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Herzstaub

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Hallo,

mich würde mal interessieren ob hier schon jemand mal (ernsthaft) die Telefonseelsorge benutzt hat und wie die Erfahrung damit gewesen ist.

Das letzte mal wo ich da angerufen habe empfand ich das ganze als echt schlecht und absolut nicht hilfreich. Vielleicht hatte ich ja auch einfach nur Pech. Der gegenüber am anderen Ende wirkte gelangweilt hat sich kaum bis gar nicht am Gespräch beteiligt und vermittelte eine "mir doch egal" Stimmung.

Mir ist klar das die ehrenamtlich dort arbeiten und sicherlich auch oft von Blödsinns Anrufen belästigt werden aber was ich da erlebt habe war einfach nur schlecht da kann ich auch zu Hause mit meiner Tapete erzählen.

Wie sieht es bei euch aus?

13.02.2013 20:28 • 12.01.2018 x 1 #1


44 Antworten ↓


anderlie

anderlie


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An meinem 50. geburtstag war ich ganz allein mein mann war 2 monate zuvor verstorben. ich sprach an diesem tag ca.2 stunden mit der telefonseelsorge und es hat mir sehr geholfen und ich empfand trost.
vielleicht hattest du einfach keinen richtigen draht zu der person.......

13.02.2013 20:36 • #2


baumfrau

baumfrau


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Hallo, ich habe in den Jahren, als ich noch starke Depressionen hatte und mehrere Traumatas erlitten habe, da angerufen.

Ich habe in den 3 Jahren insgesamt 3x dort angerufen

Die waren so nett, es waren immer ältere Frauen am Apparat, die mich behandelt haben, als wäre ich Ihr eigenes Kind

Die Gespräche gingen 1- 2 Stunden.

Sie haben mir sehr geholfen, sowas vergißt man nie!

Hut ab für diese Menschen, denn um das zu tun, muß man schon starke Nerven haben.

Die waren sehr bemüht und betroffen und die eine Frau sagte immer wieder, das Sie mich jetzt gerade drückt und das ich jetzt enifach weinen soll. Und Tips bekam ich auch.


Bis zu dem Zeitpunkt habe ich mich noch nie Jemanden so anvertraut, das war auch befreiend.

13.02.2013 23:50 • #3


Herzstaub


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Dann muss ich wohl in der falschen Region wohnen :p Ich nehme mal stark an die Gespräche werden auch mit regional passend irgendwo verbunden?

Als mich mal die Dame am anderen fragte warum ich denn anrufe und ich ihr sagte das ich jemand zum reden suche weil ich mich einsam fühle ist nur ein "Okay" gekommen. Dann musste ich das Gespräch führen, sie reagierte immer nur passiv mit "Ja" "Hmm" "Achso" ohne jeglichen Fragen. Dann wurde es mir zu blöd und ich habe aufgelegt - genau das meinte ich mit der Tapete erzählen.

13.02.2013 23:54 • #4


passionsblumen


Angerufen habe ich bei der Telefonseelsorge noch nie, aber habe schon öfter die online Telefonseelsorge genutzt und das war immer gut. Da schreibt man sich Mails mit dem Mitarbeiter/in der Telefonseelsorge, die Antwort erfolgt meist nach ein paar Tagen und sehr ausführlich. Der Kontakt kann dann auch über einen längeren Zeitraum gehen.

telefonseelsorge.de

14.02.2013 05:57 • #5


baumfrau

baumfrau


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Hallo, es kostete mich schon Überwindung dort anzurufen, aber die Not war größer

Aber wenn man dann so ignorant behandelt wird, wie Herzstaub, ist das sehr bitter

Das man auch mail schreiben kann, wußte ich nicht.


Lg. gea

14.02.2013 08:27 • #6


tautröpfchen


Ich glaube, Du hast da wirklich Pech gehabt, Herzstaub.
Ich habe bis jetzt zweimal bei der Telefonseelsorge angerufen und sehr gute Erfahrungen damit gemacht.
Beide Male hatte ich sehr einfühlsame, zugewandte Menschen am Telefon und die Gespräche haben mir sehr gut getan.

14.02.2013 10:57 • #7


Dubist

Dubist


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Herzstaub mit dem satz mit der Tapete erzählen hast du mich grad köstlich amüsiert, du hast mich zum lachen gebracht, danke danke.
Diese alte, sorry hexe, hab ich auch schon mal so denk ich an der *beep* gehabt.
Die Fragte dann: Warum rufen sie hier an?
WAr so perplex, das ich sagte, ja, für was ist das denn hier, und dann legte ich auf!
Sonst sind tooootal liebe leute da, ich würd dir mal vom handy aus raten anzurufen, dann kommst du woanders raus.
Dubist

14.02.2013 20:00 • #8


Dubist

Dubist


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Autsch, und verbindung war weg. Oberdreist ist, wenn man nichtmal einen satz aussprechen kann und so ne sorry, dumme hexe dahockt, die gleich auflegt, völlig grundlos.

16.02.2013 11:00 • #9


Renate25


Zitat von Herzstaub:
Dann muss ich wohl in der falschen Region wohnen :p Ich nehme mal stark an die Gespräche werden auch mit regional passend irgendwo verbunden?

Als mich mal die Dame am anderen fragte warum ich denn anrufe und ich ihr sagte das ich jemand zum reden suche weil ich mich einsam fühle ist nur ein "Okay" gekommen. Dann musste ich das Gespräch führen, sie reagierte immer nur passiv mit "Ja" "Hmm" "Achso" ohne jeglichen Fragen. Dann wurde es mir zu blöd und ich habe aufgelegt - genau das meinte ich mit der Tapete erzählen.



Herzstaub, du bist nicht allein mit deinem Pech! Ich rief insgesamt 3x bei der Telefonseelsorge an. 1x war eine sehr nette Frau am anderen Ende, beim anderen Mal die war so wie deine- NULL INTERESSE- NULL BOCK. Nur dumme Floskeln wie:
Was soll ich ihnen da helfen? Was wollen sie von mir hören? u.s.w., u.s.w..
Beim 3x war ich mindestens eine Stunde in einer Warteschleife, keiner meldete sich und es kam immer die Durchsage, dass alle im Gespräch wären. Da dachte ich bei mir: Wenn sich z.B. jemand das Leben nehmen will und erreicht keinen, der springt aus dem Fenster. Nee, nee.

16.02.2013 11:49 • x 1 #10


zuiop


Ich kenne die Telefonseelsorge auch aus eigener Erfahrung und zwar als Seelsorger am andere Ende der *beep*. Ich habe dort während und nach meinem Studium ehrenamtlich gearbeitet, über 7 Jahre hinweg.

Deshalb mal ein paar Antworten auf die in den Postings versteckten Fragen:
Die Telefonseelsorge ist tatsächlich regionalisiert. Man wird mit einem Seelsorger in seiner Anrufregion verbunden. Das ist deshalb sinnvoll, weil man zum einen die Menschen der Region kennt und z.B. auch weiß, was in den Regionen gerade an Themen aktuell ist (Fußballverein abgestiegen, Massenentlassungen bei ner Firma etc.), weil man Anlaufstellen in der Region kennt, wo man gegebenfalls konkrete Hilfe erfahren kann, aber auch weil man die Sprache der Menschen spricht - das Beherrschen des regionalen Dialekts kann eine Brücke sein. Hauptgrund ist aber, dass die jeweiligen Landeskirchen/Bistümer die Verantwortung dafür tragen und die Stellen auch personell ausstatten und ausbilden.

In der Telefonseelsorge sind nur wenige Hauptamtliche beschäftigt, der größte Teil der Dienste wird von Ehrenamtlichen geleistet. Auch wenn viele PfarrerInnen neben ihrem regulären Dienst mitarbeiten, sind die meisten doch theologische und psychologische Laien aus allen möglichen Berufen. Sie bringen hauptsächlich ihre natürlichen empathischen Fähigkeiten/ihre Nächstenliebe ein und haben in Hospitation, Wochenendkursen und durch regelmäßige Supervision (zumindest im Idealfall) gelernt, mit den unterschiedlichsten Gesprächssituationen umzugehen und klar zu kommen.

Was ich damit unterstreichen möchte ist: TelefonseelsorgerInnen sind auch nur Menschen, wie du und ich. Sie erbringen keine professionelle "Dienstleistung", wie ich sie von einer Hotline verlangen kann, sondern sie erbringen freiwillig und unbezahlt einen "Liebesdienst" am Mitmenschen. Deshalb ärgert es mich, wenn man hier von einer der Telefonseelsorgerin als "Hexe" spricht. Ich finde das unfair.

Es ist sicher so, dass manchmal das Bedürfnis des Anrufers nicht gestillt werden kann. Hier gehen zwei Menschen miteinander um und da menschelt es halt, da fließen ganz viele Dinge ein, Dinge, die ich steuern kann und Dinge, die außerhalb meiner Handlungsgewalt liegen, z.B. ob ich Mann oder Frau an der *beep* habe und die unterbewusst ablaufen, z.B. ob mir die Stimme, die Sprache des anderen sympathisch ist oder nicht.

Dazu kommt, auch einE TelefonseelsorgerIn ist nur ein Mensch, hat mal einen schlechten Tag, ist von ner anstrengenden Woche müde, spürt eine Grippe aufziehen, hatte Streit mit dem Partner. So gerne man das auch raushielte und so sehr man sich darum bemüht, unterbewusst spielt das ne Rolle und ein sensibles Gegenüber nimmt diese negativen Vibes wahrscheinlich wahr. Mir ist es selbst einmal passiert, dass mir ein Gesprächspartner sagte: "Na, Ihnen gehts heute aber auch nicht gut!" Ich war geschockt! Sowas sollte nicht passieren, aber dummerweise kommt es vor. Der Idealfall wäre, dass man sich, wenn es einem schlecht geht ablösen lassen könnte, aber leider ist das mit den Dienstplänen so ne Sache. Wie überall.

Dann gibt es Tage, wo mehrere anstrengende Situationen nacheinander kommen. Wenn gerade ein Vater von 5 Kindern angerufen hat, dem bei nem Hausbrand die Frau ums Leben kam und durch den Brand die Existenz vernichtet wurde, der davon redet, dass er und seine Kinder besser auch sterben würden und danach kommt ein Scherzanrufer und danach dann jemand, der sagt: Ich bin so einsam! Und sich dann so passiv verhält, dass ich den Animateur gebe muss und ihm die sprichwörtlichen Rosinen aus der Nase ziehen muss.

Leute, ich sage euch, das ist ein Kraftakt, da weiterhin verständnisvoll zu bleiben!

Da muss man sich schon sehr zusammennehmen, um mit der Situation angemessen umzugehen, und sich zu sagen, das eine waren die Probleme des einen Anrufers, der hat nun aufgelegt und das sind nun die Probleme dieses Anrufers und es ist nicht deine Sache, denen eine Gewichtung zu verleihen, beide sind unglücklich und brauchen jemanden zum reden und du kannst da keine Skala führen. Man weiß ja wirklich nicht, ob da jemand aus Langeweile anruft oder ob jemand wirklich ernsthafte psychische Probleme hat oder wenn jemand von Einsameit spricht, ob er vielleicht deshalb einsam ist, weil er gerade umgezogen ist und noch niemanden kennt (solche Anrufe kommen z.B. zu Semesterbeginn sehr häufig vor) oder ob er ne Sozialphobie hat und es ihm unmöglich ist, Kontakt zu anderen Menschen zu suchen. Supervision und Erfahrung helfen einem dabei, ein Gespür dafür zu entwickeln, aber manchmal liegt man in seiner Einschätzung auch voll daneben.

Ich finde es schon schwierig mit dem Zweifel, hab ich die Situation erfasst, das Richtige und vor allem genug getan, umzugehen.
Die Tatsache, dass ich jetzt als Betroffene in diesem Forum unterwegs bin, geht unter anderem auch auf meine Erfahrungen als Telefon- und Notfallseelsorgerin zurück. Ich bin da zu oft über meine Kräfte gegangen.



Das Schweigen am Telefon und so Floskeln wie "hmm", "okay", "ach ja" müssen keineswegs ein Zeichen von Desinteresse sein, sind es auch in der Regel nicht. Zum einen gibt es in der Seelsorge nämlich auch die unterschiedlichen "Schulen" oder besser "therapeutischen Methoden" der Psychologie, auch hier gibt es personenzentrierte, lösungsorientierte und sonstige seelsorgerische Ansätze und es hängt immer etwas davon ab, bei wem der Seelsorger seine Ausbildung gemacht hat und wohin er tendiert.

Zum anderen haben auch Telefonseelsorger eine Vorprägung in Sachen Kommunikation. Die einen lieben das Frage-Antwort-Spiel, andere lassen den Anrufer lieber erzählen, wieder andere beherrschen die große Kunst der Interventionen und können ein Gespräch für alle Beteiligten voran bringen.


Ich hoffe, das hat ein wenig zum Verständnis der anderen Seite beigetragen. Vielleicht denkt ihr dran: auf beiden Seiten der Schnur sitzen Menschen!

Und damit ist denke ich auch die an anderer Stelle geäußerte Frage nach meinem beruflichen Hintergrund beantwortet

16.02.2013 13:25 • x 1 #11


zuiop


Upps, jetzt habe ich aus meiner beabsichtigten Antwort hier nen neuen Thread gemacht Könnte die Moderation das bitte verschieben?

einsamkeit-forum-f37/erfahrungen-vom-anderen-ende-der-leitung-t48602.html

16.02.2013 13:28 • #12


ThomasK


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also ich muss mich da anschliessen. wenns mir schlecht geht oder eine Pa habe egal wo ich auch bin..

führe ich ein gespräch mit der Telefonseelsorger.

Und bin bis jetze immer auf einen lieben verständissvollen Ansprechparthner gestossen.

und die PA verging innerhalb minuten wieder weg.

Von hier aus ein Grosses Lob an die seelsorge.

18.02.2013 22:33 • #13


Dubist

Dubist


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Wie ich schon sagte, die meisten dort sind supernett. Es gibt halt überall schwarze schafe!

19.02.2013 08:42 • #14


hopeless_soul


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ich habe auch einmal da angerufen... es war schrecklich! kam mir so vor als ob die andere seite nur denkt: toll ich habe eine gute tat vollbracht und zugehört.. aber das war sowas von empathielos! das leben ist schei.!

16.03.2013 20:01 • #15


Dubist

Dubist


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Leider schauen viele auf die Uhr und nach ner halben stunde würgen die dich ab, auch schon erlebt.

17.03.2013 08:43 • #16


Dubist

Dubist


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Was ich absolut hasse, wenn die das Gespräch beenden und nicht ich, das hass ich wie die Pest.

17.03.2013 08:44 • #17


Veritas

Veritas


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Ich würde eher bei Domian anrufen, als dort. Zu ihm hätte ich mehr "Vertrauen", man "kennt" ihn besser.

17.03.2013 10:18 • #18


Dubist

Dubist


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Domian ist ein schatz, aber das hören andere mit, das wär mir nicht recht, lach.

17.03.2013 10:19 • #19


Miss Ratlos


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Zitat von Dubist:
Leider schauen viele auf die Uhr und nach ner halben stunde würgen die dich ab, auch schon erlebt.


Bei uns in der Stadt müssen sich die Mitarbeiter der Telefonseelsorge an eine vorgegebene Zeit von maximal 45 Minuten pro Gespräch halten. Das haben mir schon mehrere Leute am Telefon erzählt.

Ich finde die meisten Mitarbeiter sehr nett, aber leider können sie sich nicht so gut in mich hineinversetzen. Das ist vermutlich ein Generationsproblem. Da arbeiten überwiegend Rentner, die in einer anderen Zeit groß geworden sind als ich mit meinen Mitte 30. Viele ältere Menschen (Frauen UND Männer) sind wohl der Meinung, dass man eine Freundschaft oder Beziehung in Krisenzeiten retten kann, indem man sich sehr intensiv um die andere Person bemüht und ihr immer wieder deutlich sagt und zeigt, wie wichtig sie einem ist. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass Menschen in der heutigen Zeit auf so ein Verhalten eher genervt reagieren, sich eingeengt fühlen und dann erst Recht flüchten - nur mal als Beispiel für die verschiedenen Sichtweisen zweier Personen aus unterschiedlichen Generationen.

Deshalb rufe ich nur noch selten bei der Telefonseelsorge an. Dass ich die Nummer überhaupt noch wähle liegt daran, dass ich mein privates Umfeld nicht ständig mit meinen Problemen belasten möchte.

17.03.2013 10:42 • #20




Dr. Reinhard Pichler

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