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Hallo mGI87,
nicht die Störung war gemeint, denn das gibt es auch als angeborene Persönlichkeit. Bei mir ist das angeboren und das wird nur als Störung diagnostiziert, wenn sie später erworben wurde oder ein gewisser Leidensdruck da ist, der vorher nicht bestand.

Grüße

18.07.2015 12:29 • #101


mGl87

Man lernt nie aus. Hatte immer nur gehört das die Persönlichkeitsstörung durch Leidensdruck entsehen kann. Entnehme ich deinen Angaben richtig dass du Kinder hast? Wenn ja, wie kommst du mit ihn(en) klar?

18.07.2015 17:43 • #102


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Meine Töchter sind inzwischen erwachsen aber unsere Situation war schon dadurch nicht leicht, daß meine Jüngste durch Epilepsie und Herzkrankheit schwerbehindert ist. Wir sind eine sehr andere Familie, dadurch das ich schizoid bin. Die permanente Überforderung damit macht einen fertig, denn du kommst da nicht mehr raus und alles lastet auf dir. So normale Unternehmungen wie z.B. Kino, Weihnachtsmarkt oder Rockkonzert habe ich mit den Kindern nie gemacht. Sowas unternahmen sie eben mit anderen. Kleinere Reisen haben wir gemacht und machen sie noch, nur ist es da, wo ich hin will den Kindern zu langweilig und nach Disney World wollte ich wohl kaum.
Es tut mir leid für die Kinder und jetzt, wo sie selbständig sind, ergibt sich hin und wieder ein Gespräch über früher. Ich glaube, es hat die Kinder sehr belastet, daß ich eben so stark introvertiert bin. Sie sagen es nicht direkt, sie lassen mich in Ruhe. Meine Älteste sagte letztens, daß sie nicht weiß, was sie anderen über mich erzählen sollte: du hast keinen Hund, keine Freunde, machst keine Reisen, gehst nicht Bowlen...andere machen irgendwas, aber du machst gar nichts.
Nun, das stimmt nicht ganz, denn ich habe genügend Hobbys, aber eben alle nur für mich, während sie alles Sachen aufzählte, die in Massenveranstaltungen ausufern. Selbst beim Hunde-Gassie-Gehen ist man nicht alleine.
"Ich möchte nicht, daß du anderen etwas über mich erzählst", war meine Antwort.

18.07.2015 18:06 • x 1 #103


mGl87

Mir kommt da gerade so ein Gedanke als ich deinen letzten Satz gelesen habe. Du kannst mich korrigieren wenn ich falsch damit liege. Schämst du dich für dein Leben? Du kannst ja nichts dafür dass du so auf die Welt gekommen bist. Ich finde dafür das du dich damit rumschlagen musst machst du das ziemlich gut, also mit den Intressen und so. Wenn ich was unternehme dann mache ich das meistens auch nur für mich.

18.07.2015 18:22 • #104


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Zitat von mGl87:
Schämst du dich für dein Leben?
Nein, ich bin wütend darüber, daß mir immer eingeredet worden ist, daß ich mich gefälligst der Norm anpassen soll. Ich bin wütend darüber, daß meine Mutter (74 J.) heute noch strahlend darüber prahlt, daß ich mich schon immer, auch als Kleinkind, wunderbar selbst beschäftigen konnte und ihr nie aufgefallen ist, daß mit mir etwas nicht stimmt. Wenn mal was nicht so lief, dann hat sie es runter gespielt. Ich war ja so pflegeleicht. Meine Schulzeit war ein einziges Drama und jedes Jahr wurde in der Beurteilung erwähnt, daß mir kein kontinuierlicher Kontakt zu den Mitschülern gelang ...jedes verdammte Schuljahr stand das so drin. Ich hatte es nicht leicht im Arbeitsleben, galt als ungesellig und eigensinnig. Mein Ex-Mann, die Pfeife, beschwerte sich eigentlich schon seit dem Kennenlernen, daß er gegen mich gar nicht ankommt und das ist das Einzige, was ihm jetzt nach 20 Jahren noch einfällt: du machst ja sowieso, was du willst.
Ich schäme mich für keinen einzigen Tag meines Lebens, aber ich bin wütend und das ich heute weiß, was mit mir los ist, ist noch nicht zu spät, um jetzt endlich so zu leben, wie ich es kann. Ich muß mir nichts mehr einreden oder einreden lassen.
Stichwort Leidensdruck: allgemein wird als Leidensdruck schizoider Persönlichkeiten verstanden, daß diese Menschen keinen gesellschaftlichen Anschluß finden, also emotional auch nicht so interagieren können, am Rand der Gesellschaft leben und selbst darunter leiden. Das sehe ich anders: ich leide nicht darunter, daß ich das nicht kann. Ich leide darunter, daß andere mir aufzwingen, es können zu müssen.

18.07.2015 18:48 • x 1 #105


mGl87

Deinen Ärger kann ich allerdings nachvollziehen. Manche Erfahrungen die du hier schilderst habe ich am eigene Leibe auch schon erlebt (Schule, Norm, Arbeit). Der letzte Satz von dir sagt ja eigentlich fast alles. Ich bin selber aber noch nicht so weit wie du. Versuche mich krampfhaft an das System anzupassen was aber überhaupt nicht funktioniert. Hast du deiner Mutter mal den Ärger gezeigt der in dir ist?

18.07.2015 19:44 • #106


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Zitat von mGl87:
Hast du deiner Mutter mal den Ärger gezeigt der in dir ist?
Meine Mutter hat mein ganzes Leben das Problem nicht gesehen und jetzt will sie das schon gar nicht wahr haben. Sie hat zumindest registriert, daß mein bisheriges Leben eine tiefgreifende Veränderung erfahren hat und ich nicht der pflegeleichte Mensch bin, den sie gern gehabt hätte. Sie hat versucht, ein Problem zu vertuschen und den Schleiher der Unschuld drüber zu hängen, wenn man es ganz genau nehmen möchte. Ich erinnere mich jetzt öfter an ein Telefonat, daß ich mit meiner Mutter vor ein paar Jahren führte, in dem ich ihr sagte, wie schwer mir alles fallen würde, ich mich überfordert fühlte und aufgrund einiger Haushaltspannen den Tränen nahe war. Sie sagte, daß ich an allem selbst schuld wäre. Ich glaube, daß war damals der Punkt von dem an alles nur noch dahin steuerte, mich von meinem Leidensdruck zu befreien. Dieses Telefonat hat in mir etwas ausgelöst, was heute noch nach hallt. Das war mir damals noch gar nicht klar.

18.07.2015 20:57 • #107


mGl87

Wenn die eigene Mutter dass zu einen sagt "daß ich an allem selbst schuld wäre" ist das ziemlich hart und prägend wie man bei dir ja mekrt. Du erinnerst dich noch dran. Auch hier muss ich sagen dass ich ähnliches erlebt habe. Mein Vater sagt, wenn auch unter Alk.: "dann bring dich doch um". Ist noch gar nicht so lange her. Vielleicht hat es eine ähnliche Wirkung wie in deinen Fall. Gerade meinen Vater gegenüber merke ich dass ich immer mehr auf Konfration aus bin, nur um ihn zu zeigen dass ich nicht so bin wie er und auch niemals so sein werde.

18.07.2015 21:38 • #108


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Zitat von mGl87:
Wenn die eigene Mutter dass zu einen sagt "daß ich an allem selbst schuld wäre" ist das ziemlich hart und prägend wie man bei dir ja mekrt. Du erinnerst dich noch dran. Auch hier muss ich sagen dass ich ähnliches erlebt habe. Mein Vater sagt, wenn auch unter Alk.: "dann bring dich doch um". Ist noch gar nicht so lange her. Vielleicht hat es eine ähnliche Wirkung wie in deinen Fall. Gerade meinen Vater gegenüber merke ich dass ich immer mehr auf Konfration aus bin, nur um ihn zu zeigen dass ich nicht so bin wie er und auch niemals so sein werde.

Eltern wollen, daß ihre Kinder ihren Vorstellungen entsprechen. Manche gängeln ihre Kinder dazu und manche, wie meine Mutter, leben in dieser Vorstellung und erklären sie für wahr. Meine Älteste sagte einmal zu mir, daß sie immer die mütterliche Grenzsetzung in der Erziehung vermisste, schon mit 8 J. war das etwas, was sie beschäftigte. Ich setzte auf den Effekt der Selbsterkenntnis, als dem vordiktierten Verhalten. Ich habe auch kein Ideal, daß ich meinen Töchtern aufsetzen kann.

Ich denke, daß bei dir der Punkt noch nicht gekommen ist, an dem man seine Eltern isoliert betrachtet. Manche erreichen den Punkt auch gar nicht. Dein Leben ist dein Leben, deine Eltern haben es dir lediglich geschenkt. Irgendwann hat das, was sie als verbale Attake gegen dich einsetzen, nicht mehr die Bedeutung wie früher. Das Telefonat damals bei mir war dieser Punkt. Nichts was meine Mutter seither sagte, traf mich und sie streut sehr gerne ihre giftige Kritik in alle Himmelsrichtungen. Ich will ihr nicht unterstellen, daß sie ein boshafter Mensch ist, sie hat mich nicht misshandelt oder vernachlässigt, sie ist nur der Wahrheit aus dem Weg gegangen, um sich selbst Unangenehmes zu ersparen. Mein Bezugspunkt war schon sehr früh sowieso mein Vater. Meine Mutter hatte nicht den selben Stellenwert, nur leider ist mein Vater schon lange tot.
Ich denke, daß unter Alk. Gesagtes, wahr ist.

19.07.2015 08:10 • #109


boomerine

boomerine

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Hallo,
ja da gibt es einen alten Spruch :
Kinder und Besoffene sprechen die Wahrheit.
Ich kann mich gut in euch reinversetzen, mir ging es ähnlich oder genauso. Nur bei mir ist es der Vater ( Mama ist schon lange tot ) leider.
Ich hatte gestern Abend ähnliche Gedanken, warum passe ich nicht dazu ? warum gehöre ich nicht dazu ?
Es war kein Familienfest, es war ein Sommerfest, alle waren da, nur ich und mein Mann nicht, wir bekamen keine Einladung. Das ich mit meinen Mann nicht dazu gehöre, ist so klar wie das Amen in der Kirche. Mein Mann sagt, was er denkt (Diplomatie ist ein Fremdwort ) er nimmt dabei keine Rücksicht, auch meinen Vater gegenüber nicht. Ich habe mich schon vor geraumer Zeit von meinen Vater endlich getrennt, es tut nicht mehr weh.

Wenn er es nicht akzeptieren kann wie ich bin, wie sollen es dann die anderen Können ?
Er hat ein eigenes Bild von mir, ich bin nicht so, wie er es gerne hätte, sprich auch den Schwiegersohn an.
Meine Geschwister sind das krasse Gegenteil. Ja Papa.

Wie anders sind wir eigentlich ?

Nur weil wir ruhiger sind, anders im denken, reden und fühlen.
Wo ist der Unterschied, weil wir nicht so aus uns raus gehen können ?
weil wir nicht so mitmachen können / wollen ?
weil uns genau dann etwas bedrückt ?
Irgendwie sind wir da reingedrückt worden und kommen da schlecht raus.
lg boomerine

19.07.2015 18:00 • #110


stejoa81

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Was für eine Gesellschaft?
Werteverfall der Menschen !

Wer meint nicht in diese " Gesellschaft " zu passen der sollte sich fragen ob er in so eine Gesellschaft passen möchte.
Erzogen auf Falschen werten.. Geld.. Habgier.. Neid!
Alk... Dro... Spielsucht... Fernsehen...
Und so könnte ich ewig weiter schreiben.

Seit Glücklich das Ihr das Licht noch in euch habt!
Genießt euer Leben.. Liebt... Achtet Die Natur.. Und fühlt sie... Den nichts anderes sind Wir.

Und gebt was ihr wisst an eure Kinder weiter..
Setzt den Funken Unseres Erbes in ein Kinderherz.

23.06.2018 03:08 • x 3 #111


Veritas

Veritas

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Jesus rettet!

23.06.2018 13:29 • #112


Entwickler

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Zitat von stejoa81:
Und gebt was ihr wisst an eure Kinder weiter..
Setzt den Funken Unseres Erbes in ein Kinderherz.

Dazu müsste man nicht nur die richtige Frau erstmal finden, sondern sich komplett von der kaputten Gesellschaft isolieren, was so gut wie unmöglich ist, da weniger als ein Promille der Frauen dazu bereit wäre. Ich habe selbst in einem Gottesdienst einer freikirchlichen Gemeinde in Frankfurt in einer Predigt immer wieder gehört: "Haltet euch von der Welt fern!" Aber wer ist wirklich in der Lage, das mit einer kompletten Familie auch durchzuziehen?

23.06.2018 14:07 • #113


Schlaflose

Schlaflose

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Zitat von stejoa81:
Seit Glücklich das Ihr das Licht noch in euch habt!
Genießt euer Leben.. Liebt... Achtet Die Natur.. Und fühlt sie... Den nichts anderes sind Wir.

Und gebt was ihr wisst an eure Kinder weiter..
Setzt den Funken Unseres Erbes in ein Kinderherz.


Was ist das denn für ein Schwachsinn?

23.06.2018 14:45 • #114


Veritas

Veritas

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Jehovas Zeltler?

23.06.2018 15:10 • #115


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Bitte keine Totschlagargumente. Es muss eine Alternative zum kinderlosen Aussterben geben.

23.06.2018 15:15 • #116


Nikaan

Das könnte ich geschrieben haben!

23.06.2018 17:11 • x 1 #117


Quasinemo

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Hallo Sam1972,

darf ich dem Club der "Langweiligen" beitreten? Bevor ich auf deine Zeilen gestoßen bin, glaubte ich, die einzige mit dem Erfahrungshintergrund zu sein, den du sehr gut beschrieben hast. Allerdings begleitet mich das Gefühl der Andersartigkeit mit der Konsequenz, nicht in die Gesellschaft zu passen, bereits seit meiner Kindheit. Bis zum Erwachsenenalter gewann ich dann mehr Klarheit: Ich bin (jetzt 53jährig) auch früher nie in einer Disco gewesen - allein die Lautstärke hätte ich nicht ausgehalten. Auch sonst gab es keinen Bezug zu den Interessen anderer junger Leute: Rauchen, anderweitiger Substanzmissbrauch - nur um "cool" zu sein, dazuzugehören, von einer Partylocation zur anderen ziehen, das alles zeigte mir als Ruhe Liebende, Naturverbundene auf, wohl irgendwie "falsch" veranlagt zu sein - bzw. meine Umwelt zeigt es mir auf.

Meine Versuche, Bekanntschaften aufzubauen, erfolgten nicht übers Internet, sondern - wie vor dem Internetzeitalter - traditionell über die Zeitung. Das Ergebnis entsprach jedoch deiner Schilderung. "Wir bleiben auf jeden Fall im Kontakt", bekam ich z. B. zu hören. Die einzige, die den Kontakt aufrecht erhielt, war stets ich, bis mir die einseitige Bemühung zu dumm wurde.

Was aber nützen die schönsten Bekanntschaftsanzeigen, wenn Leute nicht lesen können? Für kreative Betätigung verschiedener Art (z. B. gemeinsam kochen, Fremdsprachen auffrischen (in einem kleinen privaten Kreis), Gründung eines Chores oder einfach nur nett miteinander sprechen) suchte ich Interessenten. Weil ich aus Erfahrung wusste, dass auch gerne Männer antworten, die sich eine attraktive Partnerin an ihrer Seite wünschen, wählte ich meine Worte schon so, dass eben diese Gruppe sowie alle Notgeilen und allgemein nur auf Äußerlichkeiten fixierte Menschen m/w, sich möglichst nicht angesprochen fühlten. Was dann passierte, kannst du dir in etwa denken: Mit einem Mann konnte ich mich über mehrere Wochen gut per sms austauschen. Als ich ihn persönlich kennenlernte, fiel bei ihm die Kinnlade herab. "Du bist ...(x)?", fragte er ungläubig. Sein Bild, das er sich während der schriftlichen Kommunikation von mir gemacht hatte, passte augenscheinlich nicht zu meiner natürlichen - selbstverständlich gepflegten, jedoch unmodischen Erscheinung (Jeans, Kapuzen-Shirt). Schließlich waren wir nur zu einem kleinen Spaziergang verabredet und nicht zu einem Theaterbesuch! Meine durch die deformierte Wirbelsäule entstandene unförmige Figur vergraulte meinen Begleiter wohl vollends. Nichts sah oder hörte ich jemals mehr von ihm - auch nicht, als ich nochmals eine sms absetzte.

Nun trauerte ich diesem Typen gewiss nicht hinterher; verärgert reagiert ich nur darauf, dass er sich auf mein Kontaktgesuch überhaupt gemeldet hatte. Die gegenseitige Enttäuschung wäre vermeidbar gewesen. Was denken sich solche Leute eigentlich?

Traurig finde ich allerdings, dass sich unsere Gesellschaft insgesamt - damit meine ich auch Psychologen und Soziologen - nicht mit diesem Verhaltensmuster auseinandersetzt, es hierüber keine Analyse gibt, die die Motivation aller oberflächlich "Tickenden" aufdeckt und dadurch Leidtragende wie dich und mich schon ein wenig entlasten würde.

LG

Quasinemo

p.s. Solltest du mir - auch wenn dein Beitrag schon 3 Jahre alt ist - antworten wollen (worüber ich mich freuen würde), sei bitte nicht erbost, wenn einige Zeit vergeht, bis ich wiederum reagiere! Das liegt dann daran, dass ich leider keinen eigenen Internetzugang habe.

11.07.2018 12:26 • #118



Dr. Reinhard Pichler


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