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Hallo,

seit etwa einem Jahr bin ich von zu Hause ausgezogen aus beruflichen Gründen. Nun lebe ich in einer neuen Stadt und kenne hier einfach keinen einzigen Menschen. Persönlich leide ich darunter, dass ich ständig alleine bin und niemand da ist, mit dem ich meine Freizeit teilen könnte. Meine Leben sieht derzeit trist aus, außer Arbeiten und danach sich in die Wohnung zurückziehen ist nicht. Ich bin gerade 20 Jahre und langsam spüre ich, dass ich etwas verpasse und das macht mich richtig fertig. Kontakte zu finden war für mich nie leicht. In meiner Heimat war ich auch stets alleine und fühlte mich oft einsam. Ich war in der Schule stets beliebt, bei Schüler und Lehrer, aber Freundschaften, geschweige Bekanntschaften waren nie daraus erwachsen. ich war bisher nur zweimal in meinem Leben in einer Diskothek und beide mal fühlte ich mich äußerst unwohl, eingeengt und unter den Leuten verdammt einsam. Obwohl ich auch auf Arbeit beliebt bin, mit vielen gut zusammenarbeite, gelingt es mir nicht dieses auf mein privat Leben zu übertragen. Ich habe schon öfters versucht indirekt, manchmal auch direkt meine Kollegen einzuladen (Essen gehen, Bar gehen), aber nie hat irgendjemand Zeit. Und wenn, dann lassen sie mich dann doch kurz davor in Stich. Das alles macht mich trauriger und trauriger, so dass ich mich mittlerweile nicht mehr traue nachzufragen.

Dabei habe ich an mir gearbeitet! Ich war vor einiger Zeit sehr verschlossen, schüchtern und traute mir selbst nicht viel zu. Ich kann mich gut erinnern, dass ich in der Ausbildung oftmals in Pausen mit anderen Azubis war, aber kein einziges Wort gesagt habe. Das habe ich geändert und versucht Gespräche anzufangen. Hab auch gemerkt, dass dies gut ankommt. Aber es war eben immer nur in der Arbeit so. Privat fand ich einfach keine Menschen, mit den ich meine Zeit verbringen konnte.

Jetzt wo ich überhaupt keine Menschen um mich habe (bevor ich hierher zog, hatte ich wenigstens meine Familie um mich) verzweifle ich jeden Tag mehr. Ich habe einfach keine Ahnung wie das funktioniert, das Leben zwischen Menschen. Manchmal gehe ich in die Stadt und lauf einfach so rum, in der Hoffnung, ich würde Bekanntschaft schließen. Aber dann wird mir schmerzlich klar, dass ich so keine Menschen erreiche. ich überlegte wie etwas ändern könne. Ich ging also öfters ins Kino. Alleine natürlich. Aber auch dort fand ich keine Kontakt. Jetzt bleibt nur noch das Nachtleben, aber ich befürchte, dass ich auch hier kein Erfolg haben werde. Außerdem werde ich mir sehr unwohl vorkommen, wenn ich in die Disko gehen würde. Vor allem alleine.

Eigentlich hoffte ich, dass sich alles "einfach so" einpendeln würde. Es heißt ja immer, man kann nichts erzwingen und eine zu intensive Suche nach Bekanntschaften ist nicht mit Erfolg gekrönt. Aber beinahe ein Jahr ist ins Land gegangen und ich konnte keine Kontakte knüpfen.

Ich bin am Boden. Ich will endlich was unternehmen mit anderen Leuten. ich will leben und nicht nur für die Arbeit existieren und mir dabei zusehen, wie ich dahin vegetiere. Dabei versuche ich immer freundlich zu sein, suche Gespräche und gehe auf Menschen zu. (in der Arbeit lobt man mich mich für meine freundliche, offene Art)

Ich würde gerne in einen Verein gehen, aber keines meiner Hobbies passt zu einen Verein. Ich bin leider sehr unsportlich, unmusikalisch und besonders gut malen/zeichnen kann ich auch nicht. Andererseits interessiere ich mich sehr für Politik, Fotografie und Fantasy.

Ich bin 20 Jahre und habe die Befürchtung meine restlichen jungen Jahre mit Einsamkeit zu füllen. Was soll ich nur tun?

02.04.2008 00:14 • 20.04.2008 #1


7 Antworten ↓


Hey! Ich find es super, dass du dein Problem erkannt hast und etwas ändern möchtest, allerdings bringt es dir wenig, wenn du darauf wartest, dass sich etwas ändert. Auch wenn es schwer ist: sprich doch einfach jemanden von den anderen Azubis an und frag, ob ihr was unternehmen wollt. Ich weiß, das hört sich einfacher an, als es dir erscheinen mag, aner wenn man einen Schritt getan hat, fühlt man sich danach besser. Du meintest, dass du unsportlich bist... aber vielleicht gibt es ja doch etwas, was dir gefallen könnte, wenn du es nicht versuchst, wirst du es nie wissen.
Ich wünsch dir viel Erfolg und Mut!

02.04.2008 14:46 • #2



Raus aus der Einsamkeit - aber wie?

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Hallo Renberexan.

Wie Du siehst, bin ich um einiges älter wie Du. Deshalb bitte ich Dich, mir zu glauben, dass sich in Deinem Leben noch vieles verändern kann. Ich hab´s bei mir so erlebt

Diese schwierige Anfangssituation kannte ich auch in meinen jungen Jahren. Nach dem Abitur bin ich weit weg gezogen von zuhause und war recht lange Zeit wie "verloren" in meiner neuen Umgebung. Mit der Zeit habe ich dann aber ein paar Möglichkeiten entdeckt, trotz Schüchternheit, Kontakte und Freunde zu finden.

Für mich wäre es allerdings entscheidend wichtig zu wissen, ob und wie eng Du mit Menschen zusammenleben und arbeiten möchtest.

Ich habe zum Beispiel in einem Studentenwohnheim und in Wohngemeinschaften gewohnt. Das waren richtige Kontaktbörsen! Man muss halt sorgfältig genug suchen und wissen, zu wem man passt von der Wellenlänge her betrachtet.

Dann habe ich im Laufe meines Lebens festgestellt, dass ich an den Orten, wo hauptsächlich konsumiert wird (Kneipen, Diskotheken etc.), wenn ich dort alleine hingegangen bin, am allerwenigsten neue Leute kennengelernt habe.

Hingegegen habe ich bei ehrenamtlichen Einsätzen aller Art ganz einfach nette - und oft auch dauerhafte - Kontakte geknüpft. Dafür musste ich manchmal nur beim Abwasch helfen. Freiwillige Arbeit ist echt kommunikativ, weil es dort viel lockerer zugeht wie im Berufsleben und alle das Gefühl haben, an einem Strang zu ziehen für eine Sache, von der sie gemeinsam überzeugt sind. Das verbindet.

Wenn Du wiederum zu den Menschen gehören solltest, die von ihrer Psyche her gesehen zu viel und zu engen Kontakt mit anderen Menschen nur ganz wenig gut vertragen, dann würde ich Dir eventuell zu einem beratenden Gespräch mit einem Psychologen raten, - einfach damit Du lernst, Dich selber besser einzuschätzen. (Drei erste Gespräche zahlt, soviel ich weiß, jede Krankenkasse, ohne dass Du den Hausarzt oder sonst jemanden um Beratung und Zustimmung bitten musst.)

Nicht alle Menschen sind total gesellig und wenn Du den verkehrten Anspruch an Dich selber hättest, dann würdest Du Dir selber nur im Weg stehen.

Deine Hobbies Politik, Fotografie und Fantasy sind ja recht interessant. Dafür gibt es doch bestimmt auch Foren, um Leute kennenzulernen und um Dich gepflegt zu unterhalten.

Die Zauberformel, um gute Freunde oder gar eine gute Beziehung zu finden, habe ich selbst in meinem greisinnenhaften Alter noch nicht entdeckt Dennoch glaube ich, dass der Weg dahin über eine bessere Kenntnis von sich selber und über das gemeinsame Interesse mit anderen Personen geht.

Liebe Grüße und viel Glück,
Agnes

02.04.2008 19:48 • #3


Hallo!
Keine Ahnung, ob es irgendwie weiterhilft, aber ich kann dir nur sagen, dass es mir genauso geht.
Ich lerne auch nie Menschen kennen. Ich wohne zwar nach wie vor zu Hause, habe also immer irgendwie meine Familie um mich rum, aber trotzdem, im Inneren stets diese gefühlte Einsamkeit, die nie weggeht.
Es ist doch schon mal gut, dass du an dir gearbeitet hast, dir mehr zutraust und mit anderen Menschen Gespräche anfängst, das schaffe ich nach wie vor kaum.
Es scheint, als hättest du auch eine recht positive Ausstrahlung, wenn du auf der Arbeit bei allen beliebt bist, das sit doch schon mal ein guter Ansatz. Wenn du weißt, wie du dich beliebt machen kannst, musst du nur noch den richtigen Ort finden, an dem du mit Gleichgesinnten in Kontakt trittst.
Die Wahl dieses Ortes ist natürlich schwer, das stimmt, vor allem, wenn man wirklich keine Ahnung hat, wohin man gehen soll.
Aber es gibt doch viele Menschen, die deine Interessen teilen, denke ich. Freue dich, dass du überhaupt schon konkrete Interessen hast, das erleichtert vieles.
Ich weiß ja nicht, inwieweit du dich für Politik interessierst, ob nun für Politik im Ganzen oder vielleicht sogar speziell für die Interessen einer bestimmten Partei. Wenn dem so ist, könntest du doch versuchen, bei einen Ortsverband einer Partei mitzuhelfen oder so.
Und was Fantasy anbetrifft, gibt es viele Interessenten, besonders in deinem Alter. In meiner Stadt gibt es einen Fantasy-Laden, wo sich all solche Leute treffen, ich bin selber mal dagewesen. vielleicht gibt es das ja auch bei dir.
Das Hobby Fotografie ist doch sehr weit verbrietet. Eine ehemalige Kollegin erzählte öfters von einem Fotoclub, dem sie angehört. Bestimmt findest du im Internet viele Foto-Communities oder auch Adressen aus deiner Heimatstadt.
Ich weiß echt nicht, ob das jetzt eine Hilfe war, wünsche dir aber viel Erfolg, wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!

06.04.2008 13:38 • #4


Hallo,
ich hab mich bei dir in einigen Sachen sehr gut wiedererkennen können, verstehe dich also gut.
Ich finds ziemlich stark von dir, dass du deinen Willen nicht verloren hast. Es scheint ja auch so zu sein, dass du keiner bist, der Selbstmitleid hat, sondern jemand, der Probleme anpackt. Du gingst z.B. allein ins Kino usw. - ich war im Leben noch nie in der Disco! (Bin auch in etwa so alt wie du, aber jünger) Bleib weiter so aktiv, schaden kann es ja nicht, denke ich.
Da du offensichtlich mit Menschen gut umgehen kannst, was Schule und Berufsleben zeigen, hast du bestimmt hohe Chancen jemanden zu finden. Dass Kontakte im Privatleben nicht klappten, lag bestimmt nicht an dir. Ich kenn das aus eigener Erfahrung, dass Leute mit einem festen Freundeskreis selten auf der Suche nach Freundschaften sind. Das ergibt sich höchstens, wenn man auf längere Zeit mit denen zu tun hat (z.B Schule).
Die Situation, dass du allein in einer neuen Stadt bist, ist natürlich erstmal hart, aber andererseits hast du nichts zu verlieren! Die Leute kennen dich nicht, haben wahrscheinlich also keine voreiligen Meinungen. Lass dich nicht entmutigen.
Hoffentlich konnte ich dir wenigtsens ein bisschen helfen. Bin übrigens auch neu hier.
Viel Erfolg bei der Kontaktsuche

12.04.2008 21:17 • #5


Hallo Du,
ich bin jetzt 35 Jahre alt und vor 15 Jahren (also auch mit 20) habe ich meine kleine Heimatstadt im urigen Ostfriesland verlassen. Ich hatte auch am Anfang mit Einsamkeit zu kämpfen, habe dann halt versucht mit Leuten aus der Firma Kontakt zu schliessen. Was damals in Leipzig sehr gut ging, da dort viele neue junge Leute angefangen haben zu arbeiten. Da waren alle irgendwie alleine. Dann nach 1 1/2 Jahren hat es mir in Leipzig nicht mehr so gut gefallen und ich zog nach Hannover (berufsbedingt). Dort war die Situation ganz anders, die Arbeitskollegen waren "alteingesessen" und hatten ihren festen Freundeskreis oder ihre Familie vor Ort. Da war es für mich nicht sehr einfach Freundschaften zu knüpfen. Damals war das Internet noch nicht für jeden zugänglich, wie jetzt, und es gab nur diese Stadtmagazine. Dann bin ich zu so Treffen von Singles und/oder neu dazugezogenen Hannoveranern gegangen. Es entstanden sicherlich am Anfang mehr Zweckgemeinschaften. Die haben dort aber auch ein Programm für gemeinsame Unternehmungen angeboten und da bin ich oft mitgegangen. So nach und nach habe ich dann halt Leute kennengelernt die zu mir gepasst haben.
Allerdings bin ich/sind wir oft in der Vergangenheit umgezogen und je älter man wird umso schwerer wird es gute und enge Freundschaften aufzubauen und "am Leben" zu erhalten. Das liegt vielleicht an der heutigen Zeit, keine Ahnung. Auch mit Familie, Kindern etc. kann man einsam sein.
Ich kann Dir nur empfehlen, geh raus, geht evtl. in ein Fitnessstudio (ich bin auch mega-unsportlich, aber ein wenig Sport kann ja nie schaden), such dir Gleichgesinnte die auch neu in der Stadt sind, das sind bestimmt einige und dann gründest du erstmal "Zweckgemeinschaften". Das andere gibt sich dann meist von alleine. Hab nur Mut.
LG,
Mel

14.04.2008 11:24 • #6


Hallo Renberexan und Sonnemond!

Mir geht es genauso! Das erste mal ging es mir so vor über zwei Jahren. Ich ging zum Studieren in eine Neue Stadt. Und ich lebte nur für mein Hobby was ich zum meinem Beruf machen wollte. Ich arbeitete nur.
Es lenkte mich ab und machte mir auch spaß, aber ich merkte immer wieder wie die Quälenden Fragen wieder kamen. Damals war ich auch 20 Jahre alt. Vielleicht ist das oft in diesem Alter?
Ich konnte damals nicht auf Menschen zugehen, ich fühlte mich unheimlich einsam. Ich hatte einfach keinen Anderen Sinn außer meiner Arbeit. Ich ging nicht feiern oder so. Ich war damals auch erst einmal in einer Disco gewesen mit schlechten erfahrungen. Und ich ging auch sonst nirgendwo alleine hin. Ich ging total in Routine unter. Dann merkte ich, dass mein Studium nicht der Traum war und nicht die Erfüllung die ich suchte. Ich war echt am Boden. Damals lernte ich dann meine Exfreundin kennen. Sie zeigte mir wie schön das Leben sein kann und sie wurde mein ganzes Leben. Und jetzt bin ich wieder hier...

Die Situation ist anders, denn durch sie habe ich mich sehr zum positiven verändert. Ich bin selbstsicherer. Aber das Problem bleibt. Wo lerne ich Leute kennen?
In der Disco? Die meisten Leute die ich in meinem Alter kennenlerne sind einfach zu oberflächlich und egoistisch für meinen Geschmack. Auf der Straße? nein. Im Alltag? Da studiere ich... und an meiner Tür klopft niemand. Das Internet? Auch da mache ich eher schlechte Erfahrungen.
Es ist einfach zum heulen...

Was du geschrieben hast: "Ich habe einfach keine Ahnung wie das funktioniert, das Leben zwischen Menschen." Das kenne ich nur zu gut. Mittlerweile verstehe ich es besser. Aber ich schätze die Antwort ist einfach, die Menschen sind verschieden. Manche Menschen sind nicht so wie du und nicht wie ich. Und das ist gut so. Diese Menschen können wir nicht ganz verstehen. Müssen wir aber vielleicht auch nicht. Das schwere ist nur Menschen zu finden, die so sind wie wir. Schätze ich.

Ich kann das wirklich sehr gut nachvollziehen.
Ich würde gerne mit euch sprechen, wenn ihr möchtet

Liebe Grüße, Lars.

18.04.2008 01:08 • #7


Hallo Sternenkater!
kann gut nachvollziehen, wie es dir geht!
Ich bin im Moment auch am Arbeiten, und Arbeiten ist für mich im Moment auch irgendwie alles. Was total krank ist, finde ich eigentlich, weil Arbeit nicht zum Lebensinhalt werden sollte. Die Routine ist auch jetzt das, was mich irgendwie nicht verzweifeln lässt. Ich gehe jeden Tag zur Arbeit, denke wenig nach und hoffe höchstens auf bessere Zeiten, sofern es Hoffnung gibt..
Du hast Recht, wenn man einen guten Freund oder Partner hat, mit dem man etwas unternehmen kann, wird man beinah ein anderer Mensch. Ich habe eien sehr gute Freundin, die leider weggezogen ist, jetzt sehe ich sie nur noch selten. Solche Menschen vermögen einem so viel Lebenssinn zu geben, nur allein aus dem Grund, dass sie anwesend sind und einen akzeptieren, wie man ist, das gibt ein gutes Gefühl...
Naja, wie auch immer, ich hab auch keine Ahnung, wo man Leute kennenlernt, und auch wenn ich die hätte, ich hätte immer noch Angst, Leute zu treffen.
Machts gut!

20.04.2008 17:45 • #8




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