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caduceus
Zitat von Graubunt:
Hallo,
ich möchte mal Vorschläge sammeln da ich momentan richtig am Ende bin.
Hatte ne kurze Beziehung die (eigentlich wegen Kleinigkeiten) quasi von ihr beendet wurde obwohl es wirklich traumhaft angefangen hat und bin jetzt in einem noch größeren Loch als vorher. Und ich habe keinen zum reden, bin richtig isoliert, frustriert, depressiv (nicht deprimiert, wirklich depressiv) und habe auch eine unglaubliche Wut die ab und zu durchkommt. Wut eher auf mein Schicksal.
Habe nichts wo ich hingehen kann, fühle mich überall nicht gewollt oder oft einfach nur völlig ignoriert. So schwarz wie momentan war es selten.. Und ich kenn mich mit Schwärze ziemlich aus.
Ja also was kann man tun? Wie kommt man aus dieser Falle überhaupt raus? Es ist auch unglaublich schwer zu anderen Menschen Kontakt aufzunehmen weil ich das Gefühl habe dass das niemand will..


Ich kenne das auch total gut. Eigentlich hätte ich das jetzt auch schreiben können. Hier mal eine andere Sicht: Kontakt zu anderen ist, wenn man so niedergeschlagen ist, nur dann gut, wenn sie einen gut verstehen, einfühlsam sind. Solche Menschen findest Du nicht auf Anhieb, schon gar nicht im Fitnessstudio mal eben.
Wenn Du Dich mit Schwärze auskennst, dann weißt, dass es sich ändern wird. Pluspunkt für Dich.

Nach einer Trennung hat man zudem all diese Gefühle, die Du beschreibst. Das erleben Millionen Menschen gerade. Problem: Wirklich fast jeder lehnt diese Gefühle in sich ab, weil wir zutiefst konditioniert sind, nur gute Gefühle haben zu wollen. Das ist kulturell bedingt und kein individuelles Schicksal. Wir sind darauf getrimmt: Alles ist/muss so happy sein
Wenn Du gerade nur lachende Menschen siehst, gaukelt Dir das Dein brainwashed Kopf vor UND viele Menschen können ihre negativen Gefühle bestens verbergen. Außerdem haben wir Milliarden Arten von Ablenkung!

Aber: Erleben wir negative Gefühle erzählen wir uns: ich bin depressiv . Nein, das bist Du nicht. Was ist passiert: Da sind gerade diese heftigen Gefühle - hey, das bedeutet auch, Du bist in der Lage zu fühlen / GLÜCKWUNSCH!

Ich zum Beispiel kann großartig gegen schlechte Gefühle ankämpfen und stelle fest - es ist unglaublich mühsam UND ich verschlimmere damit die eh schon negative Gefühlslage. Eine Metapher: Stell Dir vor, Du steigst in einen reißenden Fluss und kämpfst gegen die Strömung an. Voll anstrengend. Oder man lässt sich treiben und es könnte ganz okay sein. Was will ich damit sagen: Lass Dich das alles spüren, bewerte es nicht, such Dir all die Hilfe die man bekommen kann, wenn Dir danach ist, setz Dich nicht unter Druck! Es ist halt gerade schei..

Es geht sowieso vorbei und daran stirbt man nicht. Alle Gefühle sind richtig!, sonst wären sie ja nicht da. Alles Gute, C.

12.01.2018 18:54 • #241


Zitat von Graubunt:
Was willst du damit jetzt sagen?


Das war eigentlich gar nicht schwer zu verstehen . Du wolltest einen Tipp ,ich gab Dir einen.
Danke auch für die "herzliche" PN. Die beantwortet auch direkt die Frage warum Du einsam bist. Wenn Du im wahren Leben auch so bissig bist.... obwohl,.... nur getroffene Hunde bellen ! Und die, die das nicht wahr haben wollen, werden bissig !

15.01.2018 20:37 • x 3 #242



Hallo Sundust,

Soziale Isolation und Einsamkeit - Austusch von Betroffenen

x 3#3


28.02.2018 14:24 • #243


la2la2
Hey,
vergiss die Vergangenheit - das ist vollkommen egal, was im Kindergarten oder in der Schule mal war.
Beginne doch bewusst einen Neuanfang in einer anderen Stadt.
Wie man Freundschaften und soziale Kontakte knüpft, weißt du sicher in der Theorie oder? Du hast nichts zu verlieren - im allerschlimmsten Falle versuchst du es dann nochmal in einer weiteren Stadt...

Und die Leute, die im Internet auf tolles Leben machen haben erstaunlich oft im echten Leben die allergrößten Probleme. Kenne welche, die viele Follower/Abonnenten haben, aber im echten Leben schon an einfachsten Problemen scheitern.

28.02.2018 14:38 • #244


Hi Fabian,

Selbstmord ist nie der richtige Weg. Bitte streich die Gedanken gleich wieder.
Was Du auf keinen Fall machen solltest ist, dir andere vermeindlich glücklichere Menschen im Internet anzusehen. Grade auf Facebook, Instagram wird nur das positive dargestellt, jeder rückt sich dort ins beste Licht und versteckt all die Probleme die er hat. Gerade wenn man ein Tief wie Du hat, dann ist das pures Gift, denn man gibt dann diesen vermeindlich positiven Bildern noch mehr Gewicht und überhöht alles. Damit treibst Du dich nur selber in die Spirale. Ich weiss wovon ich rede, da ich das auch hin und wieder mache, wenn es mir entsprechend schlecht geht. Oft kommt dann die Frage: Warum ich nicht? Du schreibst von "sozialer Isolation". Warum empfindest Du das so? Liegt es nur daran, dass Du keine Kontakte hast oder wohnst Du in einer gottverlassenen Gegend die ausser einem Kartoffelacker sonst nichts zu bieten hat?

Grüße
Wagenburg

01.03.2018 23:58 • #245


Zitat von wagenburg:
Hi Fabian,

Selbstmord ist nie der richtige Weg.

Grüße
Wagenburg


Begründe mal bitte wieso du das so siehst.

02.03.2018 01:39 • #246


Zitat von trustnone:
Begründe mal bitte wieso du das so siehst.


Ich gehe mal davon aus, dass die Bitte eher provkanter Natur ist. Denn ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand der von Selbstmordgedanken schreibt, hier als Antwort lesen möchte: "Ja, das ist die Lösung. Guten Sprung". Natürlich ist Suizid die Lösung, die Lösung aller Probleme. Nachdem sich also nun die Menschheit morgen ins Messer stürzt, damit alle Probleme weg sind, sind auch alle Menschen weg. Dann regiert die Natur wieder. Das mag zwar schlüssig sein, ist aber nicht der Sinn des Lebens. Alle Menschen haben Probleme, nur geht jeder anders mit den Problemen um - und genau da liegt doch die Antwort.

Aber ich habe das nicht nur aus Reflex geschrieben, sondern habe auch für mich eine Begründung, dass Suizid nie die Lösung sein kann. Warum ich das beurteilen kann? Weil ist selbst schon mehrfach an diesem Punkt gewesen bin; in Situationen aus denen ich keinen Ausweg mehr gesehen habe. Hätte ich mein Leben durch Suizid beendet, dann hätte ich nie erfahren, dass ich auch ein besseres Leben haben kann, denn ich würde kalt unter der Erde liegen. Dass sich mein Leben zu einem besseren verändert hat, musste ich mehrere Dinge lernen: Manchmal muss man Hilfe von aussen einfordern und annehmen, man muss selbst etwas ändern wollen und das auch durchziehen. Wer die Energie hat seinen Selbstmord zu planen, schafft es auch zu planen wie er diese Änderung schafft.

Suizid ist der Wunsch nach Veränderung des momentanen Lebens. Da man mit dem jetzigen Leben nicht zufrieden ist und sich nach einer kompletten Veränderung wünscht, nicht jedoch weiss wie man das ändern soll, oder Angst davor hat, oder aus der Situation gefühlt nicht ausbrechen kann, denkt man an Selbstmord. Wer sich selbst fällt, ist sich selbst der Feind. Und diese Feindschaft beginnt als erstes im Kopf. Der Körper, und vor allem der Überlebenstrieb, sieht das ganz anders. Und dieser Trieb ist erst mal stärker als der Kopf. Deswegen gehen Selbstmordversuche auch immer (aber leider nicht alle) wieder schief. Trotzdem kann, wenn der Druck groß genug ist, dieser Trieb überwunden werden. Doch wer das schafft, der würde es auch schaffen aus der Situation, in der er sich momentan befindet, gleich wie sie ist, auszubrechen.

Ich lasse hier bewusst weg, dass man durch Suizid Familie und Angehörige hinterlässt, die mit dem Schmerz oder der Lokführer wenn man sich auf die Gleise gelegt hat, leben muss. Denn ich halte das für kein gutes Argument jemanden vom Suizid abzubringen, in dem man im Schuldvorhaltungen macht, wenn er es doch versucht.

Menschen mit Suizidgedanken brauchen positive Aspekte. Dazu müssen sie aber als erstes Hilfe von aussen annehmen und die Hilfe muss sich zudem die Zeit und die Energie nehmen wollen, dem jenigen zu helfen. Und ich rede da von richtiger Hilfe anstatt nur einen Flyer auszureichen und Standardsätze runterreden. Es geht darum, dass man sich die Arbeit machen muss (als Helfender), dass man die Spirale in die sich der Hilfesuchende eingedreht hat, durchbrechen muss. Es wird nicht funktionieren, zu sagen: Mach das so oder so. Meine Erfahrung war bisher, dass das immer erst torpediert wurde mit verschiedenen Erklärungen warum etwas nicht klappt. Wenn der Hilfegebende dann schnell aufgibt, hat er versagt. Er muss dabei bleiben und wirklich helfen wollen, auch wenn das Arbeit bedeutet. Dann klappt es auch.

Grüße
wagenburg

02.03.2018 23:37 • x 4 #247


sehr schöne Antwort. Vielen Dank

02.03.2018 23:57 • #248


Es gibt aber nicht immer Familie die einen hilft.

03.03.2018 11:31 • #249


Hallo, habe deinen Post gelesen und dachte mir, hm, das klingt soweit ja etwas wie bei mir. auch wenn du nicht sehr ins detail gegangen bist.
bei mir war es so das ich gleich nach der schule nichts gemacht habe und da bin ich -fast- noch, mit der ausnahme das ich ausgezogen bin und andere kleinigkeiten.
Sehe meine mutter vielleicht 1-2 mal innerhalb von 1-2 wochen, habe aber auch keinen so dicken kontakt zu ihr.

der Unterschied, ich bin etwas älter und komme denke ich (mittlerweile) besser klar da ich wenigstens online kontakte habe die ich ab und zu mal zuspammen kann.
In deinem Alter, da hatte ich selber keine wirklichen Kontakte...
wie dem auch sei, wenn du magst, können wir uns ja mal austauschen per PN, wenn auch wahrscheinlich nur für unbestimmte zeit, vielleicht findet man ja doch irgentwas zum andocken.

03.03.2018 19:38 • #250


Hey Moonlight, wenn du willst kannst du mir gerne eine pn schreiben!

05.03.2018 16:38 • #251


Hallo Fabian,

ich kann das gut verstehen, wie du dich fühlst. Ich bin 25 und eigentlich auch die meiste Zeit allein. Meine Mutter ist bei einem Unfall gestorben als ich 2 ein halb Jahre alt war. Mein Vater hat mich also allein aufgezogen. Er hat zwar versucht sich zu kümmern, war aber doch die meiste Zeit nur am Arbeiten. Ich war oft allein in unserem Haus. Zum Glück hatte ich einen Golden Retriever und eine süße Katze. Die hatten mir gegen das Alleinsein geholfen. Ich hatte mich auch um beide gekümmert und ihnen Futter gegeben. Es war ja alles im Haus. Da hatte mein Vater glücklicherweise für gesorgt, dass immer der Kühlschrank und der Essensraum gefüllt waren. Nur leider war es trotzdem sehr schwer für mich, denn ich war ja fast immer allein. Er kam erst sehr spät mitten in der Nacht oder am späten Abend nach Hause. Zwischenzeitlich hatte er zwar eine neue Lebensgefährtin, die war dann auch zu Hause. Mit der hatte ich mich aber überhaupt nicht verstanden, ständig gab es Streit.

Irgendwann ist dann aber meine Großmutter väterlicherseits eingeschritten und hatte das Jugendamt informiert. Der Mitarbeiter vom Jugendamt hatte mich dann in ein Kinder- und Jugendheim gebracht, weil er der Überzeugung war, dass sich mein Vater nicht mehr um mich kümmern kann. Vorausgegangen war ein heftiger Streit zwischen meinen Großeltern väterlicherseits und meinem Vater, der darauf hinauslief, dass beide Parteien das alleinige Sorgerecht beantragen wollten. Schließlich entschied dann ein Richter, dass das Sorgerecht auf das Jugendamt übertragen wird, aber beide Parteien ihr Umgangsrecht behalten. Somit bin ich dann in dem Kinder- und Jugendheim großgeworden. Leider hatte sich mein Vater völlig ausgeklinkt und kümmerte sich wieder nur um seine kleine Firma. Aber meine Großeltern haben mich total unterstützt und sind auch heute immer noch meine größte Stütze. Und mittlerweile habe ich auch wieder regelmäßig Kontakt mit meinen anderen Großeltern von meiner verstorbenen Mutter. Sie konnten lange Zeit keinen direkten Kontakt mit mir aufnehmen, weil der Tod ihrer Tochter zu schlimm für sie war. Ich hatte vorher nur Postkarten und Briefe mit von ihnen erhalten.

Lange Rede kurzer Sinn
Ich möchte dir damit sagen, dass man nicht aufgeben darf, niemals! Auch für mich gibt es manche Tage, wo ich denke, es ist doch alles furchtbar. Aber ich reiße mich immer wieder zusammen und kämpfe, denn das würde meine verstorbene Mutter auch wollen.

Viel Glück, du schaffst das!
Gruß
jh1d92

05.03.2018 22:45 • x 1 #252


15.03.2018 23:20 • #253


Fräulein Sorglos
Hallo lieber melbo,

mir geht es oft sehr ähnlich wie dir, dabei leide ich gar nicht an einer ausgewiesenen, sozialen Phobie.
Ich habe oft das Gefühl, das, was ich zu erzählen hätte, könnte jemanden nicht interessieren oder Leute würden mich nicht mögen. Aber ja: das fühlt sich nur so an.
Hast du dich schon einmal mit nonverbalen Signalen auseinander gesetzt?
Es ist ziemlich einfach, Interesse von Desinteresse zu unterscheiden, wenn man ein paar körpersprachliche Details kennt!

Zu der Geschichte mit dem Mädchen in der Schule sei nur gesagt - wenn sie "mehr" von dir wollte, du aber nicht von ihr, und sie das womöglich gemerkt hat, erklärt das ihr plötzliches Desinteresse meines Erachtens sehr gut.
Sie wollte sich vielleicht nur schützen, war vielleicht verletzt davon, dass von deiner Seite aus nichts kam außer "Nettigkeiten". Der Fehler liegt hier klarerweise nicht bei dir! Ihre Reaktion halte ich sogar für normal. Das würde ich jetzt gar nicht auf dich als Person beziehen, sondern auf den Umstand, dass sie einfach registriert hat, dass ihre Schwärmerei einseitig bleiben wird.

Tatsächlich bin ich aber auch oft wirklich desinteressiert und gelangweilt von den Dingen, die andere Menschen mir erzählen, ohne überheblich klingen zu wollen. Aber oft decken sich unsere Interessensbereiche einfach nicht, weil ich doch eine sehr spezielle Sicht auf Dinge habe.
Gibt es irgendwelche Themenfelder, die du spannend findest?
Gibt es Menschen, mit denen du dich gut unterhalten kannst ohne das Gefühl zu haben,
desinteressiert zu sein?
Wenn ja, was macht das Gespräch mit ihnen anders?
Immerhin studierst du, also wirst du wohl nicht ganz unintelligent sein. Probleme an der Uni können auch anders entstehen, z.B. durch mangelndes Selbstmanagement, falsche Zeiteinteilung, Fokussierung auf falsche Schwerpunkte, fehlende Lernstrategien, usw. usf.
Ich hatte anfangs auch große Probleme mit dem System an der Uni, aber irgendwann gab's da diesen Punkt, ab dem war ich (ohne großen Aufwand) sogar recht gut! Das würde ich jetzt nicht auf dich als Person schieben.

Du schreibst, du schaffst es nicht dich zu ändern.
Möchtest du denn etwas an deiner Situation ändern?

Nur ein paar Impulse von mir.
Herzliche Grüße

16.03.2018 07:01 • #254


Jan_
Ein paar Dinge von denen die du schilderst sollte man sicher nicht überbewerten.

Das neue Kontakte zunächst interessant sind, aber die Kontaktpflege dann etwas Zeit und Energie braucht ist normal, und das klappt beidseitig nunmal nicht immer.
Das kann man auch schnell fehlinterpretieren. Beispielsweise wenn die andere Person in ihrem Leben einfach Momentan ausgelastet ist und keine Zeit/Lust für neue Kontakte hat. Das muss dann nicht daran liegen dass man etwas falsch gemacht hat oder nicht genügt. Es kann viele Gründe geben warum eine Bekanntschaft oder Freundschaft nicht weiter geht oder einschläft.

Umzuziehen und ein Studium zu beginnen ist natürlich ein großer Bruch im Leben und Umfeld. Die Kontakte die man in der Schule hatte brauchen dann gegebenenfalls entsprechend Mehraufwand um sie aufrecht zu erhalten, und neue Kontakte zu knüpfen braucht natürlich auch etwas Zeit und Glück.

Ich habe in meinem Studium zwar schnell erste Kontakte geknüpft (über den ersten Tischnachbarn), aber gute Freunde (was sich aber eigentlich auch nur auf Studium bezog) habe ich erst im dritten Semester oder so gefunden, die sich dann auch über das Studium hinweg gehalten haben.
Da bin ich sicherlich auch eher zurückhaltend und wenig unternehmungslustig - aber vielleicht zeigt das dass das nicht unbedingt unüblich ist, dass es auch das gibt.

Du sagst du findest es schade dass du deine alten Freundschaften vernachlässigt hast, und diese dann eingeschlafen sind. Hast du dir denn mal überlegt diese wieder aufleben zu lassen? Dich mit den betreffenden Personen mal wieder zu kommunizieren oder sich zu treffen?

Zitat:
Manchmal habe ich extreme Schwierigkeiten jemandem zu folgen der mir etwas erzählt. Ich weiß nie ob ich gelangweilt bin und unterbewusst abschalte oder ob ich intellektuell nicht mithalten kann weil mein Gehirn zu lange braucht die Details zu verarbeiten.


Vielleicht auch Überlastung?
Gerade wenn man unter Anspannung steht, an sich zweifelt und unsicher ist, dann sind auch alltägliche Dinge anstrengender als vielleicht sonst.
Und mit zunehmender Anstrengung lässt natürlich ggf. die Konzentration und Aufnahmefähigkeit nach.

Zitat:
Es fühlt sich so an, als wäre mein Selbstbewusstsein extrem gesunken in den letzten Jahren. Als ich zum studieren weggezogen bin, habe ich die wenigen flüchtigen Freundschaften die ich hatte, so lange vernachlässigt bis sie aufgehört haben sich bei mir zu melden. Ich weiß einfach nicht warum ich das mache. Denn das ist nicht das was ich will. Ich vermisse diese Menschen. Selbst wenn es nur wage Freundschaften waren.


Das kann natürlich verschieden Gründe und Einflüsse haben.
Fakt ist aber dass ein Lebensumbruch natürlich Veränderung bringt. Freundschaften über Distanz/ohne natürliche Schnittmenge aufrecht zu halten erfordert Investition von Zeit und Aufmerksamkeit. Das ist also eine aktive Anstrengung. Wer da passiv veranlagt ist ist direkt im Nachteil wenn er es eigentlich gerne aufrecht erhalten würde.

Dass das Selbstbewusstsein sehr sinken kann ist auch etwas natürliches. Gerade wenn die soziale Integration fehlt, die Anerkennung und das Wahrgenommen werden.
Um ohne gute soziale Kontakte emotional stabil zu bleiben braucht man schon ein gutes Selbstbewusstsein, Selbstwert, und innere Ruhe.

Im Gegensatz dazu verschlimmern sich entsprechende Veranlagungen natürlich immer weiter. Eine kleine Unsicherheit wird dann aus Befürchtungen und anderweitigen negativen Gedanken gerne immer weiter aufgebauscht. Im Vakuum kann sich das natürlich gut ausbreiten.

Zitat:
Am Ende stehe ich wohl verdient alleine da. Trotzdem schaffe ich es einfach nicht mich zu ändern.


Verdient gibt es da nicht. Es gibt sicherlich Gründe, gute Gründe, warum du in der Situation bist in der du bist. Aber Schuld oder Gerechtigkeit gibt es da keine!

Was würdest du denn gerne verändern?
Einige Dinge kann man ja vielleicht auch garnicht, oder nicht so schnell ändern, und ist besser daran diese zunächst mal an sich zu akzeptieren.
Wenn man gerne mal mit Gedanken abschweift, oder die Konzentration irgendwann nachlässt, dann kann man sich überlegen woran das liegt und ob man das ändern kann,
aber sich deswegen negative Gedanken über sich zu machen bringt einen ja nicht weiter, sondern verschlimmert die Situation nur noch.

17.03.2018 00:08 • #255


28.03.2018 05:53 • #256


Mademyberg
kann das vlt. sein das dein wille und evt. deine emotionen die du als wichtig empfunden hast zu kindheitstagen von vielen seiten als unpassend niedergemacht worden sind? ich frag nur weil der text mir bekannt vorkommt.

28.03.2018 15:59 • x 1 #257


Beermacht
Hi Anger!

Ich kenne diese Situationen nur all zu gut, bei mir treten sie jedoch nicht so heftig und eher selten auf. Aber ich bin nun auch schon 47 Jahre und früher war es sicherlich auch einmal heftiger. Das Problem bei einer sozialen Phobie ist, das man nicht mehr locker lassen kann. Man ist wie in einem Modus gefangen, in dem man sich immer weiter hineinsteigert. Man hat einfach Angst sich zu blamieren und seine schwächen zu offenbaren. Was wirklich helfen kann, ist auf professionelle Hilfe zu bauen. Des weiteren musst du einen alternativen Lebensweg suchen, der auf dich abgestimmt ist. Den musst du dir aber selber erkämpfen und das braucht seine Zeit. Wirklich richtig helfen kann nur eine "Leck mich am Ars**" Einstellung zu deinen Ängsten, die aber auch hart erkämpft werden muss.

Wichtig ist es auch, die Finger von Alk**l in rauen Mengen zu lassen. Denn die verstärken die Angst enorm und das oftmals "when the day after comes". Gerade wir Menschen mit einer sozialer Phobie, verfallen dem Rausch sehr gerne.

Wünsche dir alles Gute
BM

28.03.2018 21:30 • x 1 #258


Zitat von Mademyberg:
kann das vlt. sein das dein wille und evt. deine emotionen die du als wichtig empfunden hast zu kindheitstagen von vielen seiten als unpassend niedergemacht worden sind? ich frag nur weil der text mir bekannt vorkommt.


Das war tatsächlich bei mir der Fall. Meine Familie und meine Verwandtschaft hat sich oft, wenn ich nicht dabei war, über das was ich gesagt habe, lustig gemacht. Deshalb hab ich mich irgendwann nciht mehr getraut ihnen etwas anzuvertrauen. Ich dachte ständig das meine Emotionen falsch sind. Ich habe dann eine starke soziale Phobie entwickelt, konnte nicht mehr raus oder mit meinen Brüdern reden.
Ich kann hier nicht darauf eingehen, wie es besser geworden ist, aber später hat mir geholfen gar nicht so viel darüber nachzudenken was ich alles nach einem Gespräch falsch gemacht haben könnte. Ich habe angefangen einfach darüber zu lachen und zu denken: "Jeder macht mal Fehler, jeder hat diese Angst sich lächerlich zu machen. Vielleicht auch in den Moment mein gegenüber."

Das hat mir sehr geholfen die Anspannung zu nehmen.

29.03.2018 11:52 • #259


Jan_
Zitat von Angerfist:
Ich habe mit einer Psychaterin gesprochen, schaffe den weg da aber nicht hin, denn wenn ich ihr das alles erzählen soll, dann schaff ich das nur die hälfte zu erzählen, den in meiner Situation dann, vergesse ich sowieso alles weil ich mich so auf meine Panik konzentriere...


Selbst wenn du es nicht schaffst alles anzusprechen was du gerne ansprechen würdest, und Dinge vergisst, dann hast du ja trotzdem *etwas* angesprochen.
Das ist ja auch schon besser als nichts. Und über mehrere Sitzungen kommt dann auch einiges zusammen.
Alles direkt bearbeiten kann man eh nicht.

Ansonsten kann es helfen sich einen Notizzettel zu machen, was du gerne ansprechen würdest.

Ein Psychiater ist aber ohnehin erstmal für die Einordnung und ggf. Medikation zuständig. Für eine Therapie braucht es auch eine Psychotherapie, wo man auch häufiger und länger hin geht.

Zitat von Leeve84:
Das war tatsächlich bei mir der Fall. Meine Familie und meine Verwandtschaft hat sich oft, wenn ich nicht dabei war, über das was ich gesagt habe, lustig gemacht.


Wow, auch noch hinter deinem Rücken? Das ist ja hart.

Wie hast du das dann mitbekommen? Hast du es vielleicht nur falsch verstanden oder in den falschen Hals bekommen? Haben sie sich nur damit beschäftigt oder tatsächlich lustig gemacht?

Zitat von Leeve84:
Deshalb hab ich mich irgendwann nciht mehr getraut ihnen etwas anzuvertrauen. Ich dachte ständig das meine Emotionen falsch sind. Ich habe dann eine starke soziale Phobie entwickelt, konnte nicht mehr raus oder mit meinen Brüdern reden.


Als Kinder sind wir natürlich völlig abhängig von unserem Umfeld was wir lernen und was für Grundüberzeugungen wir annehmen.
Schade dass dir hier wenig Selbstwert und Vertrauen gegeben wurde.

Auch wenn es auch im fortgeschrittenen und hohen Alter sehr schwer sein kann sich von seinen Eltern auch emotional abzukapseln scheinst du ja schon die ersten Schritte zu gehen zu einer eigenen, gesünderen Weltanschauung und Grundüberzeugung zu kommen.
Das ist aber natürlich sehr anstrengend und dauert seine Zeit.

Du sagst trotzdem du möchtest gerne mit deiner Familie essen. Hast du denn trotzdem ein gutes Verhältnis zu deiner Familie?
Hast du immernoch das Gefühl ihnen nichts anvertrauen zu können/kannst ihnen nichts anvertrauen? (natürlich aus gutem Grund)

Zitat von Leeve84:
Ich kann hier nicht darauf eingehen, wie es besser geworden ist, aber später hat mir geholfen gar nicht so viel darüber nachzudenken was ich alles nach einem Gespräch falsch gemacht haben könnte. Ich habe angefangen einfach darüber zu lachen und zu denken: "Jeder macht mal Fehler, jeder hat diese Angst sich lächerlich zu machen. Vielleicht auch in den Moment mein gegenüber."

Das hat mir sehr geholfen die Anspannung zu nehmen.


Was macht dir denn konkret Angst? Was sind die bewussten oder unbewussten Ängste?

Unsere Ängste sind immer (gut) begründet. Es kann helfen diese anzuerkennen, ihren Sinn zu erkennen, und sie dann aber beiseite zu tun und über einen Realitätscheck zu sagen "ich nehme die Angst war, sie hat ihren Grund, aber sie ist nicht realistisch/angebracht/zu stark; ich nehme die Warnung meines Körpers war, weiß aber dass sie überzogen ist".

Dass jeder Ängste/Befürchtungen hat und niemand perfekt ist ist sehr richtig.
Fehler machen menschlich und sympathisch.

Neben der Angstanalyse und Umbewertung kann es bei Angststörungen helfen Angstsituationen auszuhalten und dadurch zu erleben und zu erlernen, dass die Ängste unbegründet sind. Das ist natürlich eine Herausforderung, und mit dem schlimmsten muss man auch nicht anfangen. Am besten in einem sicheren Rahmen.

30.03.2018 12:40 • #260




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