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C
Hallo Forum,
ich bin 40 Jahre alt und erlebe gerade eine Lebenskrise. Es tut mir leid, wenn ich nicht verständlich schreibe, oder unstrukturiert und fehlerbehaftet. Ich bekomme es im moment einfach nicht besser hin.

Meine Frau ist nach 10 Jahren mit unseren zwei kleinen Kindern aus unserem Haus zu ihren Eltern gezogen. Sie möchte die Scheidung. Ich leide, so vermute ich, seit vielen Monaten an Depressionen. Meine Arbeit habe ich noch gerade bewältigen können, aber am Familienleben habe ich meistens vom Bett aus teilgenommen. Kein Antrieb und große Müdigkeit. Ablenkung mit Youtube und Internet. Dazu gelegentliche Gereiztheit für so 5 Minuten. Leider oft gegen meine Frau gerichtet. Danach aber immer ehrliche Entschuldigung.
Aus Ehrgeiz hatte ich dazu noch eine Berufsbegleitende Weiterbildung gemacht. Die ständigen Prüfungen haben meinen Zustand noch verschlimmert.
Meine Frau habe ich im Stich gelassen, sie musste sich um die Kinder und Haushalt kümmern und dazu zwei Jobs machen. Eigentlich ein Wahnsinn. Warum? Weil wir separate Konten haben und die Kosten völlig unfair verteilt haben. Es war etwa halbe-halbe, obwohl sie wegen den Kindern weniger arbeiten konnte. Wenn sie reden wollte, habe ich nicht mehr zugehört, obwohl ich irgendwas gesagt habe. Aber mit Kopf und Herz war ich woanders. Ich war zunehmend frustriert, weil alles um mich herum funktionierte, aber ich nicht. Und auch nichts beitragen konnte oder wollte. Ich war/bin ein Monster.

Meine Frau und ich hatten vereinbart, das ich mir am Ende meiner Weiterbildung Hilfe suche. Ich habe zugestimmt, weil dies ja noch weit weg wahr. Hauptsache, ich konnte mich wieder zurückziehen und meine Ruhe haben.

Doch nun kam es vor einer Woche wie es kommen musste: sie sagte, ich solle mir sofort Hilfe holen, sonst wüsste sie nicht wie es weitergeht. Und das sie Abstand bräuchte. Noch kein Wort von Trennung, aber für mich brach alles zusammen. Meine Partnerin will Abstand? Alle Alarmglocken waren an. Und ich tat, was man nicht tun sollte. Ich machte Szene nach Szene, heulte und bettelte, drohte mit Selbstmord, wollte Mitleid und Garantien. Damit habe ich wohl alles schlimmer gemacht. Zwar bemühte ich mich ab diesem Tag, der beste Hausmann und Vater zu sein, der ich sein konnte, aber meine emotionalen Ausbrüche waren auch da.
Meine Frau veränderte sich plötzlich, fing an auf einmal Kette zu rauchen, schrieb und redete viel mit einem anderen Mann. Besucht ihn auch. Ich weiss nicht, ob sie eine Affäre haben oder nicht. Letztlich spielt es keine Rolle.
Ich habe direkt über den Hausarzt meine Anmeldung für eine klinische Therapie losgeschickt und ware auf einen Platz. Leider hat ihr das nicht mehr gereicht. Am Wochenende hat sie die Kinder mitgenommen und ihre Sachen gepackt, selbst die Katze hat sie mir nicht gelassen.
Nun sitze ich hier, in unserem gemeinsamen Häuschen. Einsam und allein. Und möchte nach draussen schreien, dass mir doch bitte jemand hilft. Aber da ist niemand. Meine armen, alten Eltern sehen an ihrem Lebensabend, dass ihr Sohn versagt hat. Und sie machen sich auch Vorwürfe. Es tut mir so weh für sie. Dennoch sind sie die einzigen, die da sind für mich. Obwohl ich mich durch meine Zurückgezogenheit auch wenig bei ihnen gemeldet hatte. Meine Frau war öfter bei ihnen als ich. Entsetzlich. Sonst habe keine Freunde mehr. Ich habe mich ja nie gemeldet. Hatte Angst abgewiesen zu werden. Einen letzten Freund dachte ich zu haben, aber der interessiert sich nicht besonders für mich.
Ich weiß nun nicht mehr weiter, ich war in meinem Leben noch nie alleine. Ich begreife nach und nach was ich für ein Mensch bin. Ich traue mir nicht mehr. Ich weiss nicht mal mehr, ob ich Depressionen habe, oder ein Narzisst bin oder was auch immer. Ich hasse mich. Alles was ich will, ist meine Familie. Ich will Zuneigung. Aber alles ist vorbei.
Heute hatte ich zum ersten mal die Kinder. Ich habe ihnen gekocht und etwas unternommen. Meine Tochter(6) sagte, sie wünsche sich, dass wir uns doch alle wieder vertragen sollen. Sie wolle wieder bei Mama und Papa wohnen. Es hat mir das Herz zerrissen. Doch sie wollte dann auch früher als geplant wieder zu Oma, dort sei es nicht so langweilig, dort gibt es ja Tiere und mehr Menschen. Ja, hier bin ja nur noch ich, verstehe ich. Ich wäre später alleine am liebsten gegen einen Baum gefahren. Ich weiß nicht mehr weiter. Weiß nicht einmal weshalb ich das schreibe. Ich spüre das mir alles entgleitet. Bitte, kann mir jemand helfen?
Chris

04.07.2022 23:08 • 28.07.2022 x 2 #1


47 Antworten ↓


colitis9439
Hallo! Das tut mir sehr leid, was dir gerade passiert. Du hast Depressionen. Du bist nicht Depressionen.
Depressionen sind eine Krankheit. Diese haben nichts mit deinen Lebensumständen oder deiner Persönlichkeit zu tun, und können jeden, in jedem Alter, in jeder Lebenssituation treffen!

Du hast eine Krankheit. Depressionen können gut behandelt werden!
Dass einem 6 jährigen Kind langweilig wird ist das normalste der Welt. Trotzdem lieben dich deine Kinder!
Auch dass deine Frau gerade Abstand braucht ist sehr verständlich. Auch für sie wird deine Situation sehr schwer sein. Schließlich hatte sie keine richtigen Zugang mehr zu dir, wegen deiner Krankheit. Das ist keineswegs als Angriff auf dich zu werten. Sondern sie hat sich Hilfe gesucht um mit deiner Situation klar zu kommen.

Hilfe ist immer nur einen 112 Anruf entfernt. Unsere Gesellschaft wird drauf hin alles in Bewegung setzen um dir zu Helfen.
Und auch hier warten Menschen nur darauf, dir zu Helfen!
https://www.telefonseelsorge.de/ Ruf einfach dort an, wenn du mit jemandem reden willst!

Bitte nehme jede Hilfe in Anspruch, die du kriegen kannst!

Depressionen können dich in ein sehr tief wirkendes Loch werfen. Das ist alles nur Illusion. Das ist nicht die Realität. Du kannst aus diesem Loch herausklettern.

Ich wünsche dir alles Gute! Es werden sehr bald wieder bessere Zeiten kommen. Das verspreche ich dir!

04.07.2022 23:40 • x 4 #2


A


Einsamkeit und Trauer nach Trennung

x 3


C
Danke für deine Antwort und die guten Wünsche!
Ich halte das Alleinsein nicht aus. Ich war nie allein, war nahezu immer in Beziehungen, habe nie allein gewohnt. Das rächt sich jetzt. Ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll, denn die alten Mechanismen die funktionierten (Internet), wenn meine Familie da war, klappen jetzt nicht mehr. Meine Gedanken drehen sich um meine Fehler und um das was ich verlor. Enorme Schuldgefühle. Ich glaube, ich weiß nicht mal wer oder was ich bin. Ich kenne mich nicht. Ich will nur die Geborgenheit und Wärme der Familie zurück. Sonst bin ich nicht Lebensfähig.

05.07.2022 10:23 • #3


Lokalrunde
Du solltest ganz schnell für Dich nach Hilfe Ausschau halten, der erste Weg ist sofort damit zum Hausarzt als ersten Ansprechpartner, der zweite Weg wäre sofort zu einem Facharzt für psychotherapeutische Medizin, notfalls erst mal zu einem für Neurologie u. Psychiatrie. Es gibt an sich in jedem Krankenhaus auch einen sozialpsychologischen o. psychiatrischen Dienst (Krisen Dienst) wo man sofort Hilfe bekommt. Du musst Dir und Deiner Familie zeigen das es Dir ernst ist und diese Schritte schnell vollziehen. Beispielsweise könntest Du Dich auch umgehend an eine Selbsthilfegruppe wenden, da benötigt man keine Termine da geht man einfach hin. Ich weiß nicht wo Du lebst, aber Du kannst unter Google danach suchen und in Deiner Nähe finden lassen. Der erste Weg zur Genesung ist sich selber zu kümmern und heute gibt es viele Möglichkeiten dafür. Vor allem in Bezug auf Deine Frau der Du damit zeigst das Du es verstanden hast, nutze die Gelegenheit in Deinem Interesse! Alles gute für Dich...

05.07.2022 10:43 • x 2 #4


-IchBins-
Zitat von Chris333:
Ich war nie allein,

Dann wird es Zeit, es zu lernen. Jetzt hast du die Möglichkeit, all das zu machen, was du möchtest, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Kann das nicht ein tolles Gefühl sein? So eine Art Freiheit?


Zitat von Chris333:
Meine Gedanken drehen sich um meine Fehler

Du hast bestimmt alles so gut gemacht, wie du zu jenen Momenten konntest. Verurteile dich nicht dafür, das bringt keinen Schritt voran. Und: Du bist nicht deine Gedanken.

Das Schlimme ist, wie ich finde, dass sich viele Menschen von anderen abhängig machen, ob emotional oder finanziell. Wenn man nicht gelernt hat, allein klar zu kommen, scheint es erst mal schwierig.
Wenn man sein Leben nur auf seinen Partner ausrichtet und daran festhält, kann man sich dabei selbst aus den Augen verlieren und weiß am Ende gar nicht mehr, wie Leben geht.

Zitat von Chris333:
Ich begreife nach und nach was ich für ein Mensch bin. I

Das heraus zu finden, kannst du mit Unterstützung in Form von einer Therapie lernen.

Zitat von Chris333:
Ich hasse mich

Wenn das gerade dein Gefühl ist, akzeptiere es, aber kämpfe nicht mit dem Hass. Lass ihn einfach da sein und schaue nach Lösungen, wie du dich wieder mögen kannst (Therapie, sich mit sich selbst beschäftigen, welche guten Seiten habe ich oder was habe ich gut gemacht?)

Jetzt gilt es, dir Unterstützung zu holen, damit du lernen kannst, all das zu verarbeiten und für dich einen Weg finden zu können, wie du dein Leben weiterhin gestalten möchtest.

Mit einer Depression ist nicht zu spaßen. Ich schließe mich @colitis9439 an. Lass dir bitte helfen, dann wird die Welt wieder besser aussehen. Alles Gute auf DEINEM Weg.

05.07.2022 10:48 • x 1 #5


S
Natürlich bist Du kein Versager.

Ich leide selber an starken Depressionen und jeder der Depressionen hat, kann das nachvollziehen, dass Du Dich wertlos fühlst.

Du brauchst Hilfe, am schnellsten geht es, wenn Du Dich in die TK überweisen lässt. Das ging bei mir innerhalb von 2 Tagen. Oder stationär aber dazu kann ich Dir nichts sagen.

05.07.2022 11:06 • x 1 #6


moo
Willkommen @Chris333,

Zitat von Chris333:
Meine Arbeit habe ich noch gerade bewältigen können, aber am Familienleben habe ich meistens vom Bett aus teilgenommen.

(Fettdruck von mir). Kannst Du daraus irgendeine Logik ableiten?

Zitat von Chris333:
Dazu gelegentliche Gereiztheit für so 5 Minuten. Leider oft gegen meine Frau gerichtet. Danach aber immer ehrliche Entschuldigung.

War Deine Bitte um Entschuldigung denn gerechtfertigt? Bist/warst Du schuldig?

Zitat von Chris333:
Aber mit Kopf und Herz war ich woanders. Ich war zunehmend frustriert, weil alles um mich herum funktionierte, aber ich nicht. Und auch nichts beitragen konnte oder wollte. Ich war/bin ein Monster.

Aha, also schuldig?

Zitat von Chris333:
Meine Frau und ich hatten vereinbart, das ich mir am Ende meiner Weiterbildung Hilfe suche. Ich habe zugestimmt, weil dies ja noch weit weg wahr. Hauptsache, ich konnte mich wieder zurückziehen und meine Ruhe haben.

Du hast nur zugestimmt, weil es gerade nicht akut entschieden werden musste. In Wahrheit hast Du Dich überreden lassen, hast nicht wirklich darüber nachgedacht.

Zitat von Chris333:
Doch nun kam es vor einer Woche wie es kommen musste: sie sagte, ich solle mir sofort Hilfe holen, sonst wüsste sie nicht wie es weitergeht. Und das sie Abstand bräuchte. Noch kein Wort von Trennung, aber für mich brach alles zusammen. Meine Partnerin will Abstand? Alle Alarmglocken waren an. Und ich tat, was man nicht tun sollte. Ich machte Szene nach Szene, heulte und bettelte, drohte mit Selbstmord, wollte Mitleid und Garantien. Damit habe ich wohl alles schlimmer gemacht. Zwar bemühte ich mich ab diesem Tag, der beste Hausmann und Vater zu sein, der ich sein konnte, aber meine emotionalen Ausbrüche waren auch da.

Auch hier lediglich eine aufschiebende, verzögernde Reaktion auf Fakten. Zögerlichkeit, Zweifel, Unentschlossenheit, Feigheit - würdest Du das als die von Dir wesentlich wahrgenommenen Charaktereigenschaften bezeichnen?

Zitat von Chris333:
Meine Frau veränderte sich plötzlich, fing an auf einmal Kette zu rauchen, schrieb und redete viel mit einem anderen Mann. Besucht ihn auch. Ich weiss nicht, ob sie eine Affäre haben oder nicht. Letztlich spielt es keine Rolle.

Das spielt m. E. sehr wohl eine Rolle.

Zitat von Chris333:
Ich habe direkt über den Hausarzt meine Anmeldung für eine klinische Therapie losgeschickt und ware auf einen Platz. Leider hat ihr das nicht mehr gereicht.

Weil sie die Beziehung bereits vorher aufgekündigt hatte.

Zitat von Chris333:
Nun sitze ich hier, in unserem gemeinsamen Häuschen. Einsam und allein. Und möchte nach draussen schreien, dass mir doch bitte jemand hilft. Aber da ist niemand. Meine armen, alten Eltern sehen an ihrem Lebensabend, dass ihr Sohn versagt hat. Und sie machen sich auch Vorwürfe. Es tut mir so weh für sie. Dennoch sind sie die einzigen, die da sind für mich. Obwohl ich mich durch meine Zurückgezogenheit auch wenig bei ihnen gemeldet hatte.

Auch hier sehe ich eine stark verinnerlichte Dienstbarkeit Deinerseits. Bist Du ein Einzelkind? Solltest immer gefallen, immer funktionieren, weil man als Eltern ja keine Alternative in petto hatte?

Zitat von Chris333:
Meine Frau war öfter bei ihnen als ich. Entsetzlich.

Hat sie Deine Rolle vielleicht gerne übernommen?

Zitat von Chris333:
Ich begreife nach und nach was ich für ein Mensch bin. Ich traue mir nicht mehr. Ich weiss nicht mal mehr, ob ich Depressionen habe, oder ein Narzisst bin oder was auch immer. Ich hasse mich. Alles was ich will, ist meine Familie. Ich will Zuneigung. Aber alles ist vorbei.

Ich sehe hier noch kein Begreifen Deiner selbst. Was genau hasst Du an Dir? Sag jetzt bitte nicht, alles!

Zitat von Chris333:
Weiß nicht einmal weshalb ich das schreibe. Ich spüre das mir alles entgleitet. Bitte, kann mir jemand helfen?

Du hast glücklicherweise das Notfallprogramm gestartet. Es mag ein langer Weg sein aber dieses Forum hier ist voll von langen Wegen. Sieh es vielleicht so: Du hast Dich vielleicht zum ersten Mal auf Deinem Lebensweg umgeschaut - und hast nun eine völlig neue, ungewohnte Perspektive. Du bist bisher immer nur bergauf gelaufen und musst nun ein Stück bergab. Das behagt den eingelaufenen Muskeln noch nicht so recht.
Deine Familie, Deine Eltern, Dein Beruf, Deine Vergangenheit sind die Wanderkarte - schau gemeinsam mit uns, Therapeuten, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen einfach mal drauf.
Jeder Mensch in Deinem Alter hat soviel gelernt in anderen Bereichen. Diese Lernstruktur kannst Du auch auf Interna übertragen und wirst davon profitieren.

Und zur getrennten Wohnsituation: im Abstand liegt oft der Friede, den beide so nötig haben. Alles ist offen, es ist ein Neuanfang - egal wie es kommen wird. Du hast Dich immer in die (vermeintliche) Zukunft geflüchtet, doch nun stehst Du hier. Nimm diese - vielleicht einmalige - Chance an!

Zitat von Lokalrunde:
Du musst Dir und Deiner Familie zeigen das es Dir ernst ist und diese Schritte schnell vollziehen.

Ich würde erst mal mich auf Platz 1 setzen... Was die Familie daraus macht, ist deren Sache.

Zitat von Chris333:
Ich will nur die Geborgenheit und Wärme der Familie zurück. Sonst bin ich nicht Lebensfähig.

Bedenke, dass diese Geborgenheit nicht verhindern konnte, dass es soweit kam. Vielleicht hatte sie sogar ihren Teil daran...

Zitat von Chris333:
Ich halte das Alleinsein nicht aus. Ich war nie allein, war nahezu immer in Beziehungen, habe nie allein gewohnt. Das rächt sich jetzt.

Denke nicht so dualistisch. Jeder ist immer allein. Freiheit kann anstrengend sein, aber durchaus erfüllend..

05.07.2022 12:23 • x 3 #7


C
Danke für die vielen lieben Beiträge, das hilft mir. Toll, dass es dieses Forum gibt.

Zitat von moo:
Willkommen ,


(Fettdruck von mir). Kannst Du daraus irgendeine Logik ableiten?


Ich weiß nicht genau, war es Flucht? War es Widerwillen? Phlegma oder die Depression? Ich traue mir nicht mehr.


Zitat von moo:
War Deine Bitte um Entschuldigung denn gerechtfertigt? Bist/warst Du schuldig?


Aha, also schuldig?


Wenn man seine Frau ständig kritisiert, für kleinste Dinge, wo sie es doch so schwer hat. Sie tut alles für mich, die Kinder und ich kritisiere es auch noch... Ja, ich bin schuldig.


Zitat von moo:
Du hast nur zugestimmt, weil es gerade nicht akut entschieden werden musste. In Wahrheit hast Du Dich überreden lassen, hast nicht wirklich darüber nachgedacht.


Ganz richtig.


Zitat von moo:
Auch hier lediglich eine aufschiebende, verzögernde Reaktion auf Fakten. Zögerlichkeit, Zweifel, Unentschlossenheit, Feigheit - würdest Du das als die von Dir wesentlich wahrgenommenen Charaktereigenschaften bezeichnen?


Ja, das trifft es. Plus Ängstlichkeit, Emotionalität, Egoismus...

Zitat von moo:
Das spielt m. E. sehr wohl eine Rolle.

Weil sie die Beziehung bereits vorher aufgekündigt hatte.


Das ist wohl so.

Zitat von moo:
Auch hier sehe ich eine stark verinnerlichte Dienstbarkeit Deinerseits. Bist Du ein Einzelkind? Solltest immer gefallen, immer funktionieren, weil man als Eltern ja keine Alternative in petto hatte?


Ich bin Einzelkind. Und Scheidungskind. Mein Vater hat uns früh verlassen. Meine Mutter hat sich für mich aufgeopfert. Hat alles für mich gemacht. Leider wohl auch zu viel. Ich habe es nicht richtig gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Von Funktionieren kann bei mir keine Rede sein. Ich habe oft versagt. Mein Studium nicht beendet, in der Schule ein Jahr wiederholen müssen. Und viele andere Dinge mehr. Das nagt an mir.

Zitat von moo:
Hat sie Deine Rolle vielleicht gerne übernommen?


Ich weiß nicht genau. Sie mögen sich. Aber sie hat auch oft gesagt, dass das nicht geht. Das ich auch meine Eltern besuchen müsse.

Zitat von moo:
Ich sehe hier noch kein Begreifen Deiner selbst. Was genau hasst Du an Dir? Sag jetzt bitte nicht, alles!


Ich habe eine gewisse Unterwürfigkeit und Unmännlichkeit an mir. Vor allem wenn ich mit anderen Männern zu tun habe. Das hasse ich. Ich Vergleiche mich und schneide dann schlecht ab. Gegenüber Frauen agiere ich viel adäquater und lockerer, glaube ich zumindest.
Auch habe ich so eine gewisse Infantilität an mir. Ich werde für mich nicht richtig erwachsen. Womöglich hatte ich deswegen zwei mal große Bedenken Kinder zu bekommen. Die Verantwortung hatte ich mir nicht zugetraut. Wohl zu recht, wie man nun sieht.
Ich scheine auch beruflich ganz anders zu agieren als im Privaten, ich bin sehr lustig und bilde mir ein dort gemocht zu werden. Grillen bei den Nachbarn hingegen macht mir große Angst. Ich arbeitete zuletzt vorübergehend in einer anderen Abteilung als der gewohnten, dort auch große Angst.
Aber vor allem hasse ich dieses Aufschieben und dieses Phlegma, was sich durch mein ganzes Leben zieht. Immer den Weg des geringsten Widerstands. Nie den Ar. hochkriegen.

Zitat von moo:
Du hast glücklicherweise das Notfallprogramm gestartet. Es mag ein langer Weg sein aber dieses Forum hier ist voll von langen Wegen. Sieh es vielleicht so: Du hast Dich vielleicht zum ersten Mal auf Deinem Lebensweg umgeschaut - und hast nun eine völlig neue, ungewohnte Perspektive. Du bist bisher immer nur bergauf gelaufen und musst nun ein Stück bergab. Das behagt den eingelaufenen Muskeln noch nicht so recht.
Deine Familie, Deine Eltern, Dein Beruf, Deine Vergangenheit sind die Wanderkarte - schau gemeinsam mit uns, Therapeuten, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen einfach mal drauf.
Jeder Mensch in Deinem Alter hat soviel gelernt in anderen Bereichen. Diese Lernstruktur kannst Du auch auf Interna übertragen und wirst davon profitieren.

Und zur getrennten Wohnsituation: im Abstand liegt oft der Friede, den beide so nötig haben. Alles ist offen, es ist ein Neuanfang - egal wie es kommen wird. Du hast Dich immer in die (vermeintliche) Zukunft geflüchtet, doch nun stehst Du hier. Nimm diese - vielleicht einmalige - Chance an!



Es gibt keinen anderen Weg, ich muss wissen was nicht stimmt, wer ich bin und muss mich von meinen Dämonen befreien, wie auch immer die aussehen mögen. Ich muss an mir arbeiten, in erster Linie für mich, in zweiter für die Familie.

Zitat von moo:
Ich würde erst mal mich auf Platz 1 setzen... Was die Familie daraus macht, ist deren Sache.



Ich versuche es. Heute war sie kurz mit den Kindern da, weil sie etwas holen wollte. Meine Tochter hat in dem Zuge vielmals gesagt, dass sie mit Mama wieder hier sein möchte. Das alle zusammen sind. Es fühlt sich schlimm an. Ich habe Angst um meine Kinder.


Zitat von moo:
Bedenke, dass diese Geborgenheit nicht verhindern konnte, dass es soweit kam. Vielleicht hatte sie sogar ihren Teil daran...

Da könnte etwas dran sein.

moo, ich möchte mich ausdrücklich für deinen Post bedanken. Ich glaube, das hat mich ein Stück weitergebracht.

05.07.2022 18:32 • x 2 #8


C
Zitat von -IchBins-:
Dann wird es Zeit, es zu lernen. Jetzt hast du die Möglichkeit, all das zu machen, was du möchtest, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Kann das nicht ein tolles Gefühl sein? So eine Art Freiheit?



Du hast bestimmt alles so gut gemacht, wie du zu jenen Momenten konntest. Verurteile dich nicht dafür, das bringt keinen Schritt voran. Und: Du bist nicht deine Gedanken.

Das Schlimme ist, wie ich finde, dass sich viele Menschen von anderen abhängig machen, ob emotional oder finanziell. Wenn man nicht gelernt hat, allein klar zu kommen, scheint es erst mal schwierig.
Wenn man sein Leben nur auf seinen Partner ausrichtet und daran festhält, kann man sich dabei selbst aus den Augen verlieren und weiß am Ende gar nicht mehr, wie Leben geht.


Das heraus zu finden, kannst du mit Unterstützung in Form von einer Therapie lernen.


Wenn das gerade dein Gefühl ist, akzeptiere es, aber kämpfe nicht mit dem Hass. Lass ihn einfach da sein und schaue nach Lösungen, wie du dich wieder mögen kannst (Therapie, sich mit sich selbst beschäftigen, welche guten Seiten habe ich oder was habe ich gut gemacht?)

Jetzt gilt es, dir Unterstützung zu holen, damit du lernen kannst, all das zu verarbeiten und für dich einen Weg finden zu können, wie du dein Leben weiterhin gestalten möchtest.

Mit einer Depression ist nicht zu spaßen. Ich schließe mich an. Lass dir bitte helfen, dann wird die Welt wieder besser aussehen. Alles Gute auf DEINEM Weg.


Diese neue Freiheit kann ich (noch) überhaupt nicht genießen. Es macht mir alles nur Angst. Und viel positives habe ich im moment nicht für mich übrig. Ich kenne wohl nur Opfer-sein und Monster-sein. Mich lieben kann ich überhaupt nicht. Ich hoffe, die Therapie hilft mir. Die Anmeldung für eine Klinik ist raus, aber es dauert wohl noch bis ich dorthin kann.

05.07.2022 18:42 • x 1 #9


moo
Servus @Chris333,

schön, wenn ich offenbar ein wenig zu Dir durchdringen konnte. Mir würde als Antwort auf Deine Rückmeldung schon noch einiges einfallen, will Dich aber aktuell nicht überlasten. Gib einfach Bescheid, wenn wir den Dialog vertiefen sollen. Hier im Thema oder auch gerne per PN - ganz nach Belieben.

Sieh diese Lebensphase vielleicht nicht als alles entscheidende Prüfung an, denn das erzeugt zu viel Druck. Menschen, die gerne aufschieben (ich bin gebürtig übrigens auch Phlegmatiker ), neigen zum Rückzug und Verschluss, wenn die Thematik zu raumgreifend erscheint. Nimm es wie ein Hobby - etwas, das Dich interessiert, wirklich mit Freude an der Arbeit (an Dir selbst) erfüllen kann. Werde Dein eigener Therapeut und vor allem sehe Dich nicht als krank oder erkrankt an. Du hast Dich eher an diesen Punkt hier hergelebt - in Deiner Art und Weise, die vielleicht nicht die adaptivste für die heutige Zeit, aber niemals und in keinster Weise unfähig oder gar dilettantisch ist.

Irgendwer hat Dir eingeredet, dass Du Sachen schaffen musst oder sollst, für die Du vielleicht einfach nicht ausgelegt bist (war bei mir genauso). Oft ist das nicht deren Absicht, sondern ein Nebeneffekt dessen, das sie uns vor- oder mitleben. Wir setzen uns dann selber schon frühzeitig im Leben auf ein Gleis, das eigentlich gar nicht unsere Spurbreite bietet. Das heißt, nicht die Spur sollte Wert und Verlauf unseres Daseins bestimmen, sondern unser Fahrgestell...

Hab einen guten Abend.

05.07.2022 18:56 • x 2 #10


-IchBins-
Zitat von Chris333:
Diese neue Freiheit kann ich (noch) überhaupt nicht genießen. Es macht mir alles nur Angst. Und viel positives habe ich im moment nicht für mich übrig. Ich kenne wohl nur Opfer-sein und Monster-sein. Mich lieben kann ich überhaupt nicht. Ich hoffe, die Therapie hilft mir. Die Anmeldung für eine Klinik ist raus, ...

Mit dieser Unterstützung lernst du, besser und gesünder mit dem Schmerz, dem Hass, der Opferrolle umzugehen. Selbstverständlich ist es wichtig, auch selbst mitzuarbeiten.

Alles ist vergänglich. Auch der Schmerz wird vorübergehen. Wenn dieser erst einmal ein wenig abgeschwächt ist, so dass du wieder etwas klarer siehst, wird es sicher Schritt für Schritt vorwärts gehen. Sich wieder lieben oder mögen zu lernen, wird auch wieder möglich sein. Hab Geduld und gib dir Zeit. Vielleicht hilft es dir, deine Gedanken nieder zu schreiben, das kann manchmal helfen, die Wut und/oder den Hass en bisschen abzumildern. Zumindest könnte das ein Anfang sein, so dass die Gedanken etwas aus dem Kopf kommen. Vielleicht hilft es dir ja ein wenig.
Ich wünsche dir viel Glück.

05.07.2022 19:28 • x 3 #11


C
@moo Sehr gerne kannst du Deine Gedanken hier im Thema vertiefen. Es soll alles auf den Tisch. Ich kann diesen Blick von außen gut brauchen.
Die Analogie mit den Gleisen könnte auf mich passen, wobei ich vor mir wieder nur schwer akzeptieren kann, nicht zu schaffen was andere können. Dann fühle ich mich minderwertigkeit defizitär. Ich will "normal" sein.

06.07.2022 05:57 • x 1 #12


C
@-IchBins- Ich hoffe du hast recht und ich zerbreche nicht, sondern das alles okay wird. Im moment kann ich das nicht sehen, aber das gehört wohl dazu.
Vielleicht kann ich ja hier ein bisschen schreiben, ganz öffentlich. Immer habe ich meine Defizite verstecken wollen, damit keiner etwas merkt. Damit sollte es vorbei sein.
Danke dir.

06.07.2022 06:05 • x 2 #13


moo
Grüß Dich Chris,

Zitat von Chris333:
Sehr gerne kannst du Deine Gedanken hier im Thema vertiefen. Es soll alles auf den Tisch. Ich kann diesen Blick von außen gut brauchen.

Danke - aber gib Bescheid, wenn es Dir zuviel wird oder Du zwischendurch eine Weile brauchst, um was sacken zu lassen.
Zitat von Chris333:
Ich hoffe, die Therapie hilft mir. Die Anmeldung für eine Klinik ist raus, aber es dauert wohl noch bis ich dorthin kann.

Definitiv ja, wenn Du weiterhin so aufgeschlossen bist, wie Du hier rüberkommst.
Zitat von Chris333:
Vielleicht kann ich ja hier ein bisschen schreiben, ganz öffentlich. Immer habe ich meine Defizite verstecken wollen, damit keiner etwas merkt.

Ich sage immer, was man vergräbt, schlägt Wurzeln...d. h. je mehr ich es in den Untergrund verlagere, umso leichter verselbständigen sich Glaubenssätze in eine ungesunde Richtung - eben, weil keine Reflektion stattfindet. Also: hole es ans Sonnenlicht und prüfe sowohl Glaubenssätze und Bezugsrahmen!
Beispiel: Defizite haben einen Bezugsrahmen, der, wenn er nie offen angeschaut wird, u. U. nicht angemessen ist. Das (vermeintliche) Defizit kann sich bei offenem Visier sehr schnell als Vorteil oder zumindest als falsches Fazit herausstellen.
Zitat von Chris333:
Es gibt keinen anderen Weg, ich muss wissen was nicht stimmt, wer ich bin und muss mich von meinen Dämonen befreien, wie auch immer die aussehen mögen. Ich muss an mir arbeiten, in erster Linie für mich, in zweiter für die Familie.

Die Dämonen sind nur eine schöne, inzwischen gut etablierte Formulierung für o. g. Glaubenssätze. Gib ihnen nicht zuviel Kraft indem Du sie als externe Objekte/Kräfte auffasst. Glaubenssätze sind lediglich geistige Ansichten. Und Ansichten sind abhängig vom jeweiligen Blickwinkel. Blickwinkel sind wiederum abhängig vom jeweiligen Standpunkt. Also alles sehr variabel und nicht fixiert! Eine Veränderung ist jederzeit möglich!
Zitat von Chris333:
Diese neue Freiheit kann ich (noch) überhaupt nicht genießen. Es macht mir alles nur Angst. Und viel positives habe ich im moment nicht für mich übrig. Ich kenne wohl nur Opfer-sein und Monster-sein. Mich lieben kann ich überhaupt nicht.

Die Angst ist nachvollziehbar, die kennt ohne Ausnahme jeder hier. Meide die Bewertungsextreme Monster (=schuldiger Täter) und Opfer (=unschuldig Leidender). Nimm bitte grundsätzlich das Wort Schuld raus! Denn mit Hinwegnahme dieser Schuld-Ideologie (wir wissen nämlich gar nicht so richtig, was Schuld überhaupt ist - warum sollten wir uns dann schuldig fühlen?) verminderst Du das Gefälle von Gut und Schlecht deutlich.
Du musst Dich auch nicht unbedingt lieben - es reicht schon, Dich nicht zu hassen...
Zitat von Chris333:
Wenn man seine Frau ständig kritisiert, für kleinste Dinge, wo sie es doch so schwer hat. Sie tut alles für mich, die Kinder und ich kritisiere es auch noch... Ja, ich bin schuldig.

Sieh es mal so: ihr Verhalten (alles für Dich tun) triggert unterbewusst die Erinnerung an das Verhalten Deiner Mutter (=Überbehütung, Aufopferung). Obwohl sowohl Mutter als auch Frau geholfen haben, empfindet das Ego das als übergriffig...und das nervt! So richtig bewusst warst Du Dir darüber jedoch nicht, also reagiertest Du diffus aggressiv. Eigentlich ist das eine angemessene Reaktion, ein Stück weit Selbst-(Ego)-Schutz. Natürlich nicht ideal in der Kommunikation... .
Das ist nur ein Vorschlag für eine arbeitshypothetische Sichtweise. Sowas wird Dir während der Therapie mit Sicherheit ein paarmal begegnen.
Zitat von Chris333:
Ich weiß nicht genau. Sie mögen sich. Aber sie hat auch oft gesagt, dass das nicht geht. Das ich auch meine Eltern besuchen müsse.

Auch hier könnte ein Konflikt vorliegen. Ich muss meine Eltern besuchen könnte metaphorisch stehen für Ich bin Ihnen etwas schuldig. Und wer hält mir das vor? Meine Frau (in der indirekten Mutterrolle!). Somit stehen 2 oder 3 gegen 1, nämlich mich...
Zitat von Chris333:


Das ist wohl so.

Und diese Aufkündigung wirkt wie eine Verurteilung, ein Schuld(zu)spruch.
Zitat von Chris333:
Ich bin Einzelkind. Und Scheidungskind. Mein Vater hat uns früh verlassen. Meine Mutter hat sich für mich aufgeopfert. Hat alles für mich gemacht. Leider wohl auch zu viel. Ich habe es nicht richtig gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Von Funktionieren kann bei mir keine Rede sein. Ich habe oft versagt. Mein Studium nicht beendet, in der Schule ein Jahr wiederholen müssen. Und viele andere Dinge mehr. Das nagt an mir.

Auch wenn es ein wenig abgedroschen klingt: Scheidungskinder haben es einfach nicht leicht - Punkt! Oft werden sie von Muttern mehr betütelt als von beiden Eltern in intakten Familien. Da ist oft ein (nachvollziehbares) Bedürfnis der Mutter, es sich, dem Kind, dem Ex, der Welt insgesamt zu zeigen, dass man es alleine schafft. Und das Kind kriegt das natürlich induktiv mit - und entwickelt nicht selten einen diffusen Leistungsdruck. Und hier kommt dann die Spurbreite ins Spiel:
Zitat von Chris333:
Die Analogie mit den Gleisen könnte auf mich passen, wobei ich vor mir wieder nur schwer akzeptieren kann, nicht zu schaffen was andere können. Dann fühle ich mich minderwertig, defizitär. Ich will normal sein.

Die Spurbreite, die Dir von Muttern (unabsichtlich) gelegt wurde, passt einfach in vielen Bereichen nicht zu Dir. Da Du Deine Mutter als einzigen Bezugspunkt nehmen musstest, konntest Du nie umhin, ihre Vorgabe als Maßstab zu nehmen.
Testfragen hier: Möchtest Du so sein/leben/gelebt haben wie Deine Mutter?
Möchtest Du so sein/leben/gelebt haben wie Deine Frau?
Zitat von Chris333:


Da könnte etwas dran sein.

Was genau könnte da dran sein?
Zitat von Chris333:
Ich habe eine gewisse Unterwürfigkeit und Unmännlichkeit an mir. Vor allem wenn ich mit anderen Männern zu tun habe. Das hasse ich. Ich Vergleiche mich und schneide dann schlecht ab. Gegenüber Frauen agiere ich viel adäquater und lockerer, glaube ich zumindest.

Wer sich vorwiegend an Frauen orientieren musste, wird ein wenig zur Frau... . Das ist aber nicht verwerflich, sondern einfach nur folgerichtig. Vergleiche Dich in Zukunft mit Menschen, nicht mit Männern oder Frauen.
Zitat von Chris333:
Auch habe ich so eine gewisse Infantilität an mir. Ich werde für mich nicht richtig erwachsen. Womöglich hatte ich deswegen zwei mal große Bedenken Kinder zu bekommen. Die Verantwortung hatte ich mir nicht zugetraut. Wohl zu recht, wie man nun sieht.

Vergleiche Dich auch hier nicht mit Kindern oder Erwachsenen, sondern lediglich mit Menschen. Individualität ist weder männlich noch erwachsen, sondern einfach so.
Zitat von Chris333:
Ich scheine auch beruflich ganz anders zu agieren als im Privaten, ich bin sehr lustig und bilde mir ein dort gemocht zu werden. Grillen bei den Nachbarn hingegen macht mir große Angst. Ich arbeitete zuletzt vorübergehend in einer anderen Abteilung als der gewohnten, dort auch große Angst.

Logisch, denn auf Arbeit ist keine Mutter zugegen... . Beim Grillen idR schon. Andere, ungewohnte Arbeitsbereiche schaffen unterbewusst das Kind-muss-bestehen-Gefühl. In Wahrheit ist es einfach nur eine völlig normale Einarbeitungsphase. Auch hier gilt: Nimm Dich raus.
Zitat von Chris333:


Ja, das trifft es. Plus Ängstlichkeit, Emotionalität, Egoismus...

Sämtliche Emotionen und Geisteshaltungen sehe ich als unschuldig an. Egoismus hingegen sehe ich, wie oben schon erwähnt, lediglich als natürlichen Selbsterhaltungstrieb.
Zitat von Chris333:
Aber vor allem hasse ich dieses Aufschieben und dieses Phlegma, was sich durch mein ganzes Leben zieht. Immer den Weg des geringsten Widerstands. Nie den Ar. hochkriegen.

Du darfst das ruhig nicht gut finden oder gar hassen. Hasse jedoch Dich nicht stattdessen. Auch sitzende Menschen haben wichtige Einsichten...
Zitat von Chris333:
Heute war sie kurz mit den Kindern da, weil sie etwas holen wollte. Meine Tochter hat in dem Zuge vielmals gesagt, dass sie mit Mama wieder hier sein möchte. Das alle zusammen sind. Es fühlt sich schlimm an. Ich habe Angst um meine Kinder.

Auch wenn es gerade schwer ist: Lass sie (und Dich) eine Weile im Orbit kreisen. Wie Planeten kreisen wir Menschen in unseren sozialen Gefügen in Ellipsen um uns - und sind somit naturgemäß auch mal ziemlich weit voneinander entfernt unterwegs...

06.07.2022 10:35 • x 3 #14


S
Ich find das echt lobenswert, wie schnell Du Dir Hilfe geholt hast. Ohne wenn und aber.

Ich weiß, im Moment kannst Du nicht über den Zaun gucken, ich war selbst dort. Alles ist grau, bedrohlich und dunkel.

Mit der Anmeldung in der Klinik hast Du den ersten Schritt in Richtung Besserung getan.

Das mit Deinen Kindern zerreißt einem das Herz, es ist wirklich traurig. Aber es ist, wie es ist, vielleicht kommst Du ja sogar noch mit Deiner Frau wieder zusammen, wenn sie sieht, dass Du nun tätig wirst?

06.07.2022 10:43 • x 1 #15


Leben-mit-Angst
Hallo Chris.
Es tut mir leid, was du gerade durch machst. Auch wenn die Situation für deine Frau nicht weniger schwer / erträglich sein wird. Wie alle anderen schon schrieben, du hast Depressionen und vielleicht auch noch andere Probleme und solltest dich erstmal um dich kümmern. Danach hast du Kraft um deine Familie zu kämpfen und kannst wieder für sie da sein. In welchem Umfang und auf welche Art und Weise wird sich ja dann zeigen.

Zitat von Chris333:
Heute war sie kurz mit den Kindern da, weil sie etwas holen wollte. Meine Tochter hat in dem Zuge vielmals gesagt, dass sie mit Mama wieder hier sein möchte.


Das jedoch find ich gar nicht gut. Für eure Kinder ist das ganze grad auch nicht einfach und sie wissen, das du allein zurück bleibst - wenn sie mit Mama wieder gehen. Auch wenn du dich die letzten Wochen kaum um sie gekümmert hast, weil du es nicht konntest, werden deine Kinder dich trotzdem lieben und vermissen.

Ich find es toll das du dir so schnell Hilfe geholt und eingesehen hast, das sich etwas ändern muss und drücke dir die Daumen, das es bald los geht. Hast du mit deiner Frau nochmal geredet bzw. sagte sie dir wie es weiter gehen soll oder lässt du sie erstmal zur Ruhe kommen?

07.07.2022 11:24 • x 1 #16


C
Zitat von moo:
Grüß Dich Chris, Danke - aber gib Bescheid, wenn es Dir zuviel wird oder Du zwischendurch eine Weile brauchst, um was sacken zu lassen. Definitiv ja, wenn Du weiterhin so aufgeschlossen bist, wie Du hier rüberkommst. Ich sage immer, was man vergräbt, schlägt Wurzeln...d. h. je mehr ich es in den ...

Hallo moo,
der Austausch ist nicht zu viel. Danke, dass du dir die Zeit nimmst. Ich habe nun einen Termin bekommen für ein erstes Gespräch (nicht zur Aufnahme) in der Klinik, es ist erst am 23.08.22. Das ist noch so lange. Dann werde ich vorher wieder arbeiten müssen (meine Frau arbeitet auch dort, andere Abteilung). Einige Kollegen wurden durch meine Frau möglicherweise auch ausführlich darüber informiert, was für ein Mensch ich sei. Mindestens einer auf jeden Fall. Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Vielleicht sollte ich mich vorher in der nächsten Psychiatrie vorstellen... Allerdings weiß ich, dass dort Abseits von Medikamenten nicht viel laufen wird.
Viele meiner Glaubenssätze habe ich sicher von meiner Mutter übernommen. Ich muss sehen wie ich das analysiere. Ich habe momentan den Eindruck, Schwierigkeiten dabei zu haben klare Gedanken zu fassen. Ähnlich ist es in der Schuld-Frage. Ich sehe sicherlich, dass es positiv wäre, könnte ich nur davon absehen mich schuldig zu fühlen, nur leider bin ich nicht in der Lage dazu. Ich muss nur immer und immer wieder daran denken, was ich/wir angerichtet haben. Und es nicht geschafft habe es frühzeitig zu sehen.
Deine Sichtweise bezüglich Überbehütung ergibt für mich Sinn. Den Gedanken hatte ich so noch nicht. Warum Herrgott habe ich solche Dinge nicht vorher erkennen können?
Zu den Testfragen: Ich weiss nicht, am ehesten bei beiden jein. Von meiner MutterFrau wünsche ich mir die Stärke, das Durchhaltevermögen und das Organisationstalent. Die Güte und Großzügigkeit. Das sich selbst hinten anstellen. Was ich ablehne sind die chronische Unzufriedenheit, das Schwarz-Weiß-Denken, das Verurteilen von anderen Menschen. Interessant, dass das bei beiden etwa deckungsgleich ist...
Anscheinend habe ich noch einen riesigen Berg vor mir. Es ist noch so viel zu lernen und zu akzeptieren. Ich hoffe, ich kann am Ball bleiben.

Meine Frau sehe ich fast täglich. Sei es um Sachen zu holen, oder auch wegen der Kinder. Sie wirkt dabei immer entspannt und gut gelaunt. Sie mach nicht den Eindruck zu leiden. Ihr geht es gut. Sie hat auch ständig viele Leute um sich. Sie wird auch bald eine eigene Wohnung haben. Das scheint wohl schon in Stein gemeißelt.
Meine Kinder jedoch sind auffällig, sie möchten das alles nicht. Das sagen sie auch so. Ich glaube jetzt schon zu sehen, dass wir demnächst auch für sie einen Psychologen brauchen werden. Das kann doch alles nicht wahr sein...
Beruflich kommt jetzt das nächste auf mich zu. Gegebenenfalls kann ich meine Weiterbildung nicht beenden. Ich muss Anträge stellen und Dokumente suchen, dabei schaffe ich es gerade so zu atmen...

07.07.2022 12:54 • x 1 #17

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C
Zitat von portugal:
Ich find das echt lobenswert, wie schnell Du Dir Hilfe geholt hast. Ohne wenn und aber. Ich weiß, im Moment kannst Du nicht über den Zaun gucken, ich war selbst dort. Alles ist grau, bedrohlich und dunkel. Mit der Anmeldung in der Klinik hast Du den ersten Schritt in Richtung Besserung getan. Das mit Deinen Kindern ...

Das ist natürlich alles was ich mir wünsche. Aber dann unter der Vorraussetzung, dass nicht nur ich an mir hart arbeite. Sondern wir auch als Paar und Eltern. Das heißt Paartherapie, egal wie lange oder teuer. Und mit offenem Ergebnis. So wie es sein muß. Aber klar, mein Herz wünscht sich nichts sehnlicher als einen gesunden Neustart der Beziehung und Familie. Danke für deine Worte!

07.07.2022 12:58 • x 1 #18


C
Zitat von Leben-mit-Angst:
Hallo Chris. Es tut mir leid, was du gerade durch machst. Auch wenn die Situation für deine Frau nicht weniger schwer / erträglich sein wird. Wie alle anderen schon schrieben, du hast Depressionen und vielleicht auch noch andere Probleme und solltest dich erstmal um dich kümmern. Danach hast du Kraft um ...

Hallo! Ich verbringe mit den Kindern jetzt öfter mal Nachmittage. Da meiner Tochter aber auch schnell langweilig wird und sie dann lieber wieder zur Schwiegermutter möchte, habe ich einen großen Druck immer etwas besonderes machen zu müssen, damit ich mithalten kann. Ich würde nicht ertragen, wenn sie es ablehnen würde, zu mir zu kommen. Sie hätte einfach alles gerne wieder alles so wie es früher war... Meine Frau interessiert sich dafür nicht, bzw sie kann das nicht mehr. Und das sagt sie ihr dann auch so (etwas genervt), in meinem Beisein.
In Sachen Klimik scheint es frühestens Ende August loszugehen. Das ist eine verdammt lange Zeit...
Geredet habe ich mit meiner Frau nur noch organisatorisch. Wegen Geld, das sie eine Wohnung bald haben wird und dergleichen. Sie wirkt gut gelaunt und überhaupt nicht mitgenommen. Nach Scheidung frage ich nicht, ich hoffe auf eine Trennung auf Zeit. Ich versuche auch bei diesen Treffen/Gesprächen so normal wie möglich zu sein, auch wenn es in mir natürlich ganz anders ist.

07.07.2022 13:08 • #19


Lokalrunde
@Chris333

Zitat: Meine Frau sehe ich fast täglich. Sei es um Sachen zu holen, oder auch wegen der Kinder. Sie wirkt dabei immer entspannt und gut gelaunt. Sie mach nicht den Eindruck zu leiden. Ihr geht es gut. Sie hat auch ständig viele Leute um sich. Sie wird auch bald eine eigene Wohnung haben. Das scheint wohl schon in Stein gemeißelt.

In Stein gemeißelt? Also wenn dem so wirklich ist hast du entweder vollkommen daneben gelegen oder es bewahrheitet sich mal wieder das eigentlich beide Seiten gehört werden müssten. Du hast am Anfang geschrieben Zitat: Ich war/bin ein Monster. Wie lange kämpft ihr schon damit? Das würde zumindest eine etwas andere Sichtweise erklären.

07.07.2022 13:21 • x 1 #20


A


x 4


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