) die vermeintliche "Übermacht" von Balous Nochfrau
2) die Bereitschaft sich auch weiterhin mit dieser Übermacht arrangieren zu wollen. (streiten lernen..)
Ich will ein wenig erklären, was ich damit meine - weil ich denke, dass das auf fatale Abwege führen kann:
Das Streitverhalten, das du schilderst, Balou, ist mir einem Wort gesagt: NICHT NORMAL. Es lässt befürchten, dass sich dahinter möglicherweise ein massiver psychischer Defekt verbirgt - von Übermacht kann da (wenn das stimmen sollte) nur an der Oberfläche die Rede sein - in Wirklichkeit wäre es Schwäche, Abhängigkeit gut getarnt. WENN das stimmen sollte, dann ist jeder Versuch daran etwas ändern zu wollen ein fataler Fehler, weil gerade in diesem Versuch die Delegation der eigenen Stabilität an den Partner sich vollendet.
Es kommt in einer solchen Konstellation darauf an, aus dem eingeschliffenen Muster auszusteigen - insofern gebe ich GastB recht mit dem Tip, das mit den Strategien der gewaltlosen Kommunikation zu versuchen- die sind nämlich durchsetzungsfähiger als Eskalationen:
"Menschen ohne gesunde Grenzen brauchen Schutzmechanismen wie Kontrolle, Rückzug, Schuldzuweisung, Rationalisierung, Intellektualisierung, Beschimpfungen, Perfektionismus, Schwarz-Weiß-Denken, Drohungen, Streits über die falschen Themen und exzessive Sorge um andere - aber all diese Mechanismen verhindern oder beschädigen Intimität.
All dies sind praktische Mittel, um Gefühle und Kommunikation zu vermeiden. Die gesunde Alternative ist, zu seinen wahren Gefühlen zu stehen" (Zitat aus "Schluss mit dem Eiertanz". Das Buch geht um Borderline-Beziehungen - ich gehe nicht davon aus, dass dich das betrifft - aber das Zitat passt, weil es vermutlich sowohl dein eigenes als auch das Verhalten deiner Frau beschreibt.)
Zu deinen wahren Gefühlen stehen - hast du das schon mal getan ihr gegenüber? Das hat eine überraschende Durchschlagskraft. Es gibt keine Eskalation, die dich ZWINGEN könnte davon abzuweichen.
Du musst und kannst sie nicht ändern - aber dich selbst. Du kannst völlig unabhängig von ihr JETZT damit anfangen zu deinen Gefühlen zu stehen. Dazu ist es nicht nötig, dass sie das auch tut, anerkennt, oder belohnt. Vermutlich wird sie kämpfen wollen - aber du musst dieses Angebot nicht annehmen.
Zu deinen wahren Gefühlen stehen heißt - wenn ich dich richtig verstanden habe - dazu zu stehen, dass du sie nicht mehr liebst, oder?
Das ist so wie es ist. Kein noch so großes Drama kann an dieser gefühlsmäßigen TATSACHE irgendetwas ändern.
Wenn du dazu stehst und dich nicht verwickeln lässt, dann könnt ihr vielleicht die Trennung als letztes gemeinsames Projekt angehen, gemeinsam traurig sein darüber, was ihr verloren habt und gemeinsam an die Gestaltung der neuen Situation gehen.
Wenn das nicht mit ihr geht - dann geht das gleiche auch ohne sie. Und du kannst das Feld auf dem ihr miteinander umgehen lernen müsst stark einschränken - eben auf die Vereinbarungen, die es für eine Trennung zu treffen gilt.
Ich kann nur sagen: Sieh die Sache so nüchtern wie möglich: In einem Scheidungsverfahren gibt es neben der Rentenregelung, die das Gericht vornimmt das Umgangsrecht, den Unterhalt für die Kinder und deine Frau, die Aufteilung des Hausrats und den Zugewinnausgleich zu regeln. Das sind alles von einander völlig unabhängige Rechtstatbestände. Wenn du anfängst diese Bereiche zu vermischen und dann noch Schuldfragen mit verarbeitest landest du direkt im Desaster.
Die Frage zB was mit dem Haus wird, DARFST du nicht davon abhängig machen, wer von euch besser streiten kann, oder wer daran "schuld" ist, wenn ihr euch trennt.
Könnte deine Frau das Haus alleine unterhalten? Könnte sie dir deinen Anteil auszahlen? Würde sie das wollen? Wollen die Kinder wirklich da wohnen bleiben? Muss man das Haus überhaupt halten, oder ist es vielleicht für alle besser es zu verkaufen?
Es hat doch keinen Sinn auszuziehen, das Haus zu verkaufen - obwohl du es vielleicht schaffen würdest, das Haus zu halten und sie auszuzahlen und sie nicht - nur weil du dir und ihr die Auseinandersetzung darüber ersparen willst.
Genauso wenig Sinn hat es dich in einer kleinen 2 Zimmerwohnung einzurichten um deine Frau mit den Kindern ihr Lebensumfeld zu erhalten, wenn die das vielleicht gar nicht wollen und dir ein halbes Jahr später sagen, dass sie viel lieber bei dir wohnen würden.
Denke auch daran, dass dein Leben weiter geht. Im Moment kommt es dir vielleicht so vor, dass dir jedes Opfer recht wäre - Hauptsache die Situation ändert sich. Aber stell dir vor, du triffst vielleicht in ein zwei Jahren jemand anderen, mit dem du leben willst - dann wirst du deine Ressourcen brauchen.
Ich glaube der nächste Schritt ist, dass du zu deinem Entschluss stehst, oder? Du musst noch nicht alles in Sack und Tüten haben, um das äußern zu können, was die Wahrheit ist. Man kann sich zunächst mal auch innerhalb eines Hauses räumlich trennen. Man kann vorübergehende zeitlich befristete Lösungen denken etc. Aber ich denke mal - wenn deine Frau bereits weiss was los ist (das schreibst du so an einer Stelle, wenn ich das richtig verstanden habe), dann wird sie dich fragen, warum du so lange gezögert hast? Was wirst du ihr dann antworten?
gruß
flo