hallo
ich glaub, dass cathy schon genau erfasst hat, was dein problem ist - ich war nämlich in der gleichen situation (und genau genommen bin ich das noch und werde es immer sein) und hab mir das gleiche "diagnostiziert".
Zitat:
Aber hat jemand Tipps, wie ich das "vermeiden" kann, dass ich dann immer so traurig und auch zickig werde, wenn ich meinen Freund ein paar Tage nicht sehen kann?! Es tut mir auch immer so leid, weil er echt ein total lieber Kerl ist, aber ich bin dann total ferngesteuert...
ich werd mich im folgenden darum bemühen
Zitat:
Er braucht aber ab und zu Zeit für sich (wäre theoretisch auch verständlich), aber ich bin da ganz anders. Ich MUSS nicht alleine sein, im Gegenteil!
[...]
Und das führt leider auch immer wieder zu Konflikten. Ich bin total traurig nach 2-3 Tagen ohne ihn und will ihn wieder sehen; er braucht noch Zeit für sich. Ich denke er vermisst mich ja gar nicht und will mich nicht sehen etc. und er denkt ich klammere.
mit diesem denken hat er, m. E. auch vollkommen recht. es ist für selbst noch verdammt schwer zu begreifen, dass es möglich und üblich ist, dass der partner mit sich allein oder mit freunden sein möchte und mich gleichzeitig lieben kann. es fällt mir wirklich schwer zu glauben, dass er mich lieben kann und sich doch gleichzeitig mit anderen amüsiert ... meine gefühle an solchen abenden erstreckten sich von leichter unruhe bis rasende eifersucht und schwer kontrollierbaren kontrollzwang (also das bedürfnis, ihn ständig anzurufen und anzusmsen).
ich weiß nicht, wie stark bei dir die eifersuchtskomponente und der kontrollzwang ausgeprägt sind, aber dir dürfte es ähnlich gehen. vll überfällt dich auch "nur" eine art lustlosigkeit - wie auch immer es sich bei dir ausdrückt: du neigst zum klammern.
diesen satz würde ich gern noch einmal herausgreifen:
Zitat:
Ich MUSS nicht alleine sein, im Gegenteil!
das habe ich auch immer gedacht. leider ist diese erkenntnis - so richtig sie auch im augenblick scheinen mag - falsch. mein ex und ich waren anderthalb jahre zusammen und haben fast jede freie minuten miteinander verbracht. das ist einer der gründe, weshalb unsere beziehung in die brüche gegangen ist. am anfang war die ständige nähe kein problem - wir konnten uns gar nicht oft genug sehen. nach einer weile habe ich mich allerdings in einer paradoxen situation wieder gefunden: ich war vollkommen genervt von ihm, aber sobald er mich nur fünf minuten in frieden lassen wollte, hat alles in mir auf panik umgeschalten und ich habe mich - wortwörtlich - an ihn geklammert.
was ich mit diesen vielen worten über mich selbst eigentlich sagen will: auch wenn du es nicht so empfindest (ich habe das nie so empfunden und empfinde das auch heute noch nicht so): du klammerst. den ersten schritt, den du tun musst ist, das zu erkennen und zu akzeptieren, dass du es tust.
(wenn du nicht genau weißt, wie du das tun sollst, dann schreib das einfach, dann lass ich dich noch mehr an meinem "reichen" erfahrungsschatz teilhaben ^^)
der nächste schritt ist, den mut und den willen aufzubringen, das klammern unter kontrolle zu bringen (ich weiß nicht, ob es überhaupt möglich, es ganz aus der welt zu schaffen, ich bezweifle es). das ist das allerschwierigste, weil der kopf ganz allein gegen sämtliche emotionen kämpfen muss.
zunächst musst du begreifen, dass abstand etwas vollkommen normales und notwendiges ist - nicht nur wegen dieser "damit-man-den-anderen-vermissen-kann-sache", sondern vielmehr, um die möglichkeit zu haben, mit sich selbst in einkland zu kommen.
lass mich das ganz kurz an folgendem bsp. erläutern:
"ein mann hat hunger. um seinen hunger zu stillen, geht zu einem buffet. und wie das an einem buffet so üblich ist, füllt er seinen teller nicht nur mit brötchen oder ausschließlich mit butter, sondern er nimmt von jedem etwas. ein brötchen, ein wenig butter, etwas schinken, etwas käse, etwas salat."
und ebenso ist es mit dem eigenen leben. um alle bedürfnisse zu befriedigen und mit sich selbst im einklang zu sein, reicht es nicht, nur eine beziehung zu haben (oder ausschließlich brötchen zu essen). man braucht die zeit für sich (die butter), für freunde (schinken), für die arbeit (käse) und die hobbys (salat). die wichtigkeit varriiert natürlich von mensch zu mensch, aber all diese bedürfnisse sind da und müssen befriedigt werden. werden sie nicht befriedigt, ist man unausgeglichen. bei mir äußert sich das in form von zickigkeit.
du musst dabei also zweierlei erkennen:
zunächst, dass er diese bedürfnisse hat. wenn die lustlosigkeit oder was auch immer wider zu dir kommt, denk dir: "okay, es ist vollkommen normal, dass er jetzt nicht hier ist. er braucht zeit für sich. und wir sehen uns ja bald."
die zweite erkenntnis ist, dass du auch diese bedürfnisse hast. wenn ich das richtig verstanden hab, musst du diese bei dir auch erstmal wieder neu entdecken. was hast du vor deiner beziehung gemacht? was macht dir spaß? lies ein buch, male ein bild, verwende deine gesamte energie darauf, arbeit zu finden, bilde dich weiter, was auch immer - du hast ein leben, das du gestalten solltest, ein leben, das unabhängig von deinem partner existiert - und außerdem ist es schön, dem anderen zu erzählen, was man alles tolles und spannendes erreicht und erlebt hat. ^^
parallel dazu kannst du deinem partner sagen, dass du dieses problem hast, damit er verständnis für dich hat und deine - sofern du sie hast - verlustängste etwas eingedämmt werden.
aber, wie cathy auch schon geschrieben hat, wirklich aktiv helfen kann er dir nicht und das muss dir auch klar sein. er kann dir nur dann eine hilfe sein, wenn du selbst aktiv immer an diesem kampf dranbleibst
so, das war jetzt wieder eine ganze menge über mich ... hoffentlich konntest du das essentielle herauslesen.
wenn du irgendetwas genauer wissen willst oder was auch immer, schreib das einfach. ich weiß, wie furchtbar belastend diese situation ist, und ich wäre froh, wenn ich sie dir ein wenig erleichtern könnte.
also, viel erfolg erstmal.