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Hallo liebe Forenteilnehmer,
gerade weiß ich nicht weiter in meinem Leben. ich denke ich bin einsam. Eigentlich bin ich gar nicht soo alleine, aber ich hab das Gefühl, immer zu wenig von anderen Menschen ab zubekommen.
Gestern war ich allein auf einem Konzert und hab dort ein paar nette Jungs kennengelernt. Wir haben uns lange gut unterhalten, Trotzdem geh ich am Ende des Abends mit einer Mischung aus Trauer und Wut nach Hause. So ein Gefühl, was das war es schon?

Ich hab meine soziale Angst so einigermaßen überwunden, jetzt merke ich, dass das was mir andere Menschen geben können, mir irgendwie zu wenig ist. Ich denke die Leute spüren auch meine Unziefriedenheit mit ihnen und dadurch entwickeln sich auch keine weitergehenden oder tieferen Kontakte. Der Mensch von dem ich mir mehr erwarte, meldet sich nie bei mir, ich muss ihr immer hinterher telefonieren, worauf ich langsam auch keine Lust mehr habe.

Habt ihr eine Idee, wie ich zufriedener mit dem werden könnte, was ich habe, wie ich dieses Gefühl des ewig zu kurz kommens überwinden könnte und damit auch anderen Menschen ein besseres Gefühl mit mir geben könnte?

Danke, falls ihr eine Idee habt.

04.10.2015 12:02 • 09.12.2015 #1


13 Antworten ↓


Hey,
ich hatte auch lange Zeit mit sozialen Ängsten zu kämpfen und bin auch heute noch ein eher zurückhaltender Mensch. Aber was mir wirklich geholfen hat, war mich darauf zu trainieren mich selbst zu mögen. Sehr dabei geholfen hat mir das Buch "So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen" von Rolf Merkle. Ich habe wirklich für mehrere Monate mich gezwungen Übungen zu machen und mir alles immer wieder durchzulesen. Selbstvertrauen lernen ist ein bisschen wie Vokabeln lernen, dein Gehirn muss einfach darauf trainiert werden.
Irgendwann spürst du, das dein Wert nicht von anderen abhängig ist und du dir im Prinzip auch selbst genügst. Wenn du diesen Punkt erreicht hast bzw. sich generell dein Selbstbewusstsein steigert, dann gehst du plötzlich auf eine völlig neue Art und Weise auf Menschen zu und beginnst auch ernsthaft dich für sie zu interessieren. Auch wenn es wie ein Kalenderspruch klingt, es stimmt: Du kannst andere erst lieben, wenn du dich selbst liebst. Denn andere spüren, wenn du ihre Aufmerksamkeit im Prinzip nur dafür brauchst, damit du dich besser fühlst. Wenn du aber mit dir selbst im Reinen bist, gehst du mit ernsthaften Interesse auf die Menschen zu und das spüren Sie dann auch und dann stößt man auch auf positives, ernst gemeintes Interesse von deren Seite ...die anderen wollen im Prinzip ja auch nur gemocht werden.

Mir ging es immer genauso wie dir und natürlich habe ich solche Momente auch heute noch - aber nach diesem eigens gesetzten Training hat sich bei mir wahnsinnig viel zum Positiven verändert.

Ich wünsch dir ganz viel Glück und hoffe ich konnte dir etwas helfen!

04.10.2015 13:30 • x 1 #2



Immer zu wenig

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Hotin
Hallo sub1

Zitat:
Habt ihr eine Idee, wie ich zufriedener mit dem werden könnte, was ich habe, wie ich dieses Gefühl
des ewig zu kurz kommens überwinden könnte und damit auch anderen Menschen ein besseres
Gefühl mit mir geben könnte?


moeweX hat das hervorragend beschrieben!

Möchte noch eine Anmerkung von mir ergänzen.
Zufriedenheit entsteht vor allen dadurch, das man anderen etwas gutes tut.
Nur wer säht, der erntet auch später. Das hilft dem Leben einen Sinn zu geben. Du bekommst
dann überwiegend auch gutes zurück. Da wo Du nichts positives zurück bekommst, solltest Du
Dich wieder zurückziehen.

Zitat:
jetzt merke ich, dass das was mir andere Menschen geben können, mir irgendwie zu wenig ist.


Was möchtest Du denn von anderen Menschen? Kannst Du das genauer beschreiben?

Viele Grüße

Hotin

04.10.2015 14:36 • x 1 #3


Icefalki
Hallo Sub, meine zwei Vorredner haben prima geantwortet.

Im Prinzip bist du enttäuscht, dass die sozialen Ängste zwar gemindert, aber der Erfolg jetzt auch nicht so richtig zu genießen ist.

Du erwartest evtl. schon zuviel, und das soziale drumrum muss eben noch gemeistert werden.

04.10.2015 14:49 • #4


Zitat von Hotin:
Möchte noch eine Anmerkung von mir ergänzen.
Zufriedenheit entsteht vor allen dadurch, das man anderen etwas gutes tut.
Nur wer säht, der erntet auch später. Das hilft dem Leben einen Sinn zu geben. Du bekommst
dann überwiegend auch gutes zurück. Da wo Du nichts positives zurück bekommst, solltest Du
Dich wieder zurückziehen.

Zitat:
jetzt merke ich, dass das was mir andere Menschen geben können, mir irgendwie zu wenig ist.


Was möchtest Du denn von anderen Menschen? Kannst Du das genauer beschreiben?


Hallo Hotin,

ich tue sehr viel für andere. Ich arbeite trotz Angst im Behindertenbereich, bin für meinen 7jährigen Sohn da, bringe viele Ideen in ein Musikprojekt ein. Ich höre zu, versuche auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Danach bin ich ausgepowert und allein, angespannt, schlaflos...der Stolz darauf hält nur sehr kurz an.

Ich fühle mich oft ausgenutzt. Ich glaube ich wünsche mir öfters mal ein Danke oder dass sich mal jemand bei mir meldet. Ich glaube aber auch, wenn das passiert, kann ich es nicht ganz an mich ran lassen. Ein Gefühl zu viel zu geben, aber zu wenig zu bekommen.

Grüße, Sub

04.10.2015 15:49 • #5


Ich kenne das Gefühl das du beschreibst, aber du hast doch ganz gut beschrieben worauf du stolz sein kannst! Es ist wichtig, dass du dir auch selbst mal gut zusprichst und Danke zu dir selbst sagst, dich selbst behandelst wie einen guten Freund.

04.10.2015 16:03 • #6


Hallo MoeveX, diesen Beitrag hatte ich als erstes geschrieben, er wurde aber komischerweise nicht gepostet:


Hallo MoeweX,
danke für deine Antwort! Du hast recht, wenn ich mir selbst genüge, sind die anderen noch eine extra Bereicherung in meinem Leben. Ich versuche mir auch jeden Tag zu vergegenwärtigen, was ich erreicht habe und worauf ich stolz sein kann, versuche achtsam mit mir umzugehen, meine positiven Eigenschaften wert zu schätzen, auch meine Schwächen zu akzeptieren. Trotzdem stellt sich immer wieder das Gefühl ein zu wenig zu sein/zu haben/zu bekommen. Ich denke ein Ratgeber kann mir da nicht so weiter helfen, weil mir das rational alles schon klar ist, es will sich nur nicht in mein Gefühlsleben übersetzen...

Danke für die aufmunternden Worte und den !

04.10.2015 16:19 • #7


Hotin
Hallo sub1,

das ist ja richtig viel, was Du alles machst.

Zitat:
Danach bin ich ausgepowert und allein, angespannt, schlaflos...der Stolz darauf hält nur sehr kurz an.


Da glaube ich, das kann ich gut nachvollziehen.
Kann es sein, das Dir einfach Menschen fehlen, die Deine Ansichten und Deine Lebensanschauungen
verstehen und im Idealfall mit Dir teilen.

Da Du dich so engagierst, brauchst Du mal jemanden, mit dem Du auf einer Wellenlänge reden kannst

Viele Grüße

Hotin

05.10.2015 09:01 • #8


Hallo Hotin,

ja, das fehlt mir auf jeden Fal. Der einzige Mensch mit dem ich das kann, ist mein Bandkollege. Den kann ich aber nur einmal die Woche sehen und die Zeit in der wir dann reden können, geht von der Zeit ab in der wir Musik machen können...
Letzte Woche fiel die Probe dann auch noch aus.

Ist halt schwierig mit 36 noch neue Freunde zu finden (wobei ich jünger wirke und mich auch jünger fühle) mit denen man auf einer Wellenlänge ist. Es sind viele Freundschaften kaputt gegangen in den letzten Jahren, darunter auch eine "beste" Freundschaft.

Grüße

05.10.2015 11:10 • x 1 #9


Hotin
Hallo sub1,

Zitat:
Ist halt schwierig mit 36 noch neue Freunde zu finden mit denen man auf einer Wellenlänge ist.


Glaube nicht, das das in erster Linie mit dem Alter zu tun hat. Einfach ist es heute generell nicht.
Am besten kommst Du sicher da ran, wenn Du Leute mit gleichen Interessen suchst. Nicht das Alter
ist so wichtig. Ich glaube, die Art zu denken sollte ähnlich sein.

Zitat:
Ich fühle mich oft ausgenutzt.


Kann ich gut verstehen. Vermutlich solltest Du einfach auch lernen, mal "NEIN"
zu sagen. Dies muss sein.
Und wer soll Dir "Danke" sagen? Deine Sohn ist noch etwas jung. Ein Behinderter wird Dir keinen
ausreichenden Dank aussprechen können.

Welches Instrument spielst Du? Was macht ihr für ein Musikprojekt und erzähle mal, was Du da
an Ideen rein bringst.

Viele Grüße

Hotin

06.10.2015 08:47 • #10


Zitat von Hotin:
Zitat:
Ist halt schwierig mit 36 noch neue Freunde zu finden mit denen man auf einer Wellenlänge ist.


Glaube nicht, das das in erster Linie mit dem Alter zu tun hat. Einfach ist es heute generell nicht.


Ja, es ist wohl allgemein nicht einfach.

Zitat von Hotin:
Kann ich gut verstehen. Vermutlich solltest Du einfach auch lernen, mal "NEIN"
zu sagen. Dies muss sein.


Das "nein" sagen versuch ich auch so gut es geht.

Zitat von Hotin:
Und wer soll Dir "Danke" sagen? Deine Sohn ist noch etwas jung. Ein Behinderter wird Dir keinen
ausreichenden Dank aussprechen können.


Auch völlig klar, das erwarte ich auch nicht, es ist nur so ein Gefühl des zu kurz kommens ohne dass ich dafür jemand verantwortlich mache.

Ich hab die letzten Tage auch noch ein bisschen drüber nachgedacht. Ich denke fast es geht ein bisschen um Angst vor dem Alleinsein, obwohl ich defacto ja schon seit Jahren alles allein regel. Als wenn ich gerade innerlich Abschied nehme von Personen die "für mich da sind". Schwer zu beschreiben...

Zitat von Hotin:
Welches Instrument spielst Du? Was macht ihr für ein Musikprojekt und erzähle mal, was Du da
an Ideen rein bringst.


Ich baue Beats, so Richtung Dub, Drum'n'Bass, Hip Hop, dazu spiele ich Gitarre, er Saxophon. Neuerdings kommen auch noch Texte dazu.

Grüße, sub

07.10.2015 12:17 • #11


Hotin
Hallo sub,

wie weit seid ihr mit eurer Musik?
Seid ihr schon mal irgendwo aufgetreten?
Mit Musik machen könntest Du doch bestimmt auch interessante Leute kennen lernen.

Viele Grüße

Hotin

08.10.2015 09:27 • #12


Hallo,

jetzt habe ich das Gefühl mit diesem "zu wenig" einen Schritt weiter gekommen zu sein und dachte ich lass es euch mal wissen. Es sind die Selbstzweifel, die die anderen Menschen nicht genügend ausräumen können. Aber ist ja auch klar, dass sie das nicht können, das kann ich nur selbst (versuchen). Das schöne daran ist, dass ich dabei von niemanden anderen abhängig bin und nur mich selbst dafür brauche.

Mir wird gerade klar, wie viel zweifelnde Gedanken ich so über den Tag verteilt habe und dann steigt natürlich die Anspannung. Ist irgendwie klar.

Vieles davon hat Moewe damals auch schon geschrieben (danke nochmals!), aber irgendwie verstehe ich es erst jetzt. Vielleicht kaufe ich mir diesen Ratgeber doch noch und trainier mir das zweifeln ab.

Grüße, Sub

09.12.2015 14:20 • x 1 #13


Hotin
Hallo sub1,

Zitat:
Vieles davon hat Moewe damals auch schon geschrieben (danke nochmals!), aber irgendwie
verstehe ich es erst jetzt.


Glückwunsch, für Deinen Schritt vorwärts.
Wenn Du jetzt verstanden hast, wie es funktioniert, wird bestimmt viele bald noch einfacher und angenehmer.

Viele Grüße

Hotin

09.12.2015 22:32 • #14



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