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Wie kann es erträglich sein, das Sterben und der Verlust eines unersetzbaren Menschen?

Mein Vater hat nun einen Punkt überschritten, ab dem es keine Rückkehr in ein selbstständiges und würdevolles Leben mehr geben kann.

Kein Mensch will sterben.

Aber nur noch im Bett liegen, gefüttert werden, und alles andere, was nötig ist?
Das hat dieser starke Mann nicht verdient.
Und - wahrscheinlich nicht nur ich - glaube in dieser Lage nicht mehr an ein Wunder.

Wie oft hat er den Tod Anderer als deren Erlösung bezeichnet?

Diese/n wünsche ich ihm nun sehr schnell und - hoffentlich - schmerzlos, und ohne schlimme Qualen ertragen zu müssen.

Lieber Gott, gib uns doch bitte diesen Schalter.
Wenn es doch gar nicht mehr geht:
Abschalten, ohne Schmerzen, Qualen und Demütigung.
Aber das loslassen Müssen, es tut so unerträglich weh.

Ich freue mich über jede Antwort.

Major Tom.

13.08.2016 03:55 • 15.08.2016 #1


12 Antworten ↓


7th Galahad
Hallo und herzlich willkommen Major Tom,

ich übe mich noch darin, kühle Fakten aus meinen Beiträgen heraus zu halten, um mich selbst emotional etwas abzugrenzen... und weil das Thema extrem knapp an einem Trigger von mir vorbei schrammt. Aber als jemand, der die letzten Atemzüge eines Menschen schon gesehen hat, möchte ich dir gern meine aufrichtige Anteilnahme und ein starkes Herz für die kommende Zeit aussprechen.

Dein Vater wird immer der starke Mann sein, den du kennengelernt hast. Nichts von all den guten Dingen, die einen Menschen ausmachen, gehört irgendwann der Vergangenheit an, nur weil sich die Umstände etwas verändert haben. Deswegen heißt es wohl, solle man jeden in der guten Erinnerung im Herzen bewahren, die man von ihm (oder ihr) gewonnen hat.

Du bist deinem Vater gewiss weiterhin ein treuer Sohn und bereitest ihm das Beste, was er in der jetzigen Lage verdient hat und du ihm bieten kannst. Vermutlich musst du jetzt die Stärke für euch beide aufbringen... mach ihm diese Zeit zu einer ganz besonderen und schönen, wenn du die Kraft aufbringen kannst. Alles Liebe und bitte entschuldige noch einmal, falls mein Beitrag doch recht ... faktisch ausfällt.

Liebe Grüße
Galahad

13.08.2016 04:26 • x 4 #2



Sterben und Tod/Erlösung?

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Hallo Tom!

Ein sehr empfindliches Thema!

Meine Einstellung zum Tod ist folgende.

Ich bestelle mir irgendwo eine Pille!

Wenn ich merke, es geht so garnix mehr, dann nehm ich die und gut is.

Ich weiss nur noch nicht, wo ich diese Pille her bekomme.

Der Tod ist nichts Schlimmes, es sollte nur schnell und ohne Schmerzen gehen.

Das ist aber nur meine Sicht der Dinge!



Dein Vater scheint ein ganz besonderer Mensch zu sein!
Deshalb sollte man ihm auch einen würdevollen Gang in den Himmel gönnen. Finde ich.

13.08.2016 04:32 • x 4 #3


Cati
Hallo Major Tom,

ich wünsche dir viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Ja, man möchte nicht, daβ geliebte Menschen leiden, hinfällig werden und
sich quälen.
Es ist sehr schwer, mitzuerleben, wie ein Mensch, den man immer nur als stark
und selbstbestimmt kannte, immer schwächer und hinfälliger wird.

Ich habe das erlebt, als meine Mutter schwer erkrankte.
Wir wussten, daβ es keine Heilung geben kann. Wir haben dann die
Zeit, die uns noch blieb, so schön gestaltet, wie es unter den Umständen
möglich war.
Ich habe gehofft, daβ sie dann ohne Qualen und lange Pflegebedürftigkeit
von dieser Welt gehen kann.
Das Loslassen ist schwer. Von beiden Seiten aus.

Wir haben ihr, als es ihr immer schlechter ging, gesagt, " Du kannst loslassen, wenn
du gehen möchtest. Mach dir um uns keine Sorgen, wir halten zusammen, wie
wir es immer getan haben. Wir kommen klar. "
Das war in einer Nacht, als wir alle an ihrem Bett saβen.

Sie hat dann auch losgelassen und eine lange Bettlägerigkeit ohne Aussicht auf
Besserung blieb ihr erspart.

Liebe Grüße.

13.08.2016 07:18 • x 3 #4


Jochanan
Ich finde das Thema sehr schwer, weil jede Sekunde im Leben - meiner Ansicht nach - und selbst wenn es sehr schwer ist sehr kostbar ist.

13.08.2016 07:42 • x 1 #5


Schlaflose
Ich bin heilfroh, dass meine Eltern beide nach nur einer Woche Krankheit gestorben sind. Dadurch ist allen Beteiligten viel Leid erspart geblieben.
Und ich gebe offen zu, dass ich für die aktive Sterbehilfe bin. Es sollte überall so sein wie in Holland oder Belgien, dass man in einer Situation, wo es es sowieso auf den Tod hinausläuft, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen kann, um das Leid abzukürzen.
Bei Tieren ist man gnädig und lässt sie einschläfern, damit sie sich nicht quälen, aber der Mensch soll leiden. Wo ist da die Gerechtigkeit?

13.08.2016 14:45 • x 7 #6


@major Tom
Deine Äußerungen hören sich für mich nicht danach an, als ob dein vater so dahinvegetieren hätte wollen. Hat er dazu zu Zeiten klaren Verstands mal etwas gesagt? Hat er vielleicht eine Patientenverfügung erlassen oder einen Bevollmächtigten benannt für den Fall, dass er zu keinen geistesanwesenden Entscheidungen mehr fähig ist.

14.08.2016 13:10 • x 2 #7


Hallo Major Tom.

... es ist wirklich ein sehr emotionales Thema und man muss wirklich aufpassen, die richtigen Worte zu finden um Dich nicht noch mehr emotional zum nachdenken zu bringen.
Ich hatte immer zu meiner Mutter ein bedeutend besseres Verhältnis. Da ich die Jüngste von vier Schwestern bin ... war der Altersunterschied zwischen ihr und mir immerhin 39 Jahre.
Sie bekam mich damals mit 39 Jahren und ich verlor sie mit 39 wieder. Sie hatte ein Aneurysma. Die Ärzte hatten ihr nur noch wenige Monate gegeben ... geschafft hat sie immerhin dreieinhalb Jahre.
Ich wohnte zu der Zeit mit ihr in einem Haus. Dreieinhalb Jahre jeden Morgen das Erwachen mit dem Gedanken ... jetzt geh ich in ihr Schlafzimmer und sie ist tod. Von daher weiß ich genau ... wie Du Dich
jetzt fühlst. Gemeinsam im Wohnzimmer zu sitzen, sie anzuschauen und nicht zu wissen ... ob ich sie morgen früh wiedersehe. Sie hat mir aber entscheidende Dinge mit auf meinen Lebensweg gegeben.
Sie sagte immer: "Geh nie mit einem Menschen, den Du liebst im Bösen auseinander!" und "Solange Du noch kannst, sag den Menschen so oft Du kannst, dass sie Dir was bedeuten und Du sie liebst, morgen
kann es schon spät sein." Sie hat immer gesagt ... "Tut mir einen Gefallen und bringt mich nicht ins Altenheim ... ich habe da lange genug gearbeitet und habe mir genug ansehen müssen ... wie die alten Leute behandelt werden". Bei ihr ging es relativ schnell ... und nicht jedermann hat die Möglichkeit ... die Arbeit aufzugeben und die Eltern zu pflegen. Aber es gibt einige Dinge, die den Abschied leichter machen können.
Ich muss dazu sagen, dass Pflegekräfte Mangelware sind und es nur noch wenige, wenn überhaupt Seniorenheime gibt, die gut personell besetzt sind. Jedoch trotz Mangel gibt es schon Unterschiede bei den Pflegekräften ... nicht nur fachlich sondern auch von der Empathiebereitschaft her. Wenn ein alter Mensch seine eigenen Interessen nicht mehr selber wahrnehmen kann ... dann ist die Familie das erste Gl. in der Kette, die bestmöglich die Interessen vertreten können. Nicht selten gibt es Kinder und Angehörige, die den Sterbenden nicht würdevoll gehen lassen können ... weil sie nicht in der Lage sind emotional Abschied zu nehmen. Nicht selten erhalten dann Pflegebedürftige noch PEG's ... werden zum trinken genötigt oder im Sterbeprozeß noch ins KKH gebracht. Und das alles obwohl Angehörige genau wissen, dass der Angehörige nie lebensverlängernde Maßnahmen haben wollte und eigentlich im Stillen im Beisein seiner Liebsten, wo ihnen die Hand gehalten wird sterben wollte.
Was ich damit schreiben möchte ... ist ... dass man es nicht ändern kann und es eine der schlimmsten Zeiten im Leben ist. Aber es macht einen Unterschied ... ob man sich in die Lage des lieben Menschen versetzt hat und seine Interessen wahr genommen hat ... und nicht aus Trauer künstlich und sinnlos sein leben Leben verlängern möchte ... sondern Entscheidungen trifft ... die er/sie getroffen hätte. Mein letzter Satz bei meinem Vater als auch bei meiner Mutter war immer der Gleiche ... ich habe mich für alles bedankt und gesagt, dass ich sie lieb habe. Allein die Tatsache hat mir ein bisschen besser geholfen ... damit klar zu kommen.
Der Schmerz lässt irgendwann nach ... er wird ertragbar ... was Dir aber keiner nehmen kann ... sind die Zeiten, die unvergessen bleiben. Wer geliebt wird ... stirbt nie.

Ich wünsche Dir alles Gute und ganz ganz viel Kraft ... fühl Dich ehrlich von mir gedrückt.

14.08.2016 14:15 • x 3 #8


Hallo an alle, die mir geantwortet und mir damit sehr geholfen haben.
Da mein Vater nun sehr schnell verstorben ist, werde ich mich wahrscheinlich für einige Tage zurückziehen.
Danke euch allen.
Thomas

14.08.2016 22:44 • #9


Ich habe beruflich schon sehr lange mit Leid, Krankheit und Tod zu tun. hab's auch schon privat erleben müssen. Für mich selber wäre es auch nicht so schlimm tot zu sein. Leiden beim sterben will natürlich niemand. Den wichtigen Menschen wünsch man natürlich das sie nicht leiden müssen, wenn es soweit ist. Dennoch sind alle Momente kostbar. Ich wünsch dir die Kraf,t die du in dieser schweren Phase brauchst.
Gruß

14.08.2016 23:36 • #10


Hallo Tom,

mein herzliches Beileid für dich!

Ich hoffe, du kommst mal wieder.

Im Moment finde ich nicht die richtigen Worte.

Aber du wirst hier immer ein offenes Ohr finden, wenn du Hilfe brauchst.

LG

15.08.2016 02:35 • #11


enten
Hallo Tom,
mein herzliches Beileid.

Mit stillem Gruss


Wo das Leben keine
Kraft mehr hat,
ist der Tod Erlösung.

15.08.2016 09:44 • #12


Einige Beiträge hier haben mich zu Tränen gerührt.

Major Tom,mein herzlichstes Beileid und viel Kraft!

15.08.2016 13:01 • #13



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