Hallo R.,
Zitat:An MeineProjektion,
Zitat: Du flüchtest auch in die Lietaratur und die Träumereien?
Glaubst Du, dass es hilfreich ist? Zum Beispiel das Lesen: Manchmal denke ich, dass ich mich durch die Lektüre mehr und mehr von dem (sozialen) Leben entferne und entfremde...Aber was soll ich tun? I'm addicted.
Ja, ich fürchte es ist so. Eigentlich ist es ja was gutes, aber eben auch bequemer oder einfacher als rauszugehen und Leute kennen zu lernen. Es steht im Verdacht, eine Ersatzbefriedigung, eine Betäubungsmaßnahme zu sein und das hat in der Tat etwas mit Abhängigkeiten ("addiction") zu tun. Die Frage ist, hilfreich im Hinblick auf was? Teilweise ist es sicherlich sehr nützlich und förderlich.
Erweitert schließlich den Horizont - je nachdem was man liest - und trägt zum Persönlichkeitswachstum bei. Andererseits bleiben die vermuteten eigenen Bedürfnisse unbefriedigt. Das ist nicht gut. Für mich ist es teilweise eher ein Ersatz. Das merke ich schon, einfach auch weil niemand da ist. Also wähle ich wie alle anderen in meinem Umfreld die Arbeit und Bildung (als Arbeit am Selbst und evtl. zukünftigen Möglichkeiten). Aber das trägt definitiv zur Entfremdung bei, nicht nur weil man "anders" wird, sondern auch weil man nicht raus, unter Menschen geht - oder zu wenig. Gilt jedenfalls für mich. Von einer Abhängigkeit bei bestehenden Alternativen würde ich bei mir nicht reden, da kann ich schon anders priorisieren.
Zitat:Und doch sind all die literarischen Figuren eben kein Ersatz für Freunde oder für das geliebt werden. Aus dem Buch heraus zu leben ist irgendwie ein schlechter Ersatz für das wirkliche Leben, auch wenn ich dort oft Trost finde, ja es mir gerade eine Notwendigkeit ist zu lesen, zu lesen, zu lesen. Vielleicht würde ich überhaupt nicht mehr leben ohne manche Bücher, zu denen ich greifen kann, wenn der Schmerz mal wieder unerträglich wird. Aber ich habe wahnsinnige Angst davor, in den Büchern eines Tages verschwunden zu sein.
Hier stelle ich einen inhaltlichen, aber keinen strukturellen Unterschied zwischen uns fest. Ich lese halt keine Belletristik, sondern zu 99% Sachbücher. Einfach aus (populär)wissenschaftlichem Interesse. Aber eben auch weil keine Alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen oder ich nicht danach aktiv suche und weil ich so von Möglichkeiten der Umsetzung der Sachbuch inhalte "träume" oder mich das inspiriert. Es ist weniger Trost spendend als unglaubliche Neugierde - teilweise ist es auch Suche nach Lösungen für meine sozialen Schwierigkeiten oder Erklärungen dafür. Das kann dann schon mal trösten. Mich hat Lesen schon oft über einiges hinweg gerettet. Sowohl weil es eine Form der Meditation darstellt, als auch aufgrund der gelesenen Inhalte. Es gibt jetzt auch schon Bibliotherapie bei Depressionen. Weil Lesen das neuronale Zellwachstum im Hippocampus stimuliert (vgl. Burns im Junfermannverlag).
Zur möglichen Entfremdung durch Bücher: Mein definitives Ja. Hängt aber von Inhalten ab und davon, inwieweit man die "Leseritis" unter Kontrolle hat und wie man mit den darunter liegenden oder übrigen Bedürfnissen (neben dem Bedürfnis nach Wissen und Bildung) umgeht. Herzlichen Dank für Deine interessierten Fragen. Wie geht es Dir mit den Antworten?
Wie siehst Du das?
Herzliche Grüße,
DP