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Guten Abend,

in der Hoffnung, dass mir "Leidensgenoss_innen" antworten, wende ich mich an euch, um in Erfahrung zu bringen, ob Jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder immer noch durchlebt (so wie ich). Es geht um Gruppenverhältnisse innerhalb einer beruflichen Situation - hier ist es eine Umschulung.

Momentan befinde ich mich in einem Berufsförderungswerk und bin in meiner jetzigen Umschulungsgruppe sehr einsam. Und ich komme mir vor wie der letzte Depp.

Meine Gruppe ist untereinander gut vernetzt. Wichtige Informationen, die zum Beispiel das Berufsföderungswerk betreffen, werden schnell untereinander weitergegeben. Genauso wie Arbeitsanweisungen der Ausbilderinnen und Ausbilder. Jeder weiß dann Bescheid, was so los ist und was zu tun ist. Jeder außer mir. Ich darf mir die Informationen meist selbst durch Ausfragen beschaffen. Ich habe ja auch nicht die direkte Erwartungshaltung, dass man mir sofort alles mitteilt, doch es ist schon oft vorgekommen, dass ich wichtige Infos erst in letzter Minute bekommen habe. Nicht, weil die Erwartungshaltung hatte, sondern, weil ich es ja nicht wusste, was gerade wichtig ist. Seitdem hole ich mir jedwede Info selbst.

In den Pausen sitzen die meisten Leute zusammen oder stehen unten und rauchen. In den Mittagspausen gehen zwar alle in Grüppchen weg, aber viele sitzen dann wieder an einen Tisch. Nur ich sitze alleine. Suche ich den Blickkontakt, wenn Leute aus meiner Gruppe in die Nähe meines Tisches kommen, schauen sie mich meistens an und gehen woanders hin. Nehme ich mir meinen Tablett und gehe nach, hatte ich bisher den Eindruck, dass ich nur geduldet werde.

Natürlich habe ich auch mit der dort zuständigen Psychologin gesprochen, die mir riet, mich mir netten und offen wirkenden Leuten anzuschließen. Alles kein Problem, schließlich bin ich zwar introvertiert, aber nicht auf den Mund gefallen. Das hat auch eine Weile geklappt, zumindest ein wenig. Irgendwann hat sich meine Situation wieder in den Ur-Zustand gewandelt.

Und hier liegen meine Probleme:
Durch meine Introvertiertheit fühle ich mich sehr oft einsam. Einmal habe ich Kekse für alle aus meiner Gruppe gebacken, die auch sehr gut ankamen. Ich helfe, wenn andere Leute Fragen zu den Arbeitsaufgaben haben. Wenn ich nach Kaugummi gefragt werde (zum Beispiel) und ich auch gerade etwas vorrätig habe, gebe ich gern ab. Aber sobald die anderen Leute besprechen, dass alle geschlossen mal ins Kino oder sonstwo hingehen, bin ich außen vor. Die Leute können sich noch nicht mal meinen Vornamen merken - heute wurde ich nach anderthalb Monaten gefragt, wie ich denn mit Vornamen heiße!

Zwei aus meiner Gruppe haben denselben Rückweg wie ich. Die preschen immer wie die Berserker zur Haltestelle und einmal habe ich mich in der Bahn spontan zu ihnen gesetzt und -des Small Talks halber- gefragt, ob sie denn lange zu ihrem Wohnort fahren müssten. Da ist dann herausgekommen, dass wir dieselbe Strecke fahren. Als ich das anmerkte, hat keiner von beiden geantwortet. Als ich dann gesagt habe, dass es doch ganz nett sei, mal gemeinsam zu fahren, war die Antwort nur "Ja, aber man will ja auch mal alleine sein." Wir haben uns zwar den Rest der Strecke so ganz normal unterhalten, aber ich dachte mir dann, dass ich es halt lasse, wenn die Beiden nicht wollen.

Und ich weiß nicht, was ich den anderen Leuten getan habe. Dass es schwierig ist, es zu beurteilen, wenn man es als Außenstehende_r liest, weiß ich. Aber wenn ich es wüsste, dann hätte ich ja einen Anhaltspunkt, an den ich mich orientieren könnte.

Ein weiterer Punkt ist, den ich allerdings gesondert betrachte, ist folgender.

Vorher war ich in einer anderen Gruppe, in der ich drauf und dran war, von einer anderen Frau gemobbt zu werden. Sie und ich sind Lesben und sie wollte von mir beachtet werden, halt angeflirtet. Dieses typische "Flirte mich an, damit du mein Ego polierst, aber bilde dir ja nichts ein, ich lass dich eh abblitzen". Das ist Lesbenkreisen so üblich, nicht überall aber oft Darauf bin ich nicht eingegangen und das hat sie gewurmt. Dann, wenn sie mit ihrer Freundin telefoniert hat oder wenn sie von ihren Aktivitäten mit ihrer Freundin erzählt hat, zum Beispiel Besuche in teuren Restaurants oder teuren Musicals (etc.) und was sie alles von ihr geschenkt bekommen hat, sah sie dabei sehr oft zu mir herüber. Ich hatte das Gefühl, dass sie Neid bei mir provozieren wollte, worauf ich natürlich auch nicht eingegangen bin. Dabei ist/war sie noch nicht mal mein Typ und ich bin glücklich mit meiner Frau verheiratet/verpartnert.

Joa, das alles hatte sie offensichtlich dazu veranlasst, über mich herzuziehen und mich überall als schlechte Person zu betiteln. Ich hatte vor, bei einer weiteren Aktivität dieser Art, darauf anzusprechen und zur Rede zu stellen, aber dann stand der Gruppenwechsel bevor (das war so geplant worden, dass alle dann in eine andere Gruppe gehen) und dazu kam es dann nicht mehr. Am liebsten hätte ich die Frau angezeigt, aber ich dachte mir auch, dass ich drüber stehen sollte. Als ich mit einem anderen Teilnehmer, der sie etwas länger kennt und so kennen gelernt hat, drüber gesprochen habe, meinte der, "sie sei die Erste, die lästert, wenn die Person den Raum verlässt und die Letzte, die mit Lästern aufhört, wenn die Person zur Tür herein kommt." (Zitat)
Jedenfalls hat sie mir viele Kontakte verbaut. Man stelle sich auch vor, dass diese Frau als Teilnehmersprecherin im Teilnehmervorstand sitzt und alles, was ihr die Teilnehmer im Vertrauen erzählen, plaudert sie fröhlich weiter und macht sich über die Probleme und Nöte dieser Teilnehmer, die deswegen zu ihr kommen, lustig.

---

Zurück zur eigentlichen Situation.

Nächste Woche sind Gruppenarbeiten dran und mir graut es davor, weil ich die Befürchtung habe, dass ich erstens keine Gruppe finde und zweitens wieder als Ein-Personen-Gruppe arbeiten muss. Fühlt sich immer an, als würde man als Letzte im Sportunterricht in irgendeine Mannschaft gewählt werden, weil keiner einen haben will.

Langsam bin ich es müde, immer am Abseits zu stehen und als arrogant, verschwiegen oder unsympathisch zu gelten. Und allein zu sein.

Eure Erfahrungen?

Viele Grüße,

Schokoschnepfe

24.05.2013 21:00 • 25.05.2013 #1


7 Antworten ↓


Hallo Schokoschnepfe,

ich weiß auch nicht, was man da macht. Wie lange geht denn dieser Kurs noch?

Allmählich frage ich mich wie asozial Deutsche eigentlich sind. Ich meine nicht Dich, sondern die anderen, die nicht integrationsfähig sind und Dir das antun.

24.05.2013 21:24 • #2



Gruppenverhältnisse in der Umschulung - ich bin oft einsam

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Hallo Jana,

die Umschulung dauert noch knapp anderthalb Jahre.

Grüße,

Schokoschnepfe

24.05.2013 21:33 • #3


Zitat von Schokoschnepfe:
Nächste Woche sind Gruppenarbeiten dran und mir graut es davor, weil ich die Befürchtung habe, dass ich erstens keine Gruppe finde und zweitens wieder als Ein-Personen-Gruppe arbeiten muss. Fühlt sich immer an, als würde man als Letzte im Sportunterricht in irgendeine Mannschaft gewählt werden, weil keiner einen haben will.

Langsam bin ich es müde, immer am Abseits zu stehen und als arrogant, verschwiegen oder unsympathisch zu gelten. Und allein zu sein.

Dann würde ich die kommende Situation, falls du wirklich wieder allein zu bleiben drohst, dazu nutzen, um dein Problem offen und direkt anzusprechen. Aber dann solltest du darauif gefasst sein, dass auch unangenehme Antworten kommen, warum man dich (vielleicht) nicht mag, und mit diesen Antworten rational umgehen können.

Oder du findest dich einfach damit ab, dass die anderen mit dir aus welchem Grund auch immer nichts anfangen können. Es könnte ja z.B. auch sein, dass sie sich dir unterlegen fühlen. Gegen solche Dinge kann man meist nichts machen. Und muss es auch nicht, finde ich.

Ich hatte das Problem auch mehrmals, dass ich bei Gruppenarbeiten allein blieb. Bei einigen ergab es sich dann aber, dass die aus meiner Sicht BESTEN entweder aktiv auf mich zukamen oder ich mit einer zusammengetan wurde, die sich als für mich perfekt herausstellte. Und als ich mal wirklich allein blieb, weil der mir zugeteilte Partner plötzlich wegblieb, war ich zuerst entsetzt, aber letztlich wurde das das erfolgreichste und interessanteste Referat meines Lebens.

Daher mein Rat: Entweder frontal anfragen - oder denken: "Wer weiß, wozu das gut ist."

24.05.2013 21:45 • #4


Eigentlich wird doch dann jemand, also der "Übriggebliebene" von der Dozentin einer Gruppe zugeteilt..

Anderthalb Jahre ist eine sehr lange Zeit für diese unangenehme Situation.

Ich würde die Situation so gut es geht überspielen und so tun, als ob ich ganz normal dazugehöre.. Versuche so gut es geht Dich anzupassen, auch von der Kleidung her und dem Verhalten, schließlich musst Du das irgendwie überstehen.

Also ich würde nicht "frontal anfragen", damit gibt man sich zum Einen eine Blöße und andererseits kann ich mir absolut nicht vorstellen, dass etwas dabei herauskommt.

Schokoschnepfe, was meinen denn Leute die Dich kennen dazu?

24.05.2013 21:50 • #5


Hallo zusammen,

auf der einen Seite kann ich schon auf andere Leute zugehen, auf der anderen Seite halt nur in introviertiert Heißt: Ruhig und freundlich, nie brachial und dafür offenherziger. Ich werde es ja nächste Woche sehen und die Lage abschätzen. Wenn ich dann alleine etwas machen muss, zumal die Gruppe auch - in Grüppchen aufgeteilt- eine Art Ausflug (Sortimentserkundung, heißt das) machen soll--- ja, dann ist es halt so

Was die Zuteilung angeht, wurde mir -weil viele Gruppenarbeitssituationen ähnlich abliefen- von der Dozentenseite aus gesagt, dass ich auf die anderen Leute zugehen muss, im späteren Arbeitsleben, bla bla, muss ich auch in Teams arbeiten.. bla bla. Nur, was die "tollen" Dozenten nicht wissen, dass man später im Job von der Abteilungsleitung eingeteilt wird, um in Teams zu arbeiten, im BFW kann man sich das noch aussuchen. Als ich das dann fast jedes Mal so gesagt habe, haben die Ausbilder/Dozenten oft ausgeschaut wie Autos..

Natürlich habe ich in den letzten Wochen bzw. paar Monaten auch schon gefragt, warum es so in der Gruppe ist, wie es ist. Es hieß nur, dass ich nicht so präsent sei. Wie denn auch.
Es hieß, dass diejenigen nichts von den Anderen gehört hätten, was da nun vorgefallen sein könnte.

Was mich eben ärgert, ist, dass man in der Umschulung fast nur auf die extrovertierten Leute eingeht und sich nach ihnen richtet. Das Alleinsein kann ich aushalten, auch wenn es schwerfällt. Ich finde es nur schwierig, wenn man selber aus Desinteresse isoliert behandelt wird, egal, was man von sich aus dagegen unternimmt.

Auf der anderen Seite denke ich mir auch, egal, was sind schon anderthalb Jahre.

Gruß,
Schokoschnepfe

25.05.2013 15:37 • #6


Ach ja, habe noch etwas vergessen, hinzuzufügen

Mein privates Umfeld, sprich Frau, Familie und Freunde, hält zu mir und gibt mir dann und wann mal Tipps, wie ich dieses und jenes besser machen könnte. Viele irritiert es auch, dass es so ist, wie es ist. Und mein Umfeld besteht fast hauptsächlich aus extrovertierten Leuten.

25.05.2013 15:44 • #7


Schlaflose
Zitat von Schokoschnepfe:
Mein privates Umfeld, sprich Frau


Wahrscheinlich ist das der Grund, dass die nichts mit dir zu tun haben wollen. Es gibt ja immer noch sehr viele Leute, die gleichgeschlechtlich nicht mögen und die Homoehe nicht gutheißen.

25.05.2013 16:47 • #8




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