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Hallo zusammen,

per Zufall habe ich dieses Forum gefunden, als ich „Einsam“ bei Google eingegeben habe. Irgendwie habe ich gehofft die Komplettlösung für alle meine Probleme zu finden. Natürlich, habe ich diese Lösung nicht gefunden, aber dieses Forum und ich nutze nun einfach mal diese Plattform um euch meine Probleme zu schildern.

Meine Kindheit verlief nicht besonders gut. Durch eine Kinderkrankheit wurden meine inneren Organe so stark beschädigt, dass starke Medikamente, strenge Diäten und regelmäßige Krankenhausaufenthalten in einer recht weit entfernten Klinik notwendig waren. Das ich später an der Dialyse landen werden, war mir damals schon bewusst. Es wusste nur keiner wann dieser Zeitpunkt sein würde.

In meiner Schulzeit war ich immer sehr ruhig und zurückgezogen, von den anderen Kindern wurde ich nicht besonders gut akzptiert. Irgendwann, so ab der 6-7 Klasse, fing das Mobbing an. Die nachfolgenden Jahre waren die Hölle für mich. Ich wurde körperlich und seelisch angegriffen und vor der ganzen Klasse völlig offen und sichtbar blosgestellt. Dabei zielten die Angriffe eigentlich immer auf mein Aussehen. Irgendwann habe ich mich dann vollständig zurückgezogen und die Sache nur noch ertragen. Mit meinen Eltern oder den Lehrern habe ich darüber nie gesprochen, es war mir einfach viel zu peinlich.

Nach meinem Abschluß bin ich auf eine berufsbildende Schule gegangen und habe mir voher vorgenommen mich anders zu verhalten, um besser akzeptiert zu werden. Das hat auch richtig gut geklappt. Ich musste zwar über Dinge lachen, die ich nicht lustig fand und Dinge machen, die ich normalerweise nie gemacht hätte, aber ich wurde akzeptiert. Es gab sogar etwas wie Freunde, doch auch denen gegenüber konnte ich nie wirklich offen reden. So blieb die Freundschaft oberflächlich und war auch sofort vorbei als die Schule aufhörte und ich meine Lehre anfing.

Ich habe einen kaufmännischen Beruf erlernt und mein mangelndes Selbstbewusstsein hat mir hinter der Verkaufstheke richtige Schwierigkeiten bereitet. Doch im Laufe der Zeit habe ich meine „Verstelltaktik“ aus der Schule so perfektioniert, dass ich auch hinter der Verkaufstheke selbstbewusst und überzeugend wirken konnte, auch wenn ich hinter der Fassade höllenängste erlebt hatte.

Nach meiner Lehre habe ich einen Zeitvertrag bekommen, der eigentlich verlängert werden sollte. Doch dann holte mich meine Erkrankung wieder ein. Diäten, Medikamente und Kontrollen haben nicht mehr ausgereicht. Die Dialyse wurde ein neuer Teil meines Lebens. Meine Arbeitgeber waren jedenfalls nicht besonders begeistert von meinem neuen Status als Schwerbehinderter und verlängerte den Vertrag nun doch nicht.

Ich bin in ein tiefes Loch gestürzt und auch meine Beziehung zerbrach an der neuen Situation. Die wenigen verbliebenden Leute mit denen ich Kontakt hatte, haben sich ebenfalls aus ganz verschiedenen Gründen von mir abgewendet. So stand ich alleine da. Die nächsten zwei Jahre in Arbeitslosigkeit waren der Horror für mich. Ich hatte keine Freunde, keine Beziehung, keine Arbeit, mein Leben bestand eigentlich nur noch aus Dialyse.

Doch ich erkannte, dass es so nicht bleiben konnte. Deswegen habe ich mich einer Organisation angeschlossen und dort als Ehrenamtler auszuhelfen. Erstmal wollte ich mich dort einbringen und nebenher habe ich gehofft neue Bekanntschaften zu machen. Ich wurde auch gut angenommen und es gab viele neue Kontakte. Doch irgendwie fehlte mir die Fähigkeit die Kontakte zu vertiefen, zu pflegen und zu erhalten. Wie in der Schule sind es sehr oberflächliche Beziehungungen ohne feste Verbindungen. Tage wie Geburtstage, Silvester, Weihnachten usw. habe ich weiterhin alleine verbracht.

Später habe ich dann auch wieder einen festen Arbeitsplatz gefunden. Auf der Arbeit fühle ich mich wohl und kaum einer würde dort vermuten, dass ich in meinem Privatleben solche Probleme habe. Dort werde ich für meine positive Lebenseinstellung, trotz meiner Erkrankung sehr bewundert. Ob es nun auf der Arbeit oder im Ehrenamt ist, dort, in Gesellschaft, bin ich immerzu gut gelaunt und für jeden Spaß zu haben.

Leider, entspricht das nicht der Wirklichkeit. Es ist eine Maske die ich früher als Taktik verwendet habe und nun zu einem Zwang geworden ist. Zu Hause bin ich das genaue Gegenteil. Dort verbringe ich stundenlang ziellos im Internet, schaffe es kaum die nötigsten Haushaltsarbeiten zu erledigen und vermisste den privaten Kontakt zu anderen Menschen. Den Gedanken an eine neue Beziehung habe ich vor langer Zeit über Bord geworden. Nicht nur, dass ich mich unheimlich hässlich finde, nein auch noch gezeichnet von einer schweren Krankheit, ist es für mich unvorstellbar eine Frau zu finden, die das alles ertragen kann.

Und wenn dann mal einer meiner Bekannten etwas mit mir unternehmen möchte, dann sage ich häufig kurzfristig ab oder erfinde irgendeinen Grund um nicht weggehen zu müssen. Sollte es doch einer schaffen mich vor die Tür zu bekommen, dann fühle ich mich unterwegs immer unwohl. Manchmal werde ich sogar richtig frustriert, wenn ich die ganzen gut gelaunten Menschen in meinem Umfeld „ertragen“ muss.

Naja, ich bin scheinbar ein Mensch mit zwei Gesichtern. Meine Fassade ist immer die des gut gelaunten jungen Mannes, mit einer extremen positiven Lebenseinstellung und mein inneres ist furchtbar einsam, unzufrieden, verzweifelt und lebensmüde.

Ich hoffe dieser Text war nicht zu wirr. Ich habe den kompletten Text mehrfach gelöscht, verändert und umgeschrieben. Mich hat das Schreiben ziemlich berührt.

Liebe Grüße

14.08.2011 21:18 • 26.08.2011 #1


13 Antworten ↓


Hallo,
Dein Geschriebenes ist alles andere als wirr!
Aber wenn ich mir das vorstelle,wie Du Dich verstellst,um anderen zu gefallen,
das muß doch total anstrengend sein.
Auch,wenn Du es so beschreibst,als könntest Du es fast automatisch.
Irgendwie belügst Du ja nicht nur die Anderen,sondern auch Dich selbst.
Ich glaub wirklich,das dies nicht gesund ist.
Aber,das ist so mein Gefühl dazu.
Ich wünsch Dir alles Gute,vllt. gibts bessere,als meinen Kommentar dazu,
LG, Nelly.

14.08.2011 21:34 • #2



2 Gesichter

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Hallo Nelly,

vielen Dank für deine Antwort.

Das klingt nun vielleicht lächerlich, aber ich glaube inzwischen, dass ich mich selber und meinen eigenen Charakter schon vor langer Zeit verloren habe. In Gesellschaft kostet es mich keine Mühe so zu sein, dass ich angepasst und positiv rüber komme. Das ist einfach zu einer Gewohnheit geworden. Ich habe dadurch mehr Erfolg im Beruf, aber dafür ist mein Leben einfach nur leer und alle Verbindungen zu anderen Menschen sind lose und unbeständig.

Eigentlich kann ich nur noch bei der schriftlichen Kommunikation im Chat oder Internet "ich selber sein", nur auf diesem Weg kann ich meine Gedanken noch in Worte fassen.

Wenn du mir gegenüberstehen würdest Nelly, dann würde mir kein Wort von Einsamkeit über die Lippen kommen, sondern du hättest einen lächelnden jungen Mann vor dir. Selbst wenn ich will, schaffe ich es einfach nicht dieses Verhalten abzulegen.

14.08.2011 21:57 • #3


Hey,
dann schaffen es vllt. Fachleute,wieder ganz Du selbst zu sein.
Denn,vllt. ist das ein Grund,das Kontakte nicht so intensiv werden,wie Du wünschst,
weil Du irgendwie nicht authentisch bist. Na,das klingt jetzt wirr,aber vllt. verstehst Du trotzdem,was ich mein.
Ich bin da eher das Gegenteil,was auch nicht nur vorteilhaft ist,
hab aber trotzdem überhaupt keine Lust,mich für andere zu verbiegen,
nach dem Motto: wems nicht passt,der kann mich....
LG, Nelly.

14.08.2011 22:06 • #4


Hallo JustMe85,

es stimmt, dass man im Kontakt mit Menschen innerlich einsam bleibt, wenn man nicht zeigen kann, wie es in einem aussieht.
Ich glaube aber nicht, dass Du Deinen eigenen Charakter verloren hast, denn auf schriftlichem Wege kannst Du ja Deinen psychischen Zustand sehr gut beschreiben und analysieren.
Was anfangs aus Angst vor Ablehnung geschah, nämlich nur eine Fassade zu zeigen, ist schließlich eine Gewohnheit, ja ein Zwang von Dir geworden.

Vielleicht würde es Dir helfen, wenn Du bei "neutralen" Personen, z.B. Beratungsstellen, Seelsorgern, Psychologen etc. wieder anfängst zu üben, im direkten Kontakt oder wenigstens telefonisch offen über Dich zu sprechen.
Es könnte ja auch erstmal anonym sein.
Ein empathischer Gesprächspartner, bei dem man sicher sein kann, dass man nicht bewertet wird, kann Mut machen, wieder echten Kontakt auch zu anderen Menschen aufzunehmen.
Vielleicht wäre das ein Anfang.
Vielleicht würdest Du dann irgendwann sogar feststellen, dass die gut gelaunte, lächelnde Seite nicht nur eine Maske ist, sondern auch zu Dir gehört.

Liebe Grüße
tautröpfchen

15.08.2011 00:08 • #5


Hallo JustMe85,
Diese 2 Gesichter bedgleiten mich seit meiner Kindheit. Schon damals habe ich zu wirklich allem immer ein freundliches Gesicht gemacht, um wenigstens dafür sowas wie positive Aufmerksamkeit zu bekommen. Mein Bruder haßt mich bis heute dafür und bestraft mich regelmäßig für meine "A....kriecherei". Aber ich war ein Kind und wollte nur geliebt werden. Bis heute begreift niemand, das ich eben gar nicht dieser fröhliche,zuversichtliche und selbstbewußte Mensch bin. Sondern das diese schrecklichen Dinge aus meinem Leben tiefe Narben hinterlassen haben.
Dank Therapie wurde mir erst vor einigen Jahren bewußt, das ich eben diese 2 Gesichter habe. Aber auch ich kann bis heute in meinem Umfeld nicht anders.
Zudem habe ich durch den Versuch mich wirklich zu zeigen, nicht nur meine damalige Ehe zerstört und meine große Liebe verloren. Auch meine einzige Freundin und meine Familie dreht sich überfordert und angewidert um, wenn ich ihnen sage, wei ich mich wirklich fühle.
Also immer weiterhin schön angepaßt lächelnd weitermachen, damit ein kläglicher Rest an sozialen Kontakten besteht. Und diese gut antrainierte Seite funktioniert im Alltag gut. Nur allein wird mir bewußt, das ich das ändern muß.

Ich denke, auch in dir steckt etwas von dieser positiven Seite, die zu dir gehört.
Auch trotz deiner großen gesundheitlichen Probleme hast du nicht den Blick für dich selbst verloren. Du verstehst, das dieses 2te Gesicht nur ein Teil von dir ist. Und der Wunsch nach Menschen, die einen so akzeptieren, ist auch bei dir groß.
Ein Mensch, der dich mal vor die Tür bekommt, sollte dein Vertrauen haben. Denn eine Erfahrung habe ich gemacht. Ein Mensch , dem wir vertrauen und uns gut bei ihm fühlen, bekommt unser wirkliches Lächeln geschenkt.
Nelly hat mir geschrieben, das man auch den weniger guten Seiten etwas abgewinnen kann. Und es stimmt..... Ein 2tes Gesicht gibt einem auch die Möglichkeit, sich ein wenig zu schützen. Und glaube mir..... Es gibt unglaublich viele Menschen, die nach außen nicht ihr wahres Gesicht zeigen. Entweder aus Angst nicht akzeptiert zu werden oder weil die "sogenannte Gesellschaft" lieber nicht zugeben möchte, das Krankheiten, Ängste, Trauer usw. einfach zum Leben gehören.

Lieber JustMe, jetzt habe ich hier so viel geschrieben. Und ob es dir etwas hilft....ist fraglich. Aber ich habe aus einem Impuls heraus gehandelt. Deine 2 Gesichter sind mir so bekannt und haben mich berührt.
Mir hilft es auch schon sehr hier zu schreiben. Einfach nur, um die Gedanken aus dem Kopf heraus zu bekommen.
Ach ja, ich habe mal eine Körpertherapie begonnen. Die war sehr hilfreich, mich selbst so zu sehen, wie ich bin. Nur leider konnte ich sie mir nicht mehr leisten und mußte sie beenden.

Bitte entschuldige diesen langen Text. Ist einfach passiert.

liebe gRüße Allerleirauh

15.08.2011 10:09 • #6


Zitat:
Hey,
dann schaffen es vllt. Fachleute,wieder ganz Du selbst zu sein.
Denn,vllt. ist das ein Grund,das Kontakte nicht so intensiv werden,wie Du wünschst,
weil Du irgendwie nicht authentisch bist. Na,das klingt jetzt wirr,aber vllt. verstehst Du trotzdem,was ich mein.
Ich bin da eher das Gegenteil,was auch nicht nur vorteilhaft ist,
hab aber trotzdem überhaupt keine Lust,mich für andere zu verbiegen,
nach dem Motto: wems nicht passt,der kann mich....
LG, Nelly.


Hallo Nelly,

ich habe verstanden, was du meinst! Ich habe schon eine lange Zeit die Vermutung, dass meine Verhaltensweise der Grund für die ausbleibenden festen Verbindungen ist.

Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit nehme ich mir vor "ich-selbst" zu sein, doch schon beim ersten Kontakt zu Kollegen falle ich in das alte Muster zurück.

Besonders ins Schwitzen komme ich, wenn ich neue Menschen kennenlerne. Dann sage ich mir immer: So, nun bleib du selbst! Aber dann kommen die ersten Gedanken, was soll ich erzählen? In meiner Freizeit gibt es keine Erlebnisse von denen ich berichten könnte und von meiner Krankheit, die viel Zeit meiner Freizeit ausmacht, will sicher keiner etwas hören. Also bleibe ich bei meinem oberflächlichen Smalltalk, ohne die Option das Gespräch zu vertiefen.

Im Grunde scheint es egal zu sein, ob man sich wie Wachs verbiegen lässt oder unnachgiebig wie ein Fels ist. Die Probleme werden sich wohl ähneln. Ich finde es ziemlich schwer die richtige Mischung zu finden, besonders wenn man vorher immer "anders" agiert hat.

Zitat:
Hallo JustMe85,

es stimmt, dass man im Kontakt mit Menschen innerlich einsam bleibt, wenn man nicht zeigen kann, wie es in einem aussieht.
Ich glaube aber nicht, dass Du Deinen eigenen Charakter verloren hast, denn auf schriftlichem Wege kannst Du ja Deinen psychischen Zustand sehr gut beschreiben und analysieren.
Was anfangs aus Angst vor Ablehnung geschah, nämlich nur eine Fassade zu zeigen, ist schließlich eine Gewohnheit, ja ein Zwang von Dir geworden.

Vielleicht würde es Dir helfen, wenn Du bei "neutralen" Personen, z.B. Beratungsstellen, Seelsorgern, Psychologen etc. wieder anfängst zu üben, im direkten Kontakt oder wenigstens telefonisch offen über Dich zu sprechen.
Es könnte ja auch erstmal anonym sein.
Ein empathischer Gesprächspartner, bei dem man sicher sein kann, dass man nicht bewertet wird, kann Mut machen, wieder echten Kontakt auch zu anderen Menschen aufzunehmen.
Vielleicht wäre das ein Anfang.
Vielleicht würdest Du dann irgendwann sogar feststellen, dass die gut gelaunte, lächelnde Seite nicht nur eine Maske ist, sondern auch zu Dir gehört.

Liebe Grüße
tautröpfchen


Hallo Tautröpchen,

vielen Dank für deinen Beitrag.

Du hast recht, es scheitert bei mir eigentlich nicht an der nötigen Selbstreflexion. Ich erkenne Fehler in meinem Handeln und erkenne wohin mich das führt. Ich versuche fast jeden Tag irgendwas zu ändern, aber zur Umsetzung kommt es nahezu nie. Und wenn ich es schaffe bestimmte Abläufe in meinen Tag einzubauen, dann halte ich die nicht lange durch. Mein Schweinehund wirkt manchmal wie ein unbesiegbarer Feind, der meinen Körper lähmt und kein Aufraffen zulässt.

Ähnlich ist es mit den "neutralen Personen", vorgenommen habe ich es mir schon dutzende Male. Aber die Umsetzung...

Das klingt so blöde, es scheitert manchmal sogar schon am morgendlichen Rolladen aufziehen.

Zitat:
Hallo JustMe85,
Diese 2 Gesichter bedgleiten mich seit meiner Kindheit. Schon damals habe ich zu wirklich allem immer ein freundliches Gesicht gemacht, um wenigstens dafür sowas wie positive Aufmerksamkeit zu bekommen. Mein Bruder haßt mich bis heute dafür und bestraft mich regelmäßig für meine "A....kriecherei". Aber ich war ein Kind und wollte nur geliebt werden. Bis heute begreift niemand, das ich eben gar nicht dieser fröhliche,zuversichtliche und selbstbewußte Mensch bin. Sondern das diese schrecklichen Dinge aus meinem Leben tiefe Narben hinterlassen haben.
Dank Therapie wurde mir erst vor einigen Jahren bewußt, das ich eben diese 2 Gesichter habe. Aber auch ich kann bis heute in meinem Umfeld nicht anders.
Zudem habe ich durch den Versuch mich wirklich zu zeigen, nicht nur meine damalige Ehe zerstört und meine große Liebe verloren. Auch meine einzige Freundin und meine Familie dreht sich überfordert und angewidert um, wenn ich ihnen sage, wei ich mich wirklich fühle.
Also immer weiterhin schön angepaßt lächelnd weitermachen, damit ein kläglicher Rest an sozialen Kontakten besteht. Und diese gut antrainierte Seite funktioniert im Alltag gut. Nur allein wird mir bewußt, das ich das ändern muß.

Ich denke, auch in dir steckt etwas von dieser positiven Seite, die zu dir gehört.
Auch trotz deiner großen gesundheitlichen Probleme hast du nicht den Blick für dich selbst verloren. Du verstehst, das dieses 2te Gesicht nur ein Teil von dir ist. Und der Wunsch nach Menschen, die einen so akzeptieren, ist auch bei dir groß.
Ein Mensch, der dich mal vor die Tür bekommt, sollte dein Vertrauen haben. Denn eine Erfahrung habe ich gemacht. Ein Mensch , dem wir vertrauen und uns gut bei ihm fühlen, bekommt unser wirkliches Lächeln geschenkt.
Nelly hat mir geschrieben, das man auch den weniger guten Seiten etwas abgewinnen kann. Und es stimmt..... Ein 2tes Gesicht gibt einem auch die Möglichkeit, sich ein wenig zu schützen. Und glaube mir..... Es gibt unglaublich viele Menschen, die nach außen nicht ihr wahres Gesicht zeigen. Entweder aus Angst nicht akzeptiert zu werden oder weil die "sogenannte Gesellschaft" lieber nicht zugeben möchte, das Krankheiten, Ängste, Trauer usw. einfach zum Leben gehören.

Lieber JustMe, jetzt habe ich hier so viel geschrieben. Und ob es dir etwas hilft....ist fraglich. Aber ich habe aus einem Impuls heraus gehandelt. Deine 2 Gesichter sind mir so bekannt und haben mich berührt.
Mir hilft es auch schon sehr hier zu schreiben. Einfach nur, um die Gedanken aus dem Kopf heraus zu bekommen.
Ach ja, ich habe mal eine Körpertherapie begonnen. Die war sehr hilfreich, mich selbst so zu sehen, wie ich bin. Nur leider konnte ich sie mir nicht mehr leisten und mußte sie beenden.

Bitte entschuldige diesen langen Text. Ist einfach passiert.

liebe gRüße Allerleirauh


Hallo Allerleirauh,

ein bisschen unangenehm ist es mir schon. Du hast einen so langen Text geschrieben, aber mir fallen nur sehr wenige Worte dazu ein.

Ich möchte mich sehr herzlich bei dir bedanken. Manchmal hilft es bereits sehr, wenn man weiß, dass man nicht alleine mit einem bestimmten Problem ist.

Vielen Dank!

15.08.2011 19:12 • #7


Hallo JustMe85,
find ich auch toll,was die beiden anderen Dir geschrieben haben.
Und,was mich betrifft,hast Du auch sehr recht: es gilt,einen Mittelweg zu finden!
Was ich Dir jetzt empfehlen würde,ist eine SHG,ich hab eine gefunden,
für,bzw. gegen Depressionen.
Es ist eine ganz neue Erfahrung für mich: Alle sind ohne Fassade da,
es ist eher fröhlich,also keine Jammergruppe.
Aber,wenn einer ein Problem hat,über das er sprechen möchte,fühlen alle mit .
Vllt. wäre sowas auch was für Dich.
LG, Nelly.

15.08.2011 20:24 • #8


Warum wirft mir das Leben nur so viele Steine in den Weg. Zunächst mein Äußeres was überall sehr deutlich abgelehnt wird und den Kontakt zu anderen Menschen, insbesondere Frauen, nur erschwert. Schließlich weiß jeder, dass der erste Blick entscheidet ob der Gegenüber interessant ist oder nicht. Dann kommt die schwere Krankheit hinzu, die ich fast mein ganzes Leben mit mir rumschleppe und einiges an Verzweiflung, Frust und Schmerzen verursacht. Die Krankheit hat meinen Körper auch nicht gerade zum positiven gewendet und ich fühle mich konstant schwach.

Ich gebe mir doch Mühe! Ziehe schicke Klamotten an, erledige meine Pflichte, bin nett zu jedem Menschen, helfe wo ich kann, erledige ein Ehrenamt und und und

Verdammt! Warum kann das Leben nicht mal so sein wie ICH es mir wünsche. Warum kann ich mir nicht mal meine Freunde und Partnerinnen aussuchen, ohne ständig das Gefühl "man nimmt was man kriegen kann, obwohl die mir nicht gefallen" zu haben.

ICH HABE DAS NICHT VERDIENT!

Hoffentlich gibt es nach diesem Leben noch ein weiteres, sonst fühle ich mich betrogen.

22.08.2011 02:22 • #9


Zitat von JustMe85:
ICH HABE DAS NICHT VERDIENT!

Und womit meinst du hast du etwas gutes verdient?
Doch nicht im Ernst durch Eitelkeit und Wohltätigkeitsnarzissmus:

Zitat von JustMe85:
Ich gebe mir doch Mühe! Ziehe schicke Klamotten an, erledige meine Pflichte, bin nett zu jedem Menschen, helfe wo ich kann, erledige ein Ehrenamt

Du tust das alles nur um etwas zurück zu bekommen. Aus Berechnung.
"JustMe" = der Kosmos dreht sich um mich selbst, andere kommen darin nicht vor.

Gruß
Manava

23.08.2011 19:37 • #10


@Manava

Vielen Dank für deine Einschätzung.

Aber entweder habe ich mich vorher falsch ausgedrückt oder du schätzt mich vollkommen falsch ein. Ich bin weder Eitel, noch dreht sich der Kosmos nur um mich. Deine Interpretation meines Nicknames ist zwar in Ordnung, aber falsch.

Zitat:
Und womit meinst du hast du etwas gutes verdient?
Doch nicht im Ernst durch Eitelkeit und Wohltätigkeitsnarzissmus:


Gute Frage, womit habe ich denn das schlechte verdient? Mir würde eigentlich ein normales Leben, ohne tödliche Krankheit reichen.

Zitat:
Du tust das alles nur um etwas zurück zu bekommen. Aus Berechnung.


Handelt nicht jeder der seinen Gegenüber irgendwie auf sich aufmerksam machen möchte aus Berechnung? Es gibt Menschen die Aufmerksamkeit bekommen, ohne viel dafür zu machen. Leider, habe ich das Glück nicht.

23.08.2011 20:56 • #11


Ich schätze keine Menschen ein, sondern fasse Texte zusammen.

Zitat von JustMe85:
Mir würde eigentlich ein normales Leben, ohne tödliche Krankheit reichen.

Hier sieht es aber nicht danach aus, dass dir das reichen würde:

Zitat von JustMe85:
Verdammt! Warum kann das Leben nicht mal so sein wie ICH es mir wünsche. Warum kann ich mir nicht mal meine Freunde und Partnerinnen aussuchen, ohne ständig das Gefühl "man nimmt was man kriegen kann, obwohl die mir nicht gefallen" zu haben.

Ich war neugierig, ob du auf die Art zurück schreiben würdest, die mir gefallen könnnte. Ob du denkst, dass ich jemanden "kriegen" will.

Gruß
Manava

23.08.2011 22:00 • #12


Zitat von JustMe85:
Zitat:
Du tust das alles nur um etwas zurück zu bekommen. Aus Berechnung.

Handelt nicht jeder der seinen Gegenüber irgendwie auf sich aufmerksam machen möchte aus Berechnung?

Genau, jeder, der so handelt, handelt aus Berechnung.

Liebe Grüße
Manava

23.08.2011 22:03 • #13


Hi, ich nochmal.
Ich bin zwar kein Psychotherapeut und schon gar nicht ein Online-Möchtegern und weiß, dass es allein aus dem Überfliegen verbaler Auftritte im Netz keine hundertprozentige Diagnosen ergeben können. Aber ich habe mal in einer ausweglosen Situation angefangen alle Neurosen und ihre Symptome durchzugehen um mein Verhalten zu verstehen und Denkweisen zu ändern. Vielleicht wäre das auch für dich ein guter Weg.

Jedenfalls habe ich die Symptome, Gefühlslagen und Handlungsweisen, die du beschrieben hast (keine Einschätzungen von mir) z.T. hier gefunden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Anpassungsst%C3%B6rung

Ich weiß auch nicht ob du in Behandlung bist, habe nur Stichproben gelesen...

Liebe Grüße
Manava

26.08.2011 16:49 • #14



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